Genesis, auch Genesis – Sieben Tage des Herrn, ist eine Installation des Künstlers Markus Lüpertz an den sieben unterirdischen Haltestellen des Karlsruher Straßenbahnnetzes. Die Installation besteht aus 14 großformatigen Keramikreliefs und wurde am 27. April 2023 enthüllt.

Hintergrund mini|hochkant|U-Straßenbahn, Haltestelle Im Zentrum von Karlsruhe wurden ab 2010 Straßenbahngleise für die U-Straßenbahn in den Untergrund verlegt, wodurch sieben unterirdische Haltestellen entstanden. Im Dezember 2021 wurde die U-Straßenbahn in Betrieb genommen. In den unterirdischen Haltestellen wurden nach einer Idee des Initiators Anton Goll die Keramikreliefs von Lüpertz angebracht. Die Kosten wurden laut Stuttgarter Zeitung zunächst auf etwa eine Million Euro geschätzt. Im Lauf des Projekts wurde die Schätzung auf 500.000 bis zu einer Million Euro nach unten korrigiert; unter anderem durch einen deutlichen Honorarverzicht des Künstlers. Goll gelang es, die verbleibenden Kosten als Sponsorengelder größtenteils aus der Karlsruher Wirtschaft einzusammeln.

Politische Entscheidungsfindung Der erste Vorschlag war so groß dimensioniert, dass er eine Veränderung des bereits feststehenden Gestaltungs- und Lichtkonzepts bedeutet hätte. Deshalb wurde für den zweiten Vorschlag die Größe des Werks auf Werbetafeln beschränkt, die im Gestaltungs- und Lichtkonzept vorgesehen waren. Da Werbeflächen wechselnd gestaltet werden, können sie auch für Kunst genutzt werden.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und die städtische Gesellschaft Kasig, die den Tunnel für die neue Bahn baut, signalisierten ihre Zustimmung zu dem Projekt. Anfang August 2017 stimmte der Gemeinderat von Karlsruhe nach ausführlicher Diskussion mit 28 Ja- zu 17 Nein-Stimmen, dem Projekt zu. Die Stadt stellte jedoch die Bedingung, dass die Installationen temporär angelegt sind. Nach sechs Jahren will der Gemeinderat entscheiden, ob sie am Ort verbleiben. Die Finanzierung für Genesis musste vollständig von privaten Geldgebern getragen werden.

Installation Produktion mini| Tafel „Von schönster Gestalt“ Die 14 Keramikreliefs sind zwei mal vier Meter groß. Jedes Relief besteht aus 10 einzelnen Keramikplatten. Keramik ist haltbar und witterungsbeständig und deshalb gut geeignet für den öffentlichen Raum.Genesis: Von schönster Gestalt/ Die Königswürde, Kunst im öffentlichen Raum, Stadt Karlsruhe Alle Tafeln wurden zweimal gebrannt, nach dem Modellieren und Trocknen im Schrühbrand und nach dem Bemalen im Glasurbrand.Genesis, auf genesis-lüpertz.de

Zunächst war geplant die Platten in der Staatlichen Majolika Manufaktur in Karlsruhe zu produzieren. Die Majolika Manufaktur gab jedoch den Auftrag nach der Fertigstellung des ersten Bildes („Die wütende Woge“) mit zurück und schrieb sie sei: „nach den gemachten Erfahrungen und den gewonnenen Erkenntnissen während der Herstellung des ersten Bildes durch den Künstler kapazitätstechnisch, organisatorisch und in dem angedachten Preisrahmen nicht in der Lage, den Gesamtauftrag abwickeln zu können.“ Daher wurden die restlichen 13 Reliefs von der Zeller Keramik produziert. Sowohl die Karlsruher Majolika als auch die Zeller Keramik wurden 2024 geschlossen.

Die vierzehn Tafeln Markus Lüpertz assoziierte die sieben Haltestellen mit den sieben Tagen der Schöpfung im Buch Genesis und die Fahrt der Straßenbahn durch den Untergrund mit Dantes Inferno. Weitere Inspirationsquellen waren der mesopotamische Gilgamesch-Schöpfungsmythos und die griechische Lehre von den Vier-Elementen.

