mini|hochkant=1.7|Mappen im Pressearchiv (Personenarchiv, 2015) Das wirtschaftshistorische Pressearchiv 20. Jahrhundert umfasst rund 19 Millionen Presseausschnitte und andere Dokumente, thematisch zusammengestellt in Mappen zu Sachthemen und Ereignissen, Personen, Firmen und Waren.

Es geht zurück auf die 1908 gegründete Zentralstelle des Hamburgischen Kolonialinstituts und wurde im Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) zu einer weltweit einzigartigen öffentlichen Pressedokumentation ausgebaut.

2007 wurde es durch die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft übernommen und mit dem 1914 begründeten Wirtschaftsarchiv des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zusammengeführt. Die aktive Sammeltätigkeit wurde Ende 2005 eingestellt, das Archiv ist jedoch weiter öffentlich zugänglich.Kultur bewahren. S. 107–109.

Geschichte Aufgabe der „Zentralstelle“ war „die Konzentration aller wissenschaftlichen und wirtschaftlichen kolonialen Bestrebungen“.Errichtungsgesetz, nach: Johanna Becker, Johann Schulenburg, Max-Michael Wannags: „Beachtenswert!“ – die Zentralstelle des Hamburgischen Kolonialinstituts. In: Koloniale Spuren. S. 74–89. Von Beginn an zählte dazu auch die Beobachtung kolonialer Bestrebungen im Ausland. Von einer kostenlosen Auskunftsstelle für koloniale Fragen vorrangig für die Hamburger Kaufmannschaft wandelte sich die Zentralstelle schon nach wenigen Jahren zu einem umfassenden Archiv für weltweite Themen aus Politik und Wirtschaft. Nach dem Verlust der deutschen Kolonien im Ersten Weltkrieg besiegelte 1919 die Umbenennung in „Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv“ diese Umorientierung.Leveknecht 1998, S. 13, 15, 21. Der Personalstamm des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) spiegelte seine Bedeutung wider und wuchs von 54 im Jahr 1919 auf 183 ständige oder zeitweilige Mitarbeiter 1958 an – ein Stand, der bis Ende der 1990er Jahre weitgehend stabil geblieben zu sein scheint.Leveknecht 1998, S. 19, 43, 63.

Das kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gegründete Kieler Wirtschaftsarchiv war ebenso wie dessen Bibliothek eng mit der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) verbunden, die auf die Durchdringung der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und deren Verwertung für die Praxis ausgerichtet war.Buchholtz, S. 17. 1966 wurde der Bibliothek des IfW durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Funktion einer Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland übertragen, 1993 wurde die Abteilung entsprechend umbenannt. (PDF; 162 kB). In: zbw.eu, abgerufen am 16. August 2020.

Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg waren beide Archive intensiv in die außen- und kriegswirtschaftlichen Planungen des Kaiserreiches bzw. des NS-Staates eingebunden. Ab 1936 erstellte „Vertrauliche Berichte aus der Auslandspresse“ vermittelten ausgewählten Wirtschafts„führern“ und NS-Dienststellen „weitgehend ungefilterte Informationen und Kommentare zu Wirtschaftsfragen aus ausländischen Medien und stellten ein Unikum in der NS-Medienpolitik dar“.Buchholtz, S. 24. In der die militärische Expansionspolitik ergänzenden, „mit informellen Mitteln agierenden auswärtigen Kultur- und Informationspolitik“ stellten sich HWWA und IfW in den Dienst des NS-Regimes.Buchholtz, S. 27.

1996 begann eine engere Kooperation von HWWA und dem Wirtschaftsarchiv des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) mit dem Ziel der Zusammenführung der beiden Archive. Seit Anfang 2001 wurden die nach einer neuen gemeinsamen Systematik erschlossenen Artikel über eine überregional recherchierbare Referenzdatenbank, „EconPress“, zugänglich gemacht.Bis zuletzt kamen jährlich 120.000 einzeln erfasste und verschlagwortete Artikel hinzu (Leveknecht 2006, S. 3). Die „EconPress“-Datenbank scheint vollständig von der Website der ZBW (Stand 19. August 2017) verschwunden zu sein. Einer Empfehlung aus der Evaluierung im Rahmen der Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz im Jahre 2003 folgend, wurde die aktuelle Pressedokumentation Ende 2005 beendet und die Materialien wurden auf dem erreichten Stand eingefroren.Leveknecht 2006, S. 5. Die Existenz des HWWA endete 2007 mit der Integration von dessen Pressedokumentation und Bibliothek im Rahmen einer neugegründeten Stiftung des öffentlichen Rechts in die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Heute gehört das Pressearchiv zu den (Forschungs-)Infrastrukturen der Leibniz-Gemeinschaft.Archive in der Leibniz-Gemeinschaft. In: leibniz-gemeinschaft.de, abgerufen am 16. August 2020.

