Der Bahnhof Hamburg-Altona (bis 1938: Altona Hauptbahnhof, umgangssprachlich Altonaer Bahnhof) ist ein Kopfbahnhof der Deutschen Bahn und ein Durchgangsbahnhof der S-Bahn Hamburg. Mit täglich insgesamt 138.000 Reisenden und Besuchern gehört er zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Preisklasse von DB InfraGO. DB InfraGO zählt ihn zu den Metropolbahnhöfen.

Im Rahmen des Projekts Neue Mitte Altona soll der Fern- und Regionalbahnhof durch einen neuen Bahnhof an der heutigen S-Bahn-Station Diebsteich ersetzt werden. Die S-Bahn-Station Altona soll bestehen bleiben.

Lage Der Bahnhof Hamburg-Altona liegt auf dem Gebiet des Hamburger Stadtteils Altona-Nord, unmittelbar an der Grenze zu den Stadtteilen Ottensen und Altona-Altstadt im namensgebenden Bezirk Altona mit der Postadresse Scheel-Plessen-Straße 17.

Geschichtlicher Hintergrund Im Dezember 1840 wurde auf Betreiben von Kaufleuten aus Altona und Kiel die Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft in dem vom dänischen König in Personalunion regierten Reichslehen Herzogtum Holstein gegründet. Die Mitglieder dieser Gesellschaft versprachen sich durch eine Verkehrsverbindung von Nord- und Ostsee bessere Absatzmöglichkeiten ihrer Waren und verfolgten dazu das Ziel, eine Eisenbahnstrecke von Altona nach Kiel zu bauen und zu betreiben. Diese dann 1844 unter dem förderlich huldigenden Namen „König Christian VIII. Ostseebahn“ eröffnete Bahnstrecke war die erste unter dänischer Hoheit. Als südlicher Endpunkt dieser Eisenbahn erhielt der in Altona und nahe dem Elbhafen errichtete Endbahnhof früh eine herausragende Bedeutung.

Nach dem Deutschen Krieg entstand im Jahr 1867 aus den beiden vormaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein die preußische Provinz Schleswig-Holstein. Ab 1883 begannen Verhandlungen über den Ankauf der Altona-Kieler Eisenbahn durch das Königreich Preußen, das bereits ab dem 1. März 1884 deren Verwaltung und Betriebsführung durch die Königliche Eisenbahndirektion Altona übernahm, in zunächst provisorischen Räumlichkeiten der Stadt Altona. Für einen Kaufpreis von 70,65 Millionen Mark wurden die Preußischen Staatseisenbahnen am 1. Januar 1887 (oder 1. Juli 1887) Eigentümer der AKE. Die Aktiengesellschaft wurde aufgelöst. In diesem Zusammenhang wurde auch der Bahnhof Altona ab 1887 „preußisch“.

In der Folge übernahmen die Preußischen Staatseisenbahnen alle Bahnanlagen. Der Bahnhof gewann als Endpunkt von Zügen, die die Provinz Schleswig-Holstein bedienten oder deren Laufwege über das nicht-preußische Hamburg führten, weitere wirtschaftliche und strategische Bedeutung.

Erster Bahnhof von 1844 mini|Bahnhof Altona um 1850, Stich von Julius Gottheil (1810–1868). Am rechten Rand ist ein Pferdegespann erkennbar, das eine Fracht vom Hafen herauf auf Schienen zum Bahnhof befördert

Carl Theodor Arnemann legte im Mai 1844 den Grundstein für den ersten Bahnhof in Altona direkt oberhalb eines steil abfallenden Hanges zur Elbe, der später als „Altonaer Balkon“ bezeichnet wurde. Bei der Bevölkerung war er wegen des Lärms der Lokomotiven schnell unbeliebt. Der Altonaer Bürgermeister Caspar Behn ließ daher die parallel zur Längsachse des Bahnhofes verlaufende Bahnhofsstraße (heute südliche Max-Brauer-Allee) anlegen. Ihre Bebauung schirmte den Bahnlärm abErich Staisch: Hauptbahnhof Hamburg. Hoffmann und Campe, Hamburg, 1. Auflage 1981, ISBN 3-455-08768-X, S. 23.. 1866 wurde der Bahnhof zudem westlicher Endpunkt der Verbindungsbahn ins benachbarte Hamburg. Ab 1867 fuhr auch die Altona-Blankeneser Eisenbahn den Bahnhof an. Ein Gleis auf der Ostseite des Bahnhofs schloss ab 1845 die Altonaer Hafenbahn auf dem Altonaer Fischereihafen an das Eisenbahnnetz an. Die Güterwagen wurden dabei zunächst über eine Schiefe Ebene mit einem Seilzug den Abhang zum Hafen hinauf und hinab befördert. Ab 1876 konnten Lokomotiven durch den Schellfischtunnel den Fischereihafen befahren.

