mini|Albert Schaffter (1823–1897),Bildnachweis: Staatsarchiv Bern, T.B. 962. Gedruckte Abbildung des Portraits auch in: Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft Band 16, 1897. Abgefragt am 12. August 2017. Professor an der Universität Bern Albert Antoine Amadée Schaffter (* 28. Juli 1823 in Bern; † 31. Juli 1897 in Nashville) war ein Schweizer Theologe, Romanist, Anglist, Geograph und Hochschullehrer.

Schaffter besuchte das Institut von Karl Wilhelm Bouterwek in Wabern, wo sowohl der physische Unterricht als auch die Ausbildung in alten und neuen Sprachen besondere Berücksichtigung fanden.148 Adelrich Steinach: Geschichte und Leben der Schweizer Kolonien in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. New York, 1889, S. 148. Anschliessend bereitete er sich am Gymnasium in Bern auf das Universitätsstudium vor. Schaffter studierte von 1842 bis 1846 Theologie an der Universität Bern, wo auch Samuel Lutz und Matthias Schneckenburger lehrten. Er absolvierte das theologische Staatsexamen, wurde am 26. August 1846 von der bernischen Landeskirche in das Predigtamt gewählt1846: Erwählung ins H. Predigtamt, In: Rudolf Jenni: Verzeichniss der reformirten Geistlichen des Kantons Bern und ihrer Stationen. Bern, 1870. S. 33 und promovierte an der Philosophisch-historischen Fakultät in Bern mit der Arbeit Die ächte Lage des heiligen Grabes : eine historisch-archaeologische Untersuchung zum Dr. phil.Die Arbeit wurde höchstwahrscheinlich von Prof. Anton Henne betreut: Protokoll der Philosophischen Fakultät vom 23. März 1849: „Promotions-Gesuch von Herrn Schaffter: Herr Prof. Henne berichtet gutachtlich, dass …“ Dieser Text mit einem lithographierten Plan von Jerusalem von Albert Schaffter V.D.M.Verbi divini minister: „Diener am Wort Gottes“ – andere Bezeichnung für Priester oder Pfarrer (offizielle Bezeichnung eines ordinierten Theologen der evangelisch-reformierten Landeskirchen der Schweiz). wurde 1849 in der Druckerei Stämpfli gedruckt. Die Untersuchung fand zum Beispiel Beachtung in der Bibliographica geographica PalaestinaeTitus Tobler: Bibliographica geographica Palaestinae – Zunächst kritische Uebersicht gedruckter und ungedruckter Beschreibungen der Reisen ins Heilige Land. Leipzig 1879, S. 175. Abgerufen am 22. Juli 2017 des namhaften Kenners der Palästina-Literatur Titus Tobler oder 1852 in der Zeitschrift The Museum of classical antiquities.1852. S. 471–473 mit einer anastatischen Kopie des Plans von Jerusalem. Abgerufen am 29. Juli 2017.

Werdegang mini|Plan von Jerusalem von Albert Schaffter, 1849

Albert Schaffter war Sohn des pietistischenKurt Guggisberg: Bernische Kirchengeschichte Bern, 1958, S. 640Nekrolog in: Intelligenzblatt der Stadt Bern vom 30. August 1861. Abgerufen am 26. Juli 2017. Auguste Schaffter (1788–1861), der als Pfarrer an der französischen Kirche in Bern tätig war und an der Akademie in Bern praktische Theologie in französischer Sprache lehrte.Dozenten der Universität Bern 1528–1984, Nummer 1.2.001 Auguste Schaffter gehörte zu den prägenden Personen der Berner Erweckungsbewegung.Christine Stuber: „Que ce réveil est beau!“ – Zur Erweckungsbewegung in Bern von 1818 bis 1831. In Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 2002/1, S. 11: Auguste Schaffter gehörte zu den prägenden Personen der Berner Erweckungsbewegung. Abgerufen am 22. Juli 2017. PDF, 2.3 MB

