mini|Sitz der Stiftung im Max Liebermann Haus in Berlin Die Stiftung Brandenburger Tor ist die Kulturstiftung der Berliner Sparkasse und hat ihren Sitz im wieder aufgebauten Haus von Max Liebermann am Pariser Platz neben dem Brandenburger