alternativtext=|mini|Hauptgebäude der Stadtwerke Solingen, Beethovenstr. 210 Die öffentliche Versorgung mit Strom und Erdgas in Solingen ist die Aufgabe der Versorgungsabteilung der Stadtwerke Solingen GmbH. Sie gehört zum Stadtwerke Solingen Konzern. Die Stadtwerke Solingen GmbH verfügt über weitere Geschäftsbereiche, die organisatorisch von der Versorgungsabteilung getrennt sind. So betreibt die Verkehrsabteilung der Stadtwerke Solingen GmbH den öffentlichen Personennahverkehr der Stadt, darunter auch Oberleitungsbusse. Über die 100%ige Tochter der Stadtwerke Solingen GmbH, der SWS Netze Solingen GmbH, ist die Stadtwerke GmbH außerdem Grundversorger im Bereich des Solinger Netzgebietes.
Unternehmensgeschichte Vorgeschichte und Gründung Das erste Gaswerk auf heutigem Solinger Stadtgebiet, errichtet und betrieben durch die private „Gas-Aktien-Kommandit-Gesellschaft W. Ritter & Co.“, nahm am 19. Oktober 1859 seine Tätigkeit auf. Es ist der älteste Betriebszweig der Stadtwerke Solingen und versorgte neben den öffentlichen Straßenlaternen auch Privathäuser mit Gas.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Dritter Band, Hg. Rüdiger Schneider Berrenberg, Duisburg 1975, S. 114–122Vertrag zwischen Ritter und der Stadt Solingen, in: SOLINGER KREIS-INTELLIGENZBLATT vom 26. Mai 1858; Stadtarchiv Solingen, Akte S. 1663 Gaswerk Solingen Ritter u. Co. 1859 bis 1888; Stadtarchiv Solingen, Akte S. 1655 Die Einrichtung einer Gasbeleuchtung für Solingen. 1888 bis 1894; Das Gas löste das Rüböl ab. Vor 95 Jahren wurde in Solingen die Gasbeleuchtung eingeführt in: NEUE RHEIN-ZEITUNG 22. Oktober 1954
1883 begann die Stadt Solingen mit dem Betrieb ihres ersten Wasserwerks. Damit wurde das bis dahin bestehende System der Wasserversorgung über Pumpen und Brunnen nach und nach durch eine zentrale Wasserversorgung ersetzt. Zu diesem Wasserwerk gehörten ein Pumpwerk in der Hofschaft Grunenburg und ein Erdbehälter auf der Krahenhöhe.Stadtarchiv Solingen, Akte S. 1678 Die Anlage einer Wasserleitung und das Wasserwerk der Stadt Solingen. 1878 bis 1888; Beate Battenfeld: Pumpen, Speichern, Verteilen. Relikte früher Wasserversorgung, Hg. BGV Abt. Solingen, Solingen 2004, S. 6ff.
Ab 1897 lieferte die „Kraftzentrale zur Erstellung von Elektrizität“ der Firma Robert Paffrath Wwe. am Standort des ehemaligen Kirschberger Kottens bei Müngsten Strom nach Solingen. Dazu hatte die Stadt Solingen 1896 einen Vertrag mit der Firma Paffrath abgeschlossen, in der das Unternehmen sich verpflichtete, ausschließlich Kraftstrom an die Stadt zu liefern. Der erste elektrische Strom am 1. August 1897 erreichte teils über Freileitungen, teils durch Erdkabel einige Teile des Stadtgebietes. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Strom erfolgte noch im selben Jahr im Elektrizitätswerk der Gebrüder Paffrath der Einbau von zwei leistungsstärkeren Wasserturbinen und damit verbunden die Aufstellung einer Dampfmaschine. Mit der Erweiterung des Leitungsnetzes erhöhte sich auch der Kapitalbedarf der Firma Paffrath. Deshalb fusionierte sie 1897 mit der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, die von nun an die Firma „Bergisches Electricitätswerk“ (BEW) betrieb. Die Stadt Solingen übertrug die Stromlieferungsverträge auf diese am 30. Juni 1898 feierlich eingeweihte neue Firma.Georg Hautzel: Den Anfang machte die Wupper. Die Geschichte der Stromversorgung in Solingen, in: Anker und Schwert. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Solingen, Hg. Stadtarchiv Solingen, Duisburg 1959, Band 1, S. 239–301, hier S. 240–246
In den Ortschaften Kohlfurth, Löhdorf und Leichlingen entstanden die ersten Umformerstationen. In Kohlfurth belieferte seit 1899 abends eine Umformerstation des BEW die Wirte mit Lichtstrom und ermöglichte gleichzeitig den Betrieb von vier Bogenlampen.Georg Hautzel: Den Anfang machte die Wupper. Die Geschichte der Stromversorgung in Solingen, in: Anker und Schwert. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Solingen, Hg. Stadtarchiv Solingen, Duisburg 1959, Band 1, S. 239–301, hier S. 252 Letztere sind als die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Solingen anzusehen.Nur der Mondschein kostet nichts. Die letzte Gaslaterne erzählt die Geschichte der Solinger Straßenbeleuchtung, Dokumentation des Tiefbauamtes Solingen (1975), S. 22
In der Stadt Burg, seit 1975 ein Stadtteil von Solingen, errichtete Arnold Schröder ein Elektrizitätswerk zur Einrichtung einer öffentlichen Straßenbeleuchtung ab 1901.
