Kanada, dessen NOK, das Canadian Olympic Committee, 1904 gegründet und 1907 vom IOC anerkannt wurde, schickte schon seit 1900 Sportler zu den Olympischen Spielen. Kanada nahm in der Folgezeit mit Ausnahme der boykottierten Spiele von 1980 in Moskau an allen Sommerspielen teil. Kanadische Athleten nahmen auch an allen Winterspielen teil.
Kanada nahm ebenfalls an den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen und an den Olympischen Jugendspielen teil.
Kanada ist der Ausrichter von drei Olympischen Spielen. Die Sommerspiele 1976 fanden in Montreal statt, die Winterspiele 1988 in Calgary und die Winterspiele 2010 in Vancouver.
Übersicht JahreFlaggeMannschaftKürzelBemerkungrahmenlos|80x80px Kanada CAN Kanada nahm 1906 auch an den Olympischen Zwischenspiele teil.rahmenlos|80x80px rahmenlos|80x80px rahmenlos|80x80pxKanada boykottierte 1980 die Olympischen Sommerspiele in Moskau.
Allgemeines Kanada gehört zu den Nationen, die bei allen Teilnahmen mindestens eine Medaille gewinnen konnten. Kanada ist in drei Sportarten die führende Nation. Im Eishockey gewann Kanada 13 Goldmedaillen, neun bei den Männerturnieren, vier bei den Frauen. Die nächstbeste Nation sind die USA mit sieben Olympiasiegen. Ebenfalls führend ist Kanada im Curling mit fünf Goldmedaillen, drei von Männerteams, zwei von Frauenteams. Das nächstbeste Team Schweden stellt zwei Siegermannschaften. Die dritte Sportart, in der Kanada die Führungsposition innehat, wird heute nicht mehr ausgetragen. Lacrosse war 1904 und 1908 olympische Sportart, beide Turniere wurden von Kanada gewonnen.
Die ersten kanadischen Olympioniken waren der Hürdenläufer George Orton und der Mittelstreckenläufer Alex Grant, die am 14. Juli 1900 in Paris in ihren Wettkämpfen an den Start gingen. George Orton war der erste kanadische Medaillengewinner und Olympiasieger, als er am 15. Juli 1900 das Rennen über 2500 Meter Hindernis gewann. Das IOC ordnet ihre Teilnahmen und die von ihnen gewonnenen Medaillen jedoch den Vereinigten Staaten zu, da beide die University of Pennsylvania vertraten und somit für ein amerikanisches Team antraten.
Die Eiskunstläuferin Cecil Smith wurde am 28. Januar 1924 in Chamonix die erste kanadische Frau, die an Olympischen Spielen teilnahm. Der erste Medaillengewinn durch eine Kanadierin erfolgte am 31. Juli 1928 in Amsterdam, als Fanny Rosenfeld die Silbermedaille über 100 Meter gewann. Die erste Olympiasiegerin war am 4. August 1928 Ethel Catherwood, die den Hochsprung gewann.
Die erfolgreichsten Sportler sind zwei Frauen. Clara Hughes und Cindy Klassen gewannen je sechs Medaillen. Die erfolgreichsten Olympioniken in der Anzahl der Goldmedaillen sind die Eishockeyspielerinnen Jayna Hefford, Caroline Ouellette und Hayley Wickenheiser, die beide zwischen 2002 und 2014 vier Mal Olympiasieger wurden. Der erfolgreichste Mann ist Marc Gagnon, der zwischen 1994 und 2002 drei Gold- und zwei Bronzemedaillen im Shorttrack gewann.
Clara Hughes ist eine der Athletinnen, die sowohl bei Sommer- als auch bei Winterspielen antrat. Sie ist eine der wenigen Sportlerinnen, die bei Sommer- und Winterspielen Medaillen gewinnen konnte. Auch Pierre Harvey nahm sowohl an Sommer- als auch an Winterspielen teil. 1976 und 1984 war er als Radrennfahrer aktiv. Vor Los Angeles war er in Sarajevo 1984 als Skilangläufer dabei.
Kanadas erste Olympiamannschaft 1900 umfasste vier Leichtathleten. Die Anzahl der Teilnehmer steigerte sich zuerst auf 87 Athleten in London 1908. Danach sank die Teilnehmerzahl, bis 1932 erstmals über 100 Athleten teilnahmen. Über 200 Athleten reisten erstmals 1972 nach München. Die größte Mannschaft mit 407 Athleten nahm 1984 in Los Angeles teil. Mit 220 Wintersportlern war die Mannschaft 2014 in Sotschi diejenige mit den meisten Teilnehmern bei Winterspielen.
