Eickstedt ist ein Ortsteil der Gemeinde Randowtal des Amtes Gramzow im Landkreis Uckermark in Brandenburg.
Geographie Der Ort liegt zehn Kilometer nordnordöstlich von Gramzow im Nordosten Brandenburgs. Das kleine Auen- oder Straßendorf besitzt eine typische lineare, Nord-Süd orientierte Form und wird von einer Durchgangsstraße mit dicht gereihten Gehöften geprägt. Die Nachbarorte sind Eickstedt Ausbau im Nordosten, Schmölln im Osten, Wollin im Südosten, Kleinow im Südwesten, Damme im Westen sowie Ziemkendorf im Nordwesten.
Der Ort befindet sich im Bereich der Grundmoränenplatte der Hauptvereisung des sogenannten Pommerschen Stadiums. Hier dominieren Geschiebe- und Tieflehme, Geschiebemergel mit unterschiedlichem Steingehalt sowie im Bereich der Feuchtniederung mächtige Auetone. Letztere tragen wegen des hohen Grundwasserstandes eine Moordecke. Auf der Geländekuppe im Ortskern steht in Folge von Wassererosion Geschiebemergel an, der den Standort als relativ sicheren Baugrund ausweist. Die vor Ort und im Umfeld vorhandenen Bodentypen sind ein Resultat der durch die jüngste Vergletscherungsphase der Weichsel-Kaltzeit während des Pommerschen Stadiums geschaffenen Oberflächenformen (einer der drei großen Eisvorstöße Brandenburger, Pommersches und Mecklenburger Stadium während der Weichsel-Kaltzeit; 16000–14800/14400 BP). Die rezenten Oberflächen im Ort und um das Gutshaus sind durch Oberflächenplanierungen und -aufträge stark überprägt.
Geschichte Die Ortsform entspricht einem Erstanlageschema des klassischen äußeren Landesausbaus.Vgl. Ogrissek 1961, 133, Born 1977, 141 sowie Gringmuth-Dallmer 1995, 114. Sie verweist ebenso wie die auf den Ortsgründer (s. u.) und dessen Herkunft deutende patronymische NamensbildungÜbertragung des Phänomens, dass die Bezeichnungen herrschaftlicher Sitze in Nach- und Geschlechternamen eingehen – nachdem bis ins 11. Jh. ausschließlich Vornamen verwendet und vererbt wurden; besonders im wettinischen Raum verbreitet (Kirsch 1999, 71f) und speziell bei deutschen Ortsnamen auftretend (Henker 2007, 55). auf eine der 161 Neugründungen in der Uckermark während der hochmittelalterlichen Ostsiedlung im späten 12. und 13. Jahrhundert.Entsprechend der zweiten bzw. der Hochphase der hochmittelalterlichen Ostsiedlung (vgl. Gringmuth-Dallmer 1995, 112, ders. 1996, 17 sowie Henker 2007, 15). Zu dieser selbst liegen keine Quellen vor.Was so typisch wie die Ortsform scheint, erfolgt doch die Ersterwähnung vergleichbarer Dörfer relativ spät – nach wenigen im 13. Jh. überwiegend erst im 14. Jh., so dass nur von der Existenz eines Ortes ausgegangen werden kann – aber nicht feststeht, wann er eigentlich gegründet wurde. Ein weiteres Indiz für eine planmäßige Neuanlage ist die große Gemarkungsfläche,758,37 ha wurden für 1856 (vgl. Fidicin 1856, 39; = 2974 Morgen) und 872 ha für 1921 überliefert (vgl. Eichholz 1921, 40f) – in dieser Größenordnung eigentlich nur während der mittelalterlichen Aufteilung anbaufähigen Landes vergeben. Spätere Flächenaufteilungen reduzierten sich bis zum 18. Jh. mitunter auf 100 ha für neu entstandene Ortschaften. Die heutige Fläche von 2241 ha resultiert aus den Neuordnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. deren Großgewannflure mit weit über 50 HufenHier als Mindestrichtwert. Die Flächenumrechnung ergibt etwa 120–137 Hufen, wobei die generalisierenden Maßvorgaben viel Spielraum lassen. Einzelauflistungen zum überlieferten Flächenbesitz von Familienmitgliedern, Pfarrei, Bauern usw. bei L. Enders (Enders 1986, 231). den eingewanderten Neusiedlern zugeordnet werdenVgl. Krenzlin 1952, 85. und einstige wirtschaftliche Potenz widerspiegeln. Gegenüber spätslawischen Siedlungen am Wasser wurde der Ort auf einer trockenen Hochfläche angelegt. Von diesem setzten sich in etwa mittlerer Dorflage westlich der Straßenachse das heutige Gutshaus auf einer kleinen, gering zur Feuchtniederung abfallenden LandzungeDiese ist dennoch als herausgehobener Platz anzusehen; vgl. Gringmuth-Dallmer 1996, 19. sowie der frühgotische Bau der Pfarrkirche des 13. Jahrhunderts aus Granitquadern mit einer westlich angebundenen Turmruine auf der mit annähernd 56 m ü. NHN höchsten Geländeerhebung ab.
