Der Ferrari 365 California Spyder ist ein 1966 und 1967 produzierter offener Sportwagen, der zur Modellfamilie Ferrari 365 gehört. Seine Bezeichnung leitet sich, wie seinerzeit bei den Ferrari-Straßenmodellen üblich, vom Hubraum eines einzelnen Zylinders (rund 365 cm³) des Zwölfzylindermotors ab. Der 365 California war das erste und zugleich exklusivste Mitglied dieser weit gefächerten Modellfamilie und gilt als letzter Kleinserien-Ferrari mit Frontmotor.Matthias Braun, Ernst Fischer, Manfred Steinert, Alexander Franc Storz: Ferrari Straßen- und Rennsportwagen seit 1946, 1. Auflage Stuttgart 2006 (Motorbuch Verlag). ISBN 978-3-613-02651-3, S. 147.
Entstehungsgeschichte Seit den 1950er-Jahren produzierte Ferrari neben den reinen Rennsportfahrzeugen und den regulären Straßensportwagen regelmäßig in kleiner Stückzahl auch sehr teure und luxuriöse Oberklassemodelle, die nicht auf den Motorsport, sondern auf eine „elitäre Kundschaft“ vor allem in Nordamerika zugeschnitten waren. Diese Tradition begann 1952 mit dem 342 America. Ab 1964 nahm das von Pininfarina gestaltete Coupé 500 Superfast diese Rolle ein, das mit seinem 5,0 Liter großen und fast 400 PS starken 12-Zylinder-V-Motor der schnellste Gran Turismo seiner Zeit war. Er war etwa doppelt so teuer wie ein Rolls-Royce Silver Cloud.Brian Laban: Ferrari. 1. Auflage 2006. London (Parragon Books). ISBN 1-40547-015-1, S. 54. Die Produktion des 500 Superfast endete 1966, nachdem insgesamt 37 Exemplare hergestellt worden waren. Als NachfolgerPeter Braun, Gregor Schulz: Das große Ferrari-Handbuch. Alle Serien- und Rennfahrzeuge von 1947 bis heute, Heel Verlag, Königswinter, 2006, ISBN 3-89880-501-8, S. 71. gilt der 365 California, der auf dem Genfer Auto-Salon im März 1966 vorgestellt wurde. Seine Bezeichnung nahm auf den von 1957 bis 1963 gefertigten 250 GT Spyder California Bezug, der eine ähnliche Rolle im Ferrari-Programm gespielt hatte; eine technische oder stilistische Verwandtschaft zwischen dem 250 GT California und dem 365 California bestand allerdings nicht.
Modellbeschreibung
Fahrwerk Der Ferrari 365 California hatte – mit Ausnahme des (einzigen) Prototyps – das technisch unveränderte Chassis des 500 Superfast (Tipo 598), das seinerseits auf das Fahrwerk des 330 GT 2+2 zurückzuführen ist. Die Vorderräder waren einzeln an ungleich langen Doppelquerlenkern mit Schraubenfedern aufgehängt. Hinten baute Ferrari eine Starrachse an Halbelliptikfedern mit zusätzlichen Längslenkern und Schraubenfedern ein.nhttp://auto.ferrari.com/en_EN/sports-cars-models/past-models/365-california/ Rear suspension live axle, radius arms, semi-elliptic springs, coil springs over telescopic shock absorbers Vorn und hinten gab es hydraulische Teleskopstoßdämpfer. Insbesondere die hintere Starrachse wurde bereits bei der Präsentation des Autos als veraltet kritisiert.
Karosserie Die Karosserie des 365 California wurde, wie seinerzeit bei Ferrari üblich, bei Pininfarina entworfen. Die Front stammte – mit Ausnahme der zusätzlichen Klappscheinwerfer – vom 500 Superfast. Ausführender Designer war Tom Tjaarda.Der Ferrari 365 California Spyder auf der Internetseite www.ultimatecarpage.com (abgerufen am 13. Juli 2017). Sein Entwurf wurde uneinheitlich aufgenommen. Teilweise wird die Karosserie als formvollendet beschrieben, während andere das Styling für unausgewogen halten und eine „merkwürdige Mischung aus Kurven und Linien“ kritisieren. Der California hatte einige ungewöhnliche Designmerkmale. Hierzu gehören die funktionslosen seitlichen Lüftungsöffnungen, die über die Türen und die hinteren Kotflügel reichen und in die die Türgriffe integriert waren, sowie die versenkbaren Nebelscheinwerfer. Das Arrangement der Rücklichter, in dem eckige und runde Formen kombiniert wurden, griff Tjaardas Chevrolet Corvette Rondine sowie seinen Entwurf für ein Lancia-Flaminia-Coupé aus dem Jahr 1963 auf. Der flache Aufbau hatte große vordere und hintere Überhänge. Mit einer Gesamtlänge von 4900 mm war er einer der längsten in Serie gefertigte Ferrari.
