Wellendingen ist ein Stadtteil der baden-württembergischen Stadt Bonndorf im Schwarzwald im Landkreis Waldshut.
Geographie Wellendingen liegt im Südschwarzwald wenige Kilometer unterhalb des Talabschlusses des Ehrenbachtales unterhalb der Stadt Bonndorf. Während der Anfang des Ehrenbachtals noch im Muschelkalk liegt, schneidet der Bach in und unterhalb von Wellendingen den Buntsandstein und anschließt das Grundgebirge mit dem sogenannten Wellendinger Granit an.
Geschichte Wellendingen wird 1352 erstmals urkundlich genannt, war jedoch schon in der Frühzeit besiedelt was durch Funde von alemannischen Gräbern belegt ist. Die Herren von Rechberg hatten das Dorf großteils im Besitz, unklar ist von welcher Herrschaft sie es übernahmen, angenommen wird von den Herren von Roggenbach, die es jedoch später wiedererlangten, darauf aber wieder an die Rechberger zurückgaben, denn 1460 verkaufte Elisabeth von Rechberg zu Hohenrechberg das Dorf Wellendingen an die Herren von Lupfen. Durch Erbfolge kam der Ort an die Herren von Mörsperg. 1609 verkauften sie an das Kloster St. Blasien, Wellendingen wurde Teil der Grafschaft Bonndorf. Das Kloster Berau hatte jedoch, wie auch St. Blasien, bereits zuvor schon Lehensbesitz im Ort. Mit der Auflösung des Klosters St. Blasien in der Säkularisation kam Wellendingen zum Großherzogtum Baden und war bis zur Eingemeindung am 1. Januar 1972 eine selbständige Gemeinde.
Religion und Kirche hochkant|mini|Neuromanische Kirche St. Nikolaus Die erste Kirche wird 1360 erwähnt. Wellendingen war immer Filialkirche von Bonndorf. Die Kirche ist dem Heiligen Nikolaus geweiht. Ein erster größerer Kirchenbau ist nach dem Dreißigjährigen Krieg bezeugt, welcher 1672 vom Konstanzer Bischof konsekriert wurde. Diese Kirche wurde 1872/1873 durch einen neuromanischen Kirchenbau ersetzt. Er war, wie die Hauptkirche in Bonndorf, durch Franz Joseph Simmler im Nazarenerstil ausgestaltet worden. Bei der Renovierung 1960 entfernte man die Ausmahlungen und Altäre aus dieser Zeit. Vom einstigen Hochaltar (1910 von Moroder geschaffenWerner Scheurer: Die Altäre der Offenburger Altarbauer Moroder. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 147–182, hier: S. 179.) zieren heute die Figuren der Vierzehn Nothelfer mit der Nikolausstatue den Chorraum. Die Filialgemeinde Wellendingen gehörte zur Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach, welche am 1. Januar 2026 in der Großpfarrei „An der Wutach“ aufging.
Neben der Pfarrkirche St. Nikolaus befindet sich auf der Gemarkung das sogenannte „Wellendinger Chäpili“ (alemannisch für Kapellchen). Die historische Feldkapelle auf den Höhen der Bonndorfer Alb gilt als Zeugnis der regionalen Volksfrömmigkeit im Südschwarzwald. Sie diente in der Vergangenheit unter anderem als traditioneller Sammelpunkt und Station für die Fußwallfahrten zum Marienwallfahrtsort Todtmoos. Die Erhaltung und Pflege der Kleinandachtsstätte wird maßgeblich durch bürgerschaftliches Engagement und private Initiativen aus der Wellendinger Bevölkerung getragen. Heute liegt die Kapelle an lokalen Wander- und Radwegen wie der „Bonndorfer Dörfertour“.
Brauchtum In Wellendingen hat sich mit dem sogenannten Kinder-Neujahrssingen ein traditioneller Heischebrauch erhalten, der seit Generationen gepflegt wird. Am Vormittag des Silvestertages ziehen Kinder und Jugendliche des Ortes in Gruppen von Haus zu Haus, um den Bewohnern mit Liedern und Neujahrsprüchen gute Wünsche zum Jahreswechsel, oft mit religiösen Bezügen, zu überbringen. Im Gegenzug werden die Vortragenden von der Bevölkerung traditionell mit einem kleinen Geldbetrag bedacht.