Der Künstler gestaltete 14 Keramikreliefs für die sieben Haltestellen, so dass an jeder Haltestelle zwei Tafeln hängen.

+NummerierungTitelBezugUntertitelInstallationsort (Haltestelle / Bahnsteig)1Die Gussform des Schmiedes (Das Feuer)Vier-Elemente-LehreDer Ring des Salamanders als Feuerball gebiert das Licht.Durlacher Tor KIT-Campus Süd / Gleis 1 (Nord)2Die dreizehn Winde (Die Luft)Vier-Elemente-LehreDie Luft – verliebt in den Rad schlagenden Pfau.Durlacher Tor KIT-Campus Süd / Gleis 2 (Süd)3SchakkanGilgamesch-Epos und Dantes InfernoSalome verzückt den Hades.Kronenplatz / Gleis 1 (Nord)4Die wütende WogeGriechische Mythologie und Dantes InfernoCharon rudert und Dante staunt.Kronenplatz / Gleis 2 (Süd)5Der Aufgang der SonneGriechische Mythologie und Dantes InfernoDante vor dem Badesee der Toten.Marktplatz (Pyramide) / Gleis 3 (West)6Die Locken einer FrauBiblisch, Ostergeschichte und Altes TestamentChristus und David trotzen dem Tode.Marktplatz (Pyramide) / Gleis 3 (West)7Die Mauer von UrukMesopotamischVor der Mauer – die Gaben des Königs.Ettlinger Tor Staatstheater / Gleis 3 (West)8Belet-IliGilgamesch-EposDer gedeckte Tisch freut den Krieger.Ettlinger Tor Staatstheater / Gleis 4 (Ost)9Aruru oder die SteppeGilgamesch-Epos, SchwarzwaldEiner zu viel auf dem goldenen Lamm.Kongresszentrum / Gleis 3 (West)10Die BrustwehrGriechische Mythologie, Schloss OrtenbergSchweben oder gehalten – das Schicksal des Talos.Kongresszentrum / Gleis 4 (Ost)11Von schönster GestaltGriechische MythologieDante fährt umsteigefrei zur Hölle aber Waldstädter nicht einmal zum Bahnhof.Marktplatz (Kaiserstraße) / Gleis 1 (Nord)12Die KönigswürdeDantes InfernoSchnecken sind langsamer als das Feuer.Marktplatz (Kaiserstraße) / Gleis 2 (Süd)13Die Lehmhalde des Töpfers (Die Erde)Vier-Elemente-LehreDie Erde bestaunt den Urknall.Europaplatz / Gleis 1 (Nord)14Die Wasser des Überflusses (Das Wasser)Vier-Elemente-LehreDas Wasser schenkt den Fischen den Lebensraum.Europaplatz / Gleis 2 (Süd) Wirkung Rezeption Die Installation ruft bei der Bevölkerung großes Interesse hervor. Im ersten halben Jahr nach Enthüllung der Installation wurden ungefähr im zweiwöchentlichen Rhythmus Führungen angeboten,Stadtführung: Karlsruhe Kunst erfahren - Genesis von Markus Lüpertz im Untergrund, Karlsruhe Tourismus GmbH, Wayback Snapshot vom 21. September 2023 die so weit im Voraus ausgebucht waren, dass zusätzliche Termine angeboten werden mussten.Aufgrund hoher Nachfrage: Zusatztermine für Führungen „Genesis von Markus Lüpertz im Untergrund“ in Karlsruhe, Claus Bünnagel, www.busplaner.de, 11. Juli 2023 2024 hielt das Interesse an den Führungen an.Ein Jahr Kunst in der U-Strab: Lüpertz’ Genesis-Tafeln in Karlsruhe: Die Nachfrage nach Führungen hält an, Stefan Jehle, BNN, 27. April 2024

In Teilen der Bevölkerung stößt die Kunst jedoch auf Ablehnung, besonders wegen der martialischen Darstellung von Tod und der fehlenden Repräsentation des bunten Karlsruhes.

