Kämpfe um Regensburg (1632–1634) beschreibt die drei großen militärischen Ereignisse, die im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges in Regensburg stattfanden. Überfallartige, kampflose Besetzung von Regensburg durch bayerische Truppen und festungsartiger Ausbau der Stadt. Eroberung von Regensburg durch ein schwedisches Heer und Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt gegen den nach der Ermordung von Albrecht von Wallenstein erwarteten Angriff neu aufgestellter kaiserlicher Truppen von Norden. Rückeroberung der schwedisch besetzten Stadt Regensburg durch ein kaiserlich-bayerisch-ligistisches Heer. Die Rückeroberung gelang, obwohl zwei schwedische Entsatzheere schon bis Landshut vorgedrungen waren, dort aber viel Zeit mit Plünderungen verschwendeten, statt weiter nach Regensburg zu ziehen. Erst auf dem Weg nach Regensburg erfuhren die Heerführer der beiden schwedischen Entsatzheere, dass die schwedischen Truppen in Regensburg bereits kapituliert hatten und die siegreichen kaiserlichen Truppen sofort nach Westen Richtung schwedisches Hauptquartier abgezogen waren. Für die beiden schwedischen Entsatzheere folgte ein überstürzter, verlustreicher Rückzug nach Westen, wo dann in der Folge beide schwedischen Heere in der Schlacht bei Nördlingen vernichtet wurden.

Überblick Die drei militärischen Ereignisse, die in den Jahren 1632 bis 1634 bei Regensburg stattfanden, folgten zeitlich kurz aufeinander, hingen militärstrategisch eng zusammen, fanden kurz vor und kurz nach der Ermordung von Wallenstein im Februar 1634 statt und hatten am Ende die Niederlage der Schweden bei Nördlingen zur Folge.

Die Kämpfe erfolgten, noch bevor Ende Mai 1635 der Friedensvertrag von Prag geschlossen wurde. Mit diesem Friedensvertrag verließ Sachsen das Bündnis mit Schweden und wechselte auf die Seite des Kaisers. Dieser Teilfriedensvertrag, der die Interessen der am Krieg beteiligten ausländischen Mächte Schweden und Frankreich nicht berücksichtigte, wurde in Geheimverhandlungen im Laufe des Jahres 1634 ausgehandelt, was die militärstrategischen Entscheidungen der am Vertrag beteiligten Partner beeinflusst hat.

An den Ereignissen bzw. Kämpfen waren die folgenden Parteien und Heerführer beteiligt: Die gewaltsame Besetzung von Regensburg durch bayerische Truppen (27. April 1632) wurde veranlasst vom bayerischen Kurfürsten Maximilian I. und durchgeführt von den Generälen Cratz von Scharffenstein und Johann von Aldringen unter Beteiligung von Generalfeldwachtmeister Hans Wolfgang von Salis. Es kam zu einer zweijährigen Besetzung der Stadt unter dem bayerischen Stadtkommandanten Troibreze. Während der Besetzung erfolgte der Ausbau der Stadt zu einer Festung (1632 / 1633) unter Zerstörung von Gebäuden und Friedhöfen, darunter auch der große städtische Petersfriedhof mit der Grabstätte und dem Grabdenkmal von Johannes Kepler. Die Rück-Eroberung von Regensburg Mitte November 1633 erfolgte durch ein schwedisches Heer unter dem Kommando von Bernhard von Sachsen-Weimar. Vergeblich verteidigt wurde die von bayerischen Truppen besetzte Stadt Regensburg durch bayerische Garnisonstruppen unter Kommando von Troibreze. Die Verteidigung war erfolglos und die Stadt wurde Mitte November 1633 an die Schweden übergeben. Die Rückeroberung von Regensburg erfolgte dann durch ein kaiserliches Heer unterstützt von einem bayerisch-ligistischen Heer. Das Oberkommando lag bei dem Erzherzog von Österreich und König von Ungarn, dem späteren Kaiser Ferdinand III. Gegen die kaiserlich-bayerische Rückeroberung wurde die Stadt verteidigt durch schwedische und städtische Garnisonstruppen von Mai 1634 bis Juli 1634 unter Kommando des schwedischen Stadtkommandanten Lars Kagg. Die Verteidigung der Stadt blieb letztlich erfolglos, trotz zweier Versuche zum Entsatz der Stadt, zuletzt durch zwei gemeinsam agierende schwedische Heere unter Kommando der beiden Feldherren Gustaf Horn und Bernhard von Sachsen-Weimar, die aber nach einem langwierigen Anmarsch auf Regensburg schlecht über die militärische Lage in Regensburg informiert waren. Beide Heere verloren deshalb so viel Zeit bei Plünderungen in der Stadt Landshut, dass Regensburg in der Zwischenzeit wegen Pulvermangels kapitulieren musste. Nach der Kapitulation wurde Regensburg Ende Juli 1634 aber nicht wie gewünscht an bayerische, sondern ausschließlich von kaiserlichen Truppen besetzt, was den bayerischen Herzog stark verärgerte, weil er gehofft hatte, die Stadt für Bayern übernehmen zu können. mini|hochkant|Regensburg, Ostentor, Ostseite, einer der Hauptkampforte

Vorgeschichte (1630–1631) mini|Ostsee mit Usedom

Im Juli 1630 hatte der schwedische König Gustav Adolf in den Dreißigjährigen Krieg eingegriffen. Er war mit einem Heer auf der Insel Usedom gelandet, um mit finanzieller Hilfe Frankreichs die protestantischen Reichsfürsten zu unterstützen, die nach vielen Niederlagen im Kampf gegen den Habsburger Kaiser Ferdinand II. und seinen Feldherrn Wallenstein und gegen die katholische Liga unter Kommando des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. und seines Feldherrn Tilly in schwere Bedrängnis geraten waren. Die protestantischen Kurfürstentümer Sachsen und Brandenburg hatten sich nach längeren Verhandlungen zögerlich dem Feldzug des schwedischen Königs angeschlossen, und viele protestantische Fürsten und Reichsstädte folgten. Im September 1631 hatte das protestantische Heer einen entscheidenden Sieg in der Schlacht bei Breitenfeld errungen und der ganze Südwesten des Reiches war unter den Einfluss der Schweden geraten. Nach einem erneuten Sieg im Folgejahr 1632 in der Schlacht bei Rain am Lech war das schwedische Heer unter Gustav Adolf donauabwärts zunächst bis Ingolstadt, dann aber nicht wie erwartet weiter donauabwärts nach Regensburg gezogen. Stattdessen drang er südlich der Donau über Landshut, das nach einer Lösegeldzahlung unbehelligt blieb, bis München vor, das im Mai 1632 kampflos gegen eine hohe Lösegeldzahlung besetzt wurde. Von München aus musste das schwedische Heer zur von Wallenstein bedrohten Nachschubbasis Nürnberg zurückkehren, um dort Wallenstein in seinem Lager die Stirn zu bieten.

mini|Oberpfalz, Niederbayern mit Sonderkarte Umgebung Regensburg

Während durch den Feldzug der Schweden große Teile des ländlichen westlichen und südlichen Bayerns schwer verwüstet wurden, blieben Regensburg und die Donauregion nördlich und östlich von Ingolstadt verschont. Grund dafür war die vor Beginn des Krieges ausgebaute Landesfestung Ingolstadt, die vom schwedischen Heer im Frühjahr 1632 nicht eingenommen werden konnte. Sie blockierte die Donau-Nachschublinie für die Schweden, so dass das ursprüngliche Ziel des Feldzugs von Gustav Adolf, donauabwärts über die Reichsstadt Regensburg Wien zu erreichen, nicht zu verwirklichen war. Militärstrategisch aber war klar, dass die Schweden – unterstützt von ihren kursächsischen Verbündeten – Regensburg auch von Norden her, von Böhmen über die Oberpfalz erreichen könnten. Für die Schweden blieb die protestantische Reichsstadt Regensburg, die mit der Steinernen Brücke sogar einen festen Donauübergang zu bieten hatte, ein militärisch und logistisch attraktiver Ausgangspunkt für einen geplanten Angriff auf die Habsburgischen Erblande.Max Neubauer, Dissertation, Universität Regensburg, 2011, S. 102f, Fußnote 534.

Kurfürst Maximilian I. von Bayern hatte diese Gefahr immer vor Augen. Seit 1631 hatte er die Vorstellung, dass die nach dem Erbschutzvertrag mit dem Haus Habsburg unter dem besonderen Schutz des Kaisers stehende Reichsstadt Regensburg eine bayerische Garnison aufnehmen und dann zu einer Festung gegen die Schweden ausgebaut werden müsse. In seiner Sicht wäre die Stadt erst dann eine Schlüsselfestung, die als Vormauer für Wien die Habsburger Monarchie effektiv schützen könnte. Wallenstein schätzte diese Gefahr für Wien als nicht bedrohlich ein. Auch nach seiner Rückberufung ins Amt des Oberbefehlshabers – Ende des Jahres 1631 – bot er dem bayerischen Kurfürsten keine Unterstützung zur Verteidigung von Regensburg an. Maximilian I. konnte also seine Vorstellungen zur Rolle von Regensburg, hinter denen immer auch die Absicht stand, die Reichsstadt Regensburg unter die Hoheit von Bayern zu bringen, nicht auf diesem Weg durchsetzen und suchte andere Wege.

