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Die Kraftwerk Glatzing-Rüstorf eGen (KWG) ist ein seit 1920 tätiger regionaler Stromerzeuger, NetzbetreiberListe Netzbetreiber und Energieversorger mit Sitz in Schwanenstadt (Oberösterreich). Die Genossenschaft betreibt insgesamt acht Kleinwasserkraftwerke entlang der Ager und unterhält ein eigenes Verteilnetz in 24 Gemeinden mit etwa 120 Trafostationen und einer Leitungslänge von etwa 600 Kilometern.
Unternehmen Die Genossenschaft zählte im Jahr 2023 970 Mitglieder mit einem Anteil zu je 8 EUR. Obmann und Vorsitzender des aus 5 Personen bestehenden Vorstands ist Michael Stiefmüller, Obmann-Stellvertreter ist Karl-Heinz Mair. Vorsitzender des aus 8 Personen bestehenden Aufsichtsrates ist Alois Huemer, sein Stellvertreter ist Hubert Weinberger. Seit 2016 ist Peter J. Zehetner als Geschäftsführer der Genossenschaft tätig. Artikel Kraftwerk Glatzing Rüstorf – neuer Geschäftsführer
Die KWG betreibt insgesamt acht Wasserkraftwerke entlang der Ager und unterhält auf einer Fläche von insgesamt 125 km² ein eigenes Stromnetz auf Mittel- und Niederspannungsebene mit 116 Trafostationen und einer Leitungslänge von 600 km. Die Stromkennzeichnung (Stand 2013) gemäß §78 Abs. 1 und 2 ElWOG 2010 und Stromkennzeichnungsverordnung 2011 BGBl. Nr. 310/2011 über den Anteil an verschiedenen Primärenergieträgern verteilt sich auf 70,0 % Wasserkraft und 30,0 % Sonnenenergie.
Beim Stromanbieter-Check von WWF und Global 2000 erreichte KWG in den Jahren 2017–2020 Stromanbieter-Check von WWF und Global 2000 österreichweit den dritten Platz. 2023 gehörte KWG zu den „solide Grünstromanbieter“.
Außerdem ist das Unternehmen Mitglied bei Österreichs Energie, Mitglieder von Österreichs Energie bei der Vereinigung Österreichischer Elektrizitätswerke, bei Kleinwasserkraft Österreich, beim Raiffeisenverband Oberösterreich, beim ElektroMobilitätsClub Österreich, ElektroMobilitätsClub Österreich bei den Energieforen Leipzig, bei der Einkaufsgenossenschaft österreichischer Elektrizitätswerke, beim Energiesparverband OÖ, beim Cleantech-Cluster und bei der EU DSO Entity.
Folgende Gemeinden gehören (zumindest teilweise) zum Stromnetzgebiet der KWG:
Geschichte
Vorgeschichte und Gründung der Genossenschaft
Die Ager, der Abfluss aus dem Attersee, mit den Zuflüssen Vöckla und Aurach und dem ausgedehnten Niederschlagsgebiet bis zum Hausruck, ist ärarisches Gewässer, seit langer Zeit schiffbar und dient zahlreichen Kraftanlagen als Antriebskraft. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war sie in den Zwischenstrecken der einzelnen Anlagen sich selbst überlassen. Ihre Betreuung beschränkte sich hauptsächlich auf die Erhaltung der Floßfahrt.
Durch die öffentliche Hand unter teilweiser Mitwirkung der Interessenten kam es dann zur Errichtung örtlicher Uferschutzbauten, bis schließlich ein Gesamtregulierungsplan erstellt und ausgeführt wurde. Während der Durchführung der Regulierungsarbeiten kam es in den ausgebauten Strecken zu erheblichen Flusssohlenvertiefungen. Es entstand vermehrter Geschiebegang, der zu Flusssohlenerhöhungen in den offenen Strecken führte. Von diesen Zuständen war das Gebiet bei der Mündung des Kaufinger Mühlbaches bei Glatzing am stärksten betroffen. Der dort entstandene Rückstau führte zur Versumpfung der anliegenden Gründe und die Gefahr von Überschwemmungen stieg an.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und einen wirksamen Hochwasserschutz aufzubauen, kam die Idee eines Kanals in Form eines Dammes auf. Dieser könnte dann zugleich auch als Grundlage für die aufkommende Elektrifizierung in Form eines Wasserkraftwerks genutzt werden.
Die Idee wurde in der Bevölkerung geboren und sollte gemeinsam mit dieser im genossenschaftlichen Gedanken verwirklicht werden. Mit den ersten Gesprächen der vom Kanal betroffenen Grundeigentümern konnten die Werbearbeiten für eine Genossenschaftsgründung beginnen. Eine der ersten Werbeversammlungen fand in Hof (Neukirchen) statt.
