Der Falkenstein ist einer der beeindruckendsten freistehenden Felsen in der Sächsischen Schweiz in Sachsen. Er befindet sich bei Bad Schandau in den Schrammsteinen, denen er vorgelagert ist. Der gewaltige Fels ist fast einhundert Meter hoch und besteht aus Sandstein. Im Mittelalter befand sich auf dem Falkenstein eine Burgwarte – noch heute sind in den Fels gehauene Stufen und Balkenfalze sichtbar.

Geschichte Wahrscheinlich seit Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Falkenstein als Burgwarte ausgebaut und genutzt. Er gehörte wie fast die ganze rechtselbische Sächsische Schweiz zur Herrschaft Hohnstein mit Sitz in der Burg Hohnstein, die das böhmische Adelsgeschlecht der Berka von Dubá 1353 von Kaiser Karl IV. als böhmisches Lehen erhalten hatte.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 11

1409 teilte Hinko von der Duba die Herrschaft unter seinen fünf Söhnen auf. Der Falkenstein ging als Teil der neuen Herrschaft Wildenstein an seinen Sohn Heinrich. Dieser richtete seinen Herrschaftssitz in der Burg auf dem Neuen Wildenstein ein. Zur Herrschaft gehörten außer den umliegenden Dörfern und Städten neben dem Falkenstein auch weitere Burgwarten, bspw. auf dem Rauschenstein und dem Frienstein. Ab etwa 1425 lag Heinrich von der Duba wiederholt in Fehde mit dem Oberlausitzer Sechsstädtebund und den sächsischen Kurfürsten. Seine Neffen, die die Herrschaft um 1435 erbten, führten die Fehden weiter und überfielen als Raubritter Dörfer und Kaufmannszüge. Im direkten Umfeld des Falkensteins gab es allerdings mit Ausnahme der Elbe keine Handelswege. Ein alter Verbindungsweg von Postelwitz nach Sebnitz gab der Burgwarte bei diesen Fehden eine strategische Bedeutung und Zugang zur Elbe wie dem Kirnitzschtal. Ebenso sicherte sie den Zugang von der Elbe zur Burg Wildenstein.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 14

Kurfürst Friedrich II. belagerte schließlich ab Herbst 1439 die Berken auf dem Wildenstein, um den Fehden ein Ende zu setzen. Wahrscheinlich wurde die Burgwarte auf dem Falkenstein während dieses Kriegszugs zerstört. Die Berken willigten schließlich 1451 in einen Tausch der Herrschaft Wildenstein gegen einen Teil der Herrschaft Schluckenau in Böhmen ein. Damit ging auch der Falkenstein endgültig in sächsischen Besitz über. Im 1456 angelegten Burgenverzeichnis gehörte der Falkenstein bereits zu den als verfallen bezeichneten Burgwarten.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 17

1543 und 1547 wird der Fels als Teil der zu Hohnstein gehörenden Forstwälder genannt. Als „bloß und hoch“ beschreibt ihn die 1592 von Matthias Oeder erstellte Karte der Ersten Kursächsischen Landesaufnahme. (PDF; 32,1 MB) Während des Dreißigjährigen Kriegs versteckten sich Bewohner der umliegenden Orte am Falkenstein, wovon noch verwitterte Inschriften, unter anderem die Jahreszahl „1631“, zeugen.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 18

Der naturkundlich interessierte Pfarrer Wilhelm Leberecht Götzinger beschrieb den Felsen 1804 als unzugänglich und nur über Leitern ersteigbar. Er schlug 1812 die Einrichtung und Sicherung eines für Touristen nutzbaren Aufstiegs vor, was von der sächsischen Forstverwaltung aufgrund der hohen Kosten abgelehnt wurde.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 34 In den Folgejahren wird gelegentlich von Besteigungen berichtet, ohne dass genauere Namen und Daten genannt werden.

Im Jahr 1864 schlug am Falkenstein mit der Besteigung durch Schandauer Turner über den noch heute so genannten Turnerweg die Geburtsstunde des Sächsischen Kletterns. Nach längeren Vorbereitungen bestiegen Gustav Tröger, Ernst Fischer, J. Wähnert und H. Frenzel, alles Mitglieder des 1847 gegründeten Männer-Turnvereins zu Schandau, den Gipfel. Sie errichteten eine Fahnenstange auf dem Gipfel und brachten daran drei Fahnen an. Tröger veröffentlichte einen Bericht dazu am 2. April 1864 in den Dresdner Nachrichten. Die Turner verwendeten dabei noch künstliche Hilfsmittel, die nach den heutigen Regeln nicht zulässig sind. Dennoch gilt diese erste nachweisbare neuzeitliche Besteigung aufgrund ihrer primär sportlichen Motive als Anfang des Klettersports in der Sächsischen Schweiz.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 31 Eine weitere Besteigung durch Dresdner Turner ist für 1868 belegt, da diese ihre Namen im Ausstiegsbereich in den Fels einschlugen. Ebenfalls durch eingeschlagene Namen dokumentiert ist eine Besteigung aus dem Jahr 1871. 1878 folgte anlässlich der Silberhochzeit des sächsischen Königspaars ein Aufstieg mit Leitern durch vier Mitglieder der Schandauer Sektion des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz, die auf dem Gipfel ein Höhenfeuer entzündeten.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 32 Erneut kamen danach Pläne zur Schaffung eines allgemein zugänglichen Aufstiegs auf, die ebenfalls an Geldmangel scheiterten.