Besetzung von Regensburg durch bayerische Truppen (April 1632) Vorgeschichte und Verhandlungen Um seinen Einfluss in der Reichsstadt Regensburg zu erhöhen, nutzte Kurfürst Maximilian I. seine starke Stellung als Kreisobrist des Bayerischen Reichskreises, der für den Landfrieden zuständig war.Max Neubauer, Dissertation, Universität Regensburg, 2011, S. 102f, Fußnote 534. Anfang des Jahres 1631 hatten auf Kreistagen des bayerischen Reichskreises zu Landshut Verhandlungen über die Stationierung von bayerischen Besatzungstruppen in Regensburg begonnen, um die Reichsstadt gegen Angriffe schwedischer Truppen zu sichern. Der Rat der Stadt weigerte sich, auf seinem Territorium Truppen der katholischen Liga unter dem Kommando des bayerischen Kurfürsten zu stationieren. Kurfürst Maximilian I. bestand jedoch darauf, in seiner Funktion als Kreisobrist im Auftrag des Kaisers militärisch auch auf dem Gebiet der Reichsstadt tätig werden zu dürfen. Am 31. Oktober 1631 einigte man sich über die Stationierung von 1500 Soldaten unterschiedlicher Herkunft und Religion. 600 katholische, bayerische Soldaten und 600 von der Stadt ausgesuchte, protestantische Soldaten sollten in Bürgerhäusern einquartiert werden und sich gegenseitig überwachen. Zusätzlich sollten 300 Soldaten in Häusern der katholischen Geistlichkeit unterkommen. Der Vollzug der Einquartierungen verzögerte sich bis Mitte April 1632, weil die Finanzierung der Stationierung und der Besoldung der Truppen ungeklärt geblieben war. Der Rat der Stadt Regensburg bestand darauf, dass sich außer der Stadt auch die vier geistlichen, katholischen Reichsstände, die ihre Territorien innerhalb der schützenden Stadtmauern hatten, an den Kosten beteiligen müssten, nämlich das Hochstift Regensburg, das Kloster Sankt Emmeram, das Stift Niedermünster und das Stift Obermünster.Max Neubauer, Dissertation, Universität Regensburg, 2011, S. 109f, Fußnoten 576, 580.

Gewaltsame Besetzung der Stadt (April 1632) Nur wenige Tage nach der Einigung und der Einquartierung, als sich der Rat der Stadt über das erreichte günstige Verhandlungsergebnis erfreut zeigte, machte eine vom bayerischen Kurfürsten angeordnete und von seinen Feldherren Cratz von Scharffenstein und Johann von Aldringen geplante Militäraktion alle Ergebnisse der Verhandlungen obsolet. Mit Hilfe bereits einquartierter Soldaten wurde am 27. April 1632 das Peterstor von innen geöffnet, woraufhin ca. 4.000–6.000 bayerische Soldaten in die Stadt eindrangen und die Kontrolle übernahmen.Wolfgang Hahn: Ratisbona Politica II. Studien zur politischen Geschichte der Reichsstadt Regensburg im 17. Jahrhundert bis zum Beginn des Immerwährenden Reichstages. Verhandlungen des Historischen Vereins Regensburg, Bd. 126 (1986), S. 27, 28. . Bei den Soldaten handelte es sich um flüchtende bayerische Truppen der Katholischen Liga, die nach der am 15. April 1632 verlorenen Schlacht bei Rain am Lech von schwedischen Truppen des Feldherren Gustaf Horn verfolgt wurden, die bis nach Bad Abbach vorgedrungen waren. Die Stadt Regensburg wurde unvorbereitet von der Besetzung völlig überrascht.

Verlauf und Folgen der Besatzung Nach dem Eindringen der bayerischen Truppen in die Stadt wurden Widerstand leistende Bürger, die mit Ketten die Straßen gesperrt hatten, entwaffnet und 46 Personen getötet. Das Zeughaus und die Tore der Stadt wurden besetzt und die Schlüssel zu den Toren der Stadt eingezogen. Alle Proteste wurden niedergeschlagen, eine Geldsumme von 15.000 Reichstalern konfisziert und viele Bürgerhäuser geplündert.