mini|Die Weihinschrift des Präfekten Gaius Mogillonius Priscianus ()
Die Cohors II Raetorum [civium Romanorum] [Antoniniana] [Severiana] () war eine römische Auxiliareinheit. Sie ist durch Militärdiplome, Inschriften und Ziegelstempel belegt. Die Kohorte ist mit der in verschiedenen Inschriften aufgeführten Cohors Raetorum et Vindelicorum identisch.
Namensbestandteile Cohors: Die Kohorte war eine Infanterieeinheit der Auxiliartruppen in der römischen Armee.
II: Die römische Zahl steht für die Ordnungszahl die zweite ( secunda). Daher wird der Name dieser Militäreinheit als Cohors secunda .. ausgesprochen.
Raetorum: der Räter. Die Soldaten der Kohorte wurden bei Aufstellung der Einheit aus dem Volk der Räter auf dem Gebiet der römischen Provinz Raetia rekrutiert. Die Hilfstruppeneinheiten der Räter wurden laut Tacitus zu zwei verschiedenen Zeitpunkten aufgestellt: nach der Eroberung Raetiens um 15 v. Chr. sowie um 70 n. Chr. in Folge des Helvetieraufstands.
civium Romanorum: der römischen Bürger bzw. mit römischem Bürgerrecht. Den Soldaten der Einheit war das römische Bürgerrecht zu einem bestimmten Zeitpunkt verliehen worden. Für Soldaten, die nach diesem Zeitpunkt in die Einheit aufgenommen wurden, galt dies aber nicht. Sie erhielten das römische Bürgerrecht erst mit ihrem ehrenvollen Abschied (Honesta missio) nach 25 Dienstjahren. Der Zusatz kommt in Militärdiplomen, Inschriften und Ziegelstempel vor.
Antoniniana: die Antoninianische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Caracalla (211–217) bezieht. Der Zusatz kommt in der Inschrift () vor.
Severiana: die Severianische. Eine Ehrenbezeichnung, die sich auf Severus Alexander (222–235) bezieht. Der Zusatz kommt in der Inschrift () vor.
Da es keine Hinweise auf die Namenszusätze milliaria (1000 Mann) und equitata (teilberitten) gibt, ist davon auszugehen, dass es sich um eine reine Infanterie-Kohorte, eine Cohors (quingenaria) peditata, handelt. Die Sollstärke der Einheit lag bei 480 Mann, bestehend aus 6 Centurien mit jeweils 80 Mann.
Geschichte Die Cohors Raetorum et Vindelicorum ist durch mehrere Inschriften für das frühe 1. Jhd. belegt. Aus dieser Kohorte gingen wohl die Cohors II Raetorum civium Romanorum und die Cohors I Vindelicorum hervor.
Der erste gesicherte Nachweis der Einheit in der Provinz Germania beruht auf einem Militärdiplom, das auf das Jahr 82 n. Chr. datiert ist. In dem Diplom wird die Kohorte als Teil der Truppen (siehe Römische Streitkräfte in Germania) aufgeführt, die in der Provinz stationiert waren. Weitere Diplome, die auf 90 bis 134 datiert sind, belegen die Einheit in Germania superior.
Standorte Standorte der Kohorte in Germania Superior waren: Aquae Mattiacorum Kastell Butzbach Kastell Saalburg
Ziegel mit Stempeln wie COH II RAET und COH II RAE C R wurden in Butzbach, Friedberg und Saalburg gefunden (, , ).
Angehörige der Kohorte Folgende Angehörige der Kohorte sind bekannt.
Kommandeure Gaius Attius Alfianus Lucilius Ruga,Die genaue Zuordnung zu einer der beiden Einheiten mit dem Namen Cohors II Raetorum ist nicht möglich bzw. umstritten. ein Präfekt C(aius) Licinius C[]: er wird auf dem Diplom von 116 als Kommandeur der Kohorte genannt. Gaius Mogillonius Priscianus, ein Präfekt Q(uintus) A[] []ndr[us] () Quintus Asinius Acilianus, ein Präfekt [S]extiu[s] [V]ictor, ein Präfekt (, ) [T]ib(erius) Cl(audius) Candidus () T(itus) Fl(avius) Sil[] ()
Sonstige Alinia() Atte[]i() [] () C(aius) Iul(ius) Cleme(n)s, ein Veteran () C(aius) Iul(ius) Sabinus, ein Centurio () Capito, ein Veteran () Cl(audius) Celer, ein Centurio () Cn(aeus) Cornelius [], ein Soldat: das Diplom von 116 wurde für ihn ausgestellt. Cuses () Lucius Augustius Iustus, ein Centurio Nunadus, ein Soldat () Primius Auso, ein Optio () Q(uintus) Vibius A(u)gustus, ein Soldat () Silvinius Attus, ein Centurio () Sterio, ein Soldat ()
Siehe auch Liste der römischen Auxiliareinheiten Römische Streitkräfte in Germania
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise Farkas István Gergő: The Roman Army in Raetia, Dissertation, University of Pécs Faculty of Humanities 2015, S. 158 ().
Jörg Scheuerbrandt: Exercitus. Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 2003/2004, S. 159 Tabelle 3 (PDF S. 161).
John Spaul: Cohors² The evidence for and a short history of the auxiliary infantry units of the Imperial Roman Army, British Archaeological Reports 2000, BAR International Series (Book 841), ISBN 978-1-84171-046-4, S. 274–275, 280–281
Inschriften der Cohors Raetorum et Vindelicorum (, , , ).
Militärdiplome der Jahre 82 (), 90 (, ), 116 (), 129 () und 134 ().
Kategorie:Kohorte (Hilfstruppe)