Die Christus-Erlöser-Kirche in Olsztyn () ist ein neugotischer Ziegelbau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Seit seiner Errichtung ist es ein evangelisches Gotteshaus, bis 1945 der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union, seither der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugehörig. mini|Die Kirche von Südosten mit polygonalem Chorschluss mini|Turmeingangsportal Geographische Lage Olsztyn liegt im Zentrum der Woiwodschaft Ermland-Masuren, deren Hauptstadt sie ist. Im Süden der einstigen Provinz Ostpreußen ist sie inmitten der Allensteiner Seenplatte gelegen. In der Stadt kreuzen sich die drei polnischen Landesstraßen 16, 51 und 53 sowie die Bahnstrecken Olsztyn–Ełk, Toruń–Tschernjachowsk und Działdowo–Olsztyn.

Der Standort der Kirche befindet sich unmittelbar neben der Burg zum Alten Markt hin.

Kirchengebäude Bis in die erste Hälfte der 1870er Jahre hatte die evangelische Gemeinde in Allenstein keine eigene Kirche.. Die Gottesdienste fanden im nördlichen Flügel der nahe gelegenen Burg statt – in einem von der Stadtverwaltung dazu bereitgestellten Raum. Bereits seit 1828 bemühte man sich um den Bau einer Kirche. 1833 konnte ein freies Grundstück erworben und bei dem Architekten Karl Friedrich Schinkel eine Bauzeichnung in Auftrag gegeben werden. Doch musste man mangels finanzieller Mittel das Projekt aufgeben bzw. in eine ungewisse Zukunft verschieben.

Im Jahre 1876 endlich war es soweit: am 9. Juni 1876 wurde der Grundstein zur neuen Kirche gelegt. Er bestand aus einem großen Felsblock und liegt genau unter dem Altar. Zwar musste man auf die Schinkelschen Pläne verzichten, doch konnte man entsprechende Entwürfe des Allensteiner Baumeisters Puhlmann realisieren und den Bau in kurzer Zeit vornehmen.

Nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit konnte am 15. Oktober 1877 die feierliche Kirchweihe vorgenommen werden.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpereußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 116, Abb. 531. Ein unverputzter Ziegelbau in gotischem Stil mit einem hohen schlanken Turm war entstanden. Der Chor war polygonal geschlossen, und der Innenraum mit ansteigender Decke mit drei Emporen ausgestattet. Die Inneneinrichtung war neugotisch. Die Orgel installierte der Königsberger Orgelbaumeister Max Terletzki. Das Geläut bestand aus drei Glocken.

Schon sehr bald erwies sich das Gebäude als zu klein für die große Zahl der evangelischen Einwohner Allensteins und Umgebung. In jener Zeit waren es etwa 10.000 Gemeindeglieder. Bereits im Jahre 1899 baute man die Kirche um, wobei man ihr die heutige neugotische Form gab. Der Turm maß um 40 Meter, das Kirchenschiff bekam eine Länge von 19 Metern, eine Breite von 12 Metern und eine Höhe von 9 bis 13 Metern. Die Ausstattung war und ist bis heute schlicht. 1992 erhielt die Kirche ein neues Dach, und 1998 erfolgte die Renovierung des Innenraums – bei finanzieller Beteiligung der Heimatkreisgemeinschaft Allenstein in Deutschland.

Kirchengemeinde mini|Innenansicht Eine evangelische Kirchengemeinde entstand in Allenstein erst im Jahre 1793,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 489. doch bereits ab 1779 taten hier ein Pfarrer bzw. Katechet ihren Dienst. Bis 1893 war die Gemeinde dem Kirchenkreis Ermland zugeordnet, danach war Allenstein (neben Braunsberg, ) Superintendentursitz innerhalb des Kirchenkreises Ermland, der bis 1945 zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte.

Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Behörden. Die Geistlichen hatten die 1910 erbaute und angemietete Allensteiner Garnisonkirche sowie Kapellen in Allenstein und in Stabigotten (polnisch Stawiguda) mitzuversorgen. Im Jahre 1925 zählte die Gemeinde mit ihrem weitflächigen Kirchspiel mehr als 12.000 Gemeindeglieder, die zuletzt von drei Pfarrern und einem eingesetzten Hilfsprediger gleichzeitig betreut wurden.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 15.

Die Kirche überstand die beiden Weltkriege einigermaßen unbeschädigt. Aber Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung brachten nach 1945 das kirchliche Leben der evangelischen Gemeinde in Allenstein nahezu zum Erliegen. In der Stadt und ihrer Region siedelten sich nach und nach polnische Neubürger ein, von denen die meisten katholischer Konfession waren. Aber die wenigen evangelischen Neubürger bauten ein neues Gemeindeleben auf und konnten die Kirche am Alten Markt wieder in Besitz nehmen.

Heute ist Allenstein Sitz der Diözese MasurenDiözese Masuren. der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Der Pfarrer der Gemeinde ist zugleich der Diözesanbischof, und so ist die Christus-Erlöser-Kirche (den Namen erhielt sie nach 1945) zugleich Bischofskirche.

Die Gemeinde zählt heute etwa 500 Gemeindeglieder. Mitbetreut wird die Filialgemeinde mit einer Kapelle in Olsztynek ().

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Allenstein gehörten bis 1945 neben der Stadt noch 122 Orte, Ortschaften und Wohnplätze:

Name Polnischer Name Name Polnischer Name Name Polnischer Name Abstich Łupstych Kaltfließ mit Kaltfließmühle Żurawno mitMłyn Żurawno Pörschkau Allenstein Olsztyn Karlberg Wojtkowizna Pupkeim1938–1945 Tolnicken Pupki Allenstein-Schloßfreiheit Kellaren Kielary Quidlitz Silice Alt Allenstein Stary Olsztyn Kerrey, Forst Kieruj Redigkainen Redykajny Alt Kockendorf Stare Kawkowo Klaukendorf Klewki Rentienen Rentyny Alt Schöneberg mit Trojahnmühle Wrzesina mitTrojan Klein Bertung Bartążek Reußen Ruś Althof Stary Dwór Klein Buchwalde Rosenau Różnowo Augustthal Augustówka Klein Kleeberg Klebark Mały Rosgitten Rozgity Ballingen Bałąg Klein Purden Purdka Rykowitz1938–1945 Rickenhof Rykowiec Barwienen Barwiny Klein Trinkhaus Trękusek Salbken Zalbki Bergfriede Barkweda Klein Warkallen Schattens Szatanki Bogdainenmit:Klein Sapuhnen Bogdanymit:Sapunki Kolpacken1938–1945 Kleinpuppen Kołpaki Schaustern Szałstry Braunswalde Brąswałd Kortau Kortowo Schillamühle Siła Damerau, Wpl. Köslienen Kieźliny Schillings Szelągowo Deuthen Dajtki Kranz Kręsk Schönbrück Sząbruk Dietrichswalde Gietrzwałd Kudippen Kudypy Schönfelde Unieszewo Diwitten Dywity Labens1938–1945 Gulben Łabędź Schönwalde Szczęsne Dongen Dągi Leynau1938–1945 Leinau Linowo Skaibotten Skajboty Dorothowo1913–1945 Darethen Dorotowo Leyßen1938–1945 Leissen Łajsy Sophienhof Zofijówka Elisenhof Ostrzeszewo Lykusen1938–1945 Likusen Likusy Mühle Soyka Sójka Ernestinenhöhe Biedówko Mauden Majdy Spiegelberg Spręcowo Fittigsdorf Wójtowo MertensdorfDer Ortsname lautet korrekt: Alt Mertinsdorf, ab 24.12. 1939 Alt Märtinsdorf Marcinkowo Stabigotten mit Stabigotten, Forst Stawiguda mitStawiguda (Osada) Freimühle Mogiła Micken Myki Stärkenthal Starkowo Ganglau Gągławki Mniodowko1908–1945 Honigswalde Miodówko Steinberg, Forst Łomy Gedaithen Giedajty Mondtken Mątki Stenkienen Stękiny Göttkendorf Gutkowo Nagladden Naglady Stolpen Słupy Gottken Godki Nattern Naterki Stolzenberg (I) undStolzenberg (II) Piękna GóraPieczewo Gradda1930–1945 Ganglau, Forst Grada Neu Bertung Owczarnia Thalberg Gradek Gronitten Gronity Neu Kockendorf Nowe Kawkowo Thomsdorf Tomaszkowo Groß Bertung1938–1945 Bertung Bartąg Neu Pathaunen Nowe Pajtuny Trautzig Track Groß Buchwalde Bukwałd Neu Schöneberg Porbady Forst Ustrich Ustrych Groß Kleeberg Klebark Wielki Neumühle Nowy Młyn Wadang Wadąg Groß Purden Purda Nickelsdorf Nikielkowo Wemitten Wymój Groß Trinkhaus Trękus Passargental Tomarynki Wengaithen Węgajty (Groß) Warkallen Warkały Pathaunen Pajtuny Forst Wienduga Binduga Grünmühle Patricken mit Neu Patricken Patryki Wilhelmsthal Wilimowo Hermsdorf Cegłowo Penglitten Pęglity Windtken Wołowno Hochwalde Ługwałd Peterhof Woppen Wopy Jakobsberg Jakubowo Piestkeim Pistki Woritten Woryty Jomendorf Jaroty Polleiken Polejki Wyranden1938–1945 Wiranden Wyrandy Kainen Kajny Posorten Pozorty Forst Zasdrocz1938–1945 Neidhof Zazdrość