Die genossenschaftliche Wirksamkeit war zu dieser Zeit fast ausschließlich durch das Molkereiwesen bekannt. Man wollte sich die Erfahrungen in diesem Sektor zunutze machen und konnte den Obmann Wagner, der auch Landtagsabgeordneter und über die örtlichen Verhältnisse gründlich informiert war, zur Mitarbeit gewinnen. Er veranlasste, dass der Genossenschafts-Oberinspektor Hochegger, nach Schwanenstadt kam, um die Gründungsformalitäten zu erledigen, die kreisgerichtliche Registrierung zu veranlassen, die beiden Baufirmen Siemens-Schuckert und Schratz zu verständigen und unter anderem eine im Genossenschaftswesen verlässliche Kanzleikraft ausfindig zu machen.
So wurde die Genossenschaft am 18. November 1920 mit dem ersten Obmann Ökonomierat Ulrich Ammer offiziell gegründet. Die Gründungsversammlung bestand aus 32 Teilnehmern. Am 12. Juni 1921 zählte die Genossenschaft 70 Mitglieder, am Ende des Jahres waren bereits 380 Mitglieder registriert.
Schon nach wenigen Tagen kam der Vertreter der Firma Siemens-Schuckert zum Lokalaugenschein und erklärte, dass die Firma bereit sei, sämtliche Vermessungen und Pläne sowohl für die technische als auch wasserbauliche Anlage kostenlos durchzuführen, wenn sie die Lieferung der Generatoren und Transformatoren zugesichert erhält. Das Angebot wurde nach kurzer Besprechung angenommen.
Beginn der ersten Arbeiten
Mit der Voraussetzung, eine Absenkung des damals bestehenden Wasserspiegels in Burgstall zu erreichen, begannen die Vermessungsarbeiten. Der höchste damals bekannte Hochwasserstand der Ager war die Überschwemmung im Jahre 1899, worauf die Hochwasserschutzwand bei der Hauptschleuse fixiert wurde. Auch die Höhe der Dammkronen, besonders der agerseitigen, war damit endgültig festgelegt. Die Kanalführung wurde im ersten Teilstück, wo das Terrain fast eben war, schnurgerade verlegt, während sie im weiteren Verlauf unter Ausnützung bestehender Terrainmulden verlief, um die notwendige Erdbewegung zu reduzieren und die erträglicheren Gründe möglichst zu schonen. Dadurch wurde erreicht, dass bei gleichem Nutzeffekt die Grundablösung mit nur zwei Ausnahmen völlig einvernehmlich durchgeführt werden konnte. Die Einlösung der Bauparzelle für das Werk brachte eine erhebliche Mehrbelastung. Der Bauplatz wurde in eine Wiesenparzelle, die einer Besitzerin in Mitterbergholz gehörte und nahe an eine alte Flussbettmulde der Ager heranreichte, verlegt. Der Ehemann dieser Besitzerin stellte folgende Ablösebedingungen: Es müsse nicht nur das benötigte Ausmaß, sondern die ganze Parzelle übernommen werden. Als Entschädigung komme nur Grundzuweisung, und zwar möglichst viel, in der Nähe seiner Behausung in Betracht. Besonders letztere Bedingung zu erfüllen war dort ziemlich aussichtslos. Niemand war bereit, auch nur kleinere Grundflächen abzutreten, bis man durch Herrn Stiftsschaffner P. Notka von Lambach erfuhr, dass das Stift bereit sei, im Wege des Rückkaufsrechtes früher zugekaufte Forste gegen Entschädigung wieder abzugeben. Von dieser Möglichkeit wurde Gebrauch gemacht.
Auch bei der Grundablösung im Unterkanal gab es vorerst eine Abweichung von der sonstigen Norm. Der Besitzer des damals größten Grundausmaßes der Ortschaft Eglau erklärte, er wolle nur von der Genossenschaft die Zusicherung, dass sie ihm fünf Lampen kostenlos installiere und diese durch zehn Jahre unentgeltlich mit Strom beliefere. Grund könne dann soviel beansprucht werden, als man brauche. Da in diesem Abschnitt viel Aushubmaterial zu gewärtigen war, gestaltete sich das Angebot für die Genossenschaft günstig und wurde daher ohne Einschränkung angenommen.
