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Dame , GNZM (* 26. Juli 1980 in ) ist eine ehemalige neuseeländische Politikerin. Sie war ab August 2017 Vorsitzende der und amtierte ab Oktober 2017 als 40. Premierministerin von Neuseeland. Im Oktober 2020 wurde sie bei der Parlamentswahl für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. Im Januar 2023 gab sie überraschend ihren Rücktritt bis spätestens zum 7. Februar 2023 bekannt und wurde bereits am 25. Januar 2023 durch Chris Hipkins abgelöst.
Am 5. April 2023 hielt Ardern ihre Abschiedsrede im neuseeländischen Parlament, dem sie seitdem nicht mehr angehört. Zwei Tage zuvor hatte der Premierminister Chris Hipkins Ardern zur Sonderbeauftragten für den Christchurch Call ernannt, einem Zusammenschluss von mehr als 120 Staaten, Technikfirmen und Organisationen der Zivilgesellschaft.
Herkunft, Ausbildung und Familie wurde 1980 als Tochter von Laurell und Ross Ardern – beide Mormonen – in geboren. Sie besuchte die und in , einer Provinzstadt in der Region . Es folgten einige Jahre in , wo ihr Vater Polizeibeamter war. Ihr 1999 begonnenes Studium an der beendete sie mit dem .
Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Fernseh- und Radiomoderator , hat eine Tochter, die am 21. Juni 2018 – als sie bereits als Premierministerin amtierte – zur Welt kam. Sie war damit – nach der Pakistanerin Benazir Bhutto 1990 – die zweite gewählte Regierungschefin eines Staates, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekam. Sie lebt mit ihrer Familie in Auckland. Am 13. Januar 2024 heiratete Ardern Gayford in Havelock North in der Region Hawke’s Bay.
Aus Anlass ihres Amtsantritts als Premierministerin war in der Fernsehsendung von Moderator und später ein weiteres Mal von in der des Senders TV3 nach ihrem Kinderwunsch gefragt worden. Sie konterte, dass es – wie im von 1993 festgelegt – nicht akzeptabel sei, dass Frauen im Zusammenhang mit ihrem Arbeitsplatz nach ihrem Kinderwunsch befragt werden und dass es für einen Arbeitgeber illegal ist, eine derzeitige oder potenzielle Arbeitnehmerin zu diskriminieren, weil sie schwanger ist oder in Zukunft Kinder haben möchte. Was folgte, war eine landesweite öffentliche Diskussion, in der ihr eine Mehrheit der Befragten recht gab.
Politische Karriere mini|hochkant|Ardern (2011)
Im Alter von 17 Jahren trat in die ein. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften und Public Relations arbeitete sie zuerst für den Parlamentsabgeordneten und anschließend für die Premierministerin . 2005 ging sie nach London, wo sie während zweieinhalb Jahren im des britischen Premierministers Tony Blair als Stellvertretende Leiterin der tätig war. 2007 wurde sie Präsidentin der .
2008 gewann einen Parlamentssitz für die in und war bis zu ihrem Rücktritt 2023 ununterbrochen Mitglied des neuseeländischen Repräsentantenhauses. In ihrer Antrittsrede forderte sie die Einführung eines obligatorischen Unterrichts in maorischer Sprache in den Schulen des Landes und verurteilte die Regierung für die aus ihrer Sicht „beschämende“ Reaktion auf den Klimawandel. Als jüngstes Parlamentsmitglied wurde sie zur Partei-Sprecherin der für Jugendfragen ernannt und darüber hinaus in die Sonderausschüsse für und gewählt. Ardern wurde Sprecherin ihrer Partei für Kinder-Angelegenheiten (2012), für Kunst, Kultur und kulturelles Erbe (2013), für Justiz und für Kleinbetriebe (2014). Zudem war sie ab 2015 Stellvertretende Sprecherin für Auckland-Angelegenheiten. 2014 wurde sie vom zum ernannt. Nach ihrem Umzug nach ließ sie sich mit ihrer Familie im Stadtteil nieder. Bei einer Nachwahl im gleichnamigen Wahlbezirk gewann sie im Februar 2017 ihr erstes Direktmandat. Einen Monat später wurde sie stellvertretende Oppositionsführerin.
Nach dem Rücktritt von als Vorsitzendem der Ende Juli 2017 übernahm am 1. August die Parteiführung. Damit wurde sie zugleich Oppositionsführerin im Parlament von Neuseeland. Nach einer Blitzumfrage der Tageszeitung stieß der Wechsel an der Parteispitze auf breite Zustimmung in der Bevölkerung: Unter wollten zuletzt nur noch 24 Prozent der Wähler der ihre Stimme geben. Dagegen konnten sich Anfang August 2017 bereits 46 Prozent der Befragten vorstellen, zu wählen.