In den 1880er Jahren nahm der Eisenbahnverkehr zu und machte eine Erweiterung des Bahnhofs nötig. Inzwischen hatte jedoch die Bebauung in Altona und Ottensen stark zugenommen und behinderte die Baupläne. Deshalb wurde beschlossen, den Bahnhof etwa 700 m weiter nördlich neu zu errichten, ungefähr an der Stelle, wo sich die inzwischen drei vom Bahnhof abgehenden Streckenverläufe trennten.

Auf dem freigewordenen Bahngelände zwischen altem und neuem Bahnhof entstand eine große Grünanlage mit seitlichen Hauptverkehrsstraßen, dem heutigen Platz der Republik. An seinen Seiten wuchs in den folgenden Jahren mit zahlreichen repräsentativen Bauten (Königl. Preußische Eisenbahndirektion, Hotel Kaiserhof, Altonaer Museum, Stuhlmannbrunnen) eine großzügige neue Stadtachse. Den südlichen Abschluss des Platzes bildete das alte Bahnhofsgebäude im klassizistischen Stil. Es erhielt einen zusätzlichen Flügel an der Nordseite und nahm die Stadtverwaltung auf, die vom Rathaus nahe dem Nobistor in das nunmehr Neue Altonaer Rathaus umzog. Das Gebäude ist heute Sitz des Bezirksamtes Altona.

Zweiter Bahnhof von 1898 mini|Ansichtskarte Altona Haupt-BahnhofNach anfänglichen Überlegungen, den neuen Bahnhof höher zu legen, entschied man sich nach guten Erfahrungen mit dem von Hermann Eggert entworfenen Frankfurter Hauptbahnhof von 1888 für einen Neubau auf Straßenniveau durch ebendiesen Architekten. Damit der Eisenbahnverkehr weiter laufen konnte, wurden die neuen Anlagen parallel zur Stilllegung der alten in mehreren Phasen von 1893 bis 1898 errichtet.Erich Staisch: Hauptbahnhof Hamburg. Hamburg 1981, ISBN 3-455-08768-X, S. 64–66. Im Rahmen der Neuanlage wurde die Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn im Bereich des Güterbahnhofs Altona am damaligen Rainweg, der heutigen Harkortstraße, aufgeständert. Diese Viaduktkurve blieb auch nach der Neutrassierung der Verbindungsbahn eingleisig und ist es bis heute. Ferner wurde der Schellfischtunnel bis zum neuen Bahnhof verlängert.

Der nunmehr preußische Altonaer Hauptbahnhof wurde am 30. Januar 1898 eröffnet. Seine ursprünglich vierschiffige Bahnhofshalle hatte eine Länge von 160 Metern und eine Breite von 82 Metern. 1905 bis 1907 wurde noch ein fünftes Hallenschiff im Westen für die Vorortbahn gebaut. Insgesamt überspannten die Hallenschiffe elf Gleise, von denen die drei westlichen dem Vorort- und S-Bahn-Verkehr vorbehalten waren. Das Empfangsgebäude aus Backstein im Stil der Neoromanik mit seinen an das Altonaer Stadtwappen erinnernden Türmen wurde ein Wahrzeichen Altonas. Die Beibehaltung eines Kopfbahnhofs war seinerzeit naheliegend, da im Dampflokbetrieb ein häufigerer Lokwechsel notwendig war. Da in Hamburg nur ein kleines Bahnbetriebswerk im Vorfeld des Berliner Bahnhofs zur Verfügung stand und aus Platzgründen nicht zu erweitern war, fuhren nach dem zweigleisigen Ausbau der Verbindungsbahn die von Süden kommenden Züge bis Altona durch. Auf der Strecke nach Norden, die von der Verbindungsbahn am Rainweg abzweigte und den Bahnhof Altona nicht berührte, fuhren bis zur Elektrifizierung in den 1960er Jahren nur Güterzüge.

Über den mittleren Gleisen wurde 1913 ein elektromechanisches Brückenstellwerk errichtet. Es wurde 1943 zerstört und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut. Als die preußische Stadt Altona 1938 durch das Groß-Hamburg-Gesetz nach Hamburg eingemeindet wurde, erhielt der Altonaer Hauptbahnhof zum 1. April 1938 den Namen Bahnhof Hamburg-Altona.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 14. April 1938, Nr. 19, Bekanntmachung Nr. 262, S. 110. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof schwer beschädigt, jedoch in den 1950er Jahren in vereinfachter Form wieder aufgebaut. 1965 wurden die Gleisanlagen des Bahnhofs elektrifiziert.

Dritter Bahnhof von 1979 mini|Eingangsgebäude des Bahnhofes, rechts schließt das Einkaufszentrum, ehemals Kaufhof an (2025) Für den am 1. April 1979 in Betrieb gehenden westlichen Tunnelabschnitt der City-S-Bahn Hamburg zum Hamburger Hauptbahnhof entstand unter dem westlichen Teil des Bahnhofsgebäudes und des Bahnhofsvorplatzes eine neue viergleisige Tunnelstation. Mit der Begründung, das alte Bahnhofsgebäude könne den Erschütterungen beim Bau nicht standhalten, wurde es 1974 trotz massiven öffentlichen Widerspruchs samt Bahnhofshallen abgerissen.

