mini|Codex Gisle, f70r. Gisela von Kerssenbrock (* um 1250; † 10. Januar 1300 oder 1301Memorienbuch des Klosters Rulle anno 1714, S. 6.) war eine Zisterziensernonne im Kloster Rulle.
Leben Sie arbeitete um das Jahr 1300 am Codex Gisle mit, einer reich verzierten lateinischen Handschrift mit über 50 Initialminiaturen und weiteren Bildern. In diesem Graduale im gotischen Stil sind auch Selbstbildnisse (gekennzeichnet als Gisle) sowie Bilder anderer Nonnen enthalten. Damit gehören ihre Miniaturen zu den ältesten Frauenbildern im westeuropäischen Mittelalter.
Folgende Notiz wurde der Schriftform nach vermutlich im 15. Jahrhundert am Beginn des Codex eingefügt:
Im mittelalterlichen Sprachgebrauch könnte scripsit dabei sowohl „sie schrieb“ als auch „sie ließ schreiben“ bedeuten.Hartmut Hoffmann: Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen Reich, Stuttgart 1986, hier insbesondere S. 42–46 und 59–62. Gisela von Kerssenbrock war vermutlich Stifterin und Auftraggeberin, Organisatorin und Kontrolleurin der Arbeiten am Codex Gisle.Beate Braun-Niehr: Der Codex Gisle als Graduale für das Zisterzienserinnenkloster Rulle bei Osnabrück. In: Quaternio Verlag (Hrsg.): Der Codex Gisle, Kommentar zur Faksimile-Edition, Luzern 2015, S. 9–21, hier S. 18. Vielleicht wirkte sie auch als Schreiberin mit. Das Originalmanuskript des Codex befindet sich heute im Bistumsarchiv in Osnabrück, wohin es aus dem Nachlass des Osnabrücker Weihbischofs Karl Klemens von Gruben (1764–1827) gelangte.Beate Braun-Niehr: Beobachtungen zum Äußeren des Codex Gisle. In: Quaternio Verlag (Hrsg.): Der Codex Gisle, Kommentar zur Faksimile-Edition, Luzern 2015, S. 23–30, hier S. 29.
Gisela dürfte Mitglied der westfälischen Rittersfamilie Kerssenbrock (in Urkunden Kerzenbroeck oder Kersenbroich) sein, die vom 12. bis 20. Jahrhundert eine wesentliche Rolle in der Geschichte Osnabrücks gespielt hat.
Literatur Beate Braun-Niehr, Fabian Kolb, Hermann Queckenstedt, Harald Wolter-von dem Knesebeck: Der Codex Gisle. Ma 101, Bistumsarchiv Osnabrück. Kommentar zur Faksimile-Edition. Quaternio Verlag Luzern, 2015, ISBN 978-3-905924-20-6. Ursula Köhler-Lutterbeck, Monika Siedentopf: Lexikon der 1000 Frauen. Dietz, Bonn 2000, ISBN 3-8012-0276-3, S. 179 Jo Catling: A History of Women’s Writing in Germany, Austria and Switzerland. Cambridge 2000, ISBN 0-5216-5628-1.
Anmerkungen
Weblinks
Webseite zum Faksimile des Codex Gisle
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