Nach der Parlamentswahl im September 2017 wurde nach der Koalition ihrer Partei mit der Partei von und unter Duldung der zu Neuseelands 40. Prime Minister gewählt und am 26. Oktober 2017 von der Generalgouverneurin von Neuseeland, , vereidigt.
Am 19. Januar 2023 kündigte Ardern ihren Rücktritt zum 7. Februar an. Sie begründete dies damit, dass sie nicht mehr genug Kraft habe, um das Amt weiter auszufüllen. Zugleich kündigte sie die Neuwahl des Parlaments zum 14. Oktober 2023 an.Spiegel online: Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern kündigt Rücktritt an, 19. Januar 2023, abgerufen am 19. Januar 2023
Politik als Premierministerin verfolgte eine progressive Politik. Sie setzte sich für eine multilaterale Politik und für Klimaschutz ein, um die globale Erwärmung zu bekämpfen. Als Premierministerin setzte sie unter anderem ein reformiertes Steuersystem zugunsten von Familien, eine bessere Förderung ländlicher Regionen und Maßnahmen für bezahlbares Wohnen durch.
Ardern setzte sich erfolgreich für die Entkriminalisierung der Abtreibung in Neuseeland ein.https://www.rnz.co.nz/news/political/412087/abortion-legislation-bill-passes-third-and-final-reading-in-parliament
Im Oktober 2020 gewann mit ihrer Labour Party die Parlamentswahl in Neuseeland 2020 mit großem Vorsprung. Labour erreichte als erste Partei seit Einführung des Verhältniswahlrechts in den 1990er Jahren die absolute Mehrheit. Medien sprachen von „Erdrutschsieg“ und führten diesen auf die sehr erfolgreiche Politik Arderns im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie zurück. Neuseeland war es zu diesem Zeitpunkt bereits zum zweiten Mal gelungen, keinen einzigen bekannten aktiven Corona-Fall im Land zu haben. Insgesamt hatten sich in Neuseeland bis zur Wahl weniger als 2000 Menschen infiziert, und 25 Menschen starben.
Ab dem 6. November 2020 war zweites Kabinett im Amt, das sie als „unglaublich divers“ vorstellte. Um die Zusammenarbeit mit der Green Party aus dem Vorgängerkabinett fortzusetzen, schloss sie ein Kooperationsabkommen mit der Partei. In Umwelt- und Wohlstandsfragen seien sich die Parteien in vielen Punkten einig, „die gut für Neuseeland sind“, begründete sie die Entscheidung.
Ministerposten im 1. Kabinett Ardern: mini| (2017)4. von links in der ersten Reihe
Minister vom bis 26. Oktober 2017 6. November 2020 26. Oktober 2017 6. November 2020 26. Oktober 2017 6. November 2020 26. Oktober 2017 6. November 2020
Ministerposten im 2. Kabinett Ardern: mini| (2020)4. von links in der ersten Reihe
Minister vom bis 6. November 2020 2023 6. November 2020 2023 6. November 2020 2023 6. November 2020 2023 6. November 2020 2023
Einführung des Wellbeing Budget mini|hochkant|Ardern während des WEF 2019
Auf dem kündigte im Januar 2019 an, dass Neuseeland in seiner Finanzpolitik einen neuen Ansatz verfolgen wolle. Er sieht vor, dass nicht nur der ökonomische Wohlstand, sondern auch das gesellschaftliche Wohlbefinden berücksichtigt wird. In der Praxis sollen die einzelnen Ministerien aufzeigen, wie die staatlichen Ausgaben den Menschen zugutekommen. So sollen zum Beispiel mit jedem Budget zugleich die Zahlen zur Kindesarmut vorgelegt werden.
Im Mai 2019 stellte die neuseeländische Regierung das weltweit erste vor. Es setzt fünf Schwerpunkte: Unterstützung des Übergangs zu einer nachhaltigen und emissionsarmen Wirtschaft, Unterstützung einer florierenden Nation im digitalen Zeitalter, Erhöhung der Einkommen, Fähigkeiten und Möglichkeiten der indigenen Bevölkerung, Verringerung der Kinderarmut sowie die Unterstützung der psychischen Gesundheit mit einem besonderen Fokus auf junge Menschen. Die größte Budgeterhöhung erfolgte im Bereich psychische Gesundheit. In diesem Gebiet sollen über vier Jahre hinweg 1,9 Mrd. NZ$ eingesetzt werden. Auch in Maßnahmen zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt wurde die Rekordsumme von 320 Mio. NZ$ investiert.