Im weiteren Verlauf führte die Trasse über die sogenannte Forstnerlache, ein Überbleibsel von einem alten Agerflussbett, welche fast die gleiche Dimension wie der Kanal hatte und daher wenig Aushub erforderte, sodass für den notwendigen Damm das Material teilweise zugeführt werden musste. Obwohl auch hier Hochwasserschutz für anliegende Gründe geschaffen wurde, konnten sich diese Besitzer nicht zum Beitritt zur Genossenschaft entschließen. Die eigentliche Ausmündung des Kanals in die Ager wurde vorerst nur provisorisch festgelegt, da man sich freie Hand für spätere Korrekturen wahren wollte. Mit der Fertigstellung der Pläne war das Projekt bis zur Kommissionsreife gediehen. Es waren zwölf s/m³ Betriebswasser bei sechs Meter Gefälle vorgesehen. Die Inneneinrichtung des Kraftwerkes sollte aus zwei Turbinen für je sechs s/m³, zwei Generatoren mit je 380 kVA einschließlich Erregermaschinen, Schaltanlageneinrichtung und einem Stationstransformator bestehen. Außerdem wurden im Maschinenhaus eine Wärterwohnung, eine Werkstatt und ein Kanzleiraum eingebaut, während das Ölmagazin und die Schweißerei in einem Zubau untergebracht waren. Das etwas abseits stehende Betriebsleiterhaus enthielt Wohnungen für drei Familien. Der Betrieb war ohne Wehranlage gedacht und wurde zehn Jahre ohne eine solche geführt. Wohl aber waren sogenannte Einkehrfächer vorgesehen, um bei niederem Wasserstand dem Einlauf das nötige Betriebswasser zuzuleiten. Auch ein sogenanntes Leitwerk in Holzkonstruktion war im Projekt geplant, kam aber infolge Erweiterung des Agerflussbettes nicht zur Ausführung.
Bei der Kommissionierung konnte die Bewilligung zur Aufnahme der Vorarbeiten erreicht werden, deshalb wurde sofort mit der Rodung des Augrundes beim Einlauf begonnen.
Als ersten provisorischen Kanzleiraum konnte die Auszugstube bei Nachbar Adam genutzt werden. Dies hatte den Vorteil des unmittelbaren Beisammenseins und die Nähe des Bauplatzes, war aber erschwerend für den Mitgliederverkehr. Deshalb wurde in weiterer Folge ein Nebenzimmer in Wagners Gasthof in Schwanenstadt als Kanzlei eingerichtet und benützt. Der Mitgliederzuwachs war zufriedenstellend, es waren drei Arten für die Erwerbung von Geschäftsanteilen möglich: 1. durch Bareinzahlung, 2. durch Arbeitsleistung und 3. durch die Beistellung von Grund oder anderen Sachwerten. Der Baufortschritt übertraf zeitweise die Erwartungen. Besonders aufgrund eines von den Arbeitern übernommenes Akkordsystem, nach welchem gewisse Teilstücke des Kanals nach Kubikmeter zum festen Preis übernommen wurden. Es ergaben sich so manche Rekordleistungen, da es keine Seltenheit war, dass schon um fünf Uhr früh die Scheibtruhen rollten. Unter diesen Verhältnissen wollte man die Beiziehung der Baufirma aus Sparsamkeitsgründen möglichst weit hinausschieben.
Die Kanalarbeiten waren so weit gediehen, dass an den Aushub der Fundamente für die Einlaufschleuse, einer im Oberkanal geplanten Sandschleuse und der Baugrube für das Werk geschritten werden konnte und längere Rollbahngeleise mit mehreren Kippwagen notwendig waren.
Der Mitgliederkreis begann sich nun in großen Umrissen abzuzeichnen, es wurde offensichtlich, dass das zukünftige Genossenschaftsgebiet weit ausgedehnt und verhältnismäßig dünn besiedelt ist, da die größeren, von der Traunfall-Leitung leicht erreichbaren Orte von der Stern & Hafferl AG bereits versorgt waren. Jeden zweiten Sonntag war in Schwanenstadt Zusammenkunft, gegenseitige Aussprache, Regelung der Robotleistung, später dann der Fuhrwerkseinteilung, Materialbeistellung für die Transformatoren usw. Diese Einrichtung hat sich sehr gut bewährt, und die rege Anteilnahme bestätigte ihre Zweckmäßigkeit.
Das Hochwasser
Wohl die härteste Probe und den empfindlichsten Rückschlag brachte die unvermutet eingetretene, katastrophale Überschwemmung während des Baues. Bereits früher wurden eventuelle Auswirkungen eines Hochwassers diskutiert, wobei insbesondere auf die Gefahr eines Einbruches bei der Sandschleuse aufmerksam gemacht wurde, da dort die äußeren Schalungspfosten ein paar Meter über das Profil hinausragten.