Sammelgebiete und Umfang Konzentrierte sich die Sammlungstätigkeit des Hamburger Archivs anfänglich auf die deutschen Kolonien, so wurde „noch vor dem Ersten Weltkrieg ... auf Betreiben der Hamburger Kaufleute die wirtschaftliche und politische Entwicklung nicht-kolonialisierter Gebiete miteinbezogen“.Buchholz, S. 8. Spätestens ab 1919 sammelte das Pressearchiv „Ausschnitte im Weltmaßstab“te Heesen, S. 21. Es wurde nach einer ab 1911 von Heinrich Waltz entwickelten Systematik, dem „Hamburger System“, in vier Bereiche gegliedert.Leveknecht 2006, S. 4. Siehe auch Systematiken. In: zbw.eu, abgerufen am 16. August 2020.

Das Sacharchiv mit Sachthemen „aus allen Ländern, Teilkontinenten und der gesamten Welt“.Leveknecht 2006, S. 4. Zu den einzelnen Ländern und Regionen, die das primäre Ordnungskriterium darstellten, wurden bis zu 1200 Einzelthemen erfasst; die Gesamtzahl der Themen im Sacharchiv beträgt ungefähr 20.000. Hierzu gehören auch Sondermappen zu einzelnen Ereignissen oder Fragestellungen „wie z. B. dem Burenkrieg, der Sklavenfrage oder dem Suezkanal“.Forschen, Reisen, Entdecken. S. 130. Seit Ende der 1990er Jahre fokussierte sich die Sammeltätigkeit auf „inländische und internationale Wirtschaftsthemen (Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftspolitik, Märkte, Branchen, Innovationen)“.Leveknecht 2006, S. 5.

Das Warenarchiv mit nationalen sowie internationalen Rohstoffen, Halbfertig- und Fertigerzeugnissen. Die Produktbezeichnungen gliedern sich in ca. 980 Ober- und 3400 Unterbegriffe.Forschen, Reisen, Entdecken. S. 94. Hier stellten Länder und Regionen das sekundäre Ordnungskriterium dar.

Das Firmenarchiv mit Geschäftsberichten und Festschriften von und Presseausschnitten über ca. 36.000 In: hwwa.de. (nach anderen Zahlen: ca. 70.000)Hans-Eckart Scharrer (HWWA-Präsident), in: Leveknecht 1998, S. 63. in- und ausländische Unternehmen. Zudem wurden (seit 1999 in einem eigenen „Körperschaftenarchiv“) Berichte über mehrere hundert Institutionen und internationale Organisationen, Universitäten und Forschungseinrichtungen gesammelt.Leveknecht 2006, S. 6, sowie In: hwwa.de.

Das Personenarchiv mit Dossiers über weltweit ca. 16.000. In: hwwa.de. Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft.

Für das Pressearchiv wurden über 1500 Quellen ausgewertet,Liste der Zeitungen und Zeitschriften. In: zbw.eu, abgerufen am 16. August 2020. deren breite internationale Streuung einen Zugang zur Ideen- und Rezeptionsgeschichte von Themen eröffnet. Vereinzelt reichen die gesammelten Veröffentlichungen bis etwa 1826 zurück.Huck/Wannags, S. 443. Während das Personenarchiv bis zu seiner Digitalisierung ausschließlich in Papierform vorlag, wurden seit den 1960er Jahren die Bestände des Sach-, Waren- und Firmenarchivs in zehnjährigen Abständen auf Rollfilm oder Microfiche verfilmt und die Originale anschließend kassiert.Huck/Wannags, S. 433.

