mini|250px|Flagge der Bukowinadeutschen
Die Bukowinadeutschen oder Buchenlanddeutschen ( oder Nemți bucovineni, ) sind eine zur deutschsprachigen Minderheit der Rumäniendeutschen und Ukrainedeutschen zählende Volksgruppe, die von etwa 1780 bis 1940 hauptsächlich in der historischen Landschaft Bukowina lebte. Heute sind sie bis auf wenige Einzelpersonen dort kaum noch vertreten. In ihrer rund 150-jährigen Geschichte lebten die Bukowinadeutschen überwiegend in ländlichen Gebieten (als Bauern oder Handwerker,Bucovina. Past, present and perspectives, auf der Website der Universität Suceava, abgerufen am 23. Juni 2025 (englisch) sowohl im Tiefland als auch im Hochland der Bukowina), sie waren jedoch während der österreichisch-ungarischen Zeit auch in bestimmten Städten die erste ethnische Gruppe (neben ihnen wurde auch eine beträchtliche Anzahl deutschsprachiger Juden als Deutsche erfasst).Volkszählungsdaten der Bukowina, abgerufen am 23. Juni 2025Germanii din Bucovina, Consiliul Județean (CJ) Suceava, abgerufen am 2. Oktober 2025 (rumänisch) In der Vergangenheit bildeten die Bukowinadeutschen an bestimmten Orten Sprachinseln, wo sie in großer Zahl in der Bukowina lebten und mehrere Dialekte der deutschen Sprache sprachen. Während der Zeit der österreichischen Kaiserin Maria Theresia bestanden die Ziele der ersten deutschen Siedler in der Bukowina darin, die Region wirtschaftlich zu entwickeln und sie gegen mögliche äußere Bedrohungen zu verteidigen. Der Begriff Bukowinadeutsche als solche, festigte die Gemeinschaft erst Ende der 1920er Jahre.
Die Geschichte der deutschen Gemeinde in der Bukowina endete größtenteils mit der „Heim ins Reich“–Umsiedlung, die während des Zweiten Weltkriegs stattfand und auch sie einschloss (und andere ethnisch deutsche Gruppen aus Osteuropa, d. h. die Dobrudschadeutschen, Regatsdeutschen oder Bessarabiendeutschen). Unter den umgesiedelten Bukowinadeutschen (die überwiegende Mehrheit von ihnen war in das damals besetzte Polen umgesiedelt worden) wurde eine relativ hohe Anzahl als „ungeeignet für eine Ansiedlung“ angesehen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten relativ wenige Überlebende der Bukowinadeutschen in die Bukowina zurück. Daher gehört die deutsche Präsenz in der Bukowina eher der Vergangenheit an. Nach dem Übergang Rumäniens vom Königreich zur kommunistischen Volksrepublik, schwankte ihre Zahl zwischen einigen Tausend und einigen Hundert, vor allem im Kreis Suceava, dem größten Teil der Südbukowina.
Siedlungen Die zugewanderten Deutschen verteilten sich nicht gleichmäßig auf die Bukowina, sondern tendierten zur Gründung eigener Orte oder Ortsteile. Solche Gemeinden sind unter anderem Gura Putnei (Karlsberg), Voievodeasa (Fürstenthal, volkstümlich: Fișîntal), Iacobeni (Jakobeny) und Poiana Micului (Buchenhain). In den meisten Dörfern und Städten bildeten sie eigene Kolonien und Ortsteile, meist unter weitgehender Beibehaltung des ursprünglichen, meist rumänischen Ortsnamens, wie Bădeuți (Deutsch-Badeutz) oder Frătăuții Vechi (Deutsch Altfratautz). Schließlich siedelte sich ein beträchtlicher Teil der Einwanderer in den Städten an (darunter Czernowitz, Rădăuți, Suceava, Gura Humorului, Vatra Dornei, Siret und Câmpulung Moldovenesc).
Geschichte Vorläufer im Mittelalter bis 18. Jahrhundert mini|Karte des siebenbürgisch-sächsischen Gelehrten Johannes Honterus aus dem 16. Jahrhundert mit Siebenbürgen, der Walachei und dem Fürstentum Moldau. Suceava, eine der Hauptstädte des Fürstentums Moldau – durch eine Burg im Hochland des Fürstentums gekennzeichnet – verzeichnete einen bedeutenden Zuzug siebenbürgisch-sächsischer Siedler; dies führte laut dem rumänischen Historiker Nicolae Iorga zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt im Mittelalter. Diese siebenbürgisch-sächsischen Siedler stammten aus Bistritz – ebenfalls auf dieser Karte verzeichnet – im Nordosten Siebenbürgens.
