Ein Name ist, nach einer aktuellen wissenschaftlichen Definition, ein verbaler Zugriffsindex auf eine Informationsmenge über ein Individuum.Ernst Hansack: Das Wesen des Namens. In: Andrea und Silvio Brendler (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung. Hamburg 2004, S. 51–69. Namen sind somit einer Person, einem Gegenstand, einer organisatorischen Einheit (z. B. einem Betrieb) oder einem Begriff zugeordnete Informationen, die der Identifizierung und Individualisierung dienen sollen (Funktion der Namenklarheit).

Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Namen beschäftigt sich die Onomastik. Sie unterteilt sich in die Namenkunde, die Geschichte, Gebrauch und Etymologie der Namen klärt, und die Theoretische Namenforschung, die sich mit der Natur von Namen an sich beschäftigt. Die Namentheorie beschäftigt sich demnach mit der Hauptbedeutung, der Denotation, der Namen, während sich die Namenkunde über die Denotation hinaus, mit der Konnotation der Namen beschäftigt. Siehe auch Artikel Theoretische Namenforschung und Begriff.

Etymologie Das gemeingermanische Wort mhd. name, ahd. namo beruht auf dem indogermanischen [e]nō̌mn̥-. Siehe auch DWDS („Name“) und

Einführung

Name und Allgemeinbegriff Die moderne Logik beziehungsweise theoretische Namenforschung sieht im Namen (Nomen im logischen Sinne, also wesentlich enger gefasst als im grammatischen Sinne) einen Spezialfall der Bezeichnung. Man unterscheidet drei grundlegende Typen der Nomina: Bezeichnet ein Name einen Allgemeinbegriff als eine definierte Klasse von Objekten, so nennt man ihn Appellativum oder Gattungsname Ein Name im engeren Sinne, der Eigenname, fachlich Proprium, bezeichnet eine Klasse aus nur einem Objekt, einen Individualbegriff Andere Nomina bezeichnen eine offene Klassen, den Substanzbegriff, der singulär, aber hinsichtlich der Anzahl der Objekte offen ist. In diesem Fall spricht man von einem Stoffnamen oder Kontinuativum.

Gottesnamen

Im Judentum Namen sind im Judentum mehr als Begriffe, das gilt auch für die Gottesnamen. Seine „Gattungsbezeichnung“ ist Elohim, sein „Eigename“ ist JHWH – auch Tetragramm genannt –, der mit Jahwe oder seltener und später mit Jehova vokalisiert wurde. Die hebräische Schrift ist ursprünglich eine Konsonantenschrift ohne Vokale, erst die Masoreten im Mittelalter fügten Vokale hinzu. So ist JHWH eigentlich nicht übersetzbar, weil es kein Name, kein Gedanke, keine Substanz oder Existenz ist. Die zentrale Bedeutung wird allgemein mit Ich bin oder Ich bin da wiedergegeben und weist auf die Unaussprechlichkeit, Unerklärlichkeit und Unergründlichkeit Gottes hin. JHWH wurde erstmals in Genesis 4,26 gebraucht, Mose beim brennenden Dornbusch in der Wüste offenbart (Exodus 3,14) und kommt 6.823-mal in der hebräischen Bibel vor. Aus Scheu und Ehrfurcht vor JHWH, seiner Größe und Heiligkeit wurde JHWH von den Juden nach der babylonischen Gefangenschaft nicht mehr ausgesprochen, stattdessen wurden adonay (mein Herr) und heute ha-schem (der Name), ha-makom (der Ort) oder adoschem (Wortkombination von Herr und Name) gebraucht.Frans Hendrik Breukelman: Sjemot: de eigen taal en de vertaling van de Bijbel", BT II/2. Kok, Kampen, 2009. ISBN 978-90-435-1705-8 (nur niederländisch, deutsch: Namen: Die Sprache und die Uebersetzung der Bibel)Kornelis Heiko Miskotte: Wenn die Götter schweigen. Vom Sinn des Alten Testaments. Stoevesandt, München 1963. (neu aufgelegt bei Spenner, Kamen 1995, ISBN 3-927718-66-1) Zu JHWH siehe Seiten 127–301Jochen Teuffel: NAMENSgedächtnis statt Gottdenken. Von den Schwierigkeiten mit dem europäischen Gottesbegriff. Interkulturelle Theologie. Zeitschrift für Missionswissenschaft (ZMiss) 37, 4/2011, Seiten 332–348.

Im Islam

Personennamen (Anthroponyme)

Die Personennamen umfassen die Bezeichnungen für Einzelwesen (Vornamen und Familiennamen). Volksbezeichnungen und Stammesnamen sind keine Eigennamen, sondern Gattungsnamen.