Albert Schaffters weiterer Werdegang war eher aussergewöhnlich. Von Samuel Gobat, Missionar und evangelisch-anglikanischer Bischof der Diözese von Jerusalem erhielt Albert Schaffter das AngebotAdelrich Steinach: Geschichte und Leben der Schweizer Kolonien in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. New York, 1889, S. 149: Bald nach der Ordination in 1846 ersuchte ihn Dr. Gobat … ihn nach der heiligen Stadt zu begleiten, wo er ihm die Stelle eines deutschen Kaplans verschaffen wolle. als Hauslehrer und KaplanDeutsche Vierteljahrs Schrift 1859, S. 69: Die Anstellung als Kaplan kam nicht zustande. England beharrte darauf, eine in Deutschland oder der Schweiz vollzogene Ordination nicht anzuerkennen. Abgerufen am 2. August 2017. der deutschsprachigen Kirche des Bischofs nach Jerusalem zu reisen, wo er 1846 eintraf. 1847 kehrte er wieder nach Europa zurück. In BonnElie Ducommun : Albert Schaffter et la Geographische Gesellschaft Bern. In: Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern, 1897, S. 59–60. verfasste er eine Untersuchung über die wahre Lage des heiligen Grabes, die er später als Dissertation einreichte. Anschliessend hielt er sich bis 1849 in London auf, um dann in Moutier einige Monate als Vikar bei Pfarrer MoschardHenri-Louis Moschard (1789–1864) und darauf in Bern als Vikar bei seinem Vater, der ernstlich erkrankt war, tätig zu sein.

Im Mai 1850 akzeptierte Schaffter eine Tätigkeit als reformierter Pfarrer in Livorno an der holländisch-deutschen KircheJames R. Winchester, Necrology: "... he served as pastor the Dutch-German church at Leghorn, die er im JuniVerzeichniss der reformirten Geistlichen des Kantons Bern und ihrer Stationen. Bern, 1870. S. 33 antrat und bis April 1854 ausübte. Hier machte er auch Bekanntschaft mit der Exkursion von Cornelius Vanderbilt, die auf ihrer Kreuzfahrt mit der Dampfyacht North Star auch in Livorno anlegte. In dieser Zeit machte er bei einer Reise nach Genf Bekanntschaft mit Professor Jean-Henri Merle d’Aubigné, der ihn als reformierter Prediger der französischen Kirche in Montreal vorsah.Elie Ducommun : Albert Schaffter …, S. 60. Abgerufen am 23. Juli 2017. Schaffter schiffte in Liverpool ein und besuchte später auch New York, Philadelphia, Washington, Cincinnati, Louisville, was ihm eine reiche Ausbeute an geographischen Kenntnissen ermöglichte. Zurück in Bern nahm er 1854 das Amt als Vikar bei seinem Vater wieder auf. Am 8. Februar 1855 hielt Albert Schaffter aus eigener Anschauung einen Vortrag über die Sklaverei in Nordamerika.Intelligenzblatt der Stadt Bern, 8. Februar 1855, S. 320. Abfrage am 21. Juli 2022. In demselben Jahr trat er eine Stelle als Pfarrer der französischen Kirche in Neapel an.Louis Edouard Tony André: L'Église évangélique réformée de Florence, depuis son origine jusqu'à nos jours, 1899. Abgefragt am 5. August 2017Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen: 1858,11/12. Die Zeitschrift berichtet: Gestern wohnten der König und die Königin dem von dem Gesandtschaftsprediger Dr. Schaffter in der reformierten Kirche gehaltenen französischen Gottesdienst bei, wo sich eine zahlreiche Versammlung eingefunden hatte. Abgefragt am 4. August 2017 Zwischen 1857 und 1860 hielt er sich in Florenz als Gesandtschaftsprediger bei der Preussischen Gesandtschaft im Grossherzogtum Toskana auf. Abgerufen am 23. Juli 2017. 1860 reiste Schaffter in Erwartung einer Beschäftigung beim preussischen AussenministeriumElie Ducommun : Albert Schaffter …, S. 60. Abgerufen am 23. Juli 2017. nach Berlin. Zurück in der Schweiz übte er von 1860 bis 1863 das Amt des Pfarrers in Moutier aus.Dictionnaire du Jura: Schaffter Albert. Abgerufen am 23. Juli 2017.

