Raimund Kittl (* 29. Juli 1932 in Wien; † 28. Februar 2017 in Kaltenhörn) war ein österreichischer Gürtler, Ziseleur und Metallbildhauer.

Leben Kittl war gelernter Modell-Bildhauer-Meister sowie Gürtler- und Ziseliermeister. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte er sich mit der Reparatur und der Restauration von Denkmalen. Später zog er von Österreich nach Deutschland. Er lebte längere Zeit in Flensburg, wo er mit dem Künstler Hein Hoop zusammenarbeitete.

1964Raimund Kittl. Miscellaneous Nonmetallic Mining Companies - Düsseldorf - Germany. In: FindTheCompany. gründete er in der Bremer Straße 72 auf der Landzunge im Düsseldorfer Hafen seine eigene Gießerei, die neben Abgüssen von neuen Metallobjekten auch Vergrößerungen und Verkleinerungen bestehender Objekte im Sandform- und Wachsausschmelzverfahren herstellte.Otto J. Groeg: Who’s Who in the Arts: A Biographical Encyclopedia Containing Some 13,000 Biographies and Addresses of Prominent Personalities, Organizations, Associations and Institutions Connected with the Arts in the Federal Republic of Germany. Band 2. Who’s Who-Book & Publishing, 1978. ISBN 3-92122-022-X, S. 503.

Er war Professor an der Kunstakademie DüsseldorfMarco Zerwas: Lernort 'Deutsches Eck'. Zur Variabilität geschichtskultureller Deutungsmuster. Logos Verlag, Berlin 2015. ISBN 3-83253-856-9, S. 299.Archäologie Österreichs, Ausgaben 6-7. Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, 1995. S. 41 und bis zu seiner Pensionierung Leiter der Werkstatt für Kunstgießerei in der Eiskellerstraße 1.Reichsstudentenführung, Verband Deutscher Studentenschaften: Deutscher Hochschulführer, Band 1-2. Verlag Dr. Josef Raabe, 1992. S. 29.

1999 übernahm der Ziseleurmeister Rolf Kayser die Kunstgießerei Kittls im Hafen Düsseldorfs,Helga Meister: In: Westdeutsche Zeitung vom 15. März 2010. in der er seine Ausbildung erhalten hatte, In: kunstgiesserei.com. und löste seinen Meister in dessen Werkstatt ab.Oliver Burwig: Kunstgießer. Ein Knochenjob für die Kunst. In: Rheinische Post vom 17. April 2015.Juliane Kaelberlah: Denkmäler in Düsseldorf. Mendelssohn-Denkmal fast fertig. In: Rheinische Post vom 19. Juli 2012. 2008 trat das Ehepaar Marija und Raimund Kittl endgültig von der Geschäftsführung zurück und bestellte Rolf Kayser als neuen Geschäftsführer.Kunstguß Kittl GmbH. In: cylex.de.

Raimund Kittl bezeichnete sich selbst als „Naturalist“. Er besaß nach eigener Aussage die Fähigkeit, schneller einen Kopf zu formen als ihn zu zeichnen. Er lebte lange Zeit in TetenbüllRaimund Kittl. In: Open Directory Tetenbüll. und starb 2017 in Kaltenhörn.

Werk (Auswahl) mini|Die wiederhergestellte Figurengruppe wird auf den Sockel des Deutschen Ecks gehoben, 1993 mini|hochkant|Frontansicht des rekonstruierten Reiterstandbilds Wilhelms I. mit Siegesengel Einer der Höhepunkte in Kittls Schaffen war 1993 die Rekonstruktion des Reiterstandbilds Wilhelms I. mit Siegesengel am Deutschen Eck in Koblenz.Video: Wie ist das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal entstanden? In: Rhein-Zeitung vom 1. September 2013.

Das ehemals dort bestehende Reiterstandbild war im März 1945 durch die Artillerie der 3. US-Armee von der Pfeilerhalle geschossen und damit weitgehend zerstört worden.Heinz Csallner: Deutsche Kaiserdenkmäler in alten Ansichten. Zaltbommel/Niederlande 1982, ISBN 9-02881-961-4, S. 74. Werner Theisen (ehemaliger Verleger der Rhein-Zeitung) und dessen Ehefrau Anneliese hatten sich 1987 verpflichtet, die Rekonstruktion des zerstörten Standbildes zu finanzieren und es der Stadt Koblenz zu schenken, wozu die Bürgerinitiative Deutsches Eck e. V. gegründet wurde. Zwischen dem Land Rheinland-Pfalz, der Stadt Koblenz, dem Stifter und anderen Gruppierungen entbrannte ein jahrelanger heftiger Streit um die Realisierung des Projekts. Die Bürgerinitiative und Theisen gaben die Rekonstruktion der Figurengruppe im Februar 1989 bei Raimund Kittl in Auftrag, ohne dass eine Einigung mit der Landesregierung getroffen worden war. Die Schenkung der Landzunge am Deutschen Eck durch die Landesregierung an die Stadt Koblenz machte im Mai 1992 den Weg für das Errichten der Rekonstruktion frei.