Laut dem 1880 in Warschau erschienenen „Geographischen Wörterbuch des Königreichs Polen und anderer slawischer Staaten“ errichtete der Deutsche Orden auf einem Hügel bei Siret (Sereth) im Hochmittelalter zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Festung, deren Gründungsdatum aber unbekannt ist.Scurt istoric, In: Siteul oficial al orașului Siret, Rumänisch, abgerufen am 28. Mai 2025. Der frühe Regionalhistoriker Victor Prelicz (ursprünglich aus Iacobeni/Jakobeny) glaubte, dass die Festung Suceava, die Burg Neamț (in der Westmoldau) und eine in der Nähe von Czernowitz von Rittern des Deutschen Ordens erbaut wurden.
Vom 14. bis ins 17. Jahrhundert existierte auch eine kleine Gruppe deutscher Handwerker und Kaufleute aus der Siedlergruppe der Siebenbürger SachsenHugo Weczerka: Das Fürstentum Moldau und die Deutschen. In: Isabel Röskau-Rydel: Deutsche Geschichte im Osten Europas. Galizien, Bukowina, Moldau, Berlin 1999, S. 338.Dănuț Zuzeac: Orașe dispărute din România. Baia, prima capitală a Moldovei. In: Adevărul, auf Rumänisch, vom 16. April 2015, abgerufen am 22. April 2023.Günter Schödl: Deutsche Geschichte im Osten Europas. Land an der Donau. Berlin 1995, S. 60. im Fürstentum Moldau. Diese deutschen Kolonisten kamen nach Moldau, um die ungarischen Positionen außerhalb der Karpaten zu stärken und auch aus wirtschaftlichen Gründen. Die Siedler stellten damals einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region dar.The Germans from the Bukovina, In: Seite der University of Alberta, Canada, abgerufen am 29. Mai 2025 Baia (), die erste mittelalterliche Hauptstadt Moldaus (heute im Kreis Suceava), wurde auch von Siebenbürger Sachsen oder auch mittelalterlichen deutschsprachigen Bewohnern Galiziens (siehe Walddeutsche) bewohnt.Comuna - Comuna Baia, In: Comuna Baia, auf Rumänisch, abgerufen am 22. April 2023. Die Deutschen waren auch an der Gründung von Suceava () beteiligt, der chronologisch dritten Hauptstadt des Fürstentums Moldau (nach Baia und Siret). Außerdem galt im Mittelalter in der Stadt Suceava das Magdeburger Recht, ein Stadtrecht deutscher Art.Das Magdeburger Recht: Suceava/Sotschen In: magdeburg-law.com Dieses Stadtrecht wurde auch in Câmpulung Moldovenesc (Kimpolung), in Siebenbürgen in Hermannstadt sowie in Bistrița (Bistritz) angewendet.Das Magdeburger Recht: Historische Städte, Rumänien In: magdeburg-law.com Von allen Städten der mittelalterlichen Bukowina war Siret () jedoch die erste Stadt, in der das Magdeburger Stadtrecht galt.Siretul și profesorul Franz Pieszczoch In: crainou.ro, abgerufen am 28. Mai 2025. Diese siebenbürgisch-sächsischen Siedler wurden im Laufe des 17. Jahrhunderts schließlich in die ethnische Gruppe der Tschangos assimiliert. Laut Sophie A. Welisch von der Bukovina Society of the Americas wurden die deutschen Kolonisten des späten Mittelalters in Suceava/Suczawa entweder in die einheimische Bevölkerung assimiliert oder verließen die Stadt bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Der moldauische Bojar Gheorghe Ştefan ließ 1653, im Jahr der Belagerung der Festung Suceava, eine Garnison von 200 deutschen Söldnern in der Festung zurück.
Habsburgische Herrschaft mini|hochkant|Verbindungsstudenten um 1890, wohl des Corps Austria von Czernowitz. Aus dem Nachlass von Robert Korn (1868–1940; wahrscheinlich links stehend, seit Herbst 1888 Präsident des Corps; 1913–1918 Bezirkshauptmann des Bezirks Suczawa/Suceava). Die damals allgemeiner, in allen Nationalitäten verbreiteten Studentenverbindungen deckten ein breiteres politisches Spektrum ab, das Corps Austria war deutschliberal.Dieses politische Profil umfasst (bis heute in Frankfurt/Main) eine deutsch-nationalliberale und damals eine pro-österreichische Ausrichtung, band jüdische Mitglieder ein und trat in den meisten nationalen Konflikten gemäßigt auf. Bekannte Ausnahme war ihre unnachgiebige Haltung im deutsch-tschechischen „Sprachenkampf“, der die österreichische Innenpolitik sehr prägte, und in dem sie (manchmal militant) die tschechische nationale Emanzipation bekämpften.