Motor Der 365 California wurde von einem 4390 cm³ großen V12-Motor angetrieben, der als Tipo 217B bezeichnet wird. In der Grundstruktur ging er auf eine Konstruktion von Gioacchino Colombo aus dem Jahr 1947 zurück. Ferrari hatte Colombos Zwölfzylinder für die 1961 erschienene Modellfamilie 330 weitgehend überarbeitet; insbesondere war unter Beibehaltung des Zylinderbankwinkels von 60 Grad der Motorblock neu konstruiert worden. Jener Tipo 209 genannte, 4,0 Liter große Motor wurde für den 365 auf 4,4 Liter vergrößert. Den Hubraumzuwachs erreichten die Ingenieure durch eine Vergrößerung der Bohrung von 77 auf 81 mm. Der Hub (71 mm) blieb unverändert. Der Motor hatte eine obenliegende Nockenwelle für jede Zylinderreihe und zwei Ventile pro Zylinder. Zur Gemischaufbereitung wurden drei Doppelvergaser von Weber (Typ 40DF) verwendet. Die Leistung des Motors wurde mit 320 PS angegeben.
Die Produktionsgeschichte Insgesamt stellte Ferrari nur 14 Exemplare des 365 California her, davon einen Prototyp im Januar 1966 sowie in Kleinserie zwischen August 1966 und Oktober 1967 elf Links- und zwei Rechtslenker. Sie entstanden alle mit einem hohen Anteil an aufwendiger Handarbeit beim Karosseriebauunternehmen Pininfarina.Der Ferrari 365 California Spyder auf dem Webportal barchetta.cc mit 14 Unterseiten, abgerufen am 24. Juli 2017 (englisch).
Der Prototyp mit der Chassisnummer 8347 von Januar 1966 Den ersten 365 California stellte Pininfarina Ende Januar 1966 fertig. Das linksgelenkte Fahrzeug erhielt die Ferrari-Chassisnummer 8347; Pininfarina selbst führte es unter seiner Auftragsnummer 99647. Dieser 365 California hatte die Funktion eines fahrbereiten, komplett ausgestatteten Prototyps und basierte als einziger auf einem Chassis Tipo 571, wie es Ferrari beim Gran-Turismo-Coupé 330 GT 2+2 nutzte. Im März 1966 präsentierte Ferrari das Fahrzeug auf dem Genfer Auto-Salon; hierfür erhielt es eine neue Lackierung in einem dunkleren Nachtblau sowie eine Innenausstattung aus beigefarbenem Cord anstelle eines modischen Schwarz-Weiß-Stoffes.
Elf weitere Linkslenker 1966/67 Die Resonanz auf das neue, offene Modell war derart positiv, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, dass Ferrari umgehend Pininfarina damit beauftragte, elf weitere Fahrzeuge des 365 California mit Linkslenkung herzustellen; dort erhielten sie die Auftragsnummern 99649 bis 99659. Allerdings konnte die Produktion aus zwei Gründen nicht sofort aufgenommen werden. Zum einen sollten die Serienfahrzeuge auf dem etwas moderneren Fahrgestell Tipo 598 aufgebaut werden, wie es Ferrari für das ebenfalls bei Pininfarina in weitgehender Handarbeit gebaute Spitzenmodell 500 Superfast nutzte; hieraus ergaben sich kleinere konstruktive Änderungen gegenüber dem Prototyp. Ferner sollten die zuvor erteilten Pininfarina-Aufträge abgearbeitet werden; so entstanden zunächst die letzten fünf Superfast-Coupés von insgesamt 37 seit 1964 beziehungsweise von zwölf Superfast-Coupés der Serie II ab 1965. Auch die Pininfarina-Auftragsnummer 99648 lag dazwischen, wohl einer der aufsehenerregenden Ferrari 365 P Tre Posti für den Fiat-Chef Gianni Agnelli (Chassisnummer 8815GT) oder den US-amerikanischen Ferrari-Importeur und Rennstall-Besitzer Luigi Chinetti (Chassisnummer 8971GT).
Die elf Linkslenker stellte Pininfarina einzelstückweise fertig, darunter nur noch zwei 1966 (Chassisnummern 9127 Ende August und 9447 Mitte Oktober). Im Jahr 1967 folgten je einer im Februar und März (Chassisnummern 9631 und 9801), drei im April (Chassisnummern 9849, 9889 und 9935) sowie je einer im Mai, Juni, Juli und Oktober (Chassisnummern 10077, 10155, 10327 und 9615). Je nachdem, ob die Bestellung aus Kontinentaleuropa oder den Vereinigten Staaten kam, erhielten die Fahrzeuge eine entsprechende Ausstattung; sie unterschied sich im Detail bei der Fahrzeugbeleuchtung, der Instrumentierung am Armaturenbrett und gegebenenfalls bei den Nebenaggregaten am Motor.
