Der Hauptbahnhof Dortmund ist der bedeutendste Bahnhof der Stadt Dortmund und gehört mit täglich rund 130.000 Reisenden zu den meistfrequentierten Fernbahnhöfen der Deutschen Bahn. Der Kreuzungsbahnhof am nordwestlichen Rand der Innenstadt besitzt 16 Bahnsteiggleise und gehört zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Preisklasse 1 von DB InfraGO AG.
Zu den Einrichtungen zählt auch der östlich an der Strecke nach Hamm am Bw Dortmund gelegene Betriebsbahnhof, der im Betriebsstellenverzeichnis als Dortmund Bbf verzeichnet ist. Unter dem Hauptbahnhof besitzt die Dortmunder Stadtbahn eine gleichnamige Station, die von vier der acht Linien angefahren wird.
Der Bahnhof, der täglich rund 200 Fernverkehrszüge, 500 Nahverkehrszüge und über 300 Züge der S-Bahn zählt, wird seit 2017 bis voraussichtlich 2025 modernisiert.
Geschichte 1847 bis 1909: Anfangsjahre links|mini|Altes Bahnhofsgebäude bis 1910 Seine Ursprünge hat der Dortmunder Hauptbahnhof in dem Bahnhof der „Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft“ (kurz CME wegen der damaligen Schreibweise Kölns), welcher am 15. Mai 1847 nördlich des Stadtzentrums eröffnet wurde. Zwei Jahre später schloss die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft (BME) ihren als reinen (angrenzend, etwas südlich gelegen) Kopfbahnhof betriebenen Bahnhof an den bestehenden Bahnhof an, hier endeten die Stammstrecke nach Elberfeld (heute Wuppertal), die Strecke nach Soest (ab 1855) und die Ruhrgebietsstrecke nach Duisburg und Oberhausen (ab 1860).
1910 bis 1945: Erweiterung und Zerstörung links|mini|Bahnsteige im Jahr 1923links|mini|Bahnhofsgebäude von 1910–1944, aufgenommen ca. 1930 Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude in Insellage, mit Zufahrt vom Burgtor, wurde 1910 durch einen großzügigen Neubau am jetzigen Ort ersetzt. Die Gleise wurden höher gelegt, um die Behinderung des Straßenverkehrs durch beschrankte Bahnübergänge zu beenden. Dieser zweite Dortmunder Bahnhof wurde am 12. Dezember 1910 eingeweiht und war bei seiner Eröffnung einer der größten im Deutschen Reich. Den Namen „Dortmund Hbf“ erhielt der Bahnhof dann am 1. Oktober 1912.
Am 30. Juni 1943 fuhr nach einem Fehler des Fahrdienstleiters der D 24 auf einen Personenzug auf. 28 Menschen starben, 90 wurden darüber hinaus verletzt.
Am Abend des 6. Oktober 1944 wurden der Bahnhof und die darin befindlichen Züge durch einen alliierten Luftangriff auf Dortmund zerstört. Der Angriff traf neben dem Hauptbahnhof auch weite Teile der Innenstadt und tötete mindestens 1148 Menschen.
1946 bis 2009: Zweckbau und gescheiterte Umbaupläne mini|Glasfenster am Haupteingang Die 50er Jahre: Neues Empfangsgebäude und schwerer Unfall Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das schwer getroffene alte Empfangsgebäude des Dortmunder Hauptbahnhofs im Jahre 1952 durch einen Zweckbau ersetzt. Er gilt als unscheinbar, beherbergt aber bedeutende Glas-Motiv-Fenster aus der ehemaligen Arbeitswelt Dortmunds. Fünf große Glasbilder dokumentierten Dortmunds Wirtschaft. In der Mitte eines, das die Stadt als eine der Arbeit vorstellte, links und rechts eingerahmt von einem Stahlwerker, einem Hochofenarbeiter, einem Bierbrauer und einem Brückenbauer. Im Zuge der Umbauarbeiten des Bahnhofs wurden die Glasbilder demontiert und zur Ausstellung in das Hattinger Industriemuseum Henrichshütte verbracht. Sie wurden durch originalgetreue Kopien ersetzt.
Am 18. Dezember 1954 ereignete sich im Bahnhofsbereich in einer Baustellensituation ein schwerer Eisenbahnunfall: Aufgrund einer falsch gestellten Weiche stießen der ausfahrende Nahverkehrszug N 2903 und der einfahrende EKi 4224 zusammen. 15 Menschen starben, 71 weitere wurden verletzt.
Im Empfangsgebäude des Dortmunder Hauptbahnhofs war westlich des Haupteingangs ab 1952 ein BALI-Kino untergebracht. Seit 1986 existierte in diesen Räumlichkeiten die Diskothek Live Station. Zum 1. März 1991 übernahm der Bahnhof die Abfertigung für Expressgut und Gepäck des Bahnhofs Dortmund-Hörde. Im April 2009 schloss die Diskothek im Zuge der Vorbereitungen des Umbaus endgültig.
