mini|Theatersaal des Städtischen Spiel- und Festhauses in Worms von 1966 mini|Städtischen Spiel- und Festhauses in Worms von 1889 Das Städtische Spiel- und Festhaus war ein Theater- und Veranstaltungsgebäude in Worms. Es wurde 1889 eingeweiht. Der Theatersaal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1966 in modernen Formen neu errichtet. Die Nebengebäude mit Gastronomietrakt wurden in den 2000er Jahren für den Neubau des Kultur- und Tagungszentrums Das Wormser abgebrochen, der denkmalgeschützte Theatersaal in dieses integriert.
Das Theater von 1889 Voraussetzungen Bis 1889 war in Worms ein Saal im Gasthaus „Wilder Mann“ wichtigste Spielstätte für Theateraufführungen.Georg Illert: Spiele, Feste und Feiern. In: Stadtverwaltung Worms (Hrsg.): Städtisches Spiel- und Festhaus. Festschrift zur Einweihung des wiederaufgebauten Hauses am 6. November 1966. Worms 1966, S. 44.
Die Initiative zum Bau des Theaters ging von drei befreundeten Männern aus: Friedrich Wilhelm Schoen (1848–1949), einem theaterbegeisterten Großindustriellen, dem Schriftsteller Hans Herrig (1845–1892) und dem Architekten Otto March (1845–1913). Sie machten sich das damals diskutierte Konzept einer Volksbühne zu Eigen, die das Ziel verfolgte, möglichst jedem den Theaterbesuch zu ermöglichen. Die Eintrittspreise sollten deshalb niedrig gehalten werden was insbesondere durch eine einfache Bühnentechnik erreicht werden sollte.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 254. Auf die für Opernaufführungen erforderliche Ausstattung sollteWilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 255., ebenso wie auf ein eigenes Ensemble, verzichtet werden.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 257. Äußerer Anstoß für den Bau war, dass sich die Aufführung von Herrigs Luther anlässlich Martin Luthers 400. Geburtstag 1883Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 258 ff. mangels geeigneter Aufführungsstätte – sie wurde in der Dreifaltigkeitskirche improvisiert – als schwierig erwiesen hatte.
Planung und Bau mini|Vorbild: Das Palais du Trocadéro in Paris mini|Grundriss des Spiel- und Festhauses in Worms von 1889 mini|Innenansicht des Spiel- und Festhauses in Worms um 1890 Nach etwa zweijähriger Diskussion einigten sich die drei Initiatoren darauf, sich an einem Grundriss für ein Orpheum, einer Halle für Gesangsdarbietungen, des französischen Architekten Gabriel Davioud zu orientieren. Der Entwurf von Davioud wurde in dieser Form zwar nie umgesetzt, in verkleinertem Maßstab aber als Palais du Trocadéro in Paris gebaut. Für die bescheideneren Wormser Verhältnisse wurde das Vorbild nochmal verkleinert.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 263.
Ein Spendenaufruf vom 25. März 1887 in der Presse machte die Überlegungen der Initiatoren öffentlich.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 269. Dieser erste Spendenaufruf brachte innerhalb von zwei Monaten mehr als 200.000 Mark zusammen, wobei die Baukosten sich letztendlich auf 665.000 Mark beliefen. Friedrich Wilhelm Schoen fungierte als Bauherr, Otto March als Architekt und der Landesherr, Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein, wurde Schirmherr des Projekts.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 270. Schoen erwarb auf eigene Kosten ein Baugelände zwischen der inneren Stadtmauer und der Bahnstrecke Mainz–Mannheim, etwas südlich des Hauptbahnhofs. Er konnte den Architekten, Regierungsbaumeister und späteren Straßburger Dombaumeister Ludwig Arntz als Bauleiter gewinnen.
Die ersten Arbeiten wurden im Januar 1888 ausgeschrieben. Die feierliche Grundsteinlegung musste aufgrund der Staatstrauer ausfallen, da in der ersten Jahreshälfte in nur dreimonatigem Abstand Kaiser Wilhelm I. und dann Kaiser Friedrich starben.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 272. In der baulichen Ausführung war zwischenzeitlich auch ein Fachwerkbau erwogen worden, um Kosten zu sparen. Da sich die Finanzierung aber sehr günstig entwickelte, wurde davon wieder Abstand genommen.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 267 f. Das Gebäude wurde in neuromanischem Stil ausgeführt; es sollte durch Monumentalität wirken und besaß deshalb nur sehr sparsamem Skulpturenschmuck: Das städtische Wappen im Giebel über dem Eingang, zwei Löwen an beiden Seiten der Balkonbrüstung und ein Relief mit Siegfried und dem Drachen am Festsaalflügel.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 274. Am 29. Januar 1889 fand das Richtfest statt, am 20. November 1889 wurde das Städtische Spiel- und Festhaus eingeweiht.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 273.