Anton Goll erkannte in der Installation ein Plädoyer für die Bewahrung der Schöpfung. Damit seien auch ganz junge Menschen Adressaten der Arbeit. Oberbürgermeister Mentrup äußerte, dass Karlsruhe sich eigentlich nur beschenkt fühlen könne. Beim Festakt in der Stadtkirche spannt Thomas Schalla (evangelisch) den Bogen bis hin zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und Hubert Streckert (katholisch) erklärt: „Genesis ist Kunst geworden in Karlsruhe.“Genesis Festakt in Karlsruhe: Kunstfreunde feiern wunderbares Angebot für sieben Jahre, Wolfgang Voigt, BNN, 28. April 2023 Peter Weibel, ehemaliger Leiter des ZKM in Karlsruhe und ein Gegner des Werkes, solange er keine Werkkenntnis hatte, nannte kurz vor der Fertigstellung des Projektes und seinem eigenen Tod das Werk sehr beeindruckend.

Der Tagesspiegel aus Berlin spricht von unterirdischen Kunst-Kathedralen und monumentalen U-Bahn-Werken. Unterirdische Schöpfungskunst: Monumentale U-Bahn-Werke von Markus Lüpertz um Mitternacht enthüllt, Tagesspiegel, 28. April 2023 Das online ArtDependence Magazine zitiert die Ansicht, religiöse Kunst würde nicht zu dem IT-Image der Stadt Karlsruhe passen, vertritt aber selber die Meinung die Installation sei eine spannende Bereicherung für die Kulturlandschaft der Stadt und eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, die Umwelt für künftige Generationen zu erhalten.Markus Lüpertz's Ceramic Reliefs Unveiled in Karlsruhe's Subway Station, ArtDependence Magazine, 30. April 2023

Die Reliefs werden inzwischen auch im Schulunterricht besprochen."Genesis" von Markus Lüpertz - Religionsunterricht im Untergrund, Evangelische Landeskirche in Baden, 29. September 2023

Festival „7 Tage sind nicht genug“ Als Reaktion auf die Entscheidung der Stadt, Lüpertz’ religiöse Kunst im öffentlichen Raum zu installieren, rief die Karlsruher Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung unter dem Titel „7 Tage sind nicht genug“ ein „interdisziplinäres Festival an den Grenzen von Wissenschaft, Philosophie und Kunst“ ins Leben. In Kooperation mit bekannten Karlsruher Einrichtungen wie dem Zentrum für Kunst und Medien fand unter dieser Überschrift im Zeitraum von März bis September 2018 eine inhaltlich zusammenhängende Reihe verschiedener Veranstaltungen statt, darunter Vorträge, Ausstellungen, Wettbewerbe und Weiterbildungen.

Kritik im Vorfeld Das private und ausschließlich über Spenden finanzierte Projekt war in der Karlsruher Kunstszene umstritten. Es wurde kritisiert, dass es weder eine Ausschreibung noch einen Wettbewerb gab. Die biblische Thematik wurde kritisiert, wobei die Gegner im Vorfeld von einer engeren Anlehnung an das biblische Buch Genesis ausgingen. Erst nach der Enthüllung wurden die vielfältigen Einflüsse bekannt.

Literatur Markus Lüpertz Genesis, 3 Bände, Herausgeber Anton Goll, Autoren: Chris Gerbing, Armin Klein, Klaus Gaßner, Raimund Wünsche, Markus Lüpertz, 2023 Verlag Kühlen, B, ISBN 978-3-87448-568-5

Weblinks Seite der Kunst-Initiative Genesis Markus Lüpertz – Eine schöpferische Reise vom Dunkel ins Licht. Badische Neueste Nachrichten Genesis-Magazin (PDF)

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstwerk (Installation) Kategorie:Bildende Kunst (Karlsruhe) Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Baden-Württemberg