Der Phoenix-See ist ein künstlich angelegter, etwa 24 Hektar großer See auf dem ehemaligen Stahlwerksareal Phoenix-Ost im Dortmunder Stadtteil Hörde. Er wurde und wird als Vorzeigeprojekt für den Strukturwandel der Stadt Dortmund und des Ruhrgebiets diskutiert. Der Phoenix-See bildet mit dem umliegenden Areal ein Wohn- und Naherholungsgebiet mit Gastronomie und Gewerbebebauung. Zusammen mit dem rund zwei Kilometer westlich liegenden und 115 Hektar großen Technologiepark Phoenix-West und dem nördlich gelegenen 60 Hektar großen Phoenix-Park hat der See das ehemals von Schwerindustrie geprägte Bild Hördes verändert.
Projekt mini|Ansicht des Stahlwerkes von 1978 mini|Planskizze des Phoenix-Sees mit Umbauung, 2006 Verantwortlich für Planung und Bau waren die Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaft, eine Tochtergesellschaft der Dortmunder Stadtwerke, die Emschergenossenschaft sowie die Stadt Dortmund. Standort ist das 96 Hektar große Gelände der ehemaligen Hermannshütte in Hörde (Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein).
Das Gesamtareal von 98 Hektar Größe kaufte die Stadt Dortmund der Thyssen Krupp Stahl AG für ca. 15 Mio. Euro ab. Für die Umgestaltung des Geländes wurden ursprünglich 186 Mio. Euro veranschlagt, schließlich wurden es aber 230 Mio. Euro. Diese Summe finanziert sich knapp zur Hälfte über die Grundstückserlöse, über die Anteile der Emschergenossenschaft, über städtische Eigenanteile sowie über öffentliche Fördermittel. In das Projekt gingen insgesamt 70 Mio. Euro Fördergelder ein.S. Frank, U. Greiwe „Phoenix aus der Asche – das ‚neue Dortmund‘ baut sich seine ‚erste Adresse‘“ (PDF), Informationen zur Raumentwicklung 11/12 2012 Davon waren 9,8 Mio. Euro Mittel für die Stadterneuerung und 4,5 Mio. Euro Mittel aus dem Ökologieprogramm im Emscher-Lippe-Raum (ÖPEL) des Landes Nordrhein-Westfalen und der EU. Die Stadterneuerungsmittel gingen in die an den See angrenzenden Wohnbauflächen, die öffentlichen Wege und Grünflächen sowie die Plätze und Straßen im Hafenquartier. Die ÖPEL-Mittel flossen in die Erstellung des Sees, seine Bepflanzung und die Errichtung des östlich angrenzenden Landschaftsbauwerks, des neuen „Kaiserbergs“ am Ostrand der Fläche.
Bodensanierung mini|Phoenixsee Bodenprofil mini|Landschaftsbauwerk Neuer Kaiserberg, Element der Bodensanierung Da sich auf dem Gelände schon 1841 ein Stahlwerk befand, ging man von Schadstoffbelastung im Boden aus. Auf Basis der untersuchten Parameter wurde die Verbringung in den Untergrund bzw. die interne oder externe Deponierung vorgeschrieben. Davon zeugt der künstlich geschaffene neue „Kaiserberg“ am Ostrand der Fläche. Belastetes Bodenmaterial wurde im Untergrund verbaut, so dass die Bewohner nicht damit in Kontakt kommen. Bei der Hausgründung, Baumpflanzung usw. verpflichtet der Kaufvertrag die Grundstückseigentümer, den Bodenaushub kostenpflichtig als LAGA-Z1-Material auf einer Deponie zu entsorgen. Er darf nicht auf dem eigenen Gelände verteilt oder wieder eingebaut werden.Vermarktungsplattform: auf „Weiter“, auf ein beliebiges (nicht blaues) Grundstück klicken. Hinter dem grünen, abwärts gerichteten Pfeil finden sich bis zu 20 „vertiefende technische Informationen zum Baugrundstück“ bzw. ‚Technische Downloads‘: davon insbes. die Dokumente „Erläuterungen zur Grundstücksbeschaffenheit von Wohnbauflächen im Hinblick auf die weitere bauliche Nutzung“, „Fachgutachterliche Bestätigung bzgl. Einhaltung der Vorgaben des Sanierungsplans hinsichtlich Geochemie“, „Aufbereitung gemäß Sanierungsplan“ wohnen-am-phoenixsee.de
Die Sanierung bestand in der Aufbringung von 0,5 m sauberem Oberboden (Klasse Z0 nach LAGA), die dem Käufer auferlegt wurde. Das Gelände wird weiterhin im Altlastenkataster der Stadt Dortmund geführt, was der Stadt weitgehende Eingriffsrechte garantiert und Änderungen durch die Grundstückseigentümer genehmigungspflichtig macht.
Die Herkunft der Schadstoffe ist anhand der industriellen Vorgeschichte nachvollziehbar: 1974 hatte das Stahlwerk zwar einen Elektrofilter zur Abluftreinigung und 1985 einen zweiten Filter erhalten, nachdem es seine Produktion drosseln musste, weil es mehr Staub als erlaubt emittierte. Noch 1992 beobachteten Anwohner „braune Rauchwolken aus den Hallen an der Weingartenstraße“, weil „etwa 14mal pro Tag die Elektrofilter automatisch abgeschaltet“ wurden.Fachberichte LUA NRW Nr. 5, Hot-Spot-Untersuchungen, S. 19: s. o.
Rückblickend waren bei den Anwohnern des Stahlwerks Gesundheitsschäden nachweisbar: Untersuchungen von ca. 1000 Mutter-Kind-Paaren ergaben zwischen Ende Februar und Anfang Juni 2000 überdurchschnittlich häufig „Infektionen der oberen Atemwege (Mund, Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen)“ und „allergische Erkrankungen“ wie Dauerschnupfen, gerötete oder juckende Augen und Heuschnupfen. Auch Neurodermitis trat in Hörde bei Kindern, die eine sehr hohe Chromkonzentration im Urin aufwiesen, viermal häufiger auf als bei gering belasteten Kindern. Langfristuntersuchungen fanden nicht statt.Fachberichte LUA NRW Nr. 5, Hot-Spot-Untersuchungen, S. 14, 44 und 48: s. o.
See mini|Bodenaufbau der nördlichen Wohngebiete mini|Phosphat-Eliminierungsanlage
Die Aushubarbeiten begannen im September 2006. Insgesamt wurden rund 2,5 Millionen Kubikmeter Boden ausgehoben und 1/5 davon über die Trasse der ehemaligen Eliasbahn nach Phoenix-West transportiert. Dabei wurde das im Zuge der Industrialisierung verfüllte Emschertal weitgehend freigelegt.dortmund.de
Die Flutung des Sees mit rund 150.000 m³ Wasser begann am 1. Oktober 2010 und dauerte, unterstützt durch Niederschläge, etwa ein Jahr bis zum ersten Sollstand.wr.de Die Emscher läuft nördlich am See vorbei, um die Wasserqualität des Sees nicht zu mindern.Emscher am Phoenixsee wird renaturiert: Ein Dreckfluss wird sauber. WDR, Katrin Schlusen, 23. Februar 2011 wdr.de Am 9. Mai 2011 wurde der Seeuferbereich für die Öffentlichkeit freigegeben. Die wassersportliche Nutzung für kleine Segelboote und motorlose Sportboote begann am 1. April 2012. Baden, Surfen, Tauchen und Fischen sind nicht erlaubt.dortmund.de Die Bewirtschaftung des Gewässers sowie der Grünanlagen ist Aufgabe der Stadt Dortmund.dortmund.de Bei der Gewässerunterhaltung bildet das Wasserpflanzenmanagement eine zentrale Rolle. Des Weiteren werden durch die Stadt Dortmund kontinuierlich Kontrollen der technischen Einrichtungen am See vorgenommen und die Wasseroberfläche sowie der Seegrund sauber gehalten.dortmund.de
Das Stillgewässer hat eine Länge von 1230 Metern, eine maximale Breite von 310 Metern und eine maximale Tiefe von etwa 4,6 Metern. Die Fläche beträgt etwa 24 Hektar und das Fassungsvermögen etwa 600.000 m³.Der Phoenix See, Webseite der Stadt Dortmund Der See ist zudem ein Baustein bei der Renaturierung der Emscher, eines Nebenflusses des Rheins. Seine Gestaltung als Regenwasserrückhaltebecken schützt die flussabwärts liegende Wohn- und Gewerbebebauung am Ufer der Emscher vor Hochwasser. Am Mönchsbauwerk im Hafenbecken kann es zurückgehalten und kontrolliert wieder in die Emscher eingeleitet werden.Unwetterfolgen: Emscher hat ihre Feuertaufe noch nicht hinter sich vom 22. August 2011 in den Ruhr Nachrichten, abgerufen am 20. Juni 2014. Bei Bedarf kann der See zusätzlich bis zu 360.000 m³ Regenwasser aufnehmen.
Zum Erhalt der guten Wasserqualität wurde nördlich des Sees eine Phosphat-Eliminationsanlage errichtet, die stündlich bis zu 90 m³ Seewasser filtern kann. Dazu wird es an zwei nahen Punkten angesaugt, gefiltert und anschließend dem See an der Hafentreppe in zwei Rinnen wieder zugeleitet. Das komplette Seevolumen kann innerhalb eines Jahres über die Filterstufe der Anlage geführt werden. Die Phosphat-Eliminationsanlage wird durch die Emschergenossenschaft im Auftrag der Stadt Dortmund betrieben. Die Wasserqualität ist gut: Bisher wurden keine erhöhten Werte an Schwermetallen oder anderen Rückständen der industriellen Vergangenheit festgestellt.dortmund.de
Schon zwei Jahre nach Eröffnung des Sees zeigte sich, dass dieser zur Artenvielfalt an Wasservögeln beiträgt. Unter anderem konnten Reiher, Enten, Haubentaucher, Möwen, Blässhühner, Flussregenpfeifer und Eisvögel beobachtet werden.
Am 14. Juli 2021 wurde der See im Zusammenhang mit dem Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021 das erste Mal auch als Regenrückhaltebecken für die Emscher genutzt. Der Pegel des Sees stieg dabei um 70–100 cm durch einlaufendes Wasser aus der Emscher.
Auf der Kulturinsel befinden sich ein Thomas-Konverter und das Mahnmal für Dortmunder Zwangsarbeitende.
Gewerbe mini|Hafenbecken mit Gastronomie und Bootsanlegern mini|Facharztzentrum mini|Hafenpromenade
Den Empfehlungen der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company folgend, die von der ThyssenKrupp AG noch unter der vorläufigen Projektbezeichnung „Dortmund-Project“ in Auftrag gegeben worden waren, visierte die Stadt Dortmund eine umfängliche Restrukturierung und Belebung ihrer Ökonomie an, was unter anderem die Schaffung eines Wissens- und Technologiestandorts auf dem Areal Phoenix West nahe dem Phoenix-See umfasste. Dort stellte das Stahlwerk Phoenix Ost seine Produktion am 23. April 2001 ein und wurde nach Demontage in den Jahren 2003 und 2004 teilweise an das chinesische Unternehmen Angang Steel Company verkauft.
Das „Dortmund-Project“ wurde mit einem einstimmigen Ratsbeschluss im Juni 2000 verwaltungstechnisch dem Amt des Oberbürgermeisters und der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der Stadt Dortmund unterstellt und sollte in Form eines Private-Public-Partnership-Modells umgesetzt werden. Von der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund wurde 2001 der „Gründungswettbewerb start2grow“ initiiert, der die Gründung international ausgerichteter, innovativer Unternehmen im Dienstleistungs- und Technologiesektor durch die Vergabe von Fördermitteln anregen, und auch die Ansiedlung solcher Unternehmen in der Nähe des Phoenix-See begünstigen sollte. Zusammengenommen waren am Phoenix-See und in dem benachbarten Areal Phoenix West im Jahr 2017 etwa 1700 Beschäftigte in 161 Unternehmen tätig.
An der Westseite des Phoenixsees befindet sich ein Gastronomie- und Geschäftsbereich, der zum Flanieren und Verweilen einlädt:
Nördlich des Hafenbeckens, (Hafenpromenade 1–2) residieren eine Bäckerei, ein Eiscafé sowie ein Steakhouse. In den Obergeschossen sind Büros und Praxen sowie ein Fitnessstudio. Ganz oben befinden sich sieben Penthauswohnungen. Das gleiche Konzept wurde auch im östlich anschließenden Gebäude (Hafenpromenade 3) umgesetzt: Im Erdgeschoss befindet sich Gastronomie und darüber sind Büros und Dienstleistungsunternehmen sowie fünf exklusive Loftwohnungen (siehe Foto: Hafenpromenade 3). Südlich des Hafenbeckens (Am Kai 8–14) ist in den vier dominanten weißen Gebäuden auf knapp 7000 m² und sechs Etagen Platz für rund zwanzig Arztpraxen.arztzentrum-phoenixsee.de Im Erdgeschoss befinden sich eine Apotheke, drei Restaurants und ein Eiscafé. Darunter bietet eine Tiefgarage Platz für 60 Stellplätze. Am Südufer (Phoenixseestraße 2–8) entwickelt sich der Phoenix-See weiter. Der Übergang zu den privaten kleinteiligen Einfamilienhäusern ist noch nicht geschlossen. Drei moderne Gebäude für Büro- und Dienstleistungsnutzungen schließen sich an das südliche Hafenbecken an: der Swan von Opländer GmbH & Co, entworfen von Drahtler Architekten, und das Gebäude der ITS Informationstechnik Service GmbH, entworfen von Kitzig Interior Design; in zweiter Reihe ist das Firmengebäude der microsonic GmbH, des einzigen produzierenden Unternehmens am Phoenix-See, entworfen von den Düsseldorfer Architekten F&G Geddert.
Die Pachtpreise für Gastronomieflächen von 3500 bis 4000 m² sind mit 20 bis 25 €/m² nahe denen guter Innenstadt-Lagen mit ständiger Laufkundschaft.
Wohnbebauung mini|Wohnbebauung am Nordufer mini|Das östliche Ende des Sees