mini|Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, 1648 gemalt von Johannes Spilberg Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (* 4. November 1578 in Neuburg an der Donau; † 20. März 1653 in Düsseldorf) war ein deutscher Reichsfürst aus dem Hause Wittelsbach. Er war der älteste Sohn des Pfalzgrafen und Herzogs von Neuburg Philipp Ludwig (1547–1614) und dessen Frau Anna von Jülich-Kleve-Berg (1552–1632). Wolfgang Wilhelm gewann durch die Erbansprüche seiner Mutter die Herrschaft seines Hauses über die Herzogtümer Jülich und Berg am Niederrhein.

Leben Gegen den Willen seines Vaters, eines überzeugten Lutheraners, konvertierte Wolfgang Wilhelm am 19. Juni 1613 heimlich zum Katholizismus und heiratete (offiziell als Lutheraner) Magdalene von Bayern. Die Konversion verkündete er am 15. Mai 1614 feierlich in der Kirche Sankt Lambertus in Düsseldorf, wo er gemeinsam mit seiner Gemahlin die heilige Kommunion einnahm, nachdem er in der Schlosskapelle vor dem Generalvikar Wilhelm Bont das katholische Glaubensbekenntnis abgelegt hatte.J.F. Wilhelmi: Panorama von Düsseldorf und seinen Umgebungen. J.H.C. Schreiner’sche Buchhandlung, Düsseldorf 1828, S. 45

Der Wechsel der Konfession, der an die Konversion Heinrichs IV. von Frankreich und den ihm zugeschriebenen Ausspruch Paris ist eine Messe wert erinnert, ermöglichte dem Pfalzgrafen einen Wechsel des politischen Lagers, von der Protestantischen Union hin zur Katholischen Liga. Mit der Heirat und dem Übertritt auf die Seite der katholischen Mächte wollte Wolfgang Wilhelm die pfalz-neuburgischen Erbansprüche im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit behaupten. Denn zwei seiner Konkurrenten um die Erbfolge in den Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg, den Grafschaften Mark und Ravensberg sowie der Herrschaft Ravenstein waren Mitglieder der Protestantischen Union, darunter sein Hauptgegner Johann Sigismund, der Kurfürst von Brandenburg. Der Hochzeit mit Magdalene von Bayern und der Konversion folgte der Vertrag von Xanten vom 12. November 1614, der den Dortmunder Rezess von 1609 außer Kraft setzte und zur Aufteilung des Erbes von Jülich-Kleve-Berg zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg führte. Hierdurch wurde Wolfgang Wilhelm der erste Herrscher aus dem Hause Pfalz-Neuburg in Jülich-Berg.Michael Hemker: Wie die Pfalzgrafen von Neuburg nach Düsseldorf kamen..., in: Elias H. Füllenbach / Antonin Walter (Red.): St. Andreas in Düsseldorf. Die Hofkirche und ihre Schätze. Zum 350. Geburtstag des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, hrsg. vom Dominikanerkloster Düsseldorf, Düsseldorf 2008, S. 15–23.

Seine Erbansprüche im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit setzte er somit nur teilweise durch; Brandenburg behielt das Herzogtum Kleve und erhob weiterhin Ansprüche auf die Grafschaften Mark und Ravensberg, die es schließlich nach der endgültigen Aufteilung 1666 zugesprochen bekam.

Der Bestattung des Vaters am 22. September 1614 in Lauingen blieb er fern. Vermutlich wollte ihn der Vater enterben, dessen Tod am 22. August verhinderte den Beschluss des bereits für den 28. August berufenen Landtages. Den Einzug in Neuburg 1615 hielt er in Begleitung von 50 Schützen.

Vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges zählte Jülich-Berg etwa 275.000 Einwohner. Laut Schätzungen der Protestantenzahlen für das Jahr 1650 wohnten in Berg etwa 131.380 Menschen (davon 61.900 Protestanten, davon die Hälfte Reformierte) und in Jülich 124.700 Menschen (davon 8.160 Reformierte). Das Herzogtum Jülich teilte sich administrativ in 34 Ämter, neun Städte und umfasste 43 Steuerbezirke, das Herzogtum Berg in 19 Ämter, zehn Städte, acht Freiheiten und umfasste 37 Steuerbezirke. Die Hauptstädte (jeweils vier: Jülich, Düren, Münstereifel, Euskirchen; Düsseldorf, Ratingen, Lennep, Wipperfürth) besaßen die Landesstandschaft.Liste Tornow, S. 50–51, 118–119mini|Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Gemälde von Anthonis van Dyck, ca. 1629mini|Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg auf einem Stich von Lucas Vorsterman d. Ä.Nach den drei Landtagen (die immer in Düsseldorf tagten) von 1609, 1610 und 1611 fanden bis 1624 keine Landtage in Jülich-Berg mehr statt. Immer wieder versuchte Wolfgang Wilhelm, sich über die Landstände (die meistens in Köln tagten) hinwegzusetzen, um neue Steuern zu dekretieren oder sie zu erhöhen. Die Landstände riefen deswegen den Kaiser an, der sie am 24. April 1628 dem kaiserlichen Protektorat unterstellte (1635 nochmals bestätigt). Den Gipfel erreichte der Konflikt während des sogenannten Bauernlandtages im April 1639. Von den anwesenden Vögten und Schultheißen ließ sich Wolfgang Steuern bewilligen. Der Entschluss wurde nachher vom Kaiser kassiert. Die Landstände erneuerten 1636 und 1647 die seit 1496 bestehende Erbunion mit Kleve, die Klever Union, um die eigene Position gegenüber dem Pfalzgrafen zu stärken. Der Konflikt wurde nach gegenseitigen Zugeständnissen im Vergleich vom 25. September 1649 beigelegt. Nach einer Aufstellung von 1637/38 betrugen die Steuereinnahmen 87.938 Reichstaler, die Ausgaben 164.648 Reichstaler und die Mehrausgaben 76.710 Reichstaler. Jedes Jahr musste der Herzog Kredite in Höhe zwischen 3.000 und 36.000 Reichstaler aufnehmen oder Landgüter verpfänden. Eine Ausnahme bildet das Jahr 1651 mit einer Kreditaufnahme von 123.000 Reichstalern, davon wurden jedoch rund 100.000 Reichstaler für den Kuhkrieg geliehen.

Seine Finanzen müssen jedoch im breiten Kontext der Epoche untersucht werden. Dreißig Jahre seiner 44-jährigen Regentschaft in Jülich-Berg (1609–1653, in Neuburg seit 1614) füllte der Krieg aus. Im Zeitraum von 1625 bis 1640 machten die Ausgaben für die Landesverteidigung zwischen 40 und 92 % (1639/40) der Gesamtausgaben aus. Beispielsweise betrugen die Einnahmen aus dem Herzogtum Berg in den Jahren 1628 bis 1630 insgesamt 168.000 Reichstaler (Ausgaben 171.000 Rt.), davon wurden ausgegeben für Landesdefension 67.000 Rt. (40 %), Anleihenrückzahlung 26.000 Rt. (21 %), Pfalzgraf 13.000 Rt. (8 %), Gehälter 5.500 Rt. (3 %), andere Ausgaben 49.500 Rt. (28 %). Von den Ausgaben für Landesdefension (67.000 Rt.) wurden ausgegeben für Unterhalt kaiserlicher und anderer Truppen 43.000 Rt. (64 %), Servisgelder 8.000 Rt. (12 %), Unterhalt eigener Truppen 7.000 Rt. (10 %), Convoykosten 5.000 Rt. (8 %), Landschützen 4.000 Rt. (6 %). Für die Hofhaltung wurden demnach 8 % und den Unterhalt eigener Truppen 4,2 % bestimmt. Die Einnahmen aus Domanialgut in Jülich-Berg betrugen im Jahr 1629 rund 68.000 Rt. gegenüber den Steuererträgen in Höhe von 90.000 Rt. Die Domanialguteinnahmen betrugen nach einer Aufstellung von 1637/38 rund 87.938 Rt., aber die Ausgaben 164.648 Rt. und die Mehrausgaben 76.710 Rt., der Steuerertrag für 1637/38 ist unbekannt (dieser lag immer höher als Einkünfte aus Domänen, demnach mehr als 100.000 Rt.). Für den Budgetausgleich musste Wolfgang Wilhelm Kredite aufnehmen. Rechnungen aus dem Jahr 1649 enthalten noch Hinweise auf die schwedischen und hessen-kasselschen Satisfaktionsgelder. Auch schuldete Wolfgang Wilhelm aus dem Herzogtum Neuburg dem bayerischen Kurfürsten Maximilian rund 80.000 Floren für Kriegsauslagen. Wolfgang Wilhelm konnte den Betrag offenbar nicht zahlen und verpfändete ihm am 18./22. Dezember 1649 Stadt und Amt Hemau bei Regensburg.Die Angaben sind immer unvollständig; Tornow, S. 27–28, 30, 71, 132–134