Der Großteil der Kosten des 60-Millionen-DM-Projekts wurden durch die Warenhauskette Kaufhof finanziert, die auch die Federführung für den Neubau übernahm. Die Eröffnung war 1974 zunächst für Ostern 1977 projektiert.

Ersetzt wurde es durch einen zweistöckigen Bau aus grauen Betonfertigteilen, an den sich südöstlich der doppelt so hohe Quader einer Filiale der Kaufhof AG anschloss. Das Innere des eigentlichen Bahnhofsgebäudes wurde in den fast drei Jahrzehnten seines Bestehens mehrmals renoviert, dabei wurde der Versuch unternommen, es durch helle Anstriche freundlicher zu gestalten. Die vier Fernbahnsteige erhielten einfache Dächer. An Stelle der drei Vorortgleise liegt die Rampe zur viergleisigen Tunnelstation.

Stellwerke mini|Relaisgebäude von 1952 und Gebäude des ESTW von 1995 am südlichen Ende der Harkortstraße (2015) Am Bahnhof Hamburg-Altona wurde zwischen dem 11. und dem 13. März 1995 ein 62,6 Millionen D-Mark teures Elektronisches Stellwerk (ESTW) im Netz der Deutschen Bahn in Betrieb genommen. Das ESTW ersetzte acht vorhergehende Stellwerke. Es umfasst vier Arbeitsplätze für Fahrdienstleiter am Bahnhof sowie einen Fahrdienstleiter am einen Kilometer entfernten Güterbahnhof; insgesamt konnten dadurch 49 Arbeitsplätze eingespart werden. Zur Zeit seiner Inbetriebnahme steuerte das ESTW den Zugverkehr mit 160 Weichen, rund 250 Signalen und 215 Gleisstromkreisen. Aufgrund von Softwaremängeln kam es anfangs zu erheblichen Problemen, zwölf Stunden nach Inbetriebnahme schaltete sich das Stellwerk erstmals selbsttätig ab. Nach knapp dreitägiger Fehlersuche wurde die Ursache gefunden: Zwei fehlerhaft gesetzte Bits führten wiederholt zu einem Speicherüberlauf, der wiederum zur Abschaltung der Anlage führte. Da die alten Stellwerke bereits zurückgebaut worden waren, konnte der Zustand vor Inbetriebnahme nicht mehr reaktiviert werden. Vom 28. März bis zum Fahrplanwechsel am 27. Mai 1995 galt ein Notfahrplan. In der Folge verpflichteten sich die ESTW-Hersteller Siemens und Alcatel, Testzentren zu errichten, in denen neue elektronische Stellwerke vor Inbetriebnahme am unter simulierter Maximallast gestressten System getestet und die zukünftigen Bediener geschult werden können.Meldung: Das erste Markenprodukt für Tempo 300. In: ZUG, Nr. 3/1995, ohne ISSN, S. 10.Eins für acht. In: ZUG, Nr. 4/1995, ohne ISSN, S. 6–7.Stellwerk Hamburg-Altona: Premiere mit Hindernissen. In: ZUG, Nr. 5/1995, ohne ISSN, S. 8.Erich Preuß: Stellwerke deutscher Eisenbahnen. Transpress, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71025-7, S. 53–55.

Im August 2026 wurde ein Elektronisches Stellwerk als Erweiterung des Stellwerks von 1995 in Betrieb genommen. Dieses Stellwerk soll bis 2029 sukzessive weitere Stellbereiche übernehmen und letztlich die gesamte Verbindungsbahn steuern.

Sanierung 2005 mini|Außenfassade nach Umbau (2005)

Nachdem der Kaufhof den Standort Anfang der 2000er Jahre aufgegeben hatte, wurde der Komplex bis ins Frühjahr 2006 umfangreich umgebaut. Das erste und zweite Stockwerk des ehemaligen Kaufhofs ist nun ein MediaMarkt, im Untergeschoss befinden sich eine Lidl-Filiale sowie Ladengeschäfte für Reisebedarf, Backwaren und Mitnehm-Imbisse. Im Erdgeschoss befinden sich das Reisezentrum der Deutschen Bahn, eine Autovermietung, eine Rossmann-Filiale und weitere Ladengeschäfte sowie eine Reihe von Gastronomiebetrieben.

An der Gebäuderückseite stößt westlich der Gleise ein Parkhaus an, auf der gegenüberliegenden östlichen Seite befindet sich das 5-stöckige, 133 Zimmer umfassende InterCityHotel Hamburg-Altona.

Sanierung 2014/2016