John B. McLendon Jr. (* 5. April 1915 in Hiawatha, Kansas; † 8. Oktober 1999 in Cleveland Heights, Ohio) war ein US-amerikanischer Basketballtrainer, -funktionär, Pädagoge und Bürgerrechtsaktivist. Er war James Naismiths letzter Schüler an der University of Kansas und der erste Afroamerikaner, der dort einen Abschluss in Sporterziehung machte. Er war der erste Afroamerikaner, der nach der Integration der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA), deren Titel dreimal in Folge gewann, der erste schwarze Head Coach eines Amateur-Athletic-Union-Meisters, der erste schwarze Head Coach eines professionellen Integrationsteams, der erste schwarze Head Coach an einer vorherrschend weißen Universität und der erste afroamerikanische Trainer einer Olympiamannschaft.

McLendon brachte den Direktor der Athletikabteilung Phog Allen dazu, die Rassentrennung im Schwimmbecken der University of Kansas in Kansas City (Kansas) zu beenden,Eric Angevine: Archiviert von: The Classical—Website, 8. Februar 2012 (in Englisch). sorgte auf Anraten Chuck Taylors für die Abschaffung der Rassentrennung in den Hotels am Rande des NAIA-Turniers in Kansas City (Missouri)Greg Echlin: Kansas City, Kansas, Native John McLendon Honored In Basketball Hall Of Fame. KCUR 89,3—Website, Kansas City, KS 13. September 2016. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch). und wurde in jüngerer Vergangenheit bekannt als einer der Organisatoren des Secret Game im Jahre 1944.Scott Ellsworth: Jim Crow Losses.The Secret Game. In: New York Times Magazine, 31. März 1996, zitiert nach der New York Times—Website; New York, NY. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch).

McLendon setzte die spielphilosophischen Betrachtungen seines Lehrers zum totalen Basketball mit der Einführung des Fast-Breaks, der Ganzfeldpresse und der Vier-Ecken-Offensive (von ihm lediglich Zwei-Ecken-Offensive genannt) um.Doug Merlino: Fast Break Basketball: How a Black Coach Revolutionized the Game. Auszug aus The Crossover: A Brief History of Basketball and Race, from James Naismith to LeBron James auf: Bleacher Report—Website; San Francisco, CA, 22. April 2011. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch).Ricardo A. Hazell: TSL Black History Month in Focus: 3 Little Known Black Basketball Facts. Auf: The Shadow League—Website; New York City, NY, 2. Februar 2021. Abgerufen am 5. Januar 2024 (in Englisch). Diese Innovationen machten ihn zu nichts geringerem als den Begründer des modernen Basketballs.Ricardo A. Hazell: Hall of Famer John McLendon: The Greatest Coach You Never Heard Of. Having Been Enshrined in the Basketball Hall of Fame Twice, Maybe Now People Will Finally Give Him The Respect That He Deserves. Auf: The Shadow League—Website; New York City, NY, 12. April 2016. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch).

John McLendon wurde als bislang einziges Mitglied sowohl als Förderer wie auch als Coach in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen.Blair Kerkhoff: Another first for basketball pioneer John McLendon. Auf: The Kansas City Star—Website; Kansas City, MO, 9. April 2016. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch). Die Aufnahme 1979 als Förderer empfanden manche als Kränkung,Clarence Edward Gaines Jr.: That's my Game! Big House on Coach John McLendon, Father of Black College & Fast Break Basketball. Auf: CG Scout Perspective—Blog, 9. September 2016. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch). andere als Affront.Daryl Bell: John McLendon finally gets his due in Hall of Fame. In: The Philadelphia Tribune; Philadelphia, PA, 3. September 2016, zitiert nach der PhillyTrib—Website. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch). 2016 folgte schließlich die Aufnahme als Coach.Conor Ryan: John McLendon, 2016 Basketball Hall of Fame inductee, remembered as pioneer in a game beset by racism. Auf: MassLive—Website; Massachusetts, 8. September 2016. Abgerufen am 22. Juli 2017 (in Englisch). Die Meistermannschaften der Tennessee State Tigers von 1957 bis 1959 wurden 2019 in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen, womit McLendon neben Lenny Wilkens zum bis dahin einzigen dreifachen Mitglied der Ruhmeshalle geworden war.

