Die Schlacht bei Calliano wurde am 10. August 1487 während des Krieges zwischen der Republik Venedig und der Grafschaft Tirol unter Herzog Siegmund ausgetragen und war der kriegerische Höhepunkt dieses Konfliktes.

Hintergrund In den Jahren vor 1486 herrschte ein friedliches, wenn auch fragiles Gleichgewicht zwischen dem Grafen von Tirol und der Republik Venedig, nachdem Venedig Anfang des 15. Jahrhunderts in den Besitz zahlreicher Ländereien im Süden des heutigen Trentino gekommen war. Es gab keinerlei Anzeichen eines sich androhenden Streites und nach dem Frieden von Bagnolo 1484 wähnte sich die Dogenrepublik auch relativ sicher vor den anderen Mächten auf der Italienischen Halbinsel. Erst im Winter 1486–1487 spitzte sich die Lage zu, als der Tod des Fürstbischofs von Trient Johannes Hinderbach ein Machtvakuum hinterließ, das der lokale Adel auszunutzen versuchte, um Gebietsansprüche geltend zu machen. In diese Streitigkeiten, bei denen sich die Grafen von Arco und Lodron besonders hervortaten, wurden zwangsläufig auch die Lagunenrepublik und der Graf von Tirol hineingezogen.Mariano Welber: La battaglia di Calliano 10 agosto 1487. Cronaca desunta dalle fonti narrative. S. 23–25.Der Krieg Venedigs gegen Tirol auf Italienisch abgerufen am 24. Juli 2017.

Auch der Einfluss der sogenannten bösen Räte auf Siegmund, seine stets knappen Kassen und seine dadurch bedingte Abhängigkeit zum Wittelsbacher Albrecht IV., der aufgrund der Kinderlosigkeit Siegmunds Erwartungen auf die Grafschaft Tirol hegte und dadurch im Kontrast mit dem Habsburger Friedrich III. stand, haben eine Rolle gespielt den Grafen von Tirol in einen Krieg mit Venedig zu verwickeln.Martin P. Schennach: Gesetz und Herrschaft: die Entstehung des Gesetzgebungsstaates am Beispiel Tirols. S. 57–58.

Zwischen März und April 1487 provozierte der Tiroler mit der Beschlagnahmung von einigen von Venedig betrieben Minen im Primiero und in der Valsugana sowie mit der Verhaftung von venezianischen Kaufleuten und der Konfiszierung ihrer Waren auf der Bozener Messe die Republik. Gleichzeitig wurden ihm Söldner und Waffen aus Bayern zugeführt und alle Vorbereitungen für einen Krieg gegen Venedig getroffen.Marco Bellaraba: Una nuova frontiera per l'impero: 1500, Trentino e Tirolo allo specchio. S. 434–435.

Am 23. April 1487 standen die Söldnertruppen Siegmunds südlich von Trient unter den Mauern der Stadt Rovereto, die die Venezianer 1416 unter ihren Einflussbereich gebracht hatten.

Vorgeschichte Die Belagerung Roveretos mini|Der Zweikampf zwischen Johann von Waldburg-Sonnenberg und Antonio Maria di Sanseverino in einem Fresko der Pfarrkirche St. Katharina in Wolfegg Angeführt von Gaudenz von Matsch stellte die Belagerung der Stadt und der Burg von Rovereto den ersten Akt im venezianisch-tirolerischen Krieg dar. Matsch entschied sich, die Stadt mit seinen 8.000 Mann zu belagern, da in seinen Augen ein direkter Angriff wenig Aussicht auf Erfolg gehabt hätte oder mit großen Opfern verbunden gewesen wäre. Dieses Söldnerheer setzte sich überwiegend aus Soldaten zusammen, die in Schwaben, im Breisgau und in der Schweiz angeheuert worden waren sowie aus einem bayerischen Kontingent, das von Alexander von Pappenheim und Hans Pienzenauer angeführt wurde.Marco Bellaraba: Una nuova frontiera per l'impero: 1500, Trentino e Tirolo allo specchio. S. 435.

Während der venezianische Podestà die Verteidigung Roveretos organisierte, sammelte Venedig seine Truppen südlich von Rovereto bei Serravalle und versuchte gleichzeitig auf diplomatischen Wege eine Lösung zu finden und eine Ausweitung des Konfliktes zu verhindern. Während der mehrwöchigen Belagerung wurde Rovereto von der Artillerie in Brand geschossen und schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehrere Ausfallversuche scheiterten und der venezianische Podestà Nicolò Priuli zog sich daraufhin mit dem letzten Aufgebot in die Burg zurück. Nach fünf Wochen Belagerung ergaben sich die Verteidiger der Stadt am Abend des 30. Mai 1487.Mariano Welber: La battaglia di Calliano 10 agosto 1487. Cronaca desunta dalle fonti narrative. S. 30–34.

