mini|Trekking in Quebrada de las Conchas, Cafayate, Provinz Salta, Argentinien

Eine Abenteuerreise ist die wagnisreiche Unternehmung eines Menschen, der sein gewohntes räumliches und soziales Umfeld verlässt und sich längerfristig zu einem entfernten Ziel fortbewegt. Der Abenteuerreisende ist in die Unternehmung unmittelbar und verantwortlich eingebunden. Er nimmt bewusst Risiken und Gefahren auf sich und benötigt für das Bewältigen der Herausforderungen entsprechende Fähigkeiten und Kompetenzen sowie eine robuste Konstitution. Der Reisende geht mit seinem Unternehmen ein Wagnis ein, indem er sich anhaltend mit einem ihm nicht vertrauten neuen Umfeld und entsprechenden Unwägbarkeiten konfrontiert, um Außergewöhnliches zu entdecken und zu erleben.Christina Geyer: Abenteuer-Kultur: Kein Wagnis ohne Risiko. Berg-Philosophie. 8. Februar 2018.

Definitionen Nach Angabe der US-amerikanischen Adventure Travel Trade Association umfassen Abenteuerreisen jede Form von Tourismus, die folgende drei Eigenschaften aufweisen: physische Herausforderung, kultureller Austausch und Naturverbundenheit.

Thomas Trümper definiert die Abenteuerreise als Reise, bei der

Nach Natascha Sverak ist eine Abenteuerreise

Nach Manfred Köhler heißt Abenteuerreise,

Nach Heinz Hahn und Hans-Jürgen Kagelmann sind Abenteuerurlauber (A-Typ) gekennzeichnet .

Eine Abenteuerreise definiert sich über ihre räumliche (von der Heimat entfernt), zeitliche (längerfristig), soziale (Isolation) und kulturelle Dimension (Kulturschock).

Motivation Die strapaziösen Fernreisen des Kaufmanns Marco Polo wurden neben dem Handel auch durch motiviert.Eno Beuchelt: Exotische Reise. In: Hermann Pollig, Susanne Schlichtenmayer, Gertrud Bauer-Burkarth (Hrsg.): Exotische Welten. Europäische Phantasien. S. 98–105, hier S. 101. 1987. Stuttgart-Bad Cannstatt. Hatje Cantz Verlag. ISBN 978-3-922608-65-3. Der Berliner Reiseforscher Hasso Spode nennt als Motiv für extreme Urlaubserfahrungen bei jüngeren und bei älteren Menschen mit höherem Einkommen. Der Hamburger Gesellschaftsforscher Ulrich Reinhardt sieht eine Ursache im gesellschaftlichen Wandel: Kennzeichen für einen Abenteurerreisenden ist absolute Einzigartigkeit. Nach Ralf Buckley sind Abenteuertouristen motiviert, einen mentalen Zustand des „Rush“ oder „Flow“ zu erleben, der aus dem Verlassen ihrer Komfortzone resultiert.

Arten von Abenteuerreisen Ökotourismus mini|Ökotourismus in der Arktis (Spitzbergen) Ökotourismus wird von der International Environmetrics Society definiert als The International Environmetrics Society (TIES). 2015. Das Ziel von Ökotourismus ist der Schutz der Umwelt vor schädigenden Einflüssen wie menschlichem Reiseverkehr und das Verfügbarmachen von Bildungsinformation, indem man sich für die Einzigartigkeit der Umwelt einsetzt. Zudem soll Ökotourismus Mark B. Orams: Towards a more desirable form of ecotourism. In: Tourism Management. Volume 16, Issue 1, Februar 1995, S. 3–8. (englisch)

Ethno-Tourismus Beim Ethno-Tourismus werden fremdländische Orte in der Absicht besucht, indigene Völker und Kulturen in ihrer natürlichen Gesellschaft aus nicht-wissenschaftlichen Motiven heraus zu beobachten und kennenzulernen.

Extremere Formen beinhalten auch Versuche, Kontakt zu autochthonen Volksgruppen aufzunehmen, die zuvor vor Besuchern isoliert oder geschützt waren. Zwei Kontroversen sind mit Ethnotourismus verbunden: Einheimische können sich mit Krankheiten infizieren, gegen die sie keine natürlichen Abwehrreaktionen haben, und langfristig können kulturelle Eigenständigkeit und Sprache durch Akkulturation verfremdet und ausgerottet werden.

Überlandreisen Überlandreisen (englisch Overlanding) sind Langstreckenreisen auf zusammenhängenden Landmassen, die möglicherweise bereits auf Marco Polos erste Überlandexpedition Mitte des 13. Jahrhunderts von Venedig zum mongolischen Hofstaat des Kublai Khan zurückgehen. Heutzutage sind Überlandreisen ausgedehnte Abenteuerfahrten über lange Strecken, zumeist in einer Gruppe. Kommerzielle Anbieter nutzen dazu umgebaute Lastkraftwagen oder Busse, in denen meist mehrere Wochen oder Monate unter Führung eines Reiseleiters gefahren wird. Seit den 1960er Jahren wurden Überlandreisen zu einer populären Art, um zwischen Destinationen in Afrika, Europa, Asien (hier insbesondere Indien), Amerika und Australien zu reisen. Auf dem „Hippie trail“ der 1960er und 1970er Jahren reisten tausende jugendliche Westerner von Europa über den Mittleren Osten nach Indien und Nepal. Viele dieser alten Routen sind immer noch vorhanden, ergänzt um neue wie Überland von Island nach Südafrika und die post-sowjetischen Länder Zentralasiens.

Stadterkundung Stadterkundung (englisch Urban Exploration (Urbex)) ist die private Erforschung von Einrichtungen des städtischen Raums und sogenannter Lost Places („vergessener Orte“). Oftmals handelt es sich dabei um das Erkunden alter Industrieruinen, aber auch Kanalisationen, Katakomben, Dächern oder unzugänglicher Räumlichkeiten ungenutzter Einrichtungen. Der Begriff wird auch für die Erkundung zugänglicher Orte wie Parks verwendet.

Die Bildungswirkung Die in Reisekatalogen zu lesende Kurzformel „Reisen bildet“ ist in dieser Vereinfachung falsch, weil das reine Unterwegssein noch keinen bildungswirksamen Automatismus auslöst. „Reisen kann bilden, wenn es denn bewusst gelebt und reflektiert wird“, differenziert daher der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz diese Aussage.Siegbert A. Warwitz: Abenteuer. In: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. 3., erweiterte Auflage. Schneider Verlag, Baltmannsweiler 2021. S. 30. Dies gilt insbesondere für die reale Abenteuerreise, weil sie mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung und ganzheitlicher Erlebnisintensität verbunden ist: „Die persönlichkeitsbildende Wirkung hängt vom Grad der Betroffenheit ab, den die Begegnung [mit dem Abenteuer] auszulösen vermag. Hierfür ist es von erheblicher Bedeutung, inwieweit sich der Abenteuerhungrige mit allen Konsequenzen real, aktiv und komplex in das wagnishafte Geschehen einzubringen bereit ist.“Siegbert A. Warwitz: Abenteuer. In: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. 3. Auflage. Schneider Verlag. Baltmannsweiler 2021. S. 31.

mini|hochkant|Der Ritter Gahmuret verlässt seine schützende Burg mit einem Begleiter, um auf Âventiure zu gehen (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Blatt 5v)