Biographie McLendon war Sohn eines afroamerikanischen Vaters, John Blanche McLendon Sr., und einer Mutter aus der Nation der Delawaren, Effie Kathryn Hunn. McLendons Großeltern von des Vaters Seite gehörten einem Bruderpaar in Georgia, den McLendons aus Edinburgh. Sein Vater wurde 1882 in North Carolina geboren und wanderte 1905 nach Oklahoma und 1913 nach Kansas aus, während die Familie seiner Mutter 1879 auf der Flucht vor der Reconstruction aus Kentucky mit den von Benjamin „Pap“ Singleton angeführten Exodusters nach Kansas eingewandert war. McLendons Eltern trafen sich an der Washburn University in Topeka und heirateten im selben Jahr.

McLendon war das zweite von vier Kindern. Seine Mutter starb 1918 an der Spanischen Grippe, so dass die junge Familie bis zur erneuten Heirat seines Vaters zerrissen werden musste. Seine ältere Schwester Anita traf McLendon etwa erst nach vierzig Jahren wieder.

McLendons Liebesgeschichte mit dem Basketball begann in der sechsten Klasse. Gegen den Willen seiner Stiefmutter traf er damals den Entschluss, Basketballcoach zu werden. Als Spieler war er hingegen nach eigener Aussage ungeeignet. Seinen einzigen Varsity Letter an der High School errang der begabte Schwimmer und Boxer in Gymnastik. Seine Bankzeiten nutzte er aber, um den Coaches auf die Finger zu gucken. Seine Mutter akzeptierte seinen Wunsch schließlich, jedoch nicht, ohne Bedingungen zu stellen, die er nur allzu begeistert akzeptierte. Um sein Ziel zu erreichen, musste er die Zu-Bett-Geh-Zeit strikt einhalten, auf starke Getränke wie Kaffee und Tee verzichten, ohne Kissen schlafen (weil das angeblich der Körperhaltung schädlich wäre) und sich verpflichten, den Gottesdienst regelmäßig zu besuchen.

Studium McLendons sehnlichster Wunsch war es, sich am Springfield College in Massachusetts einzuschreiben, jener Schule für christliche Arbeiter, an der das Basketballspiel einst erfunden worden war, doch dafür hatte die Familie im Zeitalter der Depression kein Geld. Als glückliche Fügung erwies sich die Tatsache, dass Dr. James Naismith nur 70 km entfernt an der University of Kansas in Lawrence lehrte, wie sein Vater herausgefunden hatte. Der Staat Kansas hatte für Naismith persönlich eine spezielle Verordnung erlassen, die es ihm erlaubte, so lange zu lehren, wie es ihm beliebte.

McLendon war eingeschüchtert von der Aussicht, 1933 als erster afroamerikanischer Student an der Fakultät Sporterziehung zu studieren. Obwohl im Erziehungswesen von Kansas mit Ausnahme von Kansas City ein Integrationsgebot bestand, hatte McLendon dortselbst eine rein afroamerikanische High School besucht. Sein Vater erklärte ihm aber, als Steuerzahler hätte er dieselben Rechte wie jeder andere auch und er solle Naismith persönlich aufsuchen. Gern erzählte McLendon (und die Familie Naismith ebenso) von seiner ersten Begegnung mit Dr. Naismith, von der eine herzerwärmende Anekdote überliefert ist.

Beide freundeten sich trotz eines Altersunterschiedes von mehr als fünfzig Jahren an, und Naismith ganzheitlicher Ansatz, den er beim YMCA in Springfield von Luther Gulick erlernt hatte, sollte McLendon zutiefst prägen. Naismith war Philosoph und Theologe, setzte auf moralische Werterziehung und Persönlichkeitsentwicklung durch Sport und sah in Menschen unabhängig von Glauben und Vermögen nur reines Potenzial und keinerlei Beschränkungen. Er war Experte in Sporterziehung, Bewegungswissenschaft, Anatomie, Physiotherapie, Physiologie, Psychologie und Soziologie und sah im Sport modellhafte Lebenslektionen. Er war dabei offen für jede Fragestellung und führte durch das eigene Vorbild. Dabei war Naismith nicht weltfremd. Den rassistischen Druck, der auch in Kansas spürbar war, wollte er für McLendon nicht nur lindern, sondern bekämpfen, wo es möglich war.

