mini|Einmündung Reichenbachstraße von rechts in die Teplitzer Straße 1910 mini|Weberplatz 2017 Das Lehrerseminar Dresden-Strehlen war ein Gebäudekomplex an der heutigen Teplitzer Straße, Reichenbachstraße und am Weberplatz. Er entstand zwischen 1906 und 1910 als eine Nachfolgeeinrichtung des Lehrerseminars Dresden-Friedrichstadt und erhielt zunächst den Namen König-Friedrich-August-Lehrerseminar. Vor und während des Zweiten Weltkrieges bestand es als Pädagogisches Institut der Technischen Hochschule Dresden, nach dem Krieg auf bzw. aus den Ruinen neu errichtet als Pädagogische Fakultät und als Arbeiter-und-Bauern-Fakultät. Nach 1990 richtete die Technische Universität Dresden darin den Hauptsitz für die Fakultät Erziehungswissenschaften ein.

Planung mini|Hauptansicht Teplitzer Str. 1910 mini|Ansicht Teplitzer Straße 1910 Im Jahr 1903 beschloss das Sächsische Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts den Neubau eines Lehrerseminars in Dresden-Strehlen. Das neue Gebäude war vorgesehen für die Aufnahme des bereits im Jahr 1787 unter der Regierung des Kurfürsten Friedrich August III. ins Leben gerufene Lehrerseminars in Dresden-Friedrichstadt. Das neue Lehrerseminarsgebäude sollte mindestens 8 Seminarklassen und 200 Seminaristen, davon 150 im Internat mit Wohnung und Verpflegung unterbringen. Des Weiteren sollten alle erforderlichen Räume für Lehrmittel und für die Unterrichtsvorbereitung vorhanden sein. Gefordert wurde auch eine Übungsschule mit dafür notwendigen Garderoben und Aufenthaltsräumen für circa 200 Schulkinder. Im Jahr 1903 bewilligte der Sächsische Landtag zunächst die Mittel für den Erwerb des 14.600 m² großen Baugeländes an der heutigen Teplitzer Straße, Reichenbachstraße und am Weberplatz. Am 30. März 1906 wurde der Vertrag mit dem Sächsischen Königlichen Finanzministerium und der Stadt Dresden zum Preis von 150.00 Mark besiegelt.Festschrift: Neubau des Lehrerseminars zu Dresden-Strehlen C. Canzler 1910

Daraufhin entstand ein Vorentwurf des Landbauamtes Dresden II und einer gründlichen Weiterplanung des zuständigen Rates im Sächsischen Königlichen Finanzministerium, des geheimen Baurates Edmund Waldow unter Mitwirkung des Hochbautechnischen Büros. Durch die geschaffene Grundlage bewilligte der Sächsische Landtag die nötigen Geldmittel, so dass das Sächsische Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterricht im Frühjahr 1906 den Auftrag zur Bauausführung erteilte.

Gebäudekomplex Aufgrund der trapezförmigen freien Lage des Bauplatzes und aus Zweckmäßigkeitsgründen entschied man sich nicht für ein geschlossenes großes Gebäude, sondern für einen gegliederten aufgelockerten Gebäudekomplex. Dieser umfasste auf einer 3.105 m² großen Grundfläche 5 miteinander verbundene Hauptgebäude: Aulagebäude mit Turnhalle (Weberplatz), Lehrergebäude mit Unterrichtsräumen (Reichenbachstraße), Wirtschaftsgebäude mit Speisesaal (Teplitzer Straße), Seminaristenwohngebäude (Teplitzer Straße), Wohngebäude des Direktors und für andere Angestellte (Teplitzer Straße). Die Architektur des Gebäudekomplexes entsprach dem Stil des Dresdner Barocks. Neben dem Hauptportal auf der Teplitzer Straße entstand ein markanter quadratischer Treppenhausturm mit einer Aussichtsplattform unterhalb der verjüngten Uhrturmspitze. Alle Gebäude bestanden aus Ziegelmauerwerk mit Graupelputzfassaden. Die Dachdeckung erfolgte mit roten sächsischen Biberschwänzen. Alle Fenster wurden mit einfachen Sandsteinfaschen umrahmt. Die umlaufenden Gesimse bestanden ebenfalls aus Sandstein. Das Hauptportal am Treppenhausturm erhielt als Schmuckelemente das Sächsische Wappen, flankiert mit zwei seitlichen Löwen. Darüber befand sich die Inschrift Königliches Lehrerseminar. Im Hauptgesims war ein Relief mit den Emblemen der einzelnen Disziplinen des Seminars und mittig die Namensinitialien Seiner Majestät König Friedrich August III. Das zweite Hauptportal an der Reichenbachstraße, das Lehrergebäude, wurde in rustikaler Sandsteinquaderung gestaltet. Unterhalb des Hauptgesimses befanden sich die Reliefbildnisse von Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Das dritte Portal, der Eingang zum Aulagebäude am Weberplatz, wurde wiederum sehr prunkvoll gestaltet. Über dem Türportal befand sich ein Relief, Christus als Sämann darstellend. Über dem großen Treppenhausfenster in Bleiverglasung befand sich ein antiker Kriegerkopf. Die Inschrift: Erbaut unter der Regierung von König Friedrich August III. in den Jahren 1906 bis 1909. Alle künstlerischen Sandsteinarbeiten wurden vom Dresdner Bildhauer Leopold Armbruster gestaltet und ausgeführt. mini|Aula mit Orgel 1910 mini|Turnsaal 1910