Das wurde einerseits sehr gelobt, etwa von der , andererseits aber auch scharf abgelehnt. Oppositionsführer von der kritisierte beispielsweise, dass Familien mehr Geld für Essen, Benzin und Miete in ihrer Haushaltskasse wünschten, während ihre Steuern in Bahnverbindungen, Verteidigungskräfte und Bäume investiert würden.
Terroranschlag von Christchurch In Amtszeit als Premierministerin fiel der Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch durch den australischen Rechtsterroristen Brenton Tarrant im März 2019 mit 51 Toten. Als Reaktionen darauf kündigte sie eine zügige Verschärfung des Waffenrechts an und setzte diese innerhalb weniger Tage auch durch.
Dafür und für Umgang mit den Opfern des Anschlags wurde sie überwiegend gelobt, etwa als sie Verletzte und Hinterbliebene mit einem Kopftuch bekleidet besuchte, um ihre Solidarität zu zeigen, sie umarmte und keinerlei Berührungsängste zeigte. Sie zeigte sich damit als weltoffen, verständnisvoll und souverän und wird seither von den Muslimen in Neuseeland sehr geschätzt. Ihre allgemeine Popularität zeigte sich auch daran, dass ein Video – in dem sie die Errungenschaften ihrer ersten zwei Jahre im Amt aufzählt – im November desselben Jahres viral wurde.
Maßnahmen gegen COVID-19 Die zielgerichteten Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie in Neuseeland steigerten Popularität laut Umfragen zusätzlich. Nach einem strengen zweimonatigen Lockdown erklärte sie Neuseeland am 8. Juni 2020 covidfrei. Bis dahin waren 1504 Infektions- und 22 Todesfälle bekannt geworden. Am 15. Juni 2020 wurde jedoch bekannt, dass zwei Einreisende aus dem Vereinigten Königreich das Virus erneut nach Neuseeland eingeschleppt hatten.
Außenpolitik Laut Ardern beeinflusst der russische Überfall auf die Ukraine auch die Sicherheit Neuseelands, denn er stellt eine „unmittelbare Bedrohung der territorialen Integrität eines anderen Landes, der Demokratie und der regelbasierten Weltordnung, auf die auch Länder wie wir sich verlassen“, dar. Die Gefahr einer weiteren Militarisierung der indopazifischen Region steige zudem durch das aggressive Vorgehen Chinas. Das Konzept einer „feministischen Außenpolitik“ lehnt Ardern ab, da sich Außenpolitik nicht durch die Geschlechterbrille betrachten lasse.
Zeit nach ihrer Amtsaufgabe Wie Sicherheitsexperten, Forscher der und Journalisten des herausgefunden hatten, waren in Chatrooms beleidigende, wütende oder auch drohende Nachrichten zu finden, die an die damalige Premierministerin gerichtet waren. In eigener Untersuchung des fanden die Journalisten heraus, dass in Online-Angriffen auf Vergewaltigungs- und Morddrohungen ausgesprochen, ihre Person als „dämonisch“ oder „böse“ dargestellt, oder sie als Adolf Hitler beleidigt wurde. Sicherheitsexperten vermuteten, sie werde noch jahrelang besonderen Polizeischutz benötigen.
Am 5. Juni 2023 wurde sie als Dame Grand Companion des New Zealand Order of Merit (GNZM) nobilitiert und führt seither das Adelsprädikat Dame.
Im Januar 2024 heiratete sie ihren langjährigen Partner Clarke Gayford.Jacinda Ardern marries Clarke Gayford after five-year engagement
Am 3. Juni 2025 erschien ihre Autobiografie A Different Kind of Power.
Ehrungen
2020: Benennung der Flechte Ocellularia jacinda-arderniae aus der Ordnung der Graphidales nach ihr. 2021: Benennung der flugunfähigen Wetaart Hemiandrus jacinda aus der Unterordnung der Langfühlerschrecken zu ihren Ehren durch den Biologen Stephen A.Trewick 2026: Ehrendoktorwürde der Oxford University
Werke A different Kind of Power. Ein Memoir. deutschsprachige Übersetzung: Sylvia Bieker, Henriette Zeltner-Shane, Penguin Random House, 2025, ISBN 978-3-442-76277-4.
Siehe auch Kabinett Ardern I Kabinett Ardern II
Weblinks
Jacinda Ardern auf der Website des neuseeländischen Parlaments (englisch) Jacinda Ardern auf der Website der New Zealand Labour Party (englisch)