Naismith bestärkte McLendon in seinem Wunsch, Basketball-Coach zu werden und verhalf ihm 1936 nach seinem Abschluss zu einem Stipendium für einen Master-Abschluss an der University of Iowa. McLendons Forschungsthema während seines Master-Jahres war die Erforschung etwaiger anatomischer Unterschiede zwischen den Rassen.

Karrierebeginn am North Carolina College 1937 wurde McLendon als Assistent des Direktors der Körperertüchtigung an das North Carolina College for Negroes (heute North Carolina Central University) in Durham gerufen. North Carolina war einst die Heimat seines Vaters gewesen, die dieser 32 Jahre zuvor verlassen hatte und ein Jim-Crow-Staat mit einem institutionellen Rassismus, der jenen in Kansas noch übertraf. 1940 wurde McLendon Head Coach der Eagles.

Coach McLendon erwartete mehr als nur eiserne Disziplin und überlegene Kondition von seinen Spielern. Sie mussten außerdem eine Kirche ihrer Wahl besuchen, ihre Kurse bestehen und für die Schule lernen und jederzeit als Gentlemen auftreten, Flüche waren beim Training verboten. McLendon bevorzugte niemanden, war fair und führte durch seine eigene Integrität wie bereits Dr. Naismith. Die beispiellose Loyalität nahezu aller seiner Spieler ihm gegenüber überdauerte Jahrzehnte. Um beispielsweise bereits über die Feiertage lange vor Beginn der Saison an der Kondition seiner Spieler arbeiten zu können, renovierte er mit ihnen zusammen die Turnhalle, um dem College Geld zu sparen und so die Unterbringungskosten für seine Spieler aufzubringen.

Die Eagles spielten in der Colored Intercollegiate Athletic Association (CIAA), die seit 1950 Central Intercollegiate Athletic Association heißt und heute auf dem Division-2-Level der National Collegiate Athletic Association (NCAA) existiert. Sie besteht auch heute fast ausschließlich aus Historisch schwarzen Colleges und Universitäten.

Spiele gegen weiße Teams waren im Süden damals unmöglich. McLendon forderte deswegen mehrere Colleges heraus, in Washington D.C. gegen die Eagles zu spielen. Lediglich das Brooklyn College sagte zu. Zu diesem Spiel lud er First Lady Eleanor Roosevelt ein, die sich voller Sympathie für die Sache durch Innenminister Harold Ickes vertreten lassen musste.

McLendon suchte das Kräftemessen, um Selbstvertrauen in seinen Spielern zu wecken. Ohne den direkten Vergleich hätten diese nicht wissen können, ob es wirklich „echter“ Basketball war, den sie spielten. Und obwohl Rudolph „Rocky“ Roberson im Februar 1943 Hank Luisettis Rekord von fünfzig Punkten in einem Spiel um acht übertraf,N. N.: Kansas John McLendons Is A Sad Tale; Prospects For 1944 Teams Look Exceedingly Gloomy For Him. Aus: The New York Age; New York, NY, 1. Januar 1944 (Seite 11, in Englisch). wurde der Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit schwarzer Spieler von vielen in der schwarzen Gemeinschaft geteilt.

Die Erfolge von McLendons Team sprachen sich schnell herum und der Coach wurde öfters zur benachbarten Duke University eingeladen. Da er sich aber als Kellner hätte verkleiden müssen, lehnte er die Einladungen deshalb ab. Neben den Blue Devils in Durham gab es aber ein weiteres, möglicherweise besseres Team innerhalb der Campusmauern (intramural): Ein Dienstbasketball-Team ehemaliger Collegespieler an der Duke Medical School, die Ärzte des Heeres und der Marine ausbildete. Dieses Team hatte einen Zeitungsartikel lanciert, in dem sie sich zu State-Champions ausriefen ließen, während das North Carolina College soeben ein als Negro National Championship beworbenes Spiel im Renaissance Ballroom von Harlem gegen die Lincoln University of Pennsylvania verloren hatte. Spieler beider Teams aus Durham trafen sich verbotenerweise in Durhams YMCA und forderten sich irgendwann zu einem Spiel mit Spieluhr und Schiedsrichter heraus, das seit den 90er Jahren als Secret Game bekannt wurde.