Im deutschen Sprachraum hat sich seit dem 12. Jahrhundert ein zweigliedriges Namensystem mit einem Individualnamen (Vorname, Rufname, Nebenname) und Familiennamen (Beiname, Nachname, Zuname) entwickelt. In anderen Ländern gibt es verschiedene Namensysteme. So verwendet man beispielsweise in Russland ein dreigliedriges Namensystem mit einem Vatersnamen. Solche mehrgliedrigen Namensysteme sind seit der Antike bekannt. Die römischen Namen bestanden aus bis zu drei Elementen und gliederten sich in Vorname (Praenomen), Sippenname (Nomen Gentile) und Beiname (Cognomen). Letzterer hatte große Bedeutung, weil die antiken Römer nur sehr wenige Vornamen zur Auswahl hatten und Sippennamen ein Privileg der Oberschicht waren.Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. 4. Auflage, München 2003, S. 38. Die verschiedenen Namensysteme und die dazu geltenden gesetzlichen Regelungen (Namensrecht) sind aufgelistet in: Erich Mergenthaler und Heinz Reichard: Standesamt und Ausländer. 30. Auflage, Frankfurt am Main 2006. Andrea und Silvio Brendler (Hrsg.): Europäische Personennamensysteme. Ein Handbuch von Abasisch bis Zentralladinisch. Hamburg 2007.

Ein auffälliges Merkmal, das speziell bei Familiennamen im deutschen Sprachraum zu beobachten ist, besteht darin, dass es eine Tendenz zur Variation (Diversifikation) ein und desselben Namens gibt. So existieren als sog. „adjektivische Übernamen“Wilfried Seibicke: Die Personennamen im Deutschen. De Gruyter, Berlin und New York 1982, ISBN 3-11-007984-4, S. 174. neben „Lang“ auch die Formen „Lange“, „Langer“ und „Langen“, ein Phänomen, das bei vielen Namen auftritt.Hermann Bluhme: Bemerkungen zu den Formen des Namens Schmidt. In: Peter Grzybek und Reinhard Köhler (Hrsg.): Exact Methods in the Study of Language and Text. Dedicated to Gabriel Altmann on the Occasion of his 75th Birthday. Mouton de Gruyter, Berlin und New York 2007, ISBN 978-3-11-019354-1, S. 33–38. Bei Vornamen wiederum ist festzustellen, dass viele von ihnen Benennungsmoden unterliegen, die dafür sorgen, dass ein bestimmter Name häufiger wird, einen Höhepunkt der Beliebtheit erreicht und dann wieder an Häufigkeit verliert.Gerhard Koß: Namenforschung. Eine Einführung in die Onomastik. Niemeyer, Tübingen 1990, ISBN 3-484-25134-4, S. 88.

Künstlernamen/Pseudonyme

In der Kunst spielen Namen eine wichtige Rolle. Mit dem Eigen- oder Künstlernamen sich einen „Namen“ zu erarbeiten, ist eine der größten Motivationen der meisten Künstler. Mit der Bekanntheit des eigenen „Namens“ steigt häufig auch der Handelswert seiner angebotenen Kunst.

Salvador Dalí ging gegen Ende seiner Karriere spielerisch mit seinem Namen um. So signierte er weiße Blätter und verkaufte diese. Den Käufern stand es frei, ein Bild zu malen, das den Namen Dalí trug.

Kunstnamen In literarischen und filmischen Werken tragen die handelnden Personen und die Orte, an denen die Handlung stattfindet, zuweilen fiktive sprechende Namen. Hierdurch sollen sie bereits durch ihre äußere Benennung ihrem inneren Wesen nach charakterisiert werden.

Das Stilmittel der sprechenden Namen ist bereits seit der Antike bekannt und findet sich ebenso in den mündlichen Überlieferungen von Mythen und Sagen in den verschiedensten Kulturkreisen.

In der klassischen allegorischen Literatur bedürfen die Namen meist keiner Interpretation seitens des Lesers. So trifft der Pilger in John Bunyans The Pilgrim’s Progress unter anderem den Riesen „Verzweiflung“, der Herr der „Burg des Zweifels“ ist. Ästhetisch reizvollere Codierungen erfolgen insbesondere durch Wortspiele, Buchstabendreher, Lautmalerei oder Akronyme.

Geographische Namen (Toponyme) Geographische Namen im eigentlichen Sinne sind immer Individualnamen. Geographische Klassennamen werden nicht zu den Geographika (Sg.: Geographikum) gezählt.

