mini|hochkant|Serbung von der Insel Madura. Im Tropenmuseum, Amsterdam, vor 1930 Bumbung (indonesisch), auch gong bumbung, gong bumbu, gumbang, serbung, bomberdom, ist ein Blasinstrument in Indonesien, das aus einem großen, am unteren Ende geschlossenen Bambusrohr besteht, in das durch ein unterschiedlich tief eingetauchtes, dünneres Bambusrohr hineingeblasen wird. Die nach dem Prinzip der Polsterpfeife erzeugten maximal drei Töne ersetzen in manchen kleinen, überwiegend aus Bambusinstrumenten bestehenden Ensembles die in den großen höfischen Orchestern (gamelan) zur Rhythmisierung verwendeten Buckelgongs. Deshalb führte Jaap Kunst (1942) für das Instrument die englische Bezeichnung blown gong („geblasener Gong“) ein.

Ein anderer „geblasener Gong“, gong tiup oder gong sebul, besteht aus einer langen Bambusröhre, in deren Ende hineingeblasen wird. Diese Röhre produziert variationsreiche Klänge wie das Didgeridoo.

Herkunft und Verbreitung Musikinstrumente aus Bambus kommen in unzähligen Formen in ganz Südostasien vor. Sie wurden bereits von den Proto-Malayen, den ersten, austronesisch sprechenden Einwanderern verwendet, die in mehreren Einwanderungswellen im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. vom asiatischen Festland auf die Malaiischen Inseln kamen. Zu den sehr alten Blasinstrumenten, Zupfinstrumenten und Idiophonen aus Bambus gehören die weit verbreiteten Nasenflöten, für die in der Ursprache Proto-Austronesisch die Wörter tulani und tulali rekonstruiert wurden,Robert Blust: The Prehistory of the Austronesian-Speaking Peoples: A View from Language. In: Journal of World Prehistory, Bd. 9, Nr. 4, Dezember 1995, S. 453–510, hier S. 496 Rahmenmaultrommeln (heute genggong und viele regionale Namen), Bambusröhrenzithern,Artur Simon: Southeast Asia: Musical Syncretism and Cultural Identity. In: Fontes Artis Musicae, Bd. 57, Nr. 1, Januar–März 2010, S. 23–34, hier S. 25 die geschlagen (guntang) oder gezupft werden (kolitong), Stampfrohre, Schlaggabeln (außerhalb der Region auch als toka in Nordostindien), Bambusxylophone und gestimmte Bambusgleitrasseln angklung. Der heute vermutlich häufigste Blasinstrumententyp in Indonesien ist die längsgeblasene Bandflöte aus Bambus (suling). Dagegen kommen Einfachrohrblattinstrumente mit zylindrischen Bambusspielröhren nur sehr vereinzelt vor (puwi-puwi).

Bambus ist in der Region universell verfügbar und kann mit geringem technischem Aufwand zu Musikinstrumenten verarbeitet werden. Gelegentlich bilden Instrumente aus Bambus für dörfliche Ensembles einen Ersatz für teure und seltene Bronzegongs. In der Provinz Nordsulawesi besteht die Ensembleformation musik bambu klarinet aus Bambusblasinstrumenten, die ein vollständiges Blechblasorchester imitieren,Pigi Jo Deng Dia – Musik Bambu Klarinet. Youtube-Video und im Norden der Philippinen wird die Bambusröhrenzither kolitong in Unterhaltungsensembles in derselben Weise gespielt wie die nur bei Zeremonien verwendeten Flachgongs gangsa. Nachgebaute Instrumente aus Bambus dienen auch zu Übungszwecken anstelle ihrer Vorbilder. Bambusxylophone dürften frühe Vorläufer von Metallophonen gewesen sein, so entspricht etwa eine Form des alten javanischen Bambusxylophons calung dem heutigen gangsa gantung mit hängenden Bronzeschlagplatten. Die zur Klangverstärker senkrecht unter jeder Schlagplatte des Metallophons gendèr aufgehängten Bambusröhren heißen bumbung.