Zwei Rechtslenker 1967 Rechtslenker waren zunächst nicht vorgesehen, da unklar war, ob für das offene Modell überhaupt ein Bedarf vor allem im Vereinigten Königreich bestehen würde. Tatsächlich gingen von dort zwei Bestellungen ein: So entstanden unter der Pininfarina-Auftragsnummer 99677 ebenfalls im Mai 1967 der zehnte Ferrari 365 California (mit der Chassisnummer 9985) sowie im gleichen Jahr der vierzehnte und damit letzte (mit der Chassisnummer 10369).
Die einzelnen Fahrzeuge Soweit bekannt gilt heute (Stand: 2017) nur einer der vierzehn Ferrari 365 California als verschollen beziehungsweise zerstört. Die verbliebenen dreizehn sind inzwischen zumeist restauriert, teils im Concours-Zustand. Manche sind – zum Teil seit Jahrzehnten – fest in Sammlerhand, andere wurden in den letzten Jahren – teils wiederholt – als hochpreisige Anlageobjekte bei den namhaftesten Automobil-Auktionen versteigert.
Chassisnummer 8347: Ende Juli 1966 verkaufte Ferrari den Prototyp an einen bekannten italienischen Herausgeber. Er existiert bis heute in Privatbesitz, nacheinander in Italien, Belgien und wieder Italien. Aus dem Juni 2001 ist ein Verkaufsangebot von 780.000 US-Dollar bekannt.Der Ferrari 365 California mit der Chassisnummer 8347 auf dem Webportal barchetta.cc, abgerufen am 27. Juli 2017 (englisch).
Chassisnummer 9127: Das zweite Fahrzeug ging mit hellblauer Metalliclackierung und elfenbeinfarbener Innenausstattung an den US-amerikanischen Ferrari-Importeur Luigi Chinetti und fand 1967 einen ersten Käufer. Von 1968 bis 2005 blieb es im Familienbesitz, zunächst mit dunkelblauer Lackierung und weinroter Innenausstattung, später außen dunkelrot und innen braun. In den 1990er-Jahren wurde es mehrfach zu Preisen von mindestens 595.000 US-Dollar angeboten. Im Jahr 2005 ersteigerte der indische Unternehmer Vijay Mallya, inzwischen bekannt als Formel-1-Rennstallbesitzer, das Cabriolet zum Preis von 736.000 Euro für seine Fahrzeugsammlung.Der Ferrari 365 California mit der Chassisnummer 9127 auf dem Webportal barchetta.cc, abgerufen am 27. Juli 2017 (englisch).
Chassisnummer 9447: Das dritte Fahrzeug mit hellroter Lackierung und hellbrauner Innenausstattung fand Ende 1966 einen italienischen Käufer; 1967 diente es als Ferrari-Ausstellungsfahrzeug auf dem Turiner Autosalon und wechselte später in die Vereinigten Staaten. Nach mehreren Eigentümerwechseln und einer Restaurierung in Kalifornien 1980 ist es dauerhafter Sammlungsbestandteil des Thomas C. Crawford Auto Aviation Museums in Cleveland, Ohio.Der Ferrari 365 California mit der Chassisnummer 9447 auf dem Webportal barchetta.cc, abgerufen am 27. Juli 2017 (englisch).
Chassisnummer 9615: Als viertes begonnen, wurde das Fahrzeug mit einer Lackierung in silber und einer Innenausstattung in schwarz erst im Oktober 1967 fertiggestellt und als einziges nach Spanien ausgeliefert. Empfänger war Rafael Leónidas Trujillo Martinez („Ramfis“ Trujillo), der im spanischen Exil lebende Sohn des 1961 bei einem Attentat getöteten Diktators der Dominikanischen Republik Rafael Leónidas Trujillo Molina. Im Dezember 1969 stieß Trujillo mit seinem Ferrari nahe Madrid frontal mit dem Jaguar von Teresa Beltrán de Lis y Pidal, der Herzogin von Alburquerque zusammen. Sie starb noch vor Ort; Trujillo erlitt schwerste Gesichtsverletzungen und starb zehn Tage später an einer Lungenentzündung. Das Ferrari-Wrack erwarben nacheinander zwei Briten, ehe es neu aufgebaut wurde. Nach einem weiteren Eigentümerwechsel und einer Restaurierung durch den britischen Ferrari-Spezialisten Terry Hoyle ist das Fahrzeug seit 1987 im Eigentum eines britischen Ferrari-Sammlers. Das Cabriolet, das im Zuge der Restaurierung eine dunkelgrüne Lackierung mit hellbrauner Innenausstattung erhalten hatte, hat inzwischen eine silbergraue Metalliclackierung mit schwarzem Interieur.Der Ferrari 365 California mit der Chassisnummer 9615 auf dem Webportal barchetta.cc, abgerufen am 27. Juli 2017 (englisch).