Keine Zeit zu sterben (Originaltitel: No Time to Die) ist ein Agententhriller des Regisseurs Cary Joji Fukunaga und der 25. Teil von Eons James-Bond-Reihe. Als eine tödliche Nanosonden-Waffe in die Hände von Terroristen gerät, zwingen persönliche Verbindungen Bond aus dem Ruhestand. Nach mehrjähriger Verzögerung feierte der Film am 28. September 2021 Weltpremiere und wurde der erste globale Kinoerfolg in der COVID-19-Pandemie. Von der Kritik wurde er als passender Abschluss von Daniel Craigs Zeit in der Hauptrolle aufgenommen.
Handlung In einem Rückblick dringt der maskierte Lyutsifer Safin in ein abgelegenes Haus in Norwegen ein, in dem er nach Mr. White sucht, der seine ganze Familie ausgelöscht hat. Da White nicht anwesend ist, erschießt er dessen Frau. Die Tochter der Alkoholikerin, die junge Madeleine Swann, hat sich versteckt und schießt auf Safin, als sie entdeckt wird. Sie schleppt den vermeintlich Toten nach draußen, wo Safin wieder zu sich kommt. Madeleine flüchtet auf einen zugefrorenen See, bricht ein und droht unter dem Eis zu ertrinken. Unerwartet wird sie von Safin gerettet, indem er das Eis zerschießt.
In der Gegenwart, anknüpfend an Blofelds Festnahme, fahren Bond und Madeleine Swann mit dem wieder instand gesetzten Aston Martin DB5 in die süditalienische Kleinstadt Matera, wo Bond das Grab von Vesper Lynd besuchen will. Als er dort das Octopus-Symbol von Spectre entdeckt, explodiert Lynds Grab, doch er wird nur leicht verletzt. Er verdächtigt Madeleine, ihn verraten zu haben, und holt sie vom Hotel ab. Nachdem sie mehreren Verfolgern entkommen sind, setzt er Madeleine, die ihre Unschuld beteuert, am Bahnhof ab und kündigt an, sie nie mehr wiedersehen zu wollen.
Fünf Jahre später überfallen Unbekannte ein Labor in London. Sie bringen den Wissenschaftler Obruchev in ihre Gewalt und stehlen die Biowaffe Herakles, an deren Entwicklung Obruchev maßgeblich beteiligt ist. Bond hat inzwischen seinen Dienst beim MI6 quittiert und genießt auf Jamaika seinen Ruhestand. Sein alter Freund, der CIA-Agent Felix Leiter, sucht ihn dort mit seinem Kollegen Logan Ash auf, um ihn zu überreden, Obruchev zurückzuholen.
Bond lehnt ab und lernt die Agentin Nomi kennen, die als seine Nachfolgerin beim MI6 nun die „007“ trägt. Sie warnt ihn, er solle sich von Herakles und Obruchev fernhalten. Bond erfährt, dass hinter Herakles sein ehemaliger Vorgesetzter M steckt, der trotz Bedenken das Projekt fortgesetzt hat. Bond nimmt daher Leiters Angebot an und segelt nach Kuba. Dort infiltriert er mit der CIA-Agentin Paloma ein Treffen von Spectre-Mitgliedern, bei dem auch Obruchev anwesend sein soll. Ernst Stavro Blofeld leitet vom Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh aus mit einem bionischen Auge das Treffen und befiehlt, Bond zu töten, doch stattdessen sterben alle anwesenden Spectre-Mitglieder, anscheinend durch einen sehr schnell wirkenden Erreger.
Bond findet Obruchev und verhört ihn mit Leiter und Ash auf dessen Boot. Doch Ash entpuppt sich als Verräter im Auftrag Safins, Drahtzieher des Herakles-Raubs. Bei einem Schusswechsel verwundet Ash Leiter tödlich. Er ergreift mit Obruchev die Flucht und sprengt das Boot in die Luft, dessen Untergang Bond nur knapp entkommen kann.