1997 bis 2000: Umbaupläne Ufo Ab 1997 wurde ein Neubau des Dortmunder Hauptbahnhofs diskutiert. Die ursprüngliche Planung sah die Überbauung in Form eines „überdimensionierten Ufos“ mit 80.000 Quadratmetern Nutzfläche vor. Geplant war ein 55 Meter hohes Gebäude mit acht Stockwerken. Am 7. Oktober 1998 wurde eine entsprechende Absichtserklärung zwischen der Deutschen Bahn, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Westdeutschen Immobilienbank unterzeichnet. Bis 2002 sollte das 850-Millionen-DM-Projekt fertiggestellt werden. Die Pläne für das so genannte „Dortmunder Ufo“ wurden jedoch wieder verworfen und nicht weiter verfolgt.
2001 bis 2007: Umbaupläne 3do Anfang 2001 wurde mit der portugiesischen Investorengruppe Sonae Imobilia ria ein neuer Investor gefunden. Schon im ersten Quartal 2001 sollten neue Entwürfe von Architekturbüros realisiert und das 1,2-Milliarden-DM-Projekt bis 2006 fertiggestellt werden. Der Neubau wurde als 3do bezeichnet. 75 Millionen Euro Bundes- sowie 55 Millionen Euro Landesmittel waren zugesichert. Geplant waren 36.000 Quadratmeter Einzelhandels- und 26.500 Quadratmeter Entertainment-Flächen. Am 3. Februar 2006 fasste die Außenstelle Essen des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) den Planfeststellungsbeschluss für „3do“. Am 28. Februar 2007 gab die Deutsche Bahn bekannt, dass der Investor den Vertrag endgültig nicht unterschreiben wolle.
Investitionsstau Durch das zweimalige Scheitern eines Neubaus entstand auf dem Dortmunder Hauptbahnhof ein erhebliches Investitionsdefizit. Nur die Kopfbahnsteige (Gleise 2–5) und der Bahnsteig zu den S-Bahn-Linien S 1 und S 2 (Gleise 6–7) verfügten über eine öffentliche Aufzuganlage. Bei allen anderen Bahnsteigen konnte stattdessen (und nur auf Anfrage) der nicht in den Fußgängerbereich eingebundene Lastenaufzug genutzt werden. Der Dortmunder Hauptbahnhof war vor dem Umbau mit 130.000 Reisenden pro Tag damit der größte noch nicht barrierefreie Bahnhof und neben Köln Messe/Deutz auch nur einer von zwei Bahnhöfen der Bahnhofsklasse 1, auf den dies zutraf.
Ab 2009: Teilumbau und Beginn der barrierefreien Ausstattung
2009 bis 2011: Erneuerung des Empfangsgebäudes In einer ersten Bauphase wurden ab 2009 das Empfangsgebäude und zugehörige Betriebsflächen entkernt. Während der Bauarbeiten waren das Reisezentrum der DB und das Restaurant einer Fast-Food-Kette in Containern vor dem Bahnhof untergebracht, ebenso Bundespolizei und Bahnhofsmission. Am 17. Juni 2011 wurde die erste Bauphase formal abgeschlossen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 23 Millionen Euro trugen der Bund 13,3 Millionen Euro, das Land 1,4 Millionen Euro sowie die Deutsche Bahn 8,3 Millionen.
2010 bis 2013: Verlagerung des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) von der Süd- auf die Nordseite des Hauptbahnhofs Der Rat der Stadt Dortmund hat am 8. Juli 2010 im Zusammenhang mit der Baufeldfreimachung für den Neubau des Deutschen Fußballmuseums die Verlagerung des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) vom Königswall südlich des Hauptbahnhofs auf die Nordseite zur Steinstraße beschlossen. Der von Anfang an als Provisorium geplante ZOB ging 2012 in Betrieb und wurde 2013 nach Fertigstellung der Infrastruktur offiziell eröffnet.Ruhrnachrichten vom 12. März 2013.mini|Zentraler Omnibus-Bahnhof in Dortmund, Steinstraße 54
2014: Umbau der Stadtbahnhaltestelle mini|Verbreiterter Bahnsteig der Stadtbahn Richtung Innenstadt. 2014 startete der geplante Umbau der Stadtbahnhaltestelle, der 2019 abgeschlossen werden sollte. In: ruhrnachrichten.de Dafür wird der östliche Bahnhofstunnel mit viel Metall, künstlerisch gestalteten Glasflächen und Böden aus hellem Naturstein neu gestaltet. Darüber hinaus werden zusätzliche Wege zu den Bahnsteigen der Stadtbahn geschaffen und die Bahnsteige werden deutlich verbreitert. Zusätzlich zu diesen Planungen wurden östlich und westlich der Bahnsteige Trassensicherungen für ein drittes und viertes Gleis am Bahnsteig vorgenommen. Es wurden Kosten von 37 Millionen € veranschlagt, davon entfallen 33,3 Millionen € auf das Land NRW. Seit Frühjahr 2020 ist der Stadtbahnsteig in Richtung Innenstadt fertiggestellt und begehbar.