Als Gipfelzeichen wurde Ende 1894 eine Wetterfahne in Form eines Falken auf dem Falkenstein montiert. Bereits 1903 musste die Fahne nach Beschädigungen repariert werden. 1929 verschwand der Falke, dessen Existenz wiederholt als Verschandelung kritisiert worden war, vom Gipfel. Ein Jahr später wurde die Metallfigur durch Zufall in einer Felsspalte entdeckt. Zunächst blieb sie im Besitz eines Kletterclubs, seit 1951 befindet sich der Falke im Heimatmuseum von Bad Schandau.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 63

Die Existenz der alten Burgwarte war schon Götzinger bekannt gewesen. 1878 war während der damalige Besteigung ein zerbrochenes mittelalterliches Tongefäß entdeckt worden. Bei der Begehung des Turnerwegs im Abstieg nach der Erstbegehung des Schusterwegs entdeckten Oscar Schuster und Martin Klimmer 1892 unter Bewuchs künstliche Stufen, die Teil des Aufstiegs zur Burgwarte gewesen waren. Der Dresdner Architekt und Heimatforscher Oskar Pusch führte 1940 eine größere Untersuchung des Burggeländes am Falkenstein durch. Anhand der Ergebnisse erstellte er eine zeichnerische Rekonstruktion der Burgwarte.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 15 Er entdeckte zudem Spuren von Brandschutt, die darauf hinweisen, dass die Burgwarte bei Kampfhandlungen zerstört wurde.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 18

1964 und 1989 fanden jeweils Festwochen zum Jubiläum der klettersportlichen Erstbesteigung statt. 1989 bewältigte dabei eine Seilschaft den Turnerweg unter Verzicht auf heutige Kletterschuhe und Seile mit einer den damaligen Erstbesteigern nachempfundenen Kleidung und Ausrüstung.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 79

Die Burgwarte Wie bei den anderen Felsenburgen des Elbsandsteingebirges bestanden die Bauten der Burgwarte aus Holz. Heute noch sichtbar sind daher lediglich in den Fels geschlagene Balkenlager, Falze und Stufen. Sichtbar sind auch noch in den Fels gehauene Rinnen zum Auffangen von Regenwasser. Die Burgwarte befand sich hauptsächlich auf den Felsklippen am Fuß der Nordseite des Falkensteins. Durch Palisaden war dort ein größerer Hof abgegrenzt, von dem steinerne Stufen auf die höheren Teile der Felsklippen führten, wo noch eine in den Fels geschlagene Nische, wahrscheinlich eine Wächterstube, erkennbar ist. Dieser Bereich war durch einen hölzernen Wehrgang gesichert. Oberhalb der Stufen befanden sich in etwa 15 Meter Höhe die Hauptbauten der Burgwarte, direkt an den Fuß der Wände des Falkensteins geschmiegt. Im Verlauf des Turnerwegs führten schließlich Stufen und Leitern zum Gipfel des Falkensteins, auf dem sich wahrscheinlich eine kleine Wachstube als Ausguck befand.

Die Burgwarte besaß keinen Brunnen oder eine Zisterne. Zur Wasserversorgung diente wahrscheinlich das Scheidenbörnel, eine inzwischen weitgehend versiegte Quelle etwas nördlich des Falkensteins. Zudem wurde, erkennbar an noch sichtbaren, aus dem Fels geschlagenen Rillen neben dem Turnerweg, Regenwasser aufgefangen.

Felsklettern Bergsportliche Erschließung mini|hochkant|Die seit 1919 im Schusterweg befindliche Schusterplakette mini|Ansicht um 1914 mini|Teile der Schrammsteine mit dem Falkenstein im Hintergrund Der Gipfel ist nur für geübte Kletterer erreichbar. Mittlerweile führen über hundert verschiedene Kletterrouten ab Schwierigkeitsgrad III auf der sächsischen Schwierigkeitsskala auf den Falkenstein sowie seine Nebengipfel Zinne und Turnernadel. 2001 waren es auf alle drei Gipfel insgesamt 77 Kletterwege und 68 Varianten zu diesen Wegen.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 10

Der Turnerweg als ältester sächsische Kletterweg wurde erstmals 1892 ohne künstliche Hilfsmittel begangen. Im gleichen Jahr begingen Oscar Schuster und Martin Klimmer erstmals den Schusterweg (Schwierigkeitsgrad III), der seitdem der beliebteste und meistbegangene Weg auf den Falkenstein ist.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 35 Ab 1894 war in den glatten Rinnen im Mittelteil des Weges ein Drahtseil angebracht, das einige Jahre später durch Eisenklammern ersetzt wurde.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 43 Diese Hilfsmittel waren bei den sächsischen Bergsteigern umstritten, 1920 stimmte aber eine Mehrheit der Vertreter des Sächsischen Bergsteigerbunds (SBB) für deren Beibehaltung. 1930 wurden die Klammern durch Unbekannte abgesägt. Die Überreste stellten eine Verletzungsgefahr dar, sie wurden daher bis 1937 durch den SBB beseitigt. Seitdem existieren keine entsprechenden künstlichen Hilfsmittel mehr am Falkenstein.Hans Pankotsch: Der Falkenstein, Aus der Geschichte eines Kletterfelsens in der Sächsischen Schweiz, Zittau 2001, S. 44 An den Erstbegeher Oscar Schuster erinnert seit 1919 die Schusterplakette, die etwa auf halber Höhe im Schusterweg angebracht ist. Seit einigen Jahrzehnten hat es sich unter den Begehern des Schusterwegs eingebürgert, während der Begehung die Nase der Plakette zu berühren.Bernd Arnold: Oscar Schuster und ich. Ein Versuch einer Annäherung. In: Joachim Schindler: Oscar Schuster (1873–1917) – Bergsteiger, Alpinist, Erschließer, Arzt, Publizist. Dresden 2013, S. 34–54, hier S. 35.