Wenige Tage vor dem Fall Roveretos konnte Venedig den 69 Jahre alten Condottiere Roberto Sanseverino d’Aragona in seine Dienste nehmen, der bereits mehrfach für die Serenissima in den Krieg gezogen war. Sanseverino verhielt sich zunächst zurückhaltend und wartete das Eintreffen seines Sohnes Antonio Maria di Sanseverino und seines getreuen Verbündeten Guido de’ Rossi mitsamt Truppen ab. Venedig schickte sich weiterhin an eine diplomatische Lösung, auch mit Hilfe des Papstes, zu finden. Auch verhandelte man im Geheimen mit Matsch, um ihn auf die Seite der Lagunenstadt zu ziehen. Am 7. Juni, erschien im Lager der Tiroler, die den entscheidenden Angriff auf die Burg vorbereiteten, ein venezianischer Herold mit dem Angebot zu einem ehrenhaften Zweikampf zwischen dem Sohn Sanseverinos und einem dazu bereiten Tiroler Ritter. Johann von Waldburg-Sonnenberg erklärte sich zum Zweikampf mit Antonio Maria di Sanseverino bereit und traf sich mit ihm am 12. Juni bei Isera westlich von Rovereto unterhalb von Castel Pradaglia auf einem extra dafür vorbereiteten Turnierplatz, den er als Gewinner verließ. Hinter dem Zweikampf verbarg sich der Versuch, die Vorherrschaft der beiden Lager auf ehrenhafte Weise ohne größeres Blutvergießen festzustellen und gleichzeitig Gaudenz von Matsch mit der noblen Geste von der Sache Venedigs zu überzeugen. Am 11. Juni war währenddessen auch die Burg von Rovereto in die Hände der Tiroler gefallen.Mariano Welber: La battaglia di Calliano 10 agosto 1487. Cronaca desunta dalle fonti narrative. S. 44–57.

Vorgeplänkel Ende Juni machten sich bei den Tirolern zusehends Proviantprobleme bemerkbar. Matsch versuchte den aus Richtung Gardasee kommenden Nachschub der Venezianer zu unterbinden und abzufangen. Er hatte zu diesem Zweck ein Kontingent von etwa 800 Mann an der rechts der Etsch Richtung Nago führenden Straße abgestellt. Nachdem die letzten Verhandlungen zwischen ihm und Venedig gescheitert waren, kam es am 3. Juli 1487 bei Ravazzone, heute ein Ortsteil von Mori, zu einem Aufeinandertreffen mit den Truppen Sanseverinos, der ohne Sieger und Verlierer ausging, bei dem aber der Sohn Sanseverinos, Antonio, in Gefangenschaft geriet, aus der er erst nach Ende des Kriege wieder freikam.

Kurz darauf zog Matsch völlig überraschend in Richtung Innsbruck ab, ohne sich in Trient weiter aufzuhalten und nur eine kleine Nachhut in Rovereto zurücklassend. Der Abzug hatte vor allem militärische Gründe, da die Venezianer mittlerweile in der Überzahl waren und weitere venezianische Truppen von der Valsugana in Richtung Trient vorzustoßen drohten, die den Tirolern den Rückweg abgeschnitten hätten.Mariano Welber: La battaglia di Calliano 10 agosto 1487. Cronaca desunta dalle fonti narrative S. 58–65

Venedig übernahm auch in anderen Abschnitten zunehmend die Initiative, ohne aber entscheidende Vorteile daraus zu ziehen. In den Judikarien stieß Parisotto von Lodron als Verbündeter der Lagunenstadt in Richtung Norden vor, am Gardasee belagerte die venezianische Besatzung Rivas ohne Erfolg die Burg von Tenno und zwischen Toblach und Cortina kam es vermehrt zu Grenzübergriffen.Gino Onestinghel: La guerra tra Sigismondo Conte del Tirolo e la Repubblica di Venezia nel 1487. S. 136–139.