Großobjektnamen (Makrotoponyme) Gemeindeverbandsnamen Himmelskörper- und Himmelssphärennamen (Kosmonyme) Örtlichkeitsnamen (Toponyme, Ortsnamen im weiteren Sinne) Gebirgs- und Bergnamen (Oronyme) Gewässernamen (Hydronyme): Meeres-, See-, Fluss-, Bach-, Kanal-, Sumpfnamen Insel- und Halbinselnamen Raumnamen (Choronyme): Erdteile-, Meeres-, Zonen-, Regions-, Wüsten-, Landschaftsnamen, Talnamen Siedlungsnamen (Oikonyme, Ortsnamen im eigentlichen Sinne): Stadt-, Dorf-, Burg, Stadtteil-, Ortsteilnamen, Wüstungsnamen Wald- und Forstnamen, Reviernamen

Viele dieser Namen können aber auch zu den Mikrotyponymen gerechnet werden, wenn sie kleinere Objekte ansprechen.

Himmelskörper- und Sphärennamen (Kosmonyme) Die Einteilung der Himmelskörper- und Sphärennamen erfolgt nach Planeten, Monden, Kleinplaneten, Sternen (Astronyme) und Sternbildern. Dabei wurden zunächst für jene Himmelskörper unseres Sternsystems Namen vergeben, die von der Erde aus sichtbar waren. Sie wurden durchweg nach Göttern aus Mythen benannt, wobei in der Antike jedes Volk seine eigenen Götternamen vergab. Heutzutage haben sich die Götternamen der Römer als Fachterminologie durchgesetzt. Die dazugehörigen Monde erhielten ebenfalls Bezeichnungen aus den Mythen. Diese wurden passend zu den Götternamen des Planeten, den sie umkreisten, vergeben.

Ab 1801 begannen sich die astronomischen Forschungen auszuweiten und die ersten Planetoiden wurden gesichtet. Diese erhielten zu Beginn die Namen der Göttinnen. Mit zunehmender Fülle der Kleinplaneten mussten jedoch irdische Frauennamen genutzt werden. Auch die Sternbilder haben in der Mehrzahl einen mythischen Hintergrund.

Anders hingegen verfuhr man bei Sternen. Bevor Koordinaten zu ihrer Unterscheidung genutzt wurden, erhielten sie meist arabische Namen nach ihren Entdeckern. Die Araber waren im 8. und 9. Jahrhundert führend in der Astronomie. Sternensysteme oder auch Nebel besitzen hingegen selten Eigennamen.

Raumnamen (Choronyme) Nach Peter von Polenz unterteilen sich die Raumnamen in naturräumliche und politische Gebilde. Erstere umfassen Landschaften und Gebiete, letztere fest umgrenzte Räume (Bezirks- und Ländernamen). Bereits in frühester Zeit wurden Stammesbezeichnungen als Raumnamen verwendet. Erhaltene Beispiele sind etwa Niedersachsen (nach den Sachsen), Bayern (nach den Baiern), Thüringen (nach den Thüringern), Hessen (vermutlich nach den Chatten), Westfalen (nach den Westfalen) und Holstein (nach den Holsten).

Gewässernamen (Hydronyme) Die Gewässernamen sind die ältesten Zeugnisse unserer Sprache. Da insbesondere an den größten Flüssen die ersten Besiedlungen zu finden waren, wurden hier die ersten Gewässernamen vergeben. Daraus resultiert die Beobachtung, dass je größer ein Fluss, umso älter sein Name ist. Es wird zwischen stehenden und fließenden Gewässern unterschieden, wobei insbesondere die fließenden Gewässer im Mittelpunkt des Interesses der Forschung stehen.

In der Gewässernamenforschung haben Hans Krahe und dessen Schüler W. P. Schmidt die bis heute stark umstrittene Theorie der Alteuropäischen Hydronymie geprägt. Sie besagt, dass es Gewässernamen gibt, die außerhalb ihrer Einzelsprache in ganz Europa Entsprechungen besitzen, wodurch die Existenz einer voreinzelsprachlichen, indogermanischen Sprache belegt werden soll. Ein Beispiel hierfür ist die Isère in Südfrankreich – Iser/Jizera in Tschechien – Isar in Deutschland – IJssel in den Niederlanden.

Siedlungsnamen (Oikonyme) Siedlungsnamen werden auch als Ortsnamen im egeren Sinn bezeichnet. Die Ortsnamenforschung (Forschung der Ortsnamen im weiteren Sinn) beschäftigt sich unter anderen Namen mit den Strukturen, der Entstehung, dem Wandel und dem Verlust von Siedlungsnamen (Ortsnamen im engeren Sinn). Sie geht dabei diachronisch vor, indem sie von der heutigen Siedlungsnamenform ausgehend Belege sammelt und mit Hilfe derer versucht, den ursprünglichen Namen zu rekonstruieren. Anhand dieser Grundform kann die Etymologie des Namens bestimmt werden. Unterschieden wird dabei nach Bildungsweise der Orte und sprachlicher Zugehörigkeit.

Kleinobjektnamen (Mikrotoponyme) Kleinräumige Örtlichkeitsnamen Flurnamen: Gewann- und Parzellenamen, Ackerbau- und Viehwirtschafts-, Weidewirtschaftsnamen