mini|Gründungsurkunde des Frankfurter Vereins für Luftfahrt von 1908 Der Frankfurter Verein für Luftfahrt e. V. (kurz: FVL; vollständiger Name: Frankfurter Verein für Luftfahrt von 1908Vereinsregister am Amtsgericht Offenbach am Main zur VR-Nr. 5725.) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Egelsbach, der auf die Luftfahrtausbildung ausgerichtet ist. Er hat rund 500 Mitglieder.
Der Verein war bis 2016 beim Amtsgericht Frankfurt am Main unter VR 4032 des Registergerichts eingetragen, 2016 wurde der rechtliche Sitz auf Wunsch des Luftfahrtbundesamtes in das Vereinsregister Offenbach verlegt und unter der VR 5725 eingetragen.
Betätigungsfeld mini|Cockpit einer Cessna 172 des Vereins
Der Verein unterhält zwei Standorte: Die Motorfluggruppe am Flugplatz Frankfurt-Egelsbach Die Modellfluggruppe in Diedenbergen
Eine Segelflug-Ausbildungsstätte am Flugplatz Gelnhausen wurde in den 1970er Jahren aufgegeben, ebenso wie eine Fallschirmsprunggruppe, welche von 1928 bis 1933 auf Flugtagen auftrat.
Der Verein gibt Kurse für den Erwerb der Privatpilotenlizenz, für das Sprechfunkzeugnis, Nachtflug- und Alpeneinweisungen, sowie Pinch-Hitter-Lehrgänge. Seit 2016 führt dieser verstärkt auch Flugsicherheits-Trainings, für Piloten die bereits eine Lizenz haben, durch und veranstaltet Fliegercamps.
Im Jahr 1958 initiierte der Verein erstmals den Freundschaftsflug „Rund um Egelsbach“, bei dem seitdem jährlich viele Piloten aus Flugschulen und Vereinen ihr fliegerisches Wissen unter Beweis stellen. Der FVL ist als Verein Mitglied der Aircraft Owners and Pilots Association, sowie im Deutschen Aero Club.Mitgliedsverzeichnis der AOPA. Abgerufen am 10. August 2017.
Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und privaten Spenden. Er ist als gemeinnützig anerkannt, da er den Luftsport und das Mitgliederfliegen fördert.
Zur FVL-Flotte gehören mehrere Flugzeuge, von einfachen Ausbildungsflugzeugen wie der Cessna 150 oder Diamond DA20, bis hin zu nach Instrumentenflugregeln zugelassenen Flugzeugen wie der Piper PA-28. Des Weiteren hat der Verein eine umfangreiche Modellflugzeug-Flotte. Mit Stand April 2020 besteht die Flotte des Vereins folgenden Flugzeugen: Flugzeugtyp Luftfahrzeugkennzeichen Zulassung Ausrüstung Transponder Diamond DA20 D-EXDA CVFR Garmin GNS430 Standard Mark XII (Mode S) Cessna 150 D-EDVZ CVFR Garmin Aera 796,2x Garmin G5 Standard Mark XII (Mode S) Cessna 172 D-EAWU CVFR Garmin GTN650Xi, 2x Garmin G5, BendixKing Autopilot Automatic Dependent Surveillance (ADS-B IN&OUT) Cessna 172 D-EENR CVFR Garmin GNS430 Standard Mark XII (Mode S) Cessna 172 D-EDRP CVFR Garmin GTN650Xi, 2x Garmin G5 Automatic Dependent Surveillance (ADS-B IN&OUT) Piper PA-28 D-EFVC CVFR Garmin 430W Standard Mark XII (Mode S) Piper PA-28 D-ERWA IFR Garmin GTN650Xi, Garmin G5 + Autopilot GFC500Automatic Dependent Surveillance (ADS-B IN&OUT) Piper PA-28 D-ELZC IFR Garmin 430W + STec Autopilot Automatic Dependent Surveillance (ADS-B OUT)
Geschichte alternativtext=Originale Satzung des Frankfurter Vereins für Luftfahrt|mini|Originale Satzung des Frankfurter Vereins für Luftfahrt
Vorläufer Im Jahr 1824 wurde in Frankfurt am Main von Wissenschaftlern und Förderern der Physikalische Verein gegründet, welcher sich unter anderem bis heute in einer meteorologischen Abteilung der Erforschung von Wettererscheinungen widmet. 1906 nahm der Verein die Aeronautik in sein wissenschaftliches Programm auf, um insbesondere die oberen Luftschichten systematisch zu erforschen. Der erste Ballonaufstieg fand am 30. Dezember 1906 unter Führung von Alfred Wegener mit dem Ballon „Coblenz“ des Mittelrheinischen Vereins statt. Im gleichen Jahr erwarb der Physikalische Verein durch eine Stiftung des Kommerzienrates Heinrich Kleyer seinen ersten eigenen Ballon. Dieser wurde nach Julius Ziegler benannt, welcher zahlreiche Aufstiege in den Anfangsjahren absolvierte.
