Ballon ist ein deutscher Thriller von Michael Herbig, der am 27. September 2018 in die deutschen Kinos kam. Der Film behandelt die als Ballonflucht bekannt gewordene Überquerung der innerdeutschen Grenze der Familien Strelzyk und Wetzel aus der DDR nach Westdeutschland mit einem selbstgebauten Heißluftballon.

Handlung mini|hochkant=1.2|In Berlin steigt die Familie Strelzyk im Hotel Stadt Berlin ab, um Kontakt mit der US-Botschaft vor Ort herzustellen.

Der Film spielt im Sommer 1979 im thüringischen Pößneck. Die Familien Strelzyk und Wetzel haben den waghalsigen Plan, mit einem selbstgebauten Heißluftballon aus der DDR in den Westen zu fliehen. Als perfekte Windbedingungen herrschen, wird Günter Wetzel die Sache jedoch zu gefährlich. Er hält den Ballon für zu klein für acht Leute, und seine Frau Petra hat Angst um ihre beiden Kinder. Daher springen sie kurzfristig von dem Fluchtversuch ab. Doris und Peter Strelzyk wollen nun mit ihren beiden Söhnen alleine die Aktion wagen. Sohn Frank hat sich in Klara Baumann, die Tochter des Nachbarn Erik, der für die Stasi tätig ist, verliebt und schreibt ihr einen Abschiedsbrief.

Nachts packt Familie Strelzyk den Ballon und weiteres Zubehör in ihren Anhänger, fährt in den Wald und hebt mit dem Ballon ab. In den Wolken versteckt können sie von den Grenzschützern nicht gesehen werden. Der Ballon geht jedoch kurz vor der Grenze nieder, weil die Leitungen von den Gasflaschen zum Brenner vereisen und dadurch verstopfen. Keiner der vier wird bei der Bruchlandung ernsthaft verletzt, sie gelangen unentdeckt zurück zu ihrem Auto und vernichten belastende Spuren. Zuhause gelingt es Frank knapp, den Brief an Klara wieder an sich zu bringen.

Grenzsoldaten entdecken Spuren des Fluchtversuches, und die Stasi nimmt unter Leitung von Oberstleutnant Seidel die Ermittlungen auf, der den gefundenen Ballon sicherstellen lässt. Er verhört die im fraglichen Zeitraum diensthabenden Grenzsoldaten und wirft ihnen vor, ihre Aufgabe nicht ernst genug genommen zu haben. Aufgrund von Flugdauer und Windrichtung grenzen die Ermittler das Gebiet ein, in dem der Ballon gestartet sein muss, und damit auch den Kreis der Verdächtigen.

Beide Familien leben in den nächsten Wochen in ständiger Angst, dass sie von der Stasi mit dem Fluchtversuch in Verbindung gebracht werden könnten. Besonders Doris ist besorgt, da sie im Wald ihre Medikamente verloren hat, die der Stasi aufgrund der nummerierten Pillendosen wichtige Hinweise geben.

Unter Mithilfe des Stasi-Nachbarn kann Peters Familie nach Ost-Berlin reisen, wo sie amerikanischen Passanten vor der dortigen US-Botschaft ein Hilfegesuch hinterlassen. Ihre Hoffnung, von den Amerikanern außer Landes gebracht werden zu können, zerschlägt sich jedoch. Peter kann Günter davon überzeugen, einen weiteren Fluchtversuch per Ballon zu unternehmen. Da sie bei der Beschaffung der Materialien vorsichtig sein müssen, kaufen die Familienmitglieder geeigneten Stoff in verschiedenen Städten jeweils nur in kleinen Mengen. Jede Nacht sitzt Günter an der Nähmaschine und näht die Streifen zusammen. Unterdessen steht Oberstleutnant Seidel unter Erfolgsdruck, denn er muss um jeden Preis verhindern, dass sich die DDR durch einen gelungenen Fluchtversuch blamiert.

