Wilhelm Girardet junior oder II., (* 15. November 1874 in Essen; † 16. Juni 1953 ebenda) war ein deutscher Druckereibesitzer und Verleger, der von 1906 bis 1953 als Nachfolger seines Vaters den Verlag W. Girardet in Essen leitete.
Biografie mini|hochkant|Portrait von Oswald Petersen. mini|hochkant|Grab auf dem Südwestfriedhof in Essen. Wilhelm Girardet war der älteste Sohn des Unternehmensgründers und Kommerzienrats Wilhelm Girardet. Sein Bruder Paul führte das zum Unternehmen gehörige Düsseldorfer Verlagshaus. Sein wesentlich jüngerer Bruder Hellmut Girardet wurde Zeitungsverleger in Wuppertal.
Girardet besuchte das Realgymnasium in Essen und erreichte die Obersekundareife. Es folgt eine Sprach- und Fachausbildung in Edinburgh, Lausanne und Zürich, um sich auf den Einstieg in den väterlichen Betrieb vorzubereiten. In Zürich war er von 1899 bis 1906 Leiter der dortigen Niederlassung des Verlags W. Girardet. Nachdem er nach Essen zurückgekehrt war, war er von 1906 bis zu seinem Tod Leiter und persönlich haftender Gesellschafter des Verlags W. Girardet.
Zu den Neuerungen, die er in das Unternehmen einbrachte, gehörten der Kupfertiefdruck und später der Mehrfarben-Kupfertiefdruck. So wurde die Druckerei zu einem modernen und leistungsfähigen Unternehmen, das sich auf den Druck großer Auflagen spezialisierte. Zudem baute er den Fachbuchverlag aus. Er führte das Unternehmen durch die Zeit des Ersten Weltkriegs, die Hochinflation, später durch die beginnende Weltwirtschaftskrise und durch die Gleichschaltung der Presse durch die Nationalsozialisten.
Von seinem Vater hatte er das Allod-Rittergut Zurow im Amt Wismar geerbt.Mecklenburg-Schwerinsches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Mecklenburg-Schwerinsches Staatshandbuch. 1927. Hundertfünfundvierigste Ausgabe, Bärensprung, Schwerin 18. Oktober 1927, S. 225. Dieser Besitz wurde von einem Verwalter geleitet und war vor der großen Wirtschaftskrise 749 ha groß, davon 171 ha Forsten.Ernst Seyfert, Hans Wehner, W. Baarck: Landwirtschaftliches Adreßbuch für Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher. (Letzte Ausgabe), Band IV, 4. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Güter-Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1928, S. 237.
Auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus gelang der Erhalt des Unternehmens. 1945 zog sich Wilhelm Girardet aus dem aktiven Geschäft zurück, das zur Zeit seines Todes 1953 rund 1400 Mitarbeiter zählte. Sein gleichnamiger Sohn Wilhelm III. (1902–1996) übernahm die Leitung des Geschäfts, sein Sohn Herbert wurde persönlich haftender Gesellschafter und übernahm die Leitung des Fachzeitschriften- und Fachbuchverlags.
Er wurde auf dem Essener Südwestfriedhof beigesetzt. Seinen Nachlass verwaltet die Wilhelm und Gertrud Girardet Familienstiftung.Wilhelm und Gertrud Giradet-Familienstiftung: Eintrag im Stiftungsregister.
Ehrenamtliche Tätigkeit und Ehrungen Wilhelm Girardet war bis 1933 Handelsrichter am Landgericht Essen. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes.
Literatur
Mario Niemann: Ländliches Leben in Mecklenburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit: Das Gut Zurow und die Familie Wilhelm Girardet. Koch, Rostock 2004, ISBN 3-9-371-7917-8, S. 271.
Weblinks Historisches Portal Essen: Wilhelm II. Girardet Schlecht vorbereitet. Die Familie Girardet hat ihre Druckerei nicht retten können, der Konkursverwalter sucht einen neuen Eigentümer Der Spiegel 26. Juni 1988
Einzelnachweise
Kategorie:Verleger (20. Jahrhundert) Kategorie:Verleger (Essen) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Mann