In London weist M zunächst Bonds Bitte ab, mit Blofeld sprechen zu dürfen. Moneypenny und Bond suchen Q auf und finden heraus, dass Herakles Nanobots sind, die wie Viren übertragen werden und nicht neutralisiert werden können. Die Nanobots sind auf die DNS einzelner oder mehrerer Zielpersonen codiert, so dass nur diese getötet werden. So wurden die verbliebenen Mitglieder von Spectre gezielt ermordet, und Blofeld ist der letzte Überlebende der Organisation. M stellt Bond wieder als Agenten ein und gestattet ihm, Blofeld zu besuchen. Madeleine wird derweil von Safin aufgesucht. Als Blofelds Psychologin hat sie Zugang zu ihm, daher zwingt Safin sie, sich mit Herakles-Nanobots zu infizieren, die auf Blofeld codiert sind. Als Druckmittel droht Safin, Bond umzubringen.
Bond und Madeleine treffen sich beim Besuch in Blofelds Gefängnis erstmals seit ihrer Trennung wieder. Hierbei überträgt Bond durch Berührung unwissentlich die Nanobots von Madeleine auf sich, bevor sie aus der Situation flieht. Blofeld enthüllt Bond, dass er die Explosion von Lynds Grab in Auftrag gegeben und dass Madeleine ihn keineswegs verraten habe. Daraufhin versucht Bond, ihn zu erwürgen. Er wird von Bill Tanner gestoppt, doch Blofeld ist nun infiziert und stirbt vor ihren Augen.
Bond besucht Madeleine in Norwegen, wo sie ihm ihre fünfjährige Tochter Mathilde vorstellt, seine Vaterschaft jedoch leugnet. Madeleine erzählt, dass ihr Vater im Auftrag von Blofeld Safins Familie ausgelöscht habe, sodass dieser aus Rache Spectre zerschlagen und Blofeld getötet habe. Die drei werden jedoch zur Flucht gezwungen, da Ash bereits auf ihrer Spur ist. Nach einer weiteren Verfolgungsjagd im Wald kann Bond Ash sowie dessen Handlanger ausschalten, muss jedoch mit ansehen, wie Safin Madeleine und Mathilde in einem Helikopter entführt.
Gemeinsam mit Nomi dringt Bond nach einem Briefing mit M in Safins Hauptquartier ein, eine ehemalige Raketensilo-Anlage auf einer Kurilen-Insel zwischen Japan und Russland. Hier bereitet Safin sich darauf vor, mit Obruchevs Hilfe die Nanobots in Massen zu produzieren, sie als ethnische Waffe zu programmieren und damit unzählige weitere Menschen weltweit zu töten. Bond und Nomi zerstören Safins Labor, töten Obruchev und befreien Madeleine und Mathilde, die von Nomi von der Insel gebracht werden.
Bond empfiehlt M den Beschuss der gesamten Anlage mit Raketen. M fordert dies beim britischen Zerstörer HMS Dragon an. Inzwischen öffnet Bond die bombenfesten Schleusentore der Silos und stellt Safin in dessen Giftgarten. Beim Kampf mit Safin infiziert dieser Bond mit Nanobots, die Madeleine und Mathilde töten würden, sollte er sie jemals wieder berühren. Bond wird schwer verwundet, doch er kann Safin töten. Er verabschiedet sich per Funk von Madeleine. Dabei bestätigt sie seine Vermutung, dass Mathilde seine Tochter ist. Bond bleibt auf der Insel und wartet auf dem Dach der Anlage auf die Ankunft der zwischenzeitlich gestarteten Raketen. Diese zerstören die Anlage vollständig.
Schließlich bringen beim MI6 M, Moneypenny, Q, Nomi und Tanner einen Toast auf Bond anlässlich seines Todes aus, während Madeleine mit Mathilde nach Matera fährt und ihr die Geschichte ihres Vaters, James Bond, erzählt.
Produktion Stab und Besetzung
Nach Spectre wollte Daniel Craig seinen auslaufenden Vertrag zunächst nicht verlängern und keinen weiteren James-Bond-Film mehr drehen. In einem Interview erklärte er, er wolle sich lieber „die Pulsadern aufschneiden“, als noch einmal den britischen Geheimagenten zu spielen. Im August 2017 nahm er schließlich ein Angebot über 50 Millionen Pfund an und bestätigte seine Rückkehr als James Bond in Keine Zeit zu sterben.