Die erfolgreichsten Spiele überhaupt waren die heimischen Winterspiele 2010. 26 Medaillen, die meisten bei Winterspielen, wurden gewonnen. In Vancouver konnten 14 Olympiasiege gefeiert werden. Die erfolgreichsten Sommerspiele waren die Spiele von Los Angeles 1984 mit 10 Olympiasiegen. Hier wurden insgesamt 44 Medaillen gewonnen, die meisten von allen Olympischen Spielen. Kanada ist die einzige Nation, die als Ausrichter von Olympischen Spielen keine Goldmedaille gewinnen konnte. So gewannen kanadische Athleten 1976 in Montreal fünf Silber- und sechs Bronzemedaillen, 1988 in Calgary zwei Silber- und drei Bronzemedaillen.
Der Springreiter Ian Millar ist, zusammen mit dem österreichischen Segler Hubert Raudaschl, der Olympionike mit den meisten Teilnahmen überhaupt. Insgesamt zehn Mal reiste Millar zu Olympischen Spielen. Seinen ersten Einsatz hatte Millar in der Springreiter-Equipe 1972 in München, seinen letzten 2012 in London. Der Boykott der Spiele von 1980 verhinderte, dass Millar eine elfte Teilnahme absolvieren konnte, womit er alleiniger Rekordhalter wäre.
Die jüngste Medaillengewinnerin und Olympiasiegerin ist die Schwimmerin Penny Oleksiak, die 2016 im Alter von 16 Jahren eine Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen gewinnen konnte. Damit ist sie auch die erste Athletin, die vier Medaillen bei den gleichen Sommerspielen gewinnen konnte. Zusammen mit ihrer Staffelkameradin Taylor Ruck ist sie nach dem Gewinn der Bronzemedaille in der 100-Meter-Freistilstaffel die erste Medaillengewinnerin die im 21. Jahrhundert geboren wurde.
Von 1960 bis 2012 berichtete der Sportjournalist Richard Garneau von den Olympischen Spielen. Bei insgesamt 23 Olympischen Spielen, sowohl Sommer- als auch Winterspiele, war Garneau als Journalist tätig. Nur 1996 in Atlanta und 1998 in Nagano war er nicht dabei. Garneau verstarb im Januar 2013. Während der Winterspiele 2014 in Sotschi wurde er posthum mit der Pierre-de-Coubertin-Medaille ausgezeichnet.
Kanada hat drei IOC-Mitglieder. 1978 wurde Richard Pound, der 1960 als Schwimmer teilnahm, zum IOC-Mitglied gewählt. Seit 2015 in Hayley Wickenheiser IOC-Mitglied. Die vierfache Eishockeyolympiasiegerin ist zugleich Mitglied der Athletenkommission des IOC. 2016 wurde die Ruderin Tricia Smith zum IOC-Mitglied gewählt. Smith nahm 1976, 1984 und 1988 an Olympischen Spielen teil und gewann 1984 eine Silbermedaille. Sie ist Vizepräsidentin des Weltruderverbandes FISA sowie Präsidentin des kanadischen NOKs.
Bewerbungen und Ausrichtungen der Olympischen Spiele Bewerbungen Sommerspiele Für die Ausrichtung Olympischer Spiele reichten die Städte Montreal und Toronto mehrmals Bewerbungen ein. 1940 bewarben sich beide Städte zur Ausrichtung der 12. Olympischen Spiele 1940. Beide scheiterten ohne Stimme im ersten Wahlgang. Montreal bewarb sich dann für die darauffolgenden 13. Olympischen Spiele 1944. Auch hier scheiterte Montreal ohne Stimme im ersten Wahlgang.
Montreal bewarb sich erst wieder für die Austragung der 16. Olympischen Spiele 1956. Wie schon zuvor erhielt man im ersten Wahlgang keine Stimme und schied aus. Die nächste Bewerbung reichte Montreal für die 20. Olympischen Spiele 1972 ein. Hier scheiterte man im zweiten Wahlgang mit 16:31 Stimmen an München. Mitbewerber Madrid bekam nur 13 Stimmen.
Die Bewerbung zur Ausrichtung der 21. Olympischen Spiele 1976 verlief für Montreal dann erfolgreich. Die Mitbewerber Los Angeles und Florenz schieden nach dem ersten Wahlgang aus. Im zweiten Wahlgang wurde der Bewerbung mit 41:28 Stimmen gegenüber Moskau stattgegeben.