Wie von Doris bereits befürchtet, können die Ermittler ihre Medikamente bis zur örtlichen Apotheke zurückverfolgen, wo nun sämtliche Empfänger der Tabletten festgestellt und kontrolliert werden. Zudem veröffentlicht die Stasi in der Presse Fotos von Gegenständen, die die Strelzyks am Landeort ihres ersten Versuchs zurücklassen mussten. Günter muss die Näharbeiten in den Keller der Strelzyks verlegen, weil seine Nachbarn auf das ständige Laufgeräusch der Nähmaschine aufmerksam geworden sind. Als Frank mitbekommt, dass Klaras Vater Erik zur Apotheke muss, weil jemand gesucht wird, und zudem Nordwind angesagt ist (die Voraussetzung für das Gelingen ihrer Flucht), wollen sie den zweiten Anlauf in derselben Nacht unternehmen. Als die Mitarbeiter der Stasi in ihre Wohnung eindringen, befinden sich die Familien bereits auf dem Weg zum Startpunkt. Diesmal gelingt der Start nicht so reibungslos wie beim ersten Versuch, und als das Gas ausgeht, müssen sie nach halbstündiger Fahrt in einem Wald landen. Zunächst ist nicht klar, ob sie die Grenze erfolgreich überquert haben. Peter und Günter erkunden daraufhin die Gegend und treffen auf einen Streifenwagen der bayerischen Polizei. Dazu befragt, ob sie hier im Westen sind, antworten die Polizisten verblüfft: „Nein, in Oberfranken.“ Die Freude bei den acht Menschen ist riesengroß. Oberstleutnant Seidel und sein Vorgesetzter müssen bei Erich Mielke erscheinen. Erik Baumann wird von der Stasi verhört.

Zehn Jahre später verfolgen Doris und Peter Strelzyk im Fernsehen Hans-Dietrich Genschers Bekanntmachung aus der Prager Botschaft, dass die dort versammelten DDR-Bürger ausreisen dürfen.

Produktion Stab und Finanzierung

Regie führte Michael Herbig, der sechs Jahre lang den Film vorbereitet hatte. Er hatte sich bereits vor einigen Jahren mit dem einstigen DDR-Flüchtling Günter Wetzel getroffen und sich dessen Fluchtgeschichte erzählen lassen. Wetzel war 1978 gemeinsam mit einem ehemaligen Kollegen auf die Idee gekommen, die Grenze der DDR mit einem selbstgebauten Heißluftballon zu überqueren.Bully Herbig dreht Film über Ballon-Flucht einer Thüringer Familie In: insuedthueringen.de, 23. Juni 2017. Bereits 1980 wurde unter dem Titel Mit dem Wind nach Westen ein Film zum selben Ereignis von Disney produziert, welcher 1982 uraufgeführt wurde. Als Herbig diesen ansah, war er im Alter von Frank Strelzyk. mini|hochkant=1.2|Friedrich Mücke, hier beim Zurich Film Festival, spielt im Film Peter Strelzyk Herbig erklärte, man habe versucht, die Remake-Rechte zu erwerben, wobei sich herausstellte, dass beide Familien ihre Geschichte „mit Haut und Haaren“ verkauft hatten. Er habe die Verträge verschiedenen Anwälten gezeigt, die ihm jedoch von weiteren Bemühungen abrieten. Schließlich konnte Herbig über Roland Emmerich Kontakt mit Disney herstellen. Mit den Familien Strelzyk und Wetzel schloss Herbig Beraterverträge ab. Herbig finanzierte den Film über herbXfilm mit 700.000 Euro. Zudem erhielt der Film eine Förderung vom Medienboard Berlin-Brandenburg in gleicher HöheMedienboard Förderzusagen Juni 2017 In: medienboard.de. Abgerufen am 28. Januar 2018. (PDF; 231 kB) und vom FilmFernsehFonds Bayern eine Produktionsförderung in Höhe von 1,25 Millionen Euro. Der Deutsche Filmförderfonds gewährte eine Produktionsförderung in Höhe von 2.049.800 Euro,Produktionsspiegel In: dfff-ffa.de. Abgerufen am 28. Januar 2018. die Mitteldeutsche Medienförderung in Höhe von 150.000 EuroMDM fördert 33 Projekte mit 3,7 Millionen Euro In: Leipziger Volkszeitung / pressreader.com, 27. Oktober 2017. und die Filmförderungsanstalt eine Produktionsförderung Kino in Höhe von 650.000 Euro. In: spielfilm.de, 14. September 2017; abgerufen am 17. Mai 2023 herbXfilm produzierte den Thriller mit StudioCanal und SevenPictures als Co-Produzenten.Firmengeschichte In: herbx.de. Abgerufen am 28. Januar 2018. Mit Regisseur Leander Haußmann ging Herbig das Drehbuch im Detail durch.