Eine ungewöhnliche Konstruktion eines (musealen) Blasinstruments bei den Dayak auf Borneo, das Curt Sachs (1923) als Beispiel für die womöglich zufällige Erfindung der Spaltflöte anführt, bestand aus einer 50 Zentimeter langen, am Boden liegenden Bambusröhre mit einer im hinteren Bereich eingekerbten Schneidenkante. Diese Bambuspfeife wurde durch eine 2,3 Meter lange, dünnere Bambusröhre mit Luft versorgt, die für den stehenden Bläser schräg an einem in den Boden gesteckten Pflock befestigt war. Das als Taubenlockpfeife dienende Instrument nannten die Dayak bumbun.Robert W. C. Shelford: An Illustrated Catalogue of the Ethnographical Collection of the Sarawak Museum (Part I, Musical Instruments). In: Journal of the Straits Branch of the Royal Asiatic Society, Nr. 40, Juni 1904, S. 1–59, hier S. 30 und Tafel VIII, Figur 10 Ähnliche Flöten mit derselben Funktion sind vom Westen Borneos (bikut) und von der Malaiischen Halbinsel (bulu decot) überliefert.Curt Sachs: Die Musikinstrumente Indiens und Indonesiens – zugleich eine Einführung in die Instrumentenkunde. (Handbücher der staatlichen Museen zu Berlin) 2. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin/Leipzig 1923, Nachdruck: Georg Olms, Hildesheim 1983, S. 150

Bauform und Spielweise mini|Gong bumbung aus Banyumas, Java. Die innere Blasröhre fehlt. Tropenmuseum, Amsterdam, vor 1936 Ein bumbung besteht aus einem dicken Bambusrohr, das oben offen und am unteren Ende durch ein Internodium geschlossen ist. Ein typisches Rohr ist 110 Zentimeter lang bei einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern. Das ebenso lange, eingeschobene Rohr besitzt einen Durchmesser von etwa 4 Zentimetern und ist an beiden Enden offen. Der Spieler bläst mit angespannten, vibrierenden Lippen in das kleine Rohr, um den Luftstrom im Rohr in Schwingung zu versetzen.Andrew McGraw, 2014, S. 470 Manchmal produziert er zugleich einen Brummton. Ist das dünne Rohr nur wenig in das dickere Rohr eingeschoben, so entsteht ein tiefer, dumpfer Ton, ist es fast ganz eingeschoben, so entsteht ein höherer Ton. Über dem tiefen Grundton sind mehr oder weniger deutlich die Quinte und Oktave zu hören. Die Benennung „geblasener Gong“ bezieht sich auf die Funktion des Instruments im Ensemble, beschreibt aber darüber hinaus auch teilweise die Art der Tonerzeugung, bei welcher der eingeblasene, periodisch unterbrochene Luftstrom die idiophone Röhre in Schwingungen versetzt. Jaap Kunst (1949/1973) reiht die „geblasenen Gongs“ zu den Blasinstrumenten und erwähnt die fälschliche Kategorisierung von Curt Sachs (1929) als „Innenschlagrohr“.Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. Dietrich Reimer, Berlin 1929, S. 89 Sibyl Marcuse (1964) fasst Jaap Kunsts Beschreibung zusammen und bezeichnet das Instrument verkürzt als „Flöte“.Sibyl Marcuse: Musical Instruments. A Comprehensive Dictionary. Country Life Limited, London 1966, Stichwort „Gumbang“, S. 221 Im New Grove Dictionary of Music and Musicians (2001) wird das bumbung als „Gefäßflöte“ (vessel flute) angesprochen.Simon Cook: Indonesia, IV. East Java. 3. Kasar ensembles. (i) Saronen and reyog. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians, Band 12, 2001, S. 332

Der verbreitetste Name auf Java ist bumbung, was in diesem Zusammenhang allgemein „Bambusrohr“ bedeutet. Gamelan bumbung ist ein nur aus Bambusidiophonen bestehendes Ensemble im ostjavanischen Regierungsbezirk KediriJaap Kunst, 1973, S. 281 und joged bumbung heißt ein Unterhaltungstanz auf Bali, der von einem gamelan mit unterschiedlichen Bambusinstrumenten begleitet wird. Weitere Bezeichnungen auf Java sind gong bumbung oder gong bumbu („Bambusgong“) und gumbang, letzteres wird auch auf den Molukken verstanden. Serbung heißt das Blasinstrument auf der Insel Madura und in Ostjava.

Der „geblasene Gong“ gehört nicht zu den üblichen Instrumenten des gamelan, sondern wird in kleineren Ensembles zu unterschiedlichen Anlässen verwendet. Auf Java spielen bei Ritualtänzen mit Steckenpferden (kuda lumping, „Pferd aus Leder“, oder kuda kepang, „[aus Bambus] geflochtenes Pferd“) in den Begleitensembles entweder die nicht zum gamelan gehörenden selompret (hölzernes Doppelrohrblattinstrument), angklung (Bambusrasseln), terbang (große Rahmentrommel) und dogdog (Röhrentrommeln) oder die gamelan-Instrumente kendang (Fasstrommel anstelle der dogdog), saron (Metallophon), bende (einzelne hängende Buckelgongs) zusammen mit gong bumbung.Jaap Kunst, 1973, S. 284

In der Sundaregion von Westjava, in der eine eigenständige Musiktradition gepflegt wird, lautet die sundanesische Bezeichnung des Blasinstruments goong awi. Anfang des 20. Jahrhunderts begleitete in einer Gemeinde im westjavanischen Regierungsbezirk Cianjur das gamelan lilingong das gleichnamige Schattenspiel (wayang kulit). Es bestand aus zwei heute kaum noch eingesetzten Xylophonen gambang kayu, der Fasstrommel kendang und goong awi; in einem weiteren Ort kam bei dieser Formation noch die Stachelfiedel rebab hinzu.Jaap Kunst, 1973, S. 382 Im Regierungsbezirk Garut kann das kleine tarawangsa-Ensemble, benannt nach der zweisaitigen, gestrichenen Kastenhalslaute tarawangsa unter anderem um goong awi, einzelne waagrechte Buckelgongs ketuk und eine Fasstrommel ergänzt werden.Jaap Kunst, 1973, S. 383

Das Blasinstrument dient in einigen Ensembles als Ersatz für die großen einzelnen Hängegongs, die wie der gong ageng musikalische Einheiten markieren. In Flötenensembles produziert es rhythmische Basstöne, so etwa das auf Flores bomberdom genannte Instrument. In einem dortigen Ensemble spielen mehrere Bambusquerflöten (suling, benannt wie allgemein die Längsflöten) die Melodie und zwei bomberdom sorgen für die rhythmische Betonung, die von zwei Trommeln untergliedert wird.Let's get lost in Flores: Bamboo orchestra in Nola Wonga Art Workshop – Bajawa part 1. Youtube-Video (Ensemble auf Flores mit Bambusquerflöten, zwei bomberdom, einer mit Stöcken geschlagenen hohen Standtrommel aus Bambus und einer kleinen, mit Händen geschlagenen, einfelligen Zylindertrommel) Jaap Kunst gibt den Namen bomberdom speziell für das Gebiet Lio auf Flores an und den Namen bambu mese für den Regierungsbezirk Manggarai im Westen der Insel.Jaap Kunst: Music in Flores. A Study of the Vocal and Instrumental Music Among the Tribes Living in Flores. Brill, Leiden 1942, S. 132f

Der „geblasene Gong“ gehört auch auf der Insel Ambon zu den Flötenensembles, wobei dort die äußere Röhre häufig aus Zinkblech hergestellt wird. Im Regierungsbezirk Banyumas in Zentraljava kann anstelle dieser Röhre eine besonders lange, schlanke Kalebasse verwendet werden.Jaap Kunst: Music in Flores, 1942, S. 133 In dem für Banyumas typischen Stil spielen eine besondere Form der Bambusrassel angklung, genannt angklung buncis, mit der Fasstrommel kendang und gong bumbung ineinander verzahnte, rhythmische Muster.Palmer Keen: Not Just A Bean: Angklung Buncis in Banyumas. Aural Archipelago.com, 10. November 2016

In Ostjava werden die bumbung (oder gumbang) in einfachen dörflichen Bambusensembles verwendet, zu denen das gamelan jemblung und das gamelan calung gehören.Jaap Kunst, 1973, S. 240 Das gamelan jemblung ist nicht mit der islamischen Erzähltradition jemblung zu verwechseln, bei welcher der Sänger nur von der Rahmentrommel rebana begleitet wird.Vgl. die CD: Jemblung and related traditions of Java. Ethnic Series (PAN 2048CD) PAN Records, 1997 Es besteht aus einem gong suwukan (großer hängender Buckelgong), kempul (hängender Buckelgong), kenong (einzelner, waagrecht auf einem Holzgestell gelagerter, hoher Buckelgong), ketuk (ähnlich kenong), saron (Metallophon), demung (dem saron ähnliches Metallophon), kendang (Fasstrommel) und bumbung.Jaap Kunst, 1973, S. 291 Das sundanesische gamelan calung vereint drei calung (tragbare oder auf einem Gestell waagrecht positionierte Bambusxylophone), ferner andere Xylophone aus Bambusröhren, Fasstrommeln und bumbung.Jaap Kunst 1973, S. 293