Pfarrer (1779–1945) Zwischen 1779 und 1945 amtierten als Geistliche in der evangelischen Kirchengemeinde in Allenstein: Reinhold Johann, 1779–1783 Heinrich Reinhold Hein, 1783–1797 Christian Leopold Stuber, 1797–1806 Johann Gottlieb Brandt, 1807–1812 Heinrich Schulz, 1812–1829 Heinrich Schellong, 1830–1835 Friedrich Eduard Stern, 1835–1848 Friedrich Brachvogel, 1849–1859 Alexander Paczynski, 1859–1868 E. Albert Chr. Rud. Sapatka, 1868–1882 Johannes Hassenstein, 1882–1915 Otto Eugen Bierfreund, 1887–1888 Friedrich Patschke, 1887–1890 Georg Künstler, 1888–1891 Karl Friedrich Ferdinand Lott, 1893–1925 Johannes Wien, 1906–1909 Emil Nitz, 1909–1913 Kurt Toball, ab 1912 Ernst Wedemann, 1915–1937 Johann Bertuleit, 1920–1922 Wilhelm Finger, 1925–1945 Hermann Löffler, 1926–1931 Adalbert Schwede, 1931–1945 Ernst Müller, 1933 Heinrich Petereit, 1938 Ernst Payk, 1938 Hugo Buchholz, 1939–1941 Friedrich Rzadtki, 1940–1945

Von 1992 bis 2018 amtierte an der Christus-Erlöser-Kirche in Allenstein Rudolf Bażanowski als Pfarrer von Olsztyn und Bischof der Diözese Masuren.

Kirchenbücher (1779–1945) Von den Kirchenbuchunterlagen der evangelischen Kirche in Allenstein bis 1945 haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Chrisra Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im evangelischen Zentralarchiv in Berlin. Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 20. Taufen: 1779 bis 1944, Namensregister: 1779 bis 1920 Trauungen: 1807 bis 1944, Namensregister: 1807 bis 1926 Begräbnisse: 1779 bis 1799 und 1807 bis 1944, Namensregister: 1779 bis 1917 Konfirmationen: 1788 bis 1800

Militärkirchenbuch: Bestattungen: 1914 bis 1919 und 1937 bis 1944.

Weblinks

Dokumente der Evangelischen Kirche Allenstein im Staatsarchiv Olsztyn

Einzelnachweise

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