Die Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten fanden am 6. November 2018 statt. Gewählt wurden an diesem Tag alle 435 Mandate des US-Repräsentantenhauses. Sie waren Teil der Halbzeitwahlen (englisch: midterm elections) in der Mitte der ersten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump.
Die Demokraten erhielten nach acht Jahren in der Minderheit die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurück, indem sie insbesondere vorstädtische Kongresswahlbezirke gewannen, die zuvor Republikaner vertreten hatten. Die Demokraten gewannen 41 Sitze hinzu und kamen damit auf 235 Mandate, die Republikaner erhielten 199 Mandate. Die Wahl im 9. Kongresswahlbezirk von North Carolina, die vom republikanischen Kandidaten gewonnen wurde, wurde am 21. Februar 2019 wegen Verstößen gegen die Wahlordnung annulliert und musste am 10. September 2019 nachgeholt werden. Ein Sitz blieb damit zunächst vakant; die Nachwahl gewannen die Republikaner.
Wahlverfahren und Termin
Die Vereinigten Staaten sind in 435 Kongresswahlbezirke eingeteilt, die jeweils etwa gleich viele Bewohner (im Schnitt 710.767 nach dem Zensus 2010) haben. Im Unterschied zur anderen Kongresskammer, dem Senat der Vereinigten Staaten, ist die Anzahl der Sitze je Bundesstaat unterschiedlich und reicht von einem (in 7 Bundesstaaten) bis zu 53 in Kalifornien; ihre Größe reicht von 27 km² (ein Teil New York Citys) bis zu 1.481.354 km² (Alaska at-large). In 45 Staaten werden die Mandate je Kongresswahlbezirk nach relativer Mehrheitswahl vergeben. In vier Staaten (Kalifornien, Washington, Louisiana und Georgia) ist eine absolute Mehrheit notwendig, weshalb es dort häufig zu Stichwahlen zwischen den beiden Stimmersten des ersten Wahlgangs kommt. In Maine wird 2018 erstmals nach Volksentscheid mit Instant-Runoff-Voting gewählt.
Es stehen jeweils Einzelbewerber, keine Parteilisten, zur Wahl, meist als Aussichtsreichste die Kandidaten der beiden großen Parteien, der Republikaner und Demokraten, aber auch Unabhängige und Bewerber kleinerer Parteien (wie die Libertarian und Green Party), die meist als chancenlos gelten. Die innerparteiliche Bewerberauswahl findet jeweils durch Vorwahlen statt, bei denen entweder nur für die Partei registrierte (geschlossene Vorwahl) oder alle Wahlberechtigte des Kongresswahlbezirks (offene Vorwahl) wählen dürfen.
Die Wahlen für sämtliche Mandate finden alle zwei Jahre am allgemeinen Wahltag der Vereinigten Staaten, dem Dienstag nach dem ersten Montag des Monats November, statt, im Jahr 2018 also am 6. November.
Ausgangslage mini|hochkant=1.4|Karte der USA mit den Wahlbezirken:(ohne Außengebiete u. D.C.) Die Republikaner stellten seit den Wahlen 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus und konnten diese auch 2016 verteidigen, als sie Stimmenanteile von 49,1 Prozent zu 48 Prozent für die Demokraten erhielten, zwar sechs Sitze an diese verloren, aber mit 241 Sitzen eine Mehrheit von 23 Mandaten über der absoluten Mehrheit (218 von 435 Gesamtsitzen) behielten. Der von den Republikanern gestellte Sprecher des Repräsentantenhauses ist Paul Ryan (Wisconsin-1), die Fraktionsvorsitzende (englisch „Minority Leader“) der Demokraten Nancy Pelosi (Kalifornien-8).
