Die HMS Lightning (G55) war ein britischer Zerstörer der acht am 31. März 1938 bestellten L-Klasse der Royal Navy. Der Zerstörer wurde im Mai 1941 von der Bauwerft Hawthorn, Leslie & Co. abgeliefert. Er wurde als viertes Schiff der neuen L-Kasse fertiggestellt und war das erste Schiff der Klasse mit den für die Klasse neuentwickelten Doppellafetten für neue 120-mm-Geschütze. Schwierigkeiten mit der Lieferung der wie ein Geschützturm wirkende Lafette hatten nicht nur die Fertigstellung der Lightning verzögert, sondern auch zur Umbewaffnung von vier Schiffen der Klasse geführt, von denen drei vor der Lightning in Dienst kamen.
Die Lightning wurde im Zweiten Weltkrieg mit den Battle Honours Diego Suarez 1942 und Malta Convoys 1942 ausgezeichnet. Am 12. März 1943 wurde der Zerstörer im Mittelmeer durch das deutsche Schnellboot S 55 der 3. Schnellboot-Flottille unter dem Kommando von Oberleutnant zur See d. R. Horst Weber nördlich von Bizerta auf versenkt.
Geschichte des Zerstörers Die Lightning wurde mit dem Schwesterschiff Legion am 31. März 1938 bei Hawthorn, Leslie & Co. in Hebburn am Tyne in Auftrag gegeben. Die Kiellegung des zweiten Schiffes (Lightning) erfolgte schon 14 Tage nach dem ersten Schiff am 15. November 1938. Das Schwesterschiff Legion lief am 26. Dezember 1939 als erstes Schiff der neuen Klasse vom Stapel und die Lightning folgte als zweites Schiff der Klasse am 22. April 1940. Der Neubau wurde das zehnte Schiff der Royal Navy mit dem Namen Lightning, den zuvor ein Torpedobootszerstörer von 1896 bis 1915 geführt hatte. Dieser von Palmers gelieferte „27-knotter“ gehörte seit 1912 zur A-Klasse und sank im Ersten Weltkrieg nach einem Minentreffer. Die davor im Dienst der Navy stehende Lightning hatte Thornycroft 1876 geliefert und war das erste Torpedoboot der Navy.
Die Hauptbewaffnung der neuen Schiffe sollten drei Doppellafetten mit 120-mm-Kanonen bilden. Die Geschütze waren eine Neuentwicklung mit einem längeren Geschützrohr und einem schwereren Geschoss. Die neuentwickelten Doppellafetten waren einem Waffenturm ähnlich. Sie boten Wetterschutz und erlaubten mit 50° eine größere Elevation. Die Fertigung der neuen Waffen konnte allerdings mit der Fertigung der Zerstörerrümpfe nicht mithalten. mini|links|Die gleichzeitig bei Hawthorn, Leslie gebaute Legion mit den 102-mm-Zwillingen Schon im Februar 1940 entschloss sich die Royal Navy, vier der neuen Zerstörer (Legion, Gurkha (ex Larne), Lance und Lively) mit bewährten 102-mm-Mark.XVI-Zwillingsgeschützen als Hauptbewaffnung auszustatten, da ein dringender Bedarf an schnellen Geleitfahrzeugen mit starker Luftverteidigungsfähigkeit bestand. Allerdings wurde die umkonstruierten Schiffe auch nicht viel schneller fertig; nur drei von ihnen wurden geringfügig eher vor der Lightning abgeliefert, die wegen der verspäteten Lieferung der Hauptbewaffnung erst am 28. Mai 1941 als viertes Schiff der L-Klasse und als erstes Schiff mit den neu entwickelten Geschützen in den Dienst bei der Royal Navy kam. Ein großes Teil ihrer Besatzung stammte von dem Tribal-Zerstörer Ashanti, der nach einer Kollision im Herbst 1940 vorübergehend außer Dienst gestellt worden war.
Bei ihrer Fertigstellung führte die Lightning neben den drei Doppellafetten mit den 120-mm-L/50-Kanonen auch noch ein 102-mm-L/45-Mk.V-Geschütz an Stelle des ursprünglich vorgesehenen hinteren Torpedorohrsatzes. Dieser Einbau erfolgte auch auf den folgenden elf Zerstörern der L- und M-Klasse mit den neuen 120-mm-Zwillingsgeschützen, da die Admiralität weiterhin die hinreichende Ausstattung der Zerstörer zur Abwehr von Luftangriffen auf Flottenverbände bezweifelte. Für die Nahbereichsflugabwehr verfügte die Lightning über eine Vierlings-2-pdr-40-mm-Pompom hinter dem Schornstein, zwei einzelne 20-mm-Oerlikon-Maschinenkanonen sowie zwei schwere Vierlings- und zwei 12,7-mm-Vickers-Zwillings-Maschinengewehre. Dazu kamen noch ein Vierlings-21-Zoll-Torpedorohrsatz (statt ursprünglich geplanter zwei Fünffachsätze) und 45 Wasserbomben. Die Maschinengewehre wurden während der Dienstzeit des Schiffes durch vier weitere Oelikon-Kanonen ersetzt.