Die Bestände des Kieler Wirtschaftsarchivs sind weniger umfassend dokumentiert. Sie gliedern sich nach eigener Darstellung in ein Sacharchiv, das vor allem der Forschung und Lehre des IfW diente und bis 1945 vollständig verfilmt ist, ein ausschließlich in Papierform vorliegendes Personenarchiv, das auch Veröffentlichungen dieser Personen enthält, und ein Hausarchiv mit Veröffentlichungen über das IfW selbst, das ebenfalls in Papierform vorliegt. In: hwwa.de. Das Körperschaftenarchiv, das 1958 etwa 4800 Unternehmen und mehr als 5600 deutsche und ausländische wissenschaftliche und kulturelle Gesellschaften und Institute, politische Parteien und Wirtschaftsverbände umfasste,Muziol, S. 172 und 176. und „eine der vollständigsten Sammlungen zur Unternehmensgeschichte im 20. Jahrhundert“ darstellteFischer, S. 419. wird in der Selbstdarstellung heute nicht mehr erwähnt. Das abgeschlossene „Kriegsarchiv“ der Jahre 1914–1918 mit einer Million Zeitungsartikeln ging 1942 durch einen Bombentreffer verloren.Thomas Hermann: 100 Jahre Institut für Weltwirtschaft – Teil 3: Die schlechten Jahre. In: maskenfall.de, 15. März 2014, abgerufen am 4. Januar 2018. Für 1958, als sechs wissenschaftliche Fachkräfte und insgesamt mehr als dreißig Mitarbeiter mit der Sammlung und Organisation des Materials befasst waren, wurde der Gesamtumfang des Wirtschaftsarchivs mit mehr als drei Millionen,Muziol, S. 170 und 172. für 1993 mit mehr als zehn Millionen ZeitungsausschnittenSeusing, S. 186. angegeben.

Über die Pressemappe 20. Jahrhundert sind TeileEntsprechend der Bestandsübersicht Pressearchivbestände (abgerufen am 16. August 2020) wurden etwa 11 Millionen Seiten digitalisiert, knapp 10 Millionen liegen als Microfiche vor und grob geschätzt über 10 Millionen Seiten noch auf Papier. Die Papierbestände sind eingelagert und nicht zugänglich. der Bestände beider Archive heute im Internet zugänglich.

Teilweise Digitalisierung der Bestände und Pressemappe 20. Jahrhundert Die DFG finanzierte im Rahmen ihres Förderbereichs „Verteilte Digitale Forschungsbibliothek“Buchholtz, S. 28. das Projekt Retrospektive Digitalisierung von historischen Presseartikeln auf Papier, Rollfilmen und Mikrofiche der Archive des HWWA und des Wirtschaftsarchivs des IfW von 2004 bis 2007 mit ca. 880.000 Euro.Pressemappe 20. Jahrhundert. In: dnb.de, 25. Oktober 2013, abgerufen am 16. August 2020. Darin wurde das historische Pressematerial beider Institutionen aus der Zeit vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Währungsreform 1948 bzw. zur Gründung der Bundesrepublik 1949 digitalisiert.. In: hwwa.de. Von dem Digitalisierungsprojekt ebenfalls erfasst wurden die Bestände der Forschungsstelle für das Übersee-Deutschtum (1934–1945). In: hwwa.de.

Im Projekt wurden die in Papier vorhandenen Mappen des Personenarchivs gescannt und von internen Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern mit Metadaten (Mappen- und Dokument-ID sowie Seitennummer, punktuell auch Quelle, Erscheinungsdatum, Autor und Titel) versehen. Schrifterkennung durch OCR konnte wegen der teilweise verwendeten Frakturschriften, der in der Artikelfolge ständig wechselnden Schrifttypen (wie auch Sprachen) und der z. T. schlechten Qualität der Vorlagen nicht genutzt werden.Buchholtz, S. 54. Das Personenarchiv wurde am Anfang des Projekts bearbeitet. Die ca. 5500 Mappen von Personen, die vor 1949 angelegt wurden, sind vollständig online zugreifbar. In: hwwa.de.

mini|hochkant=1.5|Digitalisierte Teile des Sach-Archivs: Neben Deutschland (unvollständig) und Hamburg (komplett) die Mehrzahl der früheren deutschen Kolonien, Naher Osten, Japan, Argentinien und die (Ant)arktis.