Ab 2017: Start des großen Umbaus Die Planungen für den Umbau des Bahnhofs wurden nach den Fehlschlägen der sehr ambitionierten Projekte viel funktionaler. Man konzentrierte sich bei der Planung vorrangig auf die Funktion des Bahnhofs und nicht auf große Verkaufsflächen. So wurde aus der vorher anvisierten kompletten Umgestaltung eine Modernisierung samt Installation von Aufzügen.
Für die Modernisierung und den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs stellen Bund, Land und Bahn 107 Millionen Euro zur Verfügung.
Nachdem der Rat der Stadt Dortmund bereits am 3. Juli 2014 das Benehmen zu den Umbauplänen der Deutschen Bahn erteilt hat, begann im zweiten Quartal 2017 der Umbau mit vorbereitenden Arbeiten, im Juli 2018 wurde der „Erste Spatenstich“ vollzogen., abgerufen am 24. Juni 2019. Der Umbau soll 2025 abgeschlossen werden. alternativtext=Der verbreiterte Fußgängertunnel des Dortmunder Hauptbahnhofs im März 2024 kurz vor Abschluss der Renovierungsarbeiten mit neuem Fußbodenbelag, neuer Decke und neuer Wandverkleidung in deutlich hellerer Farbgebung (vorher rötlich-brauner Fußboden, gelbliche und weiße Wandfliesen sowie eine lichtgraue Decke).|mini|Der verbreiterte Fußgängertunnel des Dortmunder Hauptbahnhofs im März 2024 kurz vor Abschluss der Renovierungsarbeiten mit neuem Fußbodenbelag, neuer Decke und teilweise noch fehlender neuer Wandverkleidung in deutlich hellerer Farbgebung (vorher rötlich-brauner Fußboden, gelbliche und weiße Wandfliesen sowie eine lichtgraue Decke). Im Zuge des Umbaus wird der Personentunnel von 9,50 Meter auf 13,20 Meter verbreitert, werden die Bahnsteige samt Dächern neu gebaut, die Zugänge zu den Bahnsteigen mit Rolltreppen ausgestattet und in der Mitte des Tunnels Aufzüge eingebaut. Zusätzlich kommen taktile Wegeleitungen und Fahrgastinformationsmonitore hinzu. Sind diese Arbeitsschritte an einem Bahnsteig vollendet, folgt der nächste (von Bahnsteig 8 (Gleis 26 und 31) absteigend bis Bahnsteig 3). Anschließend soll das Verbindungsbauwerk Süd, welches den aktuellen Übergang zur Stadtbahn darstellt, modernisiert und barrierefrei werden. Zuletzt folgen Bahnsteig 2 und 1, die ergänzend zum heutigen Zustand Dächer erhalten. Zeitgleich soll mit dem Neubau eines weiteren Verbindungsbauwerks im Norden begonnen werden. Hier sollen einerseits Verkaufsflächen eingerichtet werden und ein weiterer Übergang zur Stadtbahn geschaffen werden. Dazu plant die Stadt Dortmund hier unter anderem den ZOB und den Fernbusbahnhof unterzubringen und das ganze als eine Rampe zu gestalten die den heutigen ZOB überdecken würde.
Im Zusammenhang mit der Einführung des Rhein-Ruhr-Expresses soll der Gleisplan des Bahnhofes umgestaltet werden. Hierzu sollen weitere Weichen die zeitgleiche Ein- und Ausfahrt von drei Zügen ermöglichen. Des Weiteren wird über ein Überwerfungsbauwerk diskutiert, welches ermöglichen soll, dass Züge in Fahrtrichtung Lünen die Gleise in Fahrtrichtung Hamm nicht kreuzen müssen.
Am 1. August 2019 kam ein Arbeiter durch einen Stromüberschlag ums Leben. Der Strom auf der Oberleitung sollte eigentlich abgestellt sein. Es ist unklar, aus welchem Grund die Leitung unter Spannung stand.
Etwa zur gleichen Zeit wurde öffentlich bekannt, dass sich der Umbau der Stadtbahnstation verzögert und um ca. 4 Millionen € teurer wird. Eine Fertigstellung ist frühestens im Jahr 2022 denkbar. Als Gründe wurden Vermessungsfehler und allgemeine Baufehler der ausführenden Firmen genannt. Die Blechteile, welche den Rohbau ausschmücken sollen, müssen nach Einbau des vorigen Teils erst bestellt werden, da die benötigten Maße nicht zuvor bekannt sind. Dabei soll es seitens der produzierenden Firma zu Problemen mit den Lieferzeiten gekommen sein. Erschwerend kommt die allgemein komplizierte Architektur und Abweichungen zu den ursprünglich bekannten Bauplänen des Rohbaus hinzu.