Einsatzgeschichte Der neue Zerstörer verlegte zu letzten Tests und zum Einfahren der Besatzung nach Scapa Flow zur Home Fleet und wurde der 19. Zerstörerflottille zugeteilt.Service History HMS Lightning Im Juli war der Zerstörer für eine Versorgungsoperation zum britischen Stützpunkt Malta vorgesehen und daher als Sicherung dem Geleitzug WS 9C zugeteilt, der am 12. Juli 1941 den Clyde verließ. Aus einem Teil des Konvois wurde in Gibraltar, der Nachschubkonvoi GM 1 mit dem Truppentransporter Leinster, der schon beim Auslaufen durch eine Grundberührung ausfiel, sowie den Frachtern Melbourne Star, Sydney Star, City of Pretoria, Port Chalmers, Durham und Deucalion für Malta. Die Sicherung dieser Operation Substance übernahm die die Force H unter Vizeadmiral Somerville mit dem Schlachtkreuzer Renown, dem Träger Ark Royal, dem Kreuzer Hermione und acht Zerstörern. Zur Unterstützung hatte die Home-Fleet das Schlachtschiff Nelson, drei Leichte Kreuzer, die Manxman und neben der Lightning noch die Zerstörer Cossack, Maori, Sikh und die australische Nestor sowie drei Geleitzerstörer entsandt. Da die Italiener die Zusammensetzung des Konvois nicht rechtzeitig erkannten, setzten sie keine schweren Flotteneinheiten gegen den britischen Vorstoß ein. Der Angriff eines italienischen U-Boots blieb erfolglos. Italienische S 79-Torpedoflugzeuge erzielten am 23. einen Treffer auf dem Kreuzer Manchester, der dann nur noch 9 kn laufen konnte und mit 750 eingeschifften Soldaten an Bord unter dem Schutz der Avon Vale nach Gibraltar zurückkehrte. Durch Luftangriffe getroffen wurden auch die Zerstörer Firedrake, die in Begleitung der Eridge den Rückmarsch antrat, sowie die Fearless, die schwer beschädigt und brennend aufgegeben wurde und vom Schwesterschiff Forester versenkt wurde. Am 24. griffen bei Pantelleria zwei Schnellboote den Konvoi an und torpedierten die Sydney Star (12.696 BRT). Die australische Nestor übernahm 487 eingeschiffte Soldaten, der Transporter lief mit eigener Kraft weiter und erreichte Malta. Von dort liefen sieben leere Transporter zur vor Algerien wartenden Force H. Durch die weiteren Luftangriffe wurde nur ein leerer Tanker beschädigt.Rohwer: Seekrieg. 21.–27.7.1941, Mittelmeer, Operation Substance Der Ausfall der Leinster und die Rückkehr der Manchester führten zu einem Anschlusseinsatz der Lightning, die mit den Kreuzern Arethusa und Hermione, dem schnellen Minenleger Manxman und dem Zerstörer Sikh noch 1750 Mann für Malta bestimmtes Personal zusammen mit 130 t Nachschub von Gibraltar nach Malta transportierten. Die Schiffe, die gleichzeitig zu einem Trägerangriff der Force H auf Alghero (Operation Style) operierten, erreichten Malta am 2. August, wurden entladen und kehrten umgehend zurück.Rohwer: Seekrieg. 31.7.–4.8.1941, Mittelmeer, Operation Style Dabei schloss sich die Lightning mit Sikh und Hermione der Sicherung der Ark Royal an. Am 8. August 1941 verließ die Lightning mit den Zerstörern Cossack, Maori und Sikh Gibraltar, um die Renown, die zu Überholungsarbeiten nach England lief und den Passagierdampfer Pasteur zu sichern.Rohwer: Seekrieg. 8.8.1941, Ostatlantik
Ab dem 19. August war der Zerstörer wieder bei der Home Fleet im Einsatz und sicherte dabei unter anderem zusammen mit dem Kreuzer Kenya einen Minenlegereinsatz der Manxman vor der norwegischen Küste. Am 17. September wurde die Lightning erneut einer Nachschuboperation für Malta (Operation Halberd) zugeteilt. Für diese Operation wurden von der Home Fleet zwei Schlachtschiffe, vier Kreuzer und fünf weitere Zerstörer als Sicherung des Truppengeleits WS 11X nach Gibraltar verlegt. Am 24. startete der Versorgungskonvoi GM.2 von Gibraltar nach Malta mit neun Transportern. Lightning befand sich in der Deckungsgruppe I (Force H) mit Somervilles Flaggschiff Nelson, der Ark Royal, dem Kreuzer Hermione und fünf weiteren Zerstörern, darunter die Laforey, der Flottillenführer der L-Klasse und der „19th Destroyer Flotilla“. Die vier Zerstörer der Klasse mit der veränderten Bewaffnung (Gurkha, Legion, Lance, Lively) waren während der Operation Halberd bei der Deckungsgruppe II im Einsatz.Rohwer: Seekrieg. 