Krischan Koch von NDR Info erklärt, Herbig sei in seinem Film bis in die kleinsten Ausstattungsdetails um Echtheit bemüht. Dennoch sei Ballon kein Film über die Staatssicherheit und die politische Unterdrückung in der DDR geworden. Vielmehr habe Herbig die Dramatik dieser Flucht im Blick.Krischan Koch: „Ballon“: Dramatische Flucht aus der DDR. In: NDR Info, 26. September 2018. Auch Norbert Koch-Klaucke bemerkt in der Berliner Zeitung, das wirkliche Leben habe nach der erfolgreichen Flucht für die beiden Familien ein ganz anderes Drehbuch geschrieben, das der Film nicht zeige: „Es beginnt ein neues Drama. Denn nach der gelungenen Flucht, die im Westen für Schlagzeilen sorgt, die DDR weltweit blamierte, bekommen nun die beiden Familien die Rache des SED-Staates zu spüren. Sie werden im Westen von der Stasi verfolgt.“ Einerseits wollte man die Familien zur Rückkehr in die DDR bewegen, andererseits leitete Mielkes Spitzelsystem laut Stasi-Akten sofort nach der spektakulären Ballonflucht den operativen Vorgang „Birne“ ein, um den Ballonflüchtlingen das Leben im Westen zur Hölle zu machen.Norbert Koch-Klaucke: „Ballon“ von Bully Herbig Das Stasi-Drama, das der Film nicht zeigt. In: Berliner Zeitung, 17. September 2018. (Inhalt nicht mehr verfügbar.)

Dreharbeiten und Ausstattung mini|hochkant=1.2|Im Freilichtmuseum des Mauerdorfs Mödlareuth, wo man im Oktober 2017 drehte, finden sich erhaltene DDR-Wachtürme. Die Dreharbeiten fanden in Bayern, Thüringen und Berlin statt und wurden am 18. September 2017 in München begonnen.Bully lässt ‘Ballon’ steigen In: mediabiz.de, 18. September 2017. Im Oktober 2017 drehte man in Nordhalben, wo man die Ortschaft wie in der DDR der 1970er Jahre aussehen ließ,Nordhalben: Dreharbeiten sorgen für Stau In: Frankenpost, 10. Oktober 2017. und im Mauerdorf Mödlareuth, das zu einem Teil in Bayern, zum anderen Teil in Thüringen liegt.Töpen-Mödlareuth: Mödlareuth wird zur Filmkulisse In: Frankenpost, 28. Oktober 2017.Christina Hertel: ‘Bully’ sucht Komparsen für seinen DDR-Film In: welt.de, 18. August 2017. Ebenfalls im Oktober 2017 erfolgten Aufnahmen in Berlin. In: berlinboxx.de. Abgerufen am 17. Mai 2023. Bei dem im Film gezeigten Hotel Stadt Berlin handelt es sich um das heutige Park Inn Hotel am Alexanderplatz. Am 24. November 2017 wurden die Dreharbeiten nach 50 Drehtagen beendet. Als Kameramann fungierte Torsten Breuer.

Herbig hatte Einblick in die Stasiakten der Flucht mit Fotos der Gondel und des Ballons. Diese Fotos sind neben einigen anderen Aufnahmen im Abspann des Films zu sehen. Die beiden im Film verwendeten Ballons wurden nicht am Computer geschaffen, sondern tatsächlich nachgebaut. Der zweite Ballon war 32 Meter hoch, bestand aus 1245 Quadratmetern Stoff und hatte ein Volumen von 4290 Kubikmetern. Der echte Fluchtballon stand nicht zur Verfügung, da er während der Dreharbeiten restauriert wurde. Die Szenen wurden mithilfe Greenscreen-Technik erstellt.Susanne Lenz: Michael „Bully“ Herbig über „Ballon“: „Der Wahnsinn dieser Geschichte“. Berliner Zeitung, 22. September 2018. Abgerufen am 27. September 2018. Der echte Fluchtballon ist im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg ausgestellt, das im Juni 2019 eröffnet wurde.

Filmmusik und Veröffentlichung Die Filmmusik wurde von Ralf Wengenmayr komponiert und vom Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielt. Sidney Schering von Quotenmeter.de ist der Meinung, die Musik von Herbigs Stammkomponisten trage ihren Teil dazu bei, dass Ballon solch eine enorme Spannung entwickelt. Zwar halte sich Wengenmayr mit seiner Musik über weite Teile des Films zurück, doch wann immer die Musik in den Vordergrund tritt, erklinge eine aufreibende, moderne Klanggewalt: „Ähnlich zu Christopher Nolans Dunkirk, in dem Hans Zimmer unentwegt das Ticken einer Uhr erklingen lässt, zieht sich auch in Ballon ein kurz getaktetes, kühles Schlagen durch den Score, der auf verzerrte Percussion, kühle Synthesizer und schneidende Streichersektionen setzt.“Sidney Schering: „Ballon“: Bully kann auch Spannung. In: quotenmeter.de, 26. September 2018. Das im Film verwendete Lied Bummi, Bummi, das Frau Wetzel im Ballon summt, um die Kinder zu beruhigen, wurde von der echten Frau Wetzel in dieser Situation tatsächlich gesungen.