Als Vorlage für die Rekonstruktion stand Kittl und seinen Mitarbeitern neben den wenigen noch vorhandenen Bruchstücken auch eine verkleinerte Nachbildung des Originalstandbildes zur Verfügung, die im Mittelrhein-Museum aufbewahrt wird. Sie verwendeten nicht wie ursprünglich getriebene und auf ein Eisengerüst montierte Kupferplatten, sondern erstellten 84 Einzelteile aus widerstandsfähigerem Bronzeguss, die sie zu einem Hohlkörper zusammenschweißten. Für die einzelnen Teile wurden unterschiedliche Legierungen genutzt, so dass die entstandene Patina heute verschiedene Farben aufweist und die einzelnen Gussteile deutlich zu unterscheiden sind. Die Außenwand des Objektes ist zwischen 8 und 30 Millimeter dick, es wiegt 69 Tonnen und ist 14 Meter hoch.Matthias von der Bank, Ines Heisig (Hrsg.): Mittelrhein-Museum Koblenz. Auswahlkatalog, Petersberg 2017, S. 156–157.

Unter elf Brücken hindurch wurde die fertiggestellte Rekonstruktion des Reiterstandbildes von Düsseldorf rheinaufwärts verschifft,Denkmäler. Steinernes Geklump. Wilhelm I. soll wieder am „Deutschen Eck“ bei Koblenz reiten - zum Verdruß der Sozialdemokraten in Mainz. In: Der Spiegel, Ausgabe 5/1992 vom 27. Januar 1992. wo sie am 16. Mai 1992 an Bord der MS Futura in Koblenz eintraf. Wegen der notwendigen Sanierung des Sockels lagerte die wiederhergestellte Figurengruppe mehr als ein Jahr im Rheinhafen Koblenz, bis sie am 2. September 1993 vom damals größten fahrbaren Gittermastkran Europas auf den Sockel gehoben wurde.Heroisches Kaiserdenkmal oder „Faustschlag aus Stein“? Das Deutsche Eck in Koblenz. In: Portal Rheinische Geschichte des Landschaftsverbands Rheinland.

Andere Werke, die von Kittl handwerklich umgesetzt wurden: Kopf des Ferdinand Tönnies vor dem Schloss vor Husum, 14. September 2005Uwe Carstens: Lieber Freund Ferdinand. Die bemerkenswerte Freundschaft zwischen Theodor Storm und Ferdinand Tönnies. BoD, 2008. ISBN 3-83704-762-8, S. 215ff. Guss des Reliefs Königshof von Karl-Heinz Klein Am Königshof in Düsseldorf, 18. November 1995Relief Königshof. In: emuseum.duesseldorf.de Rekonstruktion des Standbilds Kaiser Wilhelms I. von Robert Baerwald in Wilhelmshaven, 1994Cord Eberspächer, Peter Schamoni, Nicolaus Sombart: Wilhelm II. und Wilhelmshaven: zur Topographie einer wilhelminischen Stadt. Verlag Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 2003. ISBN 3-93051-021-9, S. 201. Reparatur des Bergischen Löwen auf dem Willy-Brandt-Platz (Wuppertal), 22. Oktober 1994Die Elberfelder Löwen. In: denkmal-wuppertal.de. Statue des Willy Millowitsch auf dem Eisenmarkt (Köln), 1992Raimund Kittl: Willy Millowitsch, Bronze, 1992. Eisenmarkt, 50667 Köln. In: Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Guss der Figuren vor Block von Michael Irmer an der Ecke Hansaallee / Prinzenallee in Düsseldorf, 1992/1997Figuren vor Block. In: emuseum.duesseldorf.de Guss der Skulptur Schiff auf Welle von Hartmut Wiesner in Wilhelmshaven, 1992Uwe Karwath: Wilhelmshaven. Sehenswürdigkeiten von A bis Z. Teilnachguss des Reiterstandbilds Friedrich Wilhelms III. auf dem Heumarkt (Köln), 1990Johann Ralf Beines, Walter Geis, Ulrich Krings: Köln: das Reiterdenkmal für König Friedrich Wilhelm III. von Preussen auf dem Heumarkt. Bachem, Köln 2004. ISBN 3-76161-796-8, S. 1906, 1915, 1917. Bronzedenkmal für Ferdinand Tönnies in Oldenswort, 1990Jens Rönnau: Kunst am Wegesrand. In: Kieler Nachrichten vom 28. März 2014. Guss des St. Florian-Brunnens von Karl-Heinz Klein an der Ecke Peter-Adolphs-Straße / Petersstraße in Düsseldorf, 15. Mai 1987St. Florian-Brunnen. In: emuseum.duesseldorf.de Guss des Heimatbrunnens von Karl-Heinz Klein auf dem Maxplatz (Düsseldorf), 1981Heimatbrunnen In: emuseum.duesseldorf.de Guss des Heinrich-Heine-Monuments von Bert Gerresheim auf dem Schwanenmarkt in Düsseldorf, 1981Heinrich-Heine-Monument. In: emuseum.duesseldorf.de Verschiedene Aluminiumgüsse von Arbeiten des Bildhauers Karl Bobek (Lehmann, Lehmanns Freundin, Beobachter, Alte Hure I, Junge Hure I, Junge Hure II, Centurio [Porträt Willi Kemp]) zwischen 1977 und 1987Markus Knappe: Der Bildhauer Karl Bobek. Leben und Werk. 12. Juli 2000.

Literatur Thomas Steensen: Nordfriesland. Menschen von A–Z. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2020, ISBN 978-3-96717-027-6, S. 228f.

Weblinks

In: denkmalplatz.de. Video: Wie ist das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal entstanden? In: Rhein-Zeitung vom 1. September 2013.

Einzelnachweise

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