24.–30.9.1941, Mittelmeer, Operation Halberd: Versorgungskonvoi GM.2 von Gibraltar nach Malta. Für die Lightning war diese Konvoisicherung die intensivste Kampferfahrung, da die Deutschen den Geleitzug im wieder aus der Luft angriffen, die dabei alle Angriffsformen einsetzten. Am 27. September 1941 um 13:40 Uhr wäre die Lightning beinahe getroffen worden, als ein Lufttorpedo das Schiff nur um etwa 20 Yards verfehlte. mini|Ark Royal mit starker Schlagseite Nach der Operation kehrte der Zerstörer ab dem 2. Oktober 1941 im Sicherungsverband der Prince of Wales wieder zur Home Fleet zurück, um dann Ende des Monats zur Force H in Gibraltar versetzt zu werden. Der Zerstörer wurde sowohl zur Konvoisicherung von Gibraltar bis in die Biskaya und zurück als auch zur Sicherung von Einheiten der Force H im Mittelmeer eingesetzt, insbesondere wenn Träger Jagdflugzeuge nach Malta einflogen. So begleitete sie ab dem 10. November 1941 die Flugzeugträger Ark Royal und Argus, das Schlachtschiff Malaya, die Hermione sowie die sechs Zerstörer Laforey, Gurkha, Legion, Sikh, Zulu und die niederländische Isaac Sweers ins westliche Mittelmeer, wo von den Trägern 37 Hurricane-Jäger nach Malta starteten. Auf dem Rückmarsch von der planmäßig durchgeführten Operation griffen am 13. November U-Boote den Verband an und U 81 (Kapitänleutnant Guggenberger) torpedierte die Ark Royal, die am nächsten Tag im Schlepp nach der Rettung der Besatzung noch 25 sm vor Gibraltar sank.Rohwer: Seekrieg. 10.–14.11.1941, Mittelmeer, Operation Perpetual. Lightning hatte am 13. schon die auf dem Träger nicht mehr benötigten Besatzungsmitglieder übernommen. mini|Schlachtschiff Duke of York Am 11. Dezember 1941 verließ Lightning mit Harvester und Highlander Gibraltar, um im Atlantik die Duke of York zu treffen und es in die USA zu eskortieren. Auf dem Schlachtschiff reisten Winston Churchill und die britischen Stabschefs zur Arcadia-Konferenz in Washington. Bei sehr schlechtem Wetter fanden die Zerstörer am Abend des 17. das Schlachtschiff und wurden drei Tage später bei weiterhin sehr schlechtem Wetter nach Ponta Delgada zum Auftanken entlassen, während das Schlachtschiff allein die Fahrt in die USA fortsetzte. Die Zerstörer liefen über Bermuda bis zum 31. Dezember nach Newport News.
1942 Die Rückreise des Verbandes erfolgte ab dem 12. Januar 1942 mit dem Schlachtschiff Duke of York und den drei Zerstörern über St. John’s (Neufundland) bis zum 25. Januar 1942 nach Greenock; Churchill flog allerdings mit einem Boeing-Flugboot zurück nach Großbritannien.Churchill returns to Britain by air.
Am 4. Februar 1942 nahm die Lightning wieder ihren Dienst bei der Force H in Gibraltar auf. Sie war Ende Februar an einem Versuch der Force H beteiligt, bei dem Jagdflugzeuge von den Flugzeugträgern Argus und Eagle nach Malta überführt werden sollten, der südlich der Balearen wegen Problemen mit den zusätzlichen Treibstofftanks der Flugzeuge für den Überführungsflug abgebrochen wurde.Rohwer: Seekrieg. 27.–28.2.1942, Mittelmeer, Operation Spotter. Bei der Wiederholung dieses Vorhabens Anfang März starteten südlich der Balearen fünfzehn Spitfire-Jäger von den Trägern nach Malta und erreichten die Insel. Die Sicherung der beiden Träger bestand aus dem Schlachtschiff Malaya, dem Kreuzer Hermione und den Zerstörern Laforey, Active, Anthony, Whitehall und Wishart neben der Lightning sowie drei Hunt-Geleitzerstörern.Rohwer: Seekrieg. 5.–9.3.1942, Mittelmeer, Operation Spotter II.