Gründung Auf Bestreben des Vereinsmitgliedes Franz Linke sollten die aeronautischen Tätigkeiten in einen separaten Verein ausgelagert werden. Die Mitglieder des Meteorologischen Komitees des Physikalischen Vereins und auch Frankfurts Oberbürgermeister Franz Adickes konnten für diese Idee gewonnen werden und bemühten sich um die Organisation und Finanzierung.
Die offizielle Gründung des Frankfurter Vereins für Luftschiffahrt erfolgte am 22. August 1908 und die erste ordentliche Hauptversammlung am 27. Oktober 1908. Der Jahresbeitrag wurde auf 25 Mark festgesetzt. Am 14. November 1908 wurde der Verein in das Vereinsregister des Königlichen Amtsgerichts eingetragen.Wissenschaftliche Gesellschaft für Flugtechnik (1913) Mitgliederliste. In: Jahrbuch der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Flugtechnik. Springer, Berlin, Heidelberg.
Die „Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen“ aus dem Jahre 1908 schrieben anlässlich der Gründung: „Allmählich machte sich aber doch die Tatsache geltend, dass rein sportliche Betätigung nicht in den Rahmen des Physikalischen Vereins passt, und schon seit Anfang dieses Jahres wurde beabsichtigt, einen Verein für Luftschiffahrt ins Leben zu rufen.“
Der Verein beantragte seine Aufnahme in den Deutschen Luftschifferverband, während der Physikalische Verein aus demselben ausschied. Letzterer wollte jedoch weiterhin an den internationalen Terminen wissenschaftliche Fahrten veranstalten. Daher wurde ihm vom Frankfurter Verein für Luftschiffahrt ein Ballon zur Forschung zur Verfügung gestellt.
Ballonfahrten und Vorlesungen beim Physikalischen Verein Der Ballon „Ziegler“ ging in den Besitz des neuen Vereins über, der außerdem einen zweiten, kleineren Ballon beschaffen wollte. Mit dem Entgegenkommen der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron bot sich eine günstige Gelegenheit für Wasserstofffüllungen, da die Fabrik einen Wasserstoffgasometer von 1.500 Kubikmeter Inhalt aufstellen wollte. Zudem konnte in Griesheim auch Leuchtgas hergestellt werden, welches sich ebenso zur Ballonfahrt eignete.Maué, H. Drei Pioniere der Farbenchemie. Leo Gans, Arthur und Carl v. Weinberg. MonatsAnzeiger/Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, (78), 626-627.
Ferner hielt der Dozent Linke des Physikalischen Vereins im Wintersemester 1908/1909 ein Kolloquium über die Theorie der Ballonführung ab.Moderne Luftschiffahrt, A. Schall, Berlin 1903.
Am 4. März 1909 beschlossen Carl Oskar Ursinus und Georg von Tschudi, im Salzhaus in Frankfurt am Main, den „Frankfurter Flugtechnischen Verein“ ins Leben zu rufen, dessen Gründungsversammlung am 27. Mai 1909 stattfand.
Am 10. Dezember 1912 hatte der Frankfurter Verein für Luftschiffahrt in seiner Hauptversammlung zugestimmt, mit dem Frankfurter Flugtechnischen Verein zu fusionieren und alle Mitglieder in diesen aufzunehmen. Gleichzeitig änderte er seinen Namen in „Frankfurter Verein für Luftfahrt“.Frankfurt a. M. Motor der Luftfahrt | Max Geisenheyner / Peter Supf (1959). Dem Vorstand gehörten durchweg Männer von hohem wissenschaftlichem oder geschäftlichem Ruf an.Alfred Berg: Zur Geschichte der Luftschiffahrt in Frankfurt a M. In: ILA Wochenblatt 1909, S. 102–108. Der Verein und seine Mitglieder betrieben den übernommenen Ballonsport weiter, aber auch zunehmend den neuen Motorflug.
Internationale Luftschifffahrt-Ausstellung Frankfurt 1909 mini|alternativtext= Plakat der Internationalen Luftfahrtausstellung 1909|Plakat der ILA in Frankfurt aus dem Jahre 1909
Von den für die Luftfahrt begeisterten und einflussreichen Vorstandsmitgliedern des neu gegründeten Vereins wirksam unterstützt, griff Oberbürgermeister Adickes Ende 1908 den Plan auf, in Frankfurt die erste Internationale Luftschiffahrts-Ausstellung, allgemein ILA genannt, zu veranstalten.Jahrbuch der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Flugtechnik: I, Bände 1912–1913, Seite 28–30. Unter starker Beteiligung der Bürgerschaft von Frankfurt, von bedeutenden Männern der Luftfahrt und Wissenschaft und ausländischen Gästen fand die Eröffnungsfeier der ILA am 10. Juli 1909 statt.Louis Liebmann und Gustav Wahl: Frankfurter Vereinstage. In: Katalog der Historischen Abteilung der ersten Internationalen Luftschiffahrts-Ausstellung (I L A) zu Frankfurt a. M. 1909 Nr. 1, 1912, S. 101–109.
Das Festprogramm beinhaltete auf dem Ausstellungsgelände eine „Fliegerwoche“, den ersten internationalen Flugwettbewerb in Deutschland. In den ILA-Tagen in Frankfurt erfolgte zudem auf Bestreben von Vereinsmitgliedern die Gründung der ersten deutschen Luftschifffahrtsgesellschaft, die DELAG.
Flugplatz Frankfurt-Rebstock Im Jahr 1911 wurde vom Frankfurter Verein für Luftfahrt der Flugplatz Frankfurt-Rebstock erworben. Der FVL wurde so zum Betreiber des ersten Frankfurter Flughafens, auch wenn Anfangs nur Ballone und Luftschiffe hier landeten.Michael K. Wustrack: Der Frankfurter Flughafen: eine Geschichte in Bildern 2003, S. 6–7.
An der Stelle, an der heute die Polizeihubschrauber der Polizeifliegerstaffel Hessen stehen, wurde eine Halle für Segelflugzeuge errichtet.
Am 9. September 1928 veranstaltete der Frankfurter Verein für Luftfahrt auf dem Flughafen Frankfurt-Rebstock einen Groß-Flugtag. Höhepunkt des Flugtages war ein Kunstflugwettkampf mit einem Preisgeld von 6000,- Reichsmark zwischen Ernst Udet und Gerhard Fieseler. Beide gehörten in der damaligen Zeit zu den besten Kunstfliegern der Welt. Unter der Leitung von Gerhard Felmy (Flugleiter der Lufthansa), Robert Schonger (Deutsche Verkehrsfliegerschule) und Robert Ritter von Greim mussten beide Kandidaten jeweils zwei Pflichtflüge auf der eigenen, sowie auf der Maschine des Gegners und einen Kurflug absolvieren. Die Pflichtflüge bestanden aus: 3 × Looping, 3 × Rolle Links, Rückenflug von mind. 15 Sek., 2 × Turn links, 2 × Turn Rechts, 2 × Slip links, 2 × Slip rechts und einer Ziellandung mit stehendem Propeller. Bei den Kurflügen führten die Teilnehmer eine von ihnen selbst gewählte Folge von Flugfiguren auf der eigenen Maschine aus. Diese musste vorher beim Schiedsgericht eingereicht werden. Den Teilnehmern standen zwölf Minuten zur Verfügung, bewertet wurden die Exaktheit und Formschönheit von ineinander übergreifender Kunstflugfiguren. Neben dem Kunstflug wurde auch ein Ballonrammen durchgeführt, hierbei wurden Ballone zeitgleich mit dem Start des Piloten vom Boden steigen gelassen, die schnellste Zerstörung des fliegenden Ballons in der Luft führte zum Sieg. Zudem wurden Fallschirmabsprünge mit Ziellandungen durch Hanna Reitsch, Schumacher, Wintermeyer und Erkrath durchgeführt.
Am 30. September 1929 führte Fritz von Opel auf dem Flugplatz Rebstock den ersten selbständigen Raketenflug der Welt vor.„über Fritz von Opel“ Website der Hessischen Lehrkräfteakademie. Initiiert und organisiert durch den Frankfurter Verein für Luftfahrt landete im gleichen Jahr das deutsche Riesenflugboot Do X auf dem Main westlich von Frankfurt.
Zeit nach dem Ersten Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges ruhte die Tätigkeit des Frankfurter Verein für Luftfahrt völlig.
In der Versammlung vom 26. November 1919 wurde Karl Kotzenberg Vorsitzender des Vereins. Über den Kreis der gesetzlichen Mitglieder hinaus gehörten dem Vorstand weiterhin an: der Meteorologe Franz Linke, Carl Oskar Ursinus, der Seniorchef der Adler-Werke Heinrich Kleyer und August Ladenburg.
Der Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann und sein Magistrats-Oberbaurat Hermann Uhlfelder wurden Mitglieder des Vereins und unterstützen dessen Bemühungen um die Wiederherstellung des Flugplatzes Frankfurt-Rebstock. Finanzielle Hilfen kamen von Frankfurter Banken und Industriellen, an ihrer Spitze Bankier Max E. Ladenburg mit seiner Bank, dem Bankhaus Ladenburg, welcher ebenfalls Mitglied des Frankfurter Verein für Luftfahrt war.