Im Jahr 1775 erwarb im Frieden von Kütschük Kainardschi die Habsburgermonarchie vom Osmanischen Reich das überwiegend von Rumänen (Walachen), aber auch Minderheiten von Huzulen, Lipowanern und Armeniern besiedelte Gebiet der nordwestlichen Moldau, das seitdem Bukowina oder Buchenland genannt wird.
In den Folgejahren setzte unter der habsburgischen Herrschaft eine planmäßige, aber in Teilen auch spontane Ansiedlung von deutschen Handwerkern und Bauern in bestehende Ortschaften ein. Die Umsiedler stammten aus der oberungarischen Zips (Zipser Sachsen), dem Banat, Galizien (Protestanten), der Rheinpfalz, aus den badischen und hessischen Fürstentümern sowie aus verarmten Regionen des Böhmerwaldes. Bevölkerungszuwachs und Landmangel führten zur Gründung von Tochtersiedlungen der Galiziendeutschen in Galizien sowie in Bessarabien und der Dobrudscha. In der Neuzeit traf die erste Gruppe Deutscher 1787 in der Bukowina ein, nachdem sie in Lemberg (heute Lwiw) in Galizien auf die Zuweisung zu einem Dorf gewartet hatten.
Das sich entwickelnde deutsche Bürgertum in der Bukowina gehörte im 19. Jahrhundert zur geistigen und politischen Elite des Landes. Amts- und Bildungssprache waren überwiegend das Deutsche, das besonders von den Oberschichten übernommen wurde.
Nach 1840 führte Landmangel zur Verelendung auch der bukowinadeutschen bäuerlichen Unterschichten, weswegen ein Teil von ihnen nach 1850 in die Vereinigten Staaten und nach Kanada auswanderte. Die Bukowinadeutschen in den Vereinigten Staaten wurden von Mary Lee Rose von der Bukowina-Gesellschaft Amerikas (Bukovina Society of the Americas) als sehr selbstständiges Volk beschrieben. Sie stellten fast alles, was sie brauchten, selbst her und ihre Landwirtschaft und Viehzucht lieferten ihnen den größten Teil ihrer Nahrung. Nach und nach vergrößerten und modernisierten sie ihre Häuser und kauften mehr Land. Sie schickten Geld an Verwandte in der Bukowina und ermutigten diese, ihnen in die Vereinigten Staaten zu folgen.
Von 1849 bis 1851 und von 1863 bis 1918 war die Bukowina als Herzogtum Bukowina eines der Kronländer innerhalb der habsburgischen Monarchie, dem Kaisertum Österreich und ab dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 in der österreichischen Reichshälfte „Cisleithanien“. Im Vergleich mit den anderen österreichischen Kronländern blieb die Bukowina eine vornehmlich Rohstoffe liefernde, eher unterentwickelte Provinz an der Peripherie des Reiches.
1875 wurde die Universität Czernowitz gegründet. Die östlichste deutschsprachige Universität bestand als solche bis 1920.
1910/11 kam es zum „Bukowiner Ausgleich“, einer politischen Übereinkunft zwischen den in der Bukowina lebenden Völkern in den Fragen der Selbstverwaltungsorgane und der politischen Vertretung im Landtag. Bei der Volkszählung von 1910 stellten die Deutschen etwa 21 % der Bevölkerung, wobei die sich zum Deutschtum bekennenden Juden mit 13 % eingerechnet waren.
Während des Ersten Weltkrieges behielt die Gesamtbevölkerung der Bukowina grundsätzlich ihre Loyalität zur österreich-ungarischen Monarchie bei. Dies kam beispielsweise im umfassenden Postkartenwesen zum Ausdruck, wo Czernowitz und die übrige Bukowina als Musterbeispiele innerhalb des Habsburgerreiches dargestellt wurden. Jene Karten zeigten dabei idealisierte Ansichten aus der Bukowina mit Czernowitz als Vorzeigestadt. Diese Visualisierung der Bukowina festigte einerseits den Anspruch der habsburgischen Herrschaft und zeigte andererseits die Billigung der Herrschaft von Teilen der Bevölkerung, die dieses Postkartenwesen betrieben.
Rumänische Herrschaft mini|Schülerverbindung Saxonia in Czernowitz (1922)