Der Begriff des Abenteuers (Âventiure) und die Vorstellung von einer entsprechenden Abenteuerreise wurde von den Dichtern des Hochmittelalters geprägt, indem sie in ihren Epen die Ausfahrt von Rittern darstellten, die sich aus allen persönlichen Bindungen und dem gewohnten Umfeld lösten und in die Welt hinauszogen, um auf ehrenvolle Weise Abenteuer zu bestehen. Diese sogenannten „Heldenreisen“ dienten keiner oberflächlichen Reizbefriedigung, sondern dem Wachsen der Persönlichkeit des jungen Ritters, der sich in einsamer Selbstfindung über mancherlei Fehlentscheidungen, Fehlhandlungen und das Scheitern auch redlicher Bemühungen mit den Ansprüchen der Welt auseinandersetzen und sich bewähren musste. Es ging um das Finden und den Beweis einer ethischen Gesinnung und Charakterfestigkeit. Als typische Beispiele können die Lebensläufe der besonders ausgezeichneten Ritter der Artusrunde und hier vor allem das allmähliche Reifen des jungen Parzival zum gralswürdigen Ritter gelten, was Wolfram von Eschenbach in seinem gleichnamigen Epos eindrucksvoll dargestellt hat.Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, 2. Auflage, Mittelhochdeutscher Text von Karl Lachmann, Übersetzung von Peter Knecht, Berlin, New York 2003.

Der Bildungsaspekt spielt auch bei der sogenannten „Walz“ der Handwerksgesellen eine wesentliche Rolle, die seit dem Spätmittelalter von ihren Zünften eine jahrelange Lehrzeit bei fremden Handwerksmeistern verordnet bekamen. Sie mussten, bevor sie zu Meistern werden konnten, auf Wanderschaft durch ganz Europa ziehen, um unterschiedliche Arbeitspraktiken und Lebenserfahrungen zu sammeln. Dabei warteten zahlreiche Abenteuer auf sie mit Gefahren von Wegelagerern, kargen Unterkünften, unberechenbaren rauen Lehrmeistern, aber auch verführerischen Liebschaften, bevor sie als gereifte Handwerksmeister akzeptiert wurden. In einem alten Burschenlied heißt es entsprechend: „Das muss ein schlechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein“ (aus: „Das Wandern ist des Müllers Lust“).Lukas Buchner: Über das Leben von Handwerksgesellen auf der „Walz“. Eine empirische Analyse (Reihe Feldforschung, Band 10). Lit Verlag, Berlin, Münster, Wien, Zürich, London 2017, ISBN 978-3-643-50798-3.

Auch die „Fahrten“ der Schüler und Studenten des sogenannten Wandervogel und der aus ihm erwachsenen Jugendbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind als bildende Abenteuerreisen zu verstehen. Die junge Generation begann, sich von der Lebensweise der älteren durch den auch äußerlich vollzogenen Ausbruch „aus grauer Städte Mauern“ in das selbst bestimmte einfache Leben in freier Natur zu emanzipieren und gleichzeitig ihrem Fernweh nachzugeben, was sie in ihren „Fahrtenliedern“ und dem Bild der romantischen Dichter von der Suche nach der „Blauen Blume“ zu verklären versuchten.

Marktanteil Eine Messung der Marktgröße ist wegen Fehlens einer Operationalisierung schwierig. Nach Umfragen der Hamburger Stiftung für Zukunftsforschung machen rund 10 % der Bevölkerung Extrem-Urlaub, doppelt so viele Männer wie Frauen und zwanzigmal so viele junge Erwachsene wie Senioren über 65.

Kritik am Abenteuertourismus Die Kritik am Abenteuertourismus hat eine Reihe Ansatzpunkte. Sie reichen vom Vorwurf des verbreiteten Etikettenschwindels und Selbstbetrugs durch die Nutzung abenteuerträchtiger Vokabeln für Erlebnis-, Sport-, Natur- oder Kulturreisen über die Kritik an der ökologischen Belastung der Umwelt durch den produzierten Fernreiseverkehr bis zum Makel der Beschädigung empfindlicher Naturlandschaften, wertvoller Kulturdenkmäler und unberührter indigener Völker durch die Ausweitung zum Massentourismus, der sich mit dem Abenteuertourismus möglichst abgelegene exotische Ziele sucht:

mini|„Abenteuer“ Safari in der Serengeti, Tanzania 2005