Verlauf Schlachtvorbereitungen mini|links|Das Schlachtfeld zwischen Calliano (links) und Beseno (rechts) im Etschtal südlich von Trient Mit dem am 10. Juli 1487 abgeschlossenen Rückzug der Tiroler aus Rovereto veränderte sich die strategische Gesamtlage zugunsten Venedigs, so dass ab Mitte Juli die Republik die Initiative übernahm. Am 17. Juli wurde der Vormarsch angeordnet mit dem angestrebten Ziel Trient zu erobern. Bereits einen Tag zuvor hatte Sanseverino begonnen seine Truppen vom Lager in Serravalle nach Sacco bei Rovereto zu verlegen. Durch den Bau einer Bootsbrücke über die Etsch wollte er zudem die Versorgung vom Gardasee aus erleichtern. Kurz darauf zog der venezianische Condottiere weiter Richtung Norden bis nach Pomarolo und zog dabei auch die Bootsbrücke nach. Sanseverinos Heer verfügte mittlerweile über eine Stärke von etwa 4.200 Mann und 3.000 Reitern. Am 20. Juli gelang es ihm, die auf der orographisch rechten Flussseite gelegene Burg von Nomi zu erobern. Damit verblieb den Tirolern nur noch die auf der anderen Flussseite gelegenen Burgen Pietra und Beseno, die von wenigen hundert Mann verteidigt wurden, um den weiteren Vormarsch der Venezianer aufzuhalten, während in Trient etwa 1.000 Landsknechte unter dem Befehl ihres elsässischen Anführers Friedrich Kappler zur Verteidigung bereit standen, die sich zuvor von Matsch getrennt hatten.Mariano Welber: La battaglia di Calliano 10 agosto 1487. Cronaca desunta dalle fonti narrative. S. 69–70.

Venedig war sich durchaus bewusst, dass eine Besetzung Trients aufgrund des Widerstandes der zahlreichen Gegner der Dogenrepublik nicht auf Dauer möglich gewesen wäre. Dennoch schätzte man die Gesamtlage als durchaus positiv ein und auch eine lediglich zeitweilige Besetzung hätte die Position Venedigs am Verhandlungstisch sicher gestärkt. mini|Castel Pietra In den ersten Augusttagen arbeitete Sanseverino seinen Angriffsplan aus. Eine entscheidende Rolle spielte dabei das vermeintliche Schlachtfeld um Calliano. Die natürlichen Gegebenheiten beeinflussten am Ende entscheidend auch den Ausgang der Schlacht. So bildet das Etschtal bei Calliano eine Engstelle, die mit den Burgen Beseno, Pietra und Nomi ein zusätzliches gut ausgebautes Hindernis auf dem Weg Richtung Trient bildete. Die damals nicht begradigte Etsch holte an dieser Stelle in einer Schleife weit nach Osten aus und stellte so eine Art natürlicher Wassergraben zwischen Nomi und Castel Pietra dar. Eine von Pietra bis zur Etsch führende Wehrmauer, die nur über ein Tor verfügte, versperrte außerdem auf der linken Flussseite den Durchgang.

Der Plan Sanseverinos zuerst Castel Pietra zu erobern scheiterte, da sich die Beschießung durch die auf der rechten Flussseite in Stellung gebrachte venezianischen Artillerie praktisch als wirkungslos erwies, nachdem die Verteidiger die Mauern zusätzlich verstärkt hatten. Einem Frontalangriff ging Sanseverino bewusst aus dem Weg, da er ihn als zu verlustreich für die Angreifer ansah. Daraufhin änderte er sein Plan, mit dem Ziel Castel Pietra zu umgehen und den Etschübergang weiter nach Norden zu verlegen. Zudem sollte ein zweites Kontingent von Rovereto Castel Pietra über die östlich gelegenen Berge umgehen und dann von Norden kommend umschließen.Mariano Welber: La battaglia di Calliano 10 agosto 1487. Cronaca desunta dalle fonti narrative. S. 73.Luciano Pezzolo: La battaglia di Calliano e la guerra nel Rinascimento. S. 440.

Die Schlacht mini|Calliano mit Castel Beseno Die Vorbereitungen der Schlacht waren bis zum 9. August abgeschlossen. Trotz des geänderten Angriffsplanes war man im venezianischen Lager zuversichtlich, zumal am 7. August Castel Ivano in der Valsugana in venezianische Hände gefallen war. In der Nacht vom 9. auf den 10. August 1487, geschützt vor den Blicken der auf Castel Beseno und Pietra stehenden Tirolern, errichteten die Venezianer südlich von Calliano eine Bootsbrücke über die Etsch, die der Angelpunkt des Angriffsplanes darstellte. Die für den Bau notwendigen Brückenteile hatte man vorher von Rovereto, wo sie außerhalb der Sichtweite des Feindes fertiggestellt worden waren, zum Bauplatz transportiert. Im Morgengrauen des 10. August setzten die ersten venezianische Truppen auf die orographisch linke Flussseite über und sicherten den strategisch wichtigen Brückenkopf.