Mit dem Bau der 1903 eingeweihten Solinger TalsperreKlose/Söhren: Denkschrift zur Einweihung der Sengbach-Talsperre. 28. Mai 1903 bei Glüder entstand schließlich – vom Wasser der Wupper und der Talsperre gespeist – ein stadteigenes Kraftwerk, das seitdem die Stadt Solingen mit Licht- und Kraftstrom versorgte. Im Bereich des Kraftstroms geschah dies in Konkurrenz zum BEW. Die Betriebe und Haushalte in den benachbarten Städten Höhscheid (seit 1898), Ohligs, Gräfrath und Wald (seit 1901) erhielten weiterhin Kraft- und Lichtstrom durch das BEW. Dieses wurde 1906 vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk (RWE) erworben, firmierte jedoch noch bis 1923 unter seinem bisherigen Namen. 1911 ging die Stadt Solingen auf Fremdbezug vom RWE über und verteilte seither in eigener Regie Licht- und Kraftstrom in ihrem Stadtgebiet. In Gräfrath, Höhscheid, Ohligs und Wald lieferte und verteilte das RWE Licht- und Kraftstrom bis zur letzten Lampe.Geschäftsbericht der Stadtwerke Solingen 1957, S. 4 Am 1. April 1924 wurde das gesamte Hochspannungsnetz der Stadt Solingen vom RWE angekauft.Georg Hautzel: Den Anfang machte die Wupper. Die Geschichte der Stromversorgung in Solingen, in: Anker und Schwert. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Solingen, Hg. Stadtarchiv Solingen, Duisburg 1959, Band 1, S. 239–301, hier S. 277
In den Nachbarstädten von Solingen entstanden nach und nach ebenfalls städtische Gas- und Wasserwerke. Nach der Städtevereinigung von 1929, bei der die bisher selbstständigen Städte Gräfrath, Solingen, Höhscheid, Ohligs und Wald zur Stadt Solingen vereint wurden, fasste man diese mit den dortigen Stromversorgern zu den „Städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken“ zusammen. 1935 erhielten diese Versorgungseinrichtungen den Namen „Stadtwerke Solingen“ (SWS). Das Jahr gilt damit als Gründungsjahr der heutigen Stadtwerke Solingen GmbH.
Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg war die Versorgung der Solinger Stromkunden stärker durch die Einberufung von Technikern und Monteuren der Stadtwerke Solingen beeinträchtigt als durch direkte Kriegseinwirkungen.Hansjörg Riechert: Die Energieversorgung der Stadt Solingen vom Beginn des Zweiten Weltkrieges bis zum Koreakrieg. In: ZEITSCHRIFT DES BERGISCHEN GESCHICHTSVEREINS, Band 98, Jg. 1997/1998, Neustadt a. d. Aisch, 2000, S. 237 Auch von Beschränkungen und Einstellungen der im Deutschen Reich zentral gesteuerten Stromabgabe blieb Solingen weitestgehend verschont. Erst ab 1943 gab es eindringliche Appelle zur Einsparung von Strom und Gas in Betrieben und Haushalten.Hansjörg Riechert: Die Energieversorgung der Stadt Solingen vom Beginn des Zweiten Weltkrieges bis zum Koreakrieg. In: ZEITSCHRIFT DES BERGISCHEN GESCHICHTSVEREINS, Band 98, Jg. 1997/1998, Neustadt a. d. Aisch, 2000, S. 240 Fliegerangriffe im November 1944 legten große Teile von Solingen – und damit auch Anlagen und Leitungen zur Stromversorgung der Stadtwerke Solingen und des RWE – in Schutt und Asche. Tausende Zähler und Hausanschlüsse wurden zerstört und das Umspannwerk am Weyersberg sowie Schalt- und Stützpunktanlagen an der Friedrich- und Bismarckstraße nahmen schweren Schaden.