Toronto bewarb sich dann für die 26. Olympischen Spiele 1996 und schied erst im vierten Wahlgang aus. Vorher waren Melbourne, Manchester und Belgrad ausgeschieden. Toronto scheiterte mit 22 Stimmen gegenüber 30 Stimmen für Athen und 34 Stimmen für Atlanta.
Für die 29. Olympischen Spiele 2008 bewarb sich Toronto zusammen mit Peking, Paris, Istanbul und Osaka. Osaka schied im ersten Wahlgang aus. Peking bekam im zweiten Wahlgang über 50 % der Stimmen (56), Toronto lag mit 22 Stimmen dahinter, noch vor Paris (18) und Istanbul (9).
Winterspiele Fünf kanadische Städte haben sich für die Ausrichtung Olympischer Winterspiele beworben. Den Anfang machte 1932 Montreal, das an Lake Placid scheiterte. 1936 wurde statt Montreal Garmisch-Partenkirchen vorgezogen. Für die Ausrichtung der 5. Olympischen Winterspiele 1944 schied man erst im zweiten Wahlgang aus. Gewinner war Cortina d’Ampezzo. Bei der Bewerbung für die 7. Olympischen Winterspiele 1956 verlor Montreal abermals gegen Cortina d’Ampezzo, diesmal schon im ersten Wahlgang.
Calgary bewarb sich zuerst für die Ausrichtung der 9. Olympischen Winterspiele 1964, verlor aber mit 9:49 Stimmen gegen Innsbruck im ersten Wahlgang. Auch bei der Bewerbung für die 10. Olympischen Winterspiele 1968 verlor man. Im ersten Wahlgang lag man hinter Grenoble mit drei Stimmen zurück, im zweiten Wahlgang lag man mit einer Stimme vorne. Im entscheidenden dritten Wahlgang unterlag Calgary mit 24:27 Stimmen.
Die Bewerbung für die 11. Olympischen Winterspiele 1972 ging von Banff aus. Der Wintersportort unterlag im ersten Wahlgang mit 16:32 Stimmen der japanischen Stadt Sapporo. Vancouver bewarb sich für die 12. Olympischen Winterspiele 1976, schied aber schon im ersten Wahlgang mit neun Stimmen aus. Die Bewerbung für die 13. Olympischen Winterspiele 1980 wurde von Vancouver zurückgezogen.
Calgary legte für die 15. Olympischen Winterspiele 1988 eine Bewerbung vor. Im zweiten Wahlgang setzte man sich gegen die schwedische Stadt Falun mit 48:31 Stimmen durch. Erst für die 21. Olympischen Winterspiele 2010 gab es die nächste kanadische Bewerbung. Vancouver lag im ersten Wahlgang noch mit elf Stimmen gegenüber der südkoreanischen Stadt Pyeongchang zurück. Doch im zweiten Wahlgang konnte sich Vancouver mit 56:53 Stimmen durchsetzen.
Ausrichtung mini|Entzündung des olympischen Feuers 1976 durch Stéphane Préfontaine und Sandra Henderson Die ersten Olympischen Spiele auf kanadischen Boden waren die Sommerspiele von 1976 in Montreal, die vom 17. Juli bis zum 1. August 1976 stattfanden. 6084 Athleten, davon 1260 Frauen, aus 92 Ländern nahmen teil. 24 afrikanische Länder boykottierten die Spiele. Das IOC hatte sich geweigert, Neuseeland von den Spielen auszuschließen, da eine neuseeländische Rugby-Auswahl eine Tour durch Südafrika gemacht hatte und damit den internationalen Sportbann gegen das Land gebrochen hatte. Aus Solidarität blieb auch Guyana den Spielen fern. Das olympische Feuer wurde von den jugendlichen Athleten Stéphane Préfontaine und Sandra Henderson entzündet. Den olympischen Eid für die Aktiven sprach der Gewichtheber Pierre Saint-Jean, den Eid für die Kampfrichter der Leichtathletik-Schiedsrichter Maurice Fauget.
Vom 13. bis zum 28. Februar 1988 fanden die Winterspiele in Calgary statt. Es nahmen 1423 Athleten, davon 313 Frauen, aus 57 Ländern teil. Die 12-jährige Nachwuchs-Eiskunstläuferin Robyn Perry entzündete das olympische Feuer. Den olympischen Eid für die Aktiven sprach der Skilangläufer Pierre Harvey, den für die Kampfrichter die ehemalige Eiskunstläuferin Suzanne Morrow. Morrow war damit die erste Frau, die den Eid bei Olympischen Winterspielen sprach.
mini|Arnold Schwarzenegger beim olympischen Fackellauf 2010