Kirche und Gut
mini|Ansicht der Kirche von Nordosten mini|Ansicht der Kirche von Südwesten Auf den ersten Blick bilden die einst im Erdgeschoss mit einem Tonnengewölbe versehene TurmruineNach mündlicher Überlieferung wurden Teile des massiven Turmunterbaues aus großformatigen Feldsteinen erst in den 1920er Jahren für Straßenbauarbeiten abgebrochen. und das gut erhaltene Beispiel einer lang gestreckten Rechtecksaalkirche eine Einheit.Typologisch ist die Kirche eng der im benachbarten Schmölln verwandt. Im Gegensatz zu Schmölln erfolgten in Eickstedt trotz Renaissanceausstattung (1868 farblich neu gefasster Altar von 1591 und zeitgleiche Kanzel) keine größeren Umbauten am Kirchenschiff, so dass der Bau mit seinem Süd- und Westportal (zugesetzt) seltene Ursprünglichkeit bewahrte. An der Nordseite ist eine Sakristei angesetzt, ein wohl barocker Vorbau schützt das Südportal und bewahrte so Reste von Renaissance-Putzdekor. Der Umbau des Dachstuhls und die Renovierung des Innenraumes bis 1969 haben aber außer dem Mauerwerk kaum Originalbestand zurückgelassen. Beide Gebäude trennen jedoch Wechsel im Mauerwerksverband deutlich, trotzdem sie annähernd zeitgleich entstanden sein dürften.Wie der Kirchturm in Schmölln besaß der Eickstedter Turm sicherlich einen Fachwerkaufsatz. Der westliche, ebenerdige Zugang wurde erst nachträglich durch den Turmunterbau gebrochen. Besonders auffällig ist der räumlich enge Bezug des Turmes zum Gutshauskomplex.Im 16. und 17. Jh. war er noch augenscheinlicher, da die Kellersubstruktionen am Gutshaus bis unmittelbar vor den Turm reichen (vgl. dazu Schloss und Turm Zichow – hier hat sich ebenfalls durch die Integration der mittelalterlichen Bauteile der Burg in den Schlosskomplex eine unmittelbare Nachbarschaft von mittelalterlichen Turm und barockem Schloss ergeben.) Hier liegt der Sonderfall vor, dass eine Pfarrei an einem Burgwardmittelpunkt lagEine diese Möglichkeit ausschließende Hypothese geht auf W. Schlesiger zurück (Schlesiger 1983, 141), wurde aber bereits von R. Spehr hinreichend widerlegt (Spehr 1994, 49). und sogar eine bauliche Kombination einging. Die Etablierung mittelalterlicher befestigter Höfe mit integrierten (Pfarr-)Kirchen gilt als typisch sächsisches Phänomen,Während schriftliche Quellen wie etwa die Meißner Bistumsmatrikel dazu nur wenig Information bieten, finden sich im erhaltenen Baubestand mehrere Beispiele, etwa die 1140/50 entstandene Kirche St. Jakobi unmittelbar am Gutshof beim Königshof „Scutropei“ in Wilsdruff/Lkr. Meißen, die Missionskirche im Burgwall von Weßnig/Lkr. Torgau oder das Gut Meyhen/Kr. Naumburg (Spehr 1994, 43/44, 39, 45/46). besonders, wenn man an die Kombination Wohnturm und Kirchenschiff denkt, wie sie in Eickstedt umgesetzt wurde.Die wohl auffälligste Parallele bietet als adäquater Befund der Wohnturm von Meyhen/Kr. Naumburg, bei dem ebenfalls das Kirchenschiff an der Ostseite angesetzt wurde; vgl. Spehr 1994, 45/46. Offenbar ist mit dem Gebäudekomplex Turm-Kirche hier eine Bauweise zu fassen, die von sächsischen Einwanderern in die durch ihre Konzentration und Vielfalt unterschiedlicher Typen von Feldsteinkirchen bekannte Uckermark mitgebracht wurde.Eventuell stellten sie mit dieser einen direkten Bezug zur Bautradition ihrer Herkunftsregion her. Ähnlich dem adaptierten Ortsnamen unterschied sie dies von pommerschen Siedlern. Oberirdisch nicht erhalten ist der dafür archäologisch nachgewiesene Herrensitz bzw. des Festen Hauses des 14. Jahrhunderts, welches wohl einen Vorgängerbau der Ortsgründungsphase ersetzte. Es handelte sich um einen mehrgeschossigen Rechteckbau, der sukzessive um Flügelanlagen erweitert wurde bis sich eine für das 16. Jahrhundert typische dreiflügelige Anlage ergab. Von einem Grabenwerk umgeben war diese dem mittelalterlichen Vorgänger eng verbunden.Von einem den Geländerücken hinter dem östlichen Kirchengiebel teilenden Abschnittsgraben muss ausgegangen werden, er ist bislang aber noch nicht nachgewiesen. Die zeitliche Sequenzierung der archäologischen Befunde ergab, dass sich spätestens um den Kernbau des 14. Jahrhunderts ein einfacher Graben zog, dem nacheinander zwei weitere Gräben vorgelagert wurden. Die Radienvergrößerungen und die Einplanierung des jeweils inneren Grabens legen einen Zusammenhang mit dem Ausbau des Gutes nahe. Die beiden äußeren Anlagen sind eher dem 15. und 16. Jahrhundert zuzurechnen.