Am 13. Januar 1863 heiratete Albert Schaffter Clara Bischoff.Cercle généalogique de l'ancien Evêché de Bâle: Table des mariages – Albert Antoine Amadéé Schaffter mit Marguerite Clara Bischoff. Abgerufen am 23. Juli 2017. Der Ehe entstammten drei Kinder: Hélène (* 1864), Rudolf (* 1866) und Hermine (* 1867).Personenstand von Albert Antoine Amédée Schaffter. Abgerufen am 24. Juli 2017. Mit seiner Wahl als ausserordentlicher Professor für Theologie in französischer Sprache (1863 bis 1865) sowie für französische Sprache und Literatur (ab 1863) wurde Albert Schaffter Hochschullehrer an der Universität Bern. 1866 wurde Schaffter in die Berner Freimaurerloge "Zur Hoffnung" aufgenommen. Von 1866 bis 1867 wirkte er auch als Schulvorsteher der burgerlichen (städtischen) Mädchenschule. In einem Aufruf des zwei Jahre zuvor in Olten gegründeten Schweizerischen Auswanderungsvereins wurde Professor Schaffter 1867 als Beisitzer in dessen Vorstand genannt. 1868 nahm Schaffter als Vorstandsmitglied des Auswanderungsvereins an einer Versammlung im Casino Bern teil, an der das Vorhaben von Eugen Hermann Plümacher einer Auswanderung nach Tennessee besprochen wurde und an der Schaffter aus dem Vorstand zurücktrat. 1873 wurde Schaffter zum ordentlichen Professor für romanische Sprachen und Literaturen ernannt.Dozenten der Universität Bern 1528–1984, Nummer 6.1.019Gustav Wissler macht im Romanischen Jahresbericht 12 (1913/13), IV, S. 35 zu den Fortschritten der romanischen Philologie Angaben über die Titel der von Albert Schaffter gehaltenen Vorlesungen Neben romanischen Sprachen und Literaturen lehrte er auch englische Literatur. In seiner Zeit als Professor in Bern, setzte er mit der Unterstützung mehrerer Freunde 1873 die Idee zur Gründung der Geographischen Gesellschaft in Bern um. Die Gründungsversammlung fand am 15. Mai 1873 in der Zunftstube zu Webern in Bern unter Leitung von Schaffter statt. 15 Mitglieder nahmen teil und liessen sich in die Gesellschaft aufnehmen. Die Statuten wurden angenommen und ein Vorstand gewählt. Schaffter hielt einen der ersten Vorträge in der Geographischen Gesellschaft zu den Altertümern von Mexiko und Yucatan nach Gaullieur.

1873 bereiste eine japanische Sondergesandtschaft, die Iwakura-Mission, die SchweizPeter Pantzer und Matthias Eichhorn: Die Iwakura-Mission: das Logbuch des Kume Kunitake über den Besuch der japanischen Sondergesandtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahre 1873, 2002. Abgerufen am 4. August 2017., wobei Schaffter diese über die bernischen Schulen informierte. In jenen Jahren beschäftigte er sich auch mit der Frage einer Besiedlung Zyperns.Bibliothèque universelle et revue suisse 30 1867, S. 255: in: Ed. Tallichet: La question d'orient et l'insurrection crétoise, S. 227 ff. Abgerufen am 4. August 2017. 1875 rief er zu einer Beteiligung am geographischen Kongress in Paris auf. Seinem weltoffenen Geist folgend, entschied er sich im Jahr 1875 zum Kauf eines grossen Anwesens in Beersheba Springs, Tennessee, um als Farmer mit Frau und Kindern nach den Vereinigten Staaten auszuwandern.Elie Ducommun : Albert Schaffter …, S. 60. Abgerufen am 23. Juli 2017.Richard Feller: Die Universität Bern 1834–1934. 1935. S. 319: Laut Feller begründete Albert Schaffter den überraschenden Abschied mit der Gesundheit seiner Familie, die eine Übersiedlung nach Nordamerika erfordere. 1877 wird Schaffter im Zusammenhang mit der Idee eines Vorhabens einer Floating University (Studiensemester auf hoher See) genannt.Prof. Burt Wilde, of Cornell … will have charge of … the scientific interests of the expedition. He will be assisted by Prof. Albert Schaffer, of the University of Berne, Switzerland … usw. In: The Iola Register vom 14. Juli 1877. Abgerufen am 26. Juli 2014The Woodruff scientific expedition around the world 1879–1880, 1878. Abgerufen am 4. August 2017. Am 6. August 1881 wurde Albert Schaffter zum Honorarprofessor für Deutsch, Italienisch und Französisch sowie für Französische Literatur an der University of the South in Sewanee, Tennessee gewählt.University of the South, College of Arts and Sciences Catalog and Announcements 1882–1883. S. 21. PDF, 3455 KB Abgerufen am 24. Juli 2017