Strukturelle Bedingungen Strukturell gelten Halbzeitwahlen als schwierig für die Partei des amtierenden Präsidenten, weil sie als Referendum gegen unpopuläre Entscheidungen auf Bundesebene dienen;Charlie Cook: Midterms Are About the Party in Power, Not Issues. In: National Journal, 27. Juli 2017. in 36 von 39 Halbzeitwahlen seit dem Sezessionskrieg und in 16 von 18 seit dem Zweiten Weltkrieg büßte die Partei des Amtsinhabers Sitze ein,Alan I. Abramowitz: Generic Ballot Model Gives Democrats Early Advantage in Battle for Control of House. In: Sabato’s Crystal Ball, University of Virginia Center for Politics, 6. Juli 2017; Kyle Kondik: For House Republicans, Past Performance Is No Guarantee of Future Results. In: Sabato’s Crystal Ball, 20. Juli 2017. im Durchschnitt 33 Sitze, bei einer Beliebtheit des Präsidenten unter 50 Prozent sogar durchschnittlich 36 Sitze.Chris Cilliza: Why 2018 might not be such an amazing election for Democrats. In: CNN.com, 8. August 2017.
Bei Halbzeitwahlen in den USA spielen folgende demographische Muster regelmäßig eine Rolle: Während es den Republikanern hilft, dass die Wählerschaft tendenziell weißer und älter ist als bei Präsidentschaftswahlen, gehen dabei üblicherweise anteilig mehr Gutausgebildete wählen – die bei der Präsidentschaftswahl 2016 unterdurchschnittlich Republikaner gewählt hatten.David Wasserman: 2018 Could Be The Year Of The Angry White College Graduate. In: FiveThirtyEight, 5. September 2017.
Die Republikaner befinden sich strukturell durch Gerrymandering und durch die ungleiche Verteilung der Wählerschaft (überproportional stark in ländlichen Bezirken der „rot“ gewordenen Staaten) in einem Vorteil; so gewannen sie den generischen Repräsentantenhaussitz 2016 mit 3,4 Prozent Vorsprung, während Trump das Popular Vote zeitgleich mit 2,1 Prozent Rückstand verlor.David Wasserman: The Congressional Map Has A Record-Setting Bias Against Democrats. In: FiveThirtyEight, 7. August 2017.
Situative Bedingungen Die Turbulenzen der bisherigen Präsidentschaft Trumps – der nach sechs Monaten der unbeliebteste Amtsinhaber seit Beginn repräsentativer Umfragen warMaxwell Tani: A new round of polls shows that 6 months in to his term, Trump is the most unpopular president in the modern era. In: Business Insider, 17. Juli 2017. – haben dazu beigetragen, dass Beobachter davon ausgingen, dass die Republikaner Sitze verlieren könnten, manche sahen ihre Mehrheit in Gefahr – ein solcher politischer Erdrutsch wird als wave election bezeichnet.
Es gab konkrete Anzeichen dafür, dass sich die Demokraten in einer guten Verfassung befinden: Bis Ende Juni 2017 hatten sie 209 Kandidaten mit über 5.000 Dollar Spendeneinnahmen als Herausforderer republikanischer Mandatsinhaber gefunden, die Republikaner andersherum nur 28; bevor die Republikaner zuletzt 2010 in einem Erdrutschsieg die Mehrheit erobert hatten, hatten sie zu diesem Zeitpunkt im Jahr 2009 nur 78 ernsthafte Herausforderer versammelt, was bisher die höchste Zahl überhaupt seit 2003 gewesen war.Michael J. Malbin: Does the opening predict a wave? In: Brookings Institution, 24. Juli 2017; Ed Kilgore: Surge in House Democratic Candidates Could Fuel a 2018 Wave Election. In: New York, 29. Juli 2017; Seth Masket: The Sheer Number Of Democrats Running For Congress Is A Good Sign For The Party. In: FiveThirtyEight, 17. August 2017.
Die vier Nachwahlen zum 115. Kongress der Vereinigten Staaten seit den letzten regulären Wahlen im November 2016, die bisher republikanische Kongresswahlbezirke betrafen, führten in keinem Fall zu einem Sieg des jeweiligen demokratischen Herausforderers, jedoch konnten die Kandidaten der Demokraten jedes Mal Boden gegenüber der Repräsentantenhauswahl 2016 gut machen – von durchschnittlich 23,7 Prozent Rückstand bei der regulären Wahl zu 4,7 Prozent bei der Nachwahl.Nathaniel Rakich: Democrats Are Overperforming In Special Elections Almost Everywhere. In: FiveThirtyEight, 5. Juni 2017; The hope for Democrats after special-election losses. In: The Economist, 21. Juni 2017.