Es zeichnete sich durch den kreisförmigen Grundriss des Zuschauerraumes aus, in den die Vorderbühne (14 × 4,5 m)Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 276. hineinragte und damit von allen Stellen des Zuschauerraums eine gute Sicht gewährte. Umgeben war der Zuschauerraum von zwei Rängen. Die Vorderbühne war abbaubar. Dann konnte das Haus als übliche „Guckkastenbühne“ bespielt werden. Den Raum der Vorderbühne konnte dann entweder ein kleines Orchester einnehmen oder es konnten dort zusätzliche Zuschauerplätze eingerichtet werden.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 264. Die Bühnentechnik war einfach gehalten – auch um dem zeitgenössischen „Kulissenwesen“, worunter die Initiatoren die im Laufe des 19. Jahrhunderts fortschreitende Perfektionierung des Bühnenbildes und seine Annäherung an die Realität verstanden,Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 265. einen Reformansatz entgegenzusetzen. Gegenüber der Bühne, auf der Rückseite des Zuschauerraums, war eine Empore für einen Chor von 100 Sängern und eine Orgel eingebaut. Die Beleuchtung erfolgte über eine Laterne in der Kuppel des Zuschauerraums, entweder mit Tageslicht oder bei Dunkelheit mit elektrischer Beleuchtung. Das Haus hatte 1200 Sitzplätze.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 284. Der Theaterbau wurde um einen Flügel mit Festsaal ergänzt, der sich entlang der Bahnhofsstraße nach Süden erstreckte.
Betrieb Das Städtische Spiel- und Festhaus wurde mit dem Stück Drei Jahrhunderte am Rhein, das Hans Herrig extra für den Anlass geschrieben hatte, am 20. November 1889 eingeweiht.Wilfried Hansmann: Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms von Otto March – „Das einzige wirklich originale Volkstheater in Deutschland“. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 4 (2/2012), S. 273; Georg Illert: Spiele, Feste und Feiern. In: Stadtverwaltung Worms (Hrsg.): Städtisches Spiel- und Festhaus. Festschrift zur Einweihung des wiederaufgebauten Hauses am 6. November 1966. Worms 1966, S. 46. Das Stück war kein Erfolg. Die Wormser verpassten ihm den Spottnamen „Drei Jahrhunderte Langeweile“.Fritz Reuter: Das Städtische Spiel- und Festhaus. Voraussetzung, Planung, Ausführung, Veränderung. In: Stadtverwaltung Worms (Hrsg.): Städtisches Spiel- und Festhaus. Festschrift zur Einweihung des wiederaufgebauten Hauses am 6. November 1966. Worms 1966, S. 25; Georg Illert: Spiele, Feste und Feiern. In: Stadtverwaltung Worms (Hrsg.): Städtisches Spiel- und Festhaus. Festschrift zur Einweihung des wiederaufgebauten Hauses am 6. November 1966. Worms 1966, S. 46.
Das Spiel- und Festhaus befand sich zur Eröffnung bereits in der Regie der Stadtverwaltung, wurde formal aber erst durch einen Stadtratsbeschluss vom 21. Februar 1893 von der Stadt Worms übernommen. Am 8. Dezember 1889 beehrte der neue Kaiser, Wilhelm II., das Haus mit seinem Besuch, dem ersten Besuch eines deutschen Kaisers in Worms seit mehr als 300 Jahren.Georg Illert: Spiele, Feste und Feiern. In: Stadtverwaltung Worms (Hrsg.): Städtisches Spiel- und Festhaus. Festschrift zur Einweihung des wiederaufgebauten Hauses am 6. November 1966. Worms 1966, S. 47. Die erste Oper, die im Spiel- und Festhaus aufgeführt wurde, war in der Spielzeit 1890/91 der Troubadour von Giuseppe Verdi, gefolgt von Der Freischütz von Carl Maria von Weber.