Wirtschaft Wellendingen ist landwirtschaftlich und handwerklich geprägt. Hierzu wurde in Wellendingen eine Getreidemühle am Ehrenbach betrieben, die als Blattert-Mühle noch heute besteht. Der Betrieb befindet sich seit ca. 1821 in Familienbesitz, nachdem der Müller Josef Blattert die Mühle übernahm. Heute zählt da Unternehmen zu den kleineren aktiven Getreidemühlen in Deutschland. Aufgrund der geografischen Lage auf rund 750 m ü. NHN an der Grenze zum Hochschwarzwald sowie der dortigen Buntsandsteingrenze ist der lokale Getreideanbau sowie das nutzbare Wasservolumen limitiert, was historisch eine wirtschaftliche Herausforderung für den Betrieb darstellte. Neben der Getreideverarbeitung und dem Vertrieb von Mahlprodukten (Kornhaus) umfasst das Betriebskonzept heute auch Schulungen und Kurse zu traditionellem Backhandwerk und Getreidekunde. Gleichzeitig gab es in Wellendingen zwei Sägewerke und im Steinatal die Wellendiger Säge. Neben den landwirtschaftlichen Betrieben existieren heute mehrere Mittelstands- und Handwerksbetriebe aus den Bereichen Fahrzeug- und Holztechnik sowie der Baubranche. In den letzten Jahren wollte man unterhalb von Wellendingen, auf der Gemarkung von Brunnadern, einen Steinbruch zur Gewinnung des Wellendingers Granits einrichten. Zum einen gab es dagegen massiven Widerstand aus der Bevölkerung, zum anderen erbrachte ein Gutachten, dass der Granit an der geplanten Abbaustelle von einer bis zu 25 m mächtigen Buntsandsteinschicht überdeckt ist, was einen Abbau unwirtschaftlich macht.
Verkehr Wellendingen liegt an der Bundesstraße 315, von der am unteren Ortsende die Landstraße über den „Dinstig“ einem Steilstück zur Wittlekofer Höhe und weiter über die Hochfläche der „Alp“ nach Stühlingen und als Übergang zum Wutach- und Steinatal abzweigt. Der „Dinstig“ dürfte für Dienstgang stehen, musste hier doch in früheren Jahren bei den Fuhrwerken Vorspann- und Bremsendienst zur Überwindung des Aufstiegs geleistet werden. Wellendingen wird durch die Buslinien Stühlingen – Bonndorf und Waldshut – Bonndorf nahverkehrstechnisch bedient.
Kultur und Sehenswürdigkeiten hochkant|mini|Gedenktafel am Geburtshaus von Constantin Fehrenbach Im Osten von Wellendingen, auf dem Höhenrücken nach Brunnadern, erstreckt sich auf einer Höhe von ca. 850 m das Naturschutzgebiet Steppenheide Hardt, an dem der Südschwarzwald-Radweg vorbeiführt. In Wellendingen wurde Constantin Fehrenbach, Reichskanzler der Weimarer Republik geboren. An seinem Geburtshaus, dem einstigen Schulhaus, erinnert heute eine Gedenktafel an Fehrenbach. Ebenso ist eine Straße in Wellendingen nach ihm benannt. Auf beiden wird der Vornamen des Politikers mit K geschrieben, obwohl er auf die Form mit C getauft wurde.Bernd Braun: Constantin Fehrenbach (1852–1926), in: Reinhold Weber, Ines Mayer: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 106.
Persönlichkeiten Constantin Fehrenbach (1852–1926), Politiker, Reichskanzler 1920/1921 Clemens Blattert SJ (* 1977), Jesuit und Direktor des Zentrums für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz; stammt aus Wellendingen
Literatur
Helmut Vocke (Hrsg.): Chronik des Landkreis Waldshut. 1957. Norbert Nothhelfer (Hrsg.): Der Kreis Waldshut. 1979. Waldemar Lutz und Hansjörg Noe (Hrsg.): Kennzeichen WT Heimatkunde für den Landkreis Waldshut. Reinhard Caspers (Mithrsg.), 1989, ISBN 3-12-258330-5.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Waldshut Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldshut) Kategorie:Stadtteil von Bonndorf im Schwarzwald Kategorie:Ersterwähnung 1352 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972