Nach massiven, nur wenig obertägigen Bestand verschonenden Zerstörungen im Dreißigjährigen KriegHerrensitze stellten neben Kirchen und Pfarreien besondere Ziele der Zerstörung dar (vgl. Kopp1905, 8). 1627 hatte die Region schwerste Zerstörungen durch die Truppen Christians IV. von Dänemark zu erleiden. Auf die sich anschließende Wallensteinsche Einquartierung rückten 1631 die Schweden ein. Spätestens in Folge der Niederlage der Kaiserlichen Truppen Ferdinands II. in der Schlacht vom Scharfenberg bei Wittstock 1636 gegen die Schweden wird auch Eickstedt von den die Region überziehenden Verwüstungen heimgesucht worden sein. erfolgte der Neubau beziehungsweise die Neugestaltung des zeitweilig ruin gefallenen Festen Hauses zum zentralen Gutshaus, dass man in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiter umgestaltete. Der geschlossene Baukörper präsentiert sich daher als gestreckter Rechteckbau ohne Turm oder andere Addita und ähnelt mit seinen beiden repräsentativen Fassaden eher einem überdimensionierten bürgerlichen Haus mit Mansardendach.Die sichtbaren Reste der alten Substanz wichen in einem stetigen Bauprozess den Moden der Zeit, besonders nachdem sich Brandenburg im 17. Jahrhundert Einflüssen aus den Niederlanden und Frankreich öffnete. Dennoch ist der Umfang der integrierten Bausubstanz speziell in der Nordwand bis zum ersten Obergeschoss beachtlich (vgl. H. Grönwald/Berlin, Bericht zur Archäologischen Untersuchung im Rahmen des BV Sanierung und Umbau des Gutshauses Eickstedt; Aktivitäts-Nr. des Brandenburgischen Landesmuseums UBO 2005:084, Sachkatalog-Nr. 2005-1267 sowie Bericht zur restauratorischen Untersuchung am Gutshaus Eickstedt von Dipl. Rest. W. Geipel/Berlin, Blatt Z 1; 20. November 2005). Den Komplex verband nach seiner konsequenten Umgestaltung mit dem Vorgängerbau letztlich nur noch, dass es sich um den freistehenden Typ eines großen Herrenhauses handelte. Der ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Turm an der Kirche blieb dagegen Ruine.Die Kirche war dagegen weitestgehend unversehrt. Möglicherweise ein Indiz, dass klar getrennte welt- und geistliche Besitzverhältnisse definiert waren, der Turm bis zu diesem Zeitpunkt Wohnfunktion hatte und als befestigtes Gebäude Ziel militärischer Aktivitäten wurde. Fast das ganze Dorf fiel im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wüst und die Region litt unter Pestepidemien (überliefert für 1626, 1634 und 1643; nach Breitling 2005, 62). 40 Jahre nach Kriegsende sind nur zwei besetzte Bauernhöfe überliefert (alle Kossetenhöfe waren wüst; vgl. Enders 1986, 231). Zu Details der Grabungsergebnisse vgl. Grönwald 2008, 35–49 sowie ders. 2007, 137–146. mini|hochkant|Gutshaus während der Sanierung 2006
Historische Quellen zur mittelalterlichen Geschichte mini|hochkant|Ostgiebel der Kirche mini|hochkant|Turmruine westlich vor der Kirche auf dem Gut