Aulagebäude Im Mittelbau des Aulagebäudes befand sich eine zweiarmige geschwungene Granittreppe mit verzierten schmiedeeisernen Geländer. Das mächtige Bogenfenster im Treppenhaus wird durch ein bleiverglastes Fenster erhellt. Mit reichhaltiger Ornamentumrahmung stellt es Pestalozzi als Erzieher nach einem Entwurf des Kunstmalers Karl Schulz dar. Die Vorhalle wurde durch Sandsteinsäulen räumlich abgetrennt. Dahinter gelangte man in die Aula mit einer dreigeteilten gegliederten Stuckdecke und einem Wandgemälde an der Stirnseite. Dieser Saal bot 500 Personen Platz und wurde für Konzerte, Versammlungen, Festlichkeiten und die tägliche Andacht in Anspruch genommen. Für die Konzerte benutzte man die eingebaute Orgel der Orgelbaufirma Jehmlich aus Dresden. Das Aulagebäude bekrönte ein Dachreiter in runder Grundform mit einer Aussichtsplattform. Über der Plattform befand sich der Glockenturm, die Glocke stammte von Dresdner Glockengießer C. Albert Bierling und wog 254 kg.

Unterhalb der Aula im Erdgeschoss befand sich die Turnhalle mit einer hölzernen Tribüne für Zuschauer bei Schauturnveranstaltungen. In den seitlich befindlichen Räumen waren die Gesangsräume, ein Gesangssaal, drei Orgel- und sechs Klavierzimmer, zwei Lehrerzimmer und Räume für Lehrmittel untergebracht. Im Keller befand sich eine Asphaltkegelbahn für die Seminaristen und eine Anstaltswaschküche mit elektrischer Mangel. mini|Mittelbau Übungsschule 1910

Lehrgebäude Das Lehrgebäude war für den Schulbetrieb der Seminaristen vorgesehen. Im Kellergeschoss befanden sich die Heizungsanlagen und Kohleräume, Dienstzimmer und Dienstwohnungen für das Hausmeisterpersonal und ein großer Handfertigkeitsraum zur Übung in handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie Tischler-, Modellier- und Papparbeiten.Das neue Lehrerseminar zu Dresden-Strehlen. Illustrirte Zeitung, 1910 Erreichbar über den Haupteingang Teplitzer Straße gelangte man im Erdgeschoss zu den Räumen der Übungsschule mit sieben Klassenräumen für je 30 Schüler. Auch von der Reichenbachstraße konnte man über eine zweiläufige Treppe zu den Klassenzimmern gelangen. Im 1. Obergeschoss waren acht Seminarlehrzimmer untergebracht. Des Weiteren befanden sich jeweils ein Physikalischer und Chemischer Vortragsraum, einschließlich der dazu gehörigen Vorbereitungs- und Sammlungszimmer sowie eine Dunkelkammer für photographische Schulungen. Im 2. Obergeschoss und dem ausgebauten Dachgeschoss waren drei große Schlafsäle mit dazu gehörigen sanitären Anlagen. Der Hauptzugang erfolgte über das Treppenhaus im Turm. Der über den Dachfirst hinaus ragende Turmbau enthält ein Uhrenzimmer, einen Archivraum und in der obersten Etage eine Heimatstube mit rundum Ausblick für Heimatkundeunterricht.

