Siegmund Jacob, alternative Schreibweise Siegmund Jakob (* 7. März 1874 in Schwarzenau; † 8. Februar 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau), war ein deutscher Filmproduzent und Filmmanager.
Leben Siegmund Jacob ist einer der heute vergessenen Filmmanager des deutschen Stummfilms, obwohl er zeitweise einer der schillerndsten und mächtigsten Vertreter der heimischen Kinowirtschaft war. Der gebürtige Westfale hatte wohl eine kaufmännische Ausbildung erhalten, ehe er im Jahre 1911 die Frankfurter Film Compagnie gründete, ein Filmverleihunternehmen. Während des Ersten Weltkriegs wechselte Jacob in die Filmherstellung. Im Jahr 1917 war er ein halbes Jahr lang Geschäftsführer der Bioscop Film-Verleih GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 14707. 1918 übertrug ihm die Ende des vorangegangenen Jahres gegründete UFA das Verleihgeschäft. Im Mai übernahm er als Nachfolger von Ole Olsen gemeinsam mit dem Juristen Dr. Hermann Kahlenberg die Nordische Film Co. GmbH, die im Oktober in die Universum-Film-Verleih GmbH umgewandelt wurde.HRB Nr. 4032, Einträge im Berliner Handelsregister am 5. Juni und 12. Oktober 1918. Im Oktober wurde er zusätzlich als Nachfolger von Paul Ebner Geschäftsführer der Hansa-Film Verleih GmbHHRB Nr. 13497, Eintrag im Berliner Handelsregister am 25. Oktober 1918. und gemeinsam mit Alwin Gutzmann Geschäftsführer bei der Nordländischen Film Union GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 15745.
Mutmaßlich eigenes Unvermögen und firmeneigene Intrigen beförderten Jacob ab Mitte der 1920er Jahre, als die UFA wegen zunehmender Verschwendung und Managementfehlern immer stärker in Geldnöte geriet, allmählich ins Abseits. Obwohl 1924 in das Direktorium von Deutschlands mächtigster Produktionsfirma berufen,HRB Nr. 15204, Eintrag im Berliner Handelsregister am 19. Dezember 1924. wurde Jacob bereits im März 1927 aus der UFA, die vom neuen Generaldirektor Ludwig Klitzsch einem massiven Sparkurs unterzogen wurde, wieder hinausgedrängt. Er musste seinen Vorstandsposten räumen,HRB Nr. 15204, Eintrag im Berliner Handelsregister am 9. April 1927. schied als Geschäftsführer bei der Parufamet Ufa-Paramount-Metro-Verleihbetriebe GmbH ausHRB Nr. 15632, Eintrag im Berliner Handelsregister am 12. April 1927. und das Führungsduo Jacob und Dr. Kahlenberg wurde bei der Universum-Filmverleih GmbH und der Decla-Bioscop Verleih GmbH entlassen.HRB Nr. 4032 und 15041, Einträge im Berliner Handelsregister am 5. April 1927. Auch bei der Frankfurter Film Compagnie schied Jacob als Geschäftsführer aus.HRB Nr. 897, Eintrag im Frankfurter Handelsregister am 27. Mai 1927. 1928 erfolgte schließlich sogar ein Strafantrag gegen Jacob. Der ehemalige Verleihchef solle, so der Vorwurf, „bei einzelnen Import-Filmen ‚für besondere Mühen‘ bis zu 25 Prozent Provision bekommen [haben]. Jacob kaufte wider besseres Wissen ausländische Filme für viel zu hohe Preise, so daß sie ein Verlustgeschäft für die Ufa werden mußten.“Siegmund Jacob in „Bei der UFA machte man das so …“, in: Der Spiegel vom 29. November 1950. Damit stand der Vorwurf der Korruption im Raum. Im Rahmen eines schlecht ausgehandelten UFA-Filmverleihdeals mit den amerikanischen Major Companies MGM und Paramount (gemeinsame Firmengründung „Parufamet“) hatte sich der deutsche Konzernriese in massive Abhängigkeiten gegenüber den deutlich stärkeren US-Partnern begeben. Dies wurde, trotz der Mitschuld des allzu nachlässig kontrollierenden Deutsche-Bank-Chefs und UFA-Aufsichtsrats Emil Georg von Stauß, vor allem Siegmund Jacob angelastet.Siegmund Jacob in „Kino -- Das große Traumgeschäft“, in: Der Spiegel vom 22. November 1950.
Der berufliche Abstieg des ausgeschiedenen UFA-Vorstandes und Vorstandes des Zentralverbandes der Filmverleiher Deutschlands ging einher mit Jacobs privatem, finanziellen Niedergang. Er hatte um 1925/26 am Schwielowsee eine luxuriöse Villa errichten lassen, die ihn seit seinem UFA-Abgang offensichtlich finanziell stark belastete. Zwischen 1927 und 1929 standen bereits fünf Gläubiger im Grundbuch, und im Januar 1932 musste Siegmund Jacob sein Anwesen zwangsversteigern lassen. Im November 1932 wurde das Grundstück mit 80.7000 RM weit unter Wert verkauft.Siegmund Jacob auf books.google.de
1930 gründete er die Siegmund Jacob & Sohn GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 44466. Als Filmverleiher brachte er u. a. Carl Heinz Wolffs Krimi Täter gesucht (1931, mit Karl Ludwig Diehl und Gerda Maurus) in die Kinos. Mit Carl Heinz Wolff gründete er im August 1931 die Spezial Tonfilm-Verleih GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 46243. 1932 gründete er mit seinem Sohn Walther Jacob im Goethe-Jahr (100. Todestag) die Goethefilm Vertriebs-GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 47321.
Von den neuen Machthabern ausgegrenzt, floh Siegmund Jacob, da er Jude war, nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten nach Frankreich und geriet dort rasch in Vergessenheit. Seine Situation verschärfte sich nach der Besetzung Frankreichs 1940 durch die deutsche Wehrmacht dramatisch. Am 3. Februar 1944 wurde Siegmund Jacob mit dem 67. Transport von Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er unmittelbar nach seiner Ankunft vergast wurde.Siegmund Jacob auf yadvashem.org
Filmografie als Produzent / Herstellungsleiter 1917: Der Golem und die Tänzerin 1917: Flüssiges Eisen 1917: Der Spion 1917: Im Reiche der Flammen 1917: Die Geächteten 1918: Das Spitzentuch der Fürstin Wolkowska 1918: Um die Liebe des Dompteurs. Das Drama im Zirkus Sarasani (in Österr.: Janayas indischer Zirkus) 1918: In die Wolken verfolgt 1918: Die schöne Jolan 1918: Der Fluch des Spiels 1918: Don Juans letztes Abenteuer 1918: Die Schätze des Geisterschiffes 1919: Das Spielzeug der Zarin 1919: Das Kloster von Sendomir 1921: Hannerl und ihre Liebhaber 1921: Verrat auf Schloss Treuenfels
Literatur Kurt Mühsam / Egon Jacobsohn: Lexikon des Films. Verlag der Lichtbildbühne, Berlin 1926. S. 83
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Person (Stummfilm) Kategorie:Manager (Deutschland) Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann Kategorie:Deutscher Emigrant in Frankreich Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus