Südafrikas NOK, das South Africa Sports Confederation and Olympic Committee, wurde 1991 gegründet und im gleichen Jahr vom IOC anerkannt. Vorherige Körperschaft war die South African Olympic and Empire Games Association bzw. ihr Nachfolger, die South African Olympic and Commonwealth Association. Als britische Kolonie nahm Südafrika an den Olympischen Spielen 1904 teil. Seit diesem Zeitpunkt wurden südafrikanische Athleten zu allen Sommerspielen bis 1960 geschickt, ebenso zu den Winterspielen 1960. Wegen seiner Apartheidspolitik wurde Südafrika 1962 von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Nach Beendigung des Apartheidsystems 1991 wurde das Land wieder aufgenommen und nimmt seit 1992 wieder an Olympischen Spielen teil.

Übersicht Sommerspiele 1904 bis 1912 Das olympische Debüt Südafrikas fand bei den Spielen 1904 in St. Louis statt. Acht Athleten traten in der Leichtathletik und im Tauziehen an. Erste Olympioniken waren die Marathonläufer Len Taunyane, Jan Mashiani und Robert (Bertie) Harris, die am 30. August 1904 am Marathonlauf teilnahmen. Taunyane und Mashiani kamen als 9. bzw. 12. ins Ziel, während Harris das Rennen abbrach. In London 1908 nahmen erstmals südafrikanische Radrennfahrer, Fechter und Tennisspieler teil. In London gab es die ersten Medaillengewinner für Südafrika. Erster Medaillengewinner und gleichzeitig Olympiasieger wurde am 22. Juli 1908 der 100-Meter-Sprinter Reggie Walker. Zwei Tage später gewann Charles Hefferon Silber im Marathonlauf. Im Lauf über 5 Meilen belegte er zudem Rang 4. Im Tennis erreichten im Einzel John Richardson sowie das Doppel Victor Gauntlett/Harold Kitson das Halbfinale und unterlagen im Spiel um Bronze.

1912 in Stockholm trat man unter dem Namen Südafrikanische Union an. Der Name wurde bis 1960 beibehalten. In Stockholm nahmen erstmals Sportschützen und Schwimmer des Landes teil. Im Tennis konnte Südafrika drei Medaillen gewinnen. Das Doppel Harold Kitson/Charles Winslow gewannen das Finale mit 3:1 Sätzen gegen die Österreicher Fritz Felix Pipes/Arthur Zborzil. Im Einzelfinale schlug Winslow seinen Doppelpartner Kitson mit 3:1 Sätzen. Im Radsport gewann Rudolph Lewis das Straßenrennen, im Marathonlauf gewann Ken McArthur vor seinem Landsmann Christopher Gitsham. Im 100-Meter-Lauf erreichte George Patching Platz 4.

1920 bis 1936 Die Spiele von Antwerpen 1920 wurden mit zehn gewonnenen Medaillen zur erfolgreichsten Teilnahme Südafrikas bei Olympischen Spielen überhaupt. Außerdem ging mit der Schwimmerin Barbara Nash zum ersten Mal eine Frau aus Südafrika bei Olympischen Spielen an den Start. Neben Ringern traten erstmals Boxer aus Südafrika an. Der Bantamgewichtler Clarence Walker wurde Olympiasieger. In der Leichtathletik siegte Bevil Rudd im 400-Meter-Lauf. Rudd war auch Mitglied der 400-Meter-Staffel, die Silber holte. Neben Rudd liefen Henry Dafel, Clarence Oldfield und Jack Oosterlaak. Außerdem gewann Rudd Bronze über 800 Meter. Louis Raymond wurde Olympiasieger Tennis-Einzel. Der Sieger von 1912, George Winslow, gewann Bronze. Im Radsport gewann Henry Kaltenbrunn Silber im Straßenrennen und, zusammen mit Hendrik Goosen, James Walker und William Smith, Bronze in der Mannschaftsverfolgung. Smith und Walker gewannen außerdem Silber im Tandemrennen. Eine weitere Silbermedaille gewannen die Schützen der Mannschaft mit dem Militärgewehr über 600 Meter (Robert Bodley, Frederick Morgan, George Harvey, Ferdinand Buchanan und David Smith).

In Paris 1924 nahmen erstmals Segler teil. Der Boxer William Smith wurde Olympiasieger im Bantamgewicht. Sidney Atkinson gewann Silber über 110 Meter Hürden, Cecil McMaster Bronze im 10.000-Meter-Gehen. Atkinson konnte 1928 in Amsterdam seine Silbermedaille vergolden, während die Hochspringerin Marjorie Clark Platz 5 erreichte. Der Boxer Harry Isaacs gewann im Bantamgewicht Bronze. Seine Teamkollegen Bechus Lebanon im Fliegengewicht und Don McCorkindale im Halbschwergewicht verloren ihre Kämpfe um die Bronzemedaille. Mit ihrer Bronzemedaille in der 100-Meter-Freistilstaffel wurden Kathleen Russell, Rhoda Rennie, Mary Bedford und Frederika van der Goes die ersten südafrikanischen Frauen, die eine olympische Medaille gewinnen konnten. In Amsterdam nahm erstmals ein südafrikanischer Ruderer teil.

Fünf Medaillen gewannen südafrikanische Sportler in 1932 in Los Angeles. Die Boxer Lawrence Stevens im Leichtgewicht und David Carstens im Halbschwergewicht wurden Olympiasieger. Zudem gewann Ernest Peirce Bronze im Mittelgewicht. Zwei weitere Bronzemedaillen wurden von Frauen gewonnen. Marjorie Clark wurde Dritte im 80-Meter-Hürdenlauf, die Schwimmerin Jenny Maakal über 400 Meter Freistil.

Die Teilnahme an den Spielen von Berlin 1936 wurde mit einer gewonnenen Silbermedaille zu einer Enttäuschung für die südafrikanische Delegation. Charles Catterall gewann die einzige Medaille Südafrikas im Federgewichts-Boxen. Sein Teamkamerad Robey Leibbrandt verlor seinen Kampf um die Bronzemedaille im Halbschwergewicht.

1948 bis 1960 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Südafrikanische Union an den Spielen von London 1948 teil. Erstmals gingen Gewichtheber und Wasserspringer an den Start. Die Boxriege konnte vier Medaillen erkämpfen. Gerald Dreyer wurde Olympiasieger im Leichtgewicht, George Hunter im Halbschwergewicht. Dennis Shepherd gewann Silber im Federgewicht, John Arthur Bronze im Schwergewicht. In der Leichtathletik erreichte Daphne Hasenjager das Finale im 200-Meter-Lauf und wurde Sechste. Im Marathonlauf kamen Johannes Coleman als Vierter und Syd Luyt als Sechster ins Ziel.

Turnen, Wasserball und Moderner Fünfkampf wurden von Südafrikanern erstmals 1952 in Helsinki durchgeführt. Zwei Frauen wurden Olympiasiegerinnen: die Schwimmerin Joan Harrison gewann über 100 Meter Rücken, die Leichtathletin Esther Brand triumphierte im Hochsprung. Daphne Hasenjager gewann zudem Silber im 100-Meter-Lauf. Auch die Boxer waren wieder erfolgreich. Theunis van Schalkwyk gewann Silber im Halbmittelgewicht. Bronze gewannen Willie Toweel im Fliegengewicht, Leonard Leisching im Federgewicht und Dries Niemann im Schwergewicht. Im Radsport wurden weitere drei Medaillen gewonnen. Raymond Robinson gewann Bronze im 1000-Meter-Zeitfahren. Zusammen mit Tommy Shardelow gewann er Silber im Tandemrennen. Shardelow gewann zusammen mit Jimmy Swift, Robert Fowler und George Estman Silber in der Mannschaftsverfolgung.

1956 in Melbourne gewann die 100-Meter-Freistilstaffel der Frauen mit Natalie Myburgh, Susan Roberts, Moira Abernethy und Jeanette Myburgh Bronze. Weitere Bronzemedaillen gewannen die Boxer Henry Loubscher im Halbweltergewicht und Daan Bekker im Schwergewicht sowie der Radrennfahrer Jimmy Swift im 1000-Meter-Zeitfahren. In der Leichtathletik erreichte Malcolm Spence das Finale über 400 Meter und wurde Sechster. Die gleiche Platzierung erreichte Gert Potgieter über 400 Meter Hürden. Der Freistilringer Coenraad de Villiers verlor im Weltergewicht seinen Kampf um die Bronzemedaille.

1960 in Rom konnte Malcolm Spence Bronze im 400-Meter-Lauf gewinnen. Mit der 400-Meter-Staffel kam er zusammen mit Edgar Davis, Gordon Day und Edward Jefferys auf Platz 4. Der Boxer Daan Bekker konnte seinen Erfolg von Melbourne noch steigern. In Rom gewann er im Schwergewicht Silber. William Meyers konnte im Federgewicht Bronze erkämpfen. Im Schwimmen gab es vier Finalteilnahmen. Aubrey Bürer wurde Siebter über 100 Meter Freistil. Murray McLachlan wurde jeweils Sechster über 400 Meter und 1500 Meter Freistil. Laura Ranwell erreichte Platz 4 über 100 Meter Rücken.

Sperre wegen Apartheidspolitik Nach einem Referendum im Jahr 1960 wurde die Südafrikanische Union in die Republik Südafrika umgewandelt. Das Land trat zudem aus dem Commonwealth aus. Der Staat sah sich nun zunehmend politisch isoliert. Am 6. November 1962 wurde die Resolution 1761 der UN-Generalversammlung verabschiedet. In ihr wurde die südafrikanische Apartheidspolitik verurteilt, die die Charta der Vereinten Nationen verletzt. Zugleich wurden die Mitgliedsstaaten aufgerufen, die diplomatischen Beziehungen zu Südafrika abzubrechen. 1962 drohte Innenminister Johannes de Klerk an, südafrikanische Sportler zu sperren, die inner- und außerhalb des Landes in gemischt-rassigen Mannschaften antraten.

Während der 61. IOC-Session 1963 in Baden-Baden hob das IOC die Einladung Südafrikas zu den Spielen von Tokio 1964 auf. Man forderte das südafrikanische NOK auf, sich von der Apartheidspolitik der Regierung zu distanzieren. Das NOK reagierte nicht auf die Forderung, somit war Südafrika von den Spielen 1964 ausgeschlossen. Auch in Mexiko-Stadt 1968 war Südafrika nicht eingeladen worden. Auf der 70. IOC-Session 1970 in Amsterdam wurde Südafrika mit 35 zu 28 Stimmen bei drei Enthaltungen aus dem IOC ausgeschlossen.

Südafrika war indirekt der Auslöser des Boykottaufrufs afrikanischer Länder der Spiele von Montreal 1976. Zuvor hatte die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft eine Tour durch Südafrika durchgeführt. Da das IOC eine Sperre von Neuseeland ablehnte, blieben 26 von 28 afrikanischen Ländern, dazu Guyana und der Irak, den Spielen fern. Bis 1976 nahm Südafrika an den Paralympischen Spielen teil. Erstmals wurde dem Land die Teilnahme an den Sommer-Paralympics 1980 in Arnhem verweigert.

Nachdem Staatspräsident Frederik Willem de Klerk das Bevölkerungsregistrierungsgesetz von 1950 im Juni 1991 aufgehoben hatte, war die Apartheid de facto beendet. Das südafrikanische NOK wurde aufgelöst und eine Nachfolgeorganisation, das Interim National Olympic Committee of South Africa (INOCSA) gegründet. Dieses Komitee wurde vom IOC im Juli 1991 anerkannt. Südafrikanische Sportler durften bei den Spielen von Barcelona 1992 antreten. Statt der Nationalflagge wurde eine spezielle olympische Flagge genutzt. Als Hymne wäre bei einem Olympiasieg Beethovens Ode an die Freude verwendet worden.

1992 bis 2000 mini|Interimsflagge für Südafrika, genutzt in Barcelona 1992 Südafrikas Olympiamannschaft in Barcelona umfasste 93 Athleten, davon 25 Frauen. Das olympische Debüt feierten südafrikanische Bogenschützen, Badmintonspieler, Kanuten, Reiter und Tischtennisspieler. Eine Silbermedaille gewann die Langstreckenläuferin Elana Meyer im 10.000-Meter-Lauf. Ebenfalls Silber gewannen die Tennisspieler Wayne Ferreira und Piet Norval im Herren-Doppel.

Den ersten Olympiasieg nach der IOC-Sperre schaffte die Schwimmerin Penelope Heyns bei den Spielen von Atlanta 1996. Am 21. Juli 1996 siegte sie über 100 Meter Brust, zwei Tage später folgte ihr zweiter Sieg über 200 Meter Brust. Über 100 Meter Rücken gewann Marianne Kriel Bronze. Die Lagenstaffel der Frauen mit Heyns, Kriel sowie Mandy Loots und Heleen Muller belegte Rang 4. Einen weiteren Olympiasieg gab es in der Leichtathletik. Josia Thugwane gewann den Marathonlauf. Im 800-Meter-Lauf gewann Hezekiél Sepeng die Silbermedaille. In Atlanta nahm erstmals Judoka sowie eine südafrikanische Hockeyauswahl der Männer teil.

In Sydney 2000 nahm Südafrika erstmals im Baseball, im Fußball und im Triathlon teil. In der Leichtathletik wurden drei Medaillen gewonnen. Im Hochsprung gewann Hestrie Cloete die Silbermedaille. Llewellyn Herbert gewann Bronze im 400-Meter-Hürdenlauf, ebenfalls Bronze ging an Frantz Kruger im Diskuswurf. Nur 0,13 Sekunden fehlten Hezekiél Sepeng im 800-Meter-Finale zum Gewinn der Bronzemedaille. Der Schwimmer Terence Parkin gewann Silber über 200 Meter Brust. Penelope Heyns gewann mit Bronze über 200 Meter Brust ihre dritte olympische Medaille. In diesem Rennen wurde Sarah Poewe, die ab 2004 für Deutschland startete, Vierte.

2004 bis heute