Wirtschaftsgebäude Die Versorgung der Seminaristen und Angestellten erfolgte durch eine großzügig angelegte und ausgestattete Küche mit Spülküche und Vorratskellern. Die von der Firma Rudolp, vormals Eschebach, eingebaute Herdanlage verfügte über einen unterirdischen Rauchabzug und einer eingebauten Heizschlange mit Boiler. Diese Anlage versorgte und gewährleistete die komplette Wasserversorgung. Über einen Doppelaufzug gelangten die Speisen in den im Erdgeschoss befindlichen Speisesaal. Dieser bot Platz für 240 Personen, auch zu Festveranstaltungen und Versammlungen. Außerdem befanden sich Wohnräume für das Küchenpersonal im Wirtschaftsgebäude.

Seminaristenwohngebäude Zur Unterbringung der Seminaristen diente das Wohngebäude. Im Kellergeschoss befanden sich die Wasch- und Duschräume mit Ankleide- und Garderobenräumen. Für externe Seminaristen waren Garderobenräume und Fahrradräume vorhanden. In den beiden Geschossen existierten je Etage 17 große Wohnzimmer mit Nebenräumen. Das Dachgeschoss beherbergte Garderoben- und Umkleideräume für externe Seminaristen. Das Direktorenzimmer befand sich in der 1. Etage und war direkt mit der Wohnung des Direktors zugänglich.

Direktorenwohngebäude Das zurückgesetzte Gebäude war vom Hof und über das Seminaristenwohngebäude zu erreichen. Eine massive Granittreppe führte vom Hof in die geräumige Diele und über eine Eichenholztreppe gelangte man in die oberen Etagen. Die Direktorenwohnung war im Erdgeschoss, Obergeschoss und ausgebauten Dachgeschoss untergebracht. Im Sockelgeschoss befanden sich die Wohnungen für den Heizer und Hausmeister. Im Kellergeschoss waren die Vorratsräume und ein Waschhaus vorhanden.

Nebenanlagen Der im Gebäudekomplex befindliche Hof wurde auf einer Fläche von 2750 m² mit Spiel- und Sportgeräten ausgestattet. Im südlichen Bereich schließt sich ein parkähnlicher Garten an. Dazu gehörte eine Teichanlage mit einem botanischen Garten. Sämtliche Vorgärten sind gärtnerisch bepflanzt und mit Wegen verbunden.

Fertigstellung Die gesamte Bauausführung, einschließlich die Erarbeitung der Baupläne und die architektonische Gestaltung sowie die Mobiliareinrichtung erfolgte durch das Landbauamt Dresden unter der Leitung des Baurates und Finanzrates Conrad Canzler. Die örtliche Bauleitung übte der Bauamtmann Roßberg mit dem Bauratsarchitekten Hans Friedel aus.Ministerium der öffentlichen Bauten: Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin 30. August 1919 Die Gesamtkosten wurden deutlich unterschritten und vom Sächsischen Königlichen Finanzministerium an das Sächsische Königliche Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterricht beglichen.

+ KostenübersichtNr.Objektgeplante Kostenverbrauchte KostenErsparnis1Gebäudekomplex 907 523 Mark 900 846 Mark 6 677 Mark2Nebenanlagen 71 155 Mark 70 546 Mark 609 Mark3Mobiliar 112 816 Mark 110 986 Mark 1 830 Mark4Lehrmittel, Musikinstrumente und Orgeln 32 674 Mark 31 485 Mark 1 189 Mark5Summe1.124 168 Mark1.113 873 Mark 10 295 Mark Eine Bauvorabnahme durch das Landbauamt Dresden II fand im März 1910 statt. Mit der feierlichen Einweihung und Übergabe am 6. April 1910 begann das Königliche Lehrerseminar Dresden-Strehlen als Nachfolgeeinrichtung des Friedrichstädter Lehrerseminars mit seiner Arbeit.

Entwicklung bis 1945 mini|Weberplatz, Südflügel