Von weit größerer Bedeutung für den Zusammenbruch der Energieversorgung waren aber die Schäden durch den strategischen Luftkrieg gegen die Einrichtungen der Mineralöl-, Strom- und Gasindustrie sowie gegen das Verkehrswesen. Die rasche Instandsetzung von zerstörten Stromkabeln und Teilen des Freileitungsnetzes nutzte daher wenig – die Stromlieferungen blieben zunächst aus.Hansjörg Riechert: Die Energieversorgung der Stadt Solingen vom Beginn des Zweiten Weltkrieges bis zum Koreakrieg. In: ZEITSCHRIFT DES BERGISCHEN GESCHICHTSVEREINS, Band 98, Jg. 1997/1998, Neustadt a. d. Aisch, 2000, S. 242 Aufgrund der desolaten Versorgungssituation in der Zeit nach Kriegsende gab es bis Anfang der 1950er-Jahre immer wieder Einschränkungen beim Stromverbrauch.Hansjörg Riechert: Die Energieversorgung der Stadt Solingen vom Beginn des Zweiten Weltkrieges bis zum Koreakrieg. In: ZEITSCHRIFT DES BERGISCHEN GESCHICHTSVEREINS, Band 98, Jg. 1997/1998, Neustadt a. d. Aisch, 2000, S. 246 ff.
Als Folge der Angriffe auf Solingen im Jahr 1944 wurde auch die städtische Wasserversorgung beeinträchtigt und der Zufluss vom Pumpwerk Glüder lahmgelegt.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Dritter Band, Hg. Rüdiger Schneider Berrenberg, Duisburg 1975, S. 436 Die übrigen Wasserwerke arbeiteten dagegen noch. Nur Alt-Solingen war vom Wasserausfall betroffen. Dort kamen vorübergehend alte Brunnen (wieder) zum Einsatz.Broschüre der Stadtwerke Solingen: 125 Jahre zentrale Trinkwasserversorgung in Solingen Einige Gasbehälter – seit 1930 wird in Solingen kein Eigengas mehr produziert, sondern Ferngas bezogenGeschäftsbericht der Stadtwerke Solingen für 1935, S. 25 – wurden infolge der Kriegseinwirkungen ebenfalls beschädigt.
Nachkriegszeit In den Nachkriegsjahren war zunächst keine geregelte Gas-, Wasser- und Stromversorgung mehr möglich. Die Arbeit der Stadtwerke wurde hauptsächlich durch die wirtschaftliche Notlage und die Rationierung von Gas und Strom bestimmt. Noch lange Zeit war man damit beschäftigt, Kriegsschäden im Rohrnetz und an den Werksanlagen zu beseitigen. Hinzu kam ein allgemeiner Zählermangel.Verwaltungsbericht der Stadt Solingen vom Zusammenbruch 1945 bis 31. März 1949, S. 123 ff.
Nach 1948 machte sich die allgemeine wirtschaftliche Belebung auch bei der Nachfrage aller Verbrauchergruppen nach Gas bemerkbar. Die Stadtwerke Solingen verlegten Leitungsrohre, stellten Hausanschlüsse her, setzen Gaszähler oder wechselten diese aus. Außerdem wurde die Straßenbeleuchtung ausgebaut.Geschäftsberichte der Stadtwerke Solingen nach 1948 Seit dem 1. Januar 1949 gehörten auch die der Volksgesundheit dienenden Badeanstalten und die beiden städtischen Freibäder Heide und Ittertal wirtschaftlich und verwaltungsmäßig den Stadtwerken an.Geschäftsbericht der Stadtwerke Solingen 1957, S. 5Mit dem Wasser fing es an. Die Entwicklung der Solinger Versorgungsbetriebe, in: NEUE RHEIN-ZEITUNG 29. Dezember 1958 Damit besaßen die Stadtwerke Solingen zu diesem Zeitpunkt vier Betriebszweige: Elektrizitätswerk, Gaswerk, Wasserwerk und Bäder. Zum 1. April 1953 übernahm die Stadt Solingen das RWE-Niederspannungsnetz in den Stadtteilen Gräfrath, Höhscheid, Ohligs und Wald. Die Aufgaben des Elektrizitätswerkes stiegen damit um ein Vielfaches.Georg Hautzel: Den Anfang machte die Wupper. Die Geschichte der Stromversorgung in Solingen, in: Anker und Schwert. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Solingen, Hg. Stadtarchiv Solingen, Duisburg 1959, Band 1, S. 239–301, hier S. 284
In den folgenden Jahren standen die Erweiterung des Kabel- und Freileitungsnetzes sowie die Umstellung des Niederspannungsnetzes auf 3 × 380/220 Volt in Verbindung mit einer Fremdfirma im Vordergrund. Neben der Überholung des vorhandenen Stromnetzes war es eine der Hauptaufgaben, durch die Inbetriebnahme neuer Trafostationen auf längere Sicht ausreichende Spannungsverhältnisse zu schaffen. Am 5. April 1966 war die Umstellung des Strom-Versorgungsnetzes in Solingen abgeschlossen. Der Kostenaufwand belief sich insgesamt auf 15 Mio. DM. Das Elektrizitätswerk, Stadtwerke Solingen-intern auch Eltwerk genannt, hatte nun 372 moderne Netzbezirke.Geschäftsberichte der Stadtwerke Solingen nach 1953Nur der Mondschein kostet nichts. Die letzte Gaslaterne erzählt die Geschichte der Solinger Straßenbeleuchtung, Dokumentation des Tiefbauamtes Solingen (1975), S. 41