Von den republikanischen Mandatsinhabern kündigten bis Mitte September 2017 vierzehn an, nicht wieder anzutreten, von denen sieben kein anderes Amt oder Mandat anstrebten (bei den Demokraten eine, Niki Tsongas, Massachusetts-5). Für die Demokraten war vor allem der eher republikanisch geprägte Bezirk Minnesota-1 in Gefahr, da dessen Mandatsinhaber Tim Walz nicht wieder antritt, um als Gouverneur zu kandidieren.Nathan L. Gonzalez: House Retirement Tide Is Coming. In: Roll Call, 5. September 2017; Chris Cilliza: Two things happened this week that should really worry Republicans. In: CNN.com, 8. September 2017. Von den bisher republikanischen Bezirken, die bei der Wahl ohne Mandatsinhaber sind, boten insbesondere der 27. Kongresswahlbezirk Floridas (bisher Ileana Ros-Lehtinen), der 8. Washingtons (bisher Dave Reichert) und drei (5., 6., 7.) der gerichtlich neu eingeteilten Wahlkreise Pennsylvanias (bisher Pat Meehan, Ryan Costello und Charlie Dent) gute Chancen für die Demokraten.Chuck Todd, Mark Murray, Carrie Dann: Here Come the Republican Retirements. In: NBC News, 8. September 2017. In insgesamt 23 von Republikanern gehaltenen Kongresswahlbezirken hatte Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl 2016 die Mehrheit erhalten (und Trump in 12 demokratisch gehaltenen), während es 1996 noch 118 solcher „Crossover“-Wahlkreise gegeben hatte, Ausdruck einer zunehmenden politischen Polarisierung. Zugleich hatten von den 241 siegreichen Republikanern 2016 nur 15 einen einstelligen (und damit realistisch einholbaren) Prozentabstand zum demokratischen Herausforderer.Kyle Kondik: For House Republicans, Past Performance Is No Guarantee of Future Results. In: Sabato’s Crystal Ball, 20. Juli 2017; David Weigel: Dave Reichert, a swing seat Republican, will retire from the House. In: The Washington Post, 6. September 2017. Für 1996 Chris Cilliza: Why 2018 might not be such an amazing election for Democrats. In: CNN.com, 8. August 2017. Ein nicht unwesentlicher Faktor, der Wähler 2016 motivierte, für republikanische Abgeordnete zu stimmen, nämlich die Unbeliebtheit der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, entfiel 2018.Harry Enten: Bad News For House Republicans: Clinton Won’t Be On The Ballot In 2018. In: FiveThirtyEight, 24. Juli 2017. Im September 2017 nannten die Political Action Committees der beiden zentristisch-konservativen Gruppen der Demokraten im Kongress, die Blue Dog Coalition und die New Democrat Coalition, erste Kandidaten, die sie für die Wahl – auch gegenüber Kandidaten des linken, progressiven Parteiflügels – unterstützen, früher als bei vergleichbaren Wahlen zuvor.Simone Pathé: Blue Dog PAC Endorses Eight Democrats for 2018. In: Roll Call, 21. September 2017; Simone Pathé: New Democrats’ PAC Adds 12 Challengers to Candidate Watch List. In: Roll Call, 25. September 2017. Von den 53 republikanischen Mandatsinhabern, die laut Cook Political Report gefährdet waren, hatten Mitte Oktober 2017 21 weniger Wahlkampfspenden erhalten als ihr demokratischer Herausforderer, was als schlechtes Anzeichen für die Republikaner galt.More Than 20 Incumbents Outraised by Challengers. In: National Journal, 16. Oktober 2017.
Die ersten Fernsehspots der Demokraten zu den Wahlen des Repräsentantenhauses im Oktober 2017 konzentrierten sich darauf, den Sprecher Paul Ryan als Teil des abgehobenen Establishments und für seinen Einsatz zur Abschaffung Obamacares zu kritisieren. Damit verfolgten die Demokraten eine ähnliche Strategie wie während der Präsidentschaft Obama die Republikaner, indem sie die generelle Unbeliebtheit der jeweils gegnerischen Parteiführung ausnutzen, statt den weiterhin bei Republikanern beliebten Präsidenten Trump direkt anzugreifen.Amy Walter: Are Republicans Going to Get “Pelosi-ed” in 2018? In: The Cook Political Report, 10. Oktober 2017.
Umfragen und Prognosen