Als Drehbuchautoren wurden zuerst Neal Purvis und Robert Wade angekündigt, die seit 1999 an den Drehbüchern sämtlicher James-Bond-Filme mitwirkten. Am 25. Mai 2018 wurde Danny Boyle als Regisseur bekanntgegeben. Gemeinsam mit seinem Stammautoren John Hodge hatte er eine eigene Idee entwickelt, die den Produzenten zusagte, und so wurden sie als Team engagiert. Er plante einen launigen und ironischen Film mit Rückgriff auf den Kalten Krieg – als ein Schauplatz war eine geflutete russisch-orthodoxe Kirche vorgesehen. Hinter den Kulissen kam es jedoch zu Spannungen. Boyles Wahl als Gegenspieler, Tomasz Kot, irritierte die Produzenten. Craig wiederum wollte den mit Casino Royale begonnenen Handlungsbogen definitiv abschließen, indem sich Bond aus Liebe opfert. Aber Bonds Tod widersprach Boyles Vorstellung. Als die Produzenten schließlich Hodges Drehbuchentwurf verwarfen, verließ auch Boyle die Produktion am 21. August 2018 unter Angabe von „kreativen Differenzen“.
Im September 2018 wurde Cary Joji Fukunaga als Regisseur bekanntgegeben. Fukunaga ist somit der erste US-Amerikaner, der Regie bei einem Bond-Film führte. Im selben Monat wurden Neal Purvis und Robert Wade zur Überarbeitung des Drehbuchs verpflichtet. Später wurde diese Aufgabe an Scott Z. Burns und Phoebe Waller-Bridge weitergegeben. Letztere wurde laut eigener Aussage darum gebeten, einige Dialoge zu überarbeiten und für weitere Szenen Alternativen anzubieten. Letztendlich soll sie dafür verantwortlich sein, dass erstmals eine Frau in die Rolle des britischen Geheimagenten schlüpft, dass das Wort „Bond-Girl“ am Set durch „Bond-Woman“ ersetzt wurde und dass James Bond insgesamt moderner wirke, eine jüngere Zielgruppe anspreche und lernen müsse, sich mit der #MeToo-Debatte auseinanderzusetzen.
Daniel Craig ist im Film ein letztes Mal als James Bond zu sehen. Des Weiteren kehren Léa Seydoux als Madeleine Swann, Ralph Fiennes als M, Ben Whishaw als Q und Naomie Harris als Eve Moneypenny zurück.„James Bond 25“: Diese 4 alten Bekannten kehren neben Daniel Craig zurück In: filmstarts.de. Abgerufen am 10. Dezember 2018. Lupita Nyong’o soll als sogenanntes Bond-Girl im Gespräch gewesen sein, lehnte die Rolle allerdings ab. Im Film steuert James Bond eine Vielzahl an Fahrzeugen, unter anderem einen Aston Martin DB5 und einen Aston Martin V8 Vantage, der das erste Mal im Film James Bond 007 – Der Hauch des Todes aus dem Jahr 1987 zu sehen war. Wie im April 2019 bekannt wurde, kehren außerdem Jeffrey Wright und Rory Kinnear in ihre Rollen aus vorherigen Filmen zurück. Neu dabei sind neben Rami Malek, der Bonds Gegenspieler Safin verkörpert, auch Lashana Lynch, Billy Magnussen, Ana de Armas, David Dencik und Dali Benssalah. Malek nahm die Rolle nach eigener Aussage erst an, nachdem ihm Regisseur Fukunaga versichert hatte, dass er keinen Terroristen arabischer Herkunft darstelle, der eine Religion oder Ideologie widerspiegele. Auch Christoph Waltz hat nach seiner Hauptrolle als Kontrahent Bonds in Spectre erneut einen kleineren Auftritt. Ursprünglich sollte auch Grace Jones am Film beteiligt sein. Jones verkörperte in James Bond 007 – Im Angesicht des Todes aus dem Jahr 1985 die Rolle der May Day und sollte einen Cameo im Film haben, wandte sich von diesem Vorhaben jedoch ab, als sie herausfand, wie klein ihr Auftritt ausfallen sollte.
Dreharbeiten
Am 22. Februar 2019 ging aus einer Produktionsliste des Branchenblattes Production Weekly hervor, dass der Film unter dem Arbeitstitel Shatterhand gedreht wurde. Der Name Shatterhand bezieht sich auf das Pseudonym Guntram Shatterhand des Oberbösewichts aus dem 1964 veröffentlichten James-Bond-Roman Du lebst nur zweimal von Ian Fleming. Fleming soll zu dem Namen während eines Hamburg-Besuches einige Jahre zuvor inspiriert worden sein: „Shatterhand war der Name eines Cafés in der Hansestadt – das wiederum nach der Figur Old Shatterhand aus diversen Karl-May-Romanen benannt ist.“