Seit etwa dem Ausgang der 1630er Jahre setzte sich Wolfgang für die Wiedereinführung der pfälzischen Kur ein, was ihn mit dem Kaiserhaus entzweite. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten sowohl katholische als auch protestantische Truppen Jülich-Berg. Seit etwa Dezember 1639 hielten die kaiserlichen Truppen Gladbach, Dülken, Sittard, Mülheim und Siegburg besetzt, und der kaiserliche Generalfeldzeugmeister Lamboy warb Söldner im Jülichschen, trotz Protesten aus Düsseldorf. Daraufhin sagte Wolfgang Wilhelm die Teilnahme am Fürstentag im Juli–August 1640 ab. Im März 1641 bewilligte er die Zahlung von Kontributionen an Hessen-Darmstadt in Höhe von 36.000 Reichstalern jährlich vom Herzogtum Jülich und 24.000 Rt. vom Herzogtum Berg. Vergeblich suchte er nach den Niederlagen der kaiserlichen Truppen eine Annäherung an Hessen-Darmstadt (Januar–März). Angeblich wurde in Düsseldorf, so der kurkölnische Statthalter aus Kaiserswerth, die Kriegsbeute von den Hessischen verkauft. Auch die Schmieden aus Solingen lieferten Waffen an Hessen. Der Krieg am Niederrhein ging etwa am Anfang des Jahres 1651 zu Ende. Zuletzt verließ die hessische Garnison Neuss am 2. Juli 1651.

Nach dem brandenburgischen Überfall auf Jülich-Berg im Sommer 1651, dem Kuhkrieg, lehnte der Statthalter der spanischen Niederlande Leopold militärische Hilfe ab. Der lothringische Herzog Karl ließ sich jedoch den Entsatz seiner Söldner mit 100.000 Reichstalern mehr als üppig vergüten. Sowohl während des brandenburgischen Überfalls 1646 als auch 1651 konnte Jülich-Berg keinen nennenswerten Widerstand leisten. Auch die Düsseldorfer Garnison war auf einen Überfall nicht vorbereitet bzw. hierzu nicht ausgestattet.

Hexenverfolgung Das Gericht Reichertshofen, unweit Pfaffenhofen an der Ilm, gehörte zu Pfalz-Neuburg und war erst 1619 rekatholisiert worden.

Das Protokoll der Religionß Introduction hält fest, dass Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm zu diesem Behufe Christian Fischer, seinen Geistlichen Secretarius, mit Vollmacht nach Reichertshofen gesendet, ihm aber den Jesuiten P. Michael Sibold beigegeben habe. Und ausgerechnet in diesem rekatholisierten Reichertshofen kam es zu einem Prozess, der in schärfstem Kontrast zur gleichzeitigen Ingolstädter Linie stand.

Der Prozess endete mit der Hinrichtung zunächst von neun, dann weiteren vier Personen.

Den Angeklagten wurden folgende Punkte zur Last gelegt: das Verhexen von Mensch und Tier, das „Drucken“ (Alpträume während des Schlafs), Reiten auf Tieren, Beraubung der Zeugungskraft, das Wettermachen, Kannibalismus, der Flug durch die Luft, die Verwandlung in Tiere, das Sicheinlassen auf den Teufel in Teufelspakt, Teufelstaufe und Teufelsfirmung, Teufelsanbetung, Ausfahren zu Hexenversammlungen und Satansfesten, Kellerfeste, Unzucht, manches mit kontrovers-theologischen Zügen, Besuch von verrufenen Orten, der Gebrauch von Amuletten, Tanz und Musik bei Hexenversammlungen usf.

Die unterschiedlichsten Ebenen hatten sich hierbei zu einem schwer entwirrbaren Knäuel verdichtet: Amoralisches Verhalten, Exzesse, Dämonisches vor- und achristlicher unterschwelliger Art, die christliche Dimension im Bilde des Satans, kontrovers-theologische Aspekte.

Das Verhörsprotokoll gibt ein erschreckendes Bild der Früchte einer 10-jährigen Rekatholisisierung unter jesuitischem Einfluss.

Rekatholisierung mini|Büste Wolfgang Wilhelms im Oculus über dem Kircheneingang von St. Andreas in Düsseldorf In Jülich-Berg führte Wolfgang Wilhelm seit etwa den 1620er Jahren die Rekatholisierung durch. Sein Versuch, in Düsseldorf ein katholisches Bistum zu gründen, scheiterte jedoch. Seit 1630 durften nur Katholiken Mitglied des Magistrats in Düsseldorf werden. Danach wurden die calvinistische (1631) und die lutherische Kirche (1641) in Düsseldorf geschlossen. Durch seine recht geschickte Neutralitätspolitik konnte er im Dreißigjährigen Krieg sein Territorium teilweise erfolgreich vor größeren Zerstörungen bewahren (1636–1641). Die Reichsstände hoben per Gesetz am 15. September 1641 die Neutralität von Jülich-Berg auf. In den Jahren danach wurde Jülich-Berg von den schwersten Kontributionen betroffen. Teile des Landes hielten kaiserliche, spanische (Jülich), niederländische und hessische Truppen besetzt. Unter dem politischen Druck musste er seine Restriktionen für Protestanten widerrufen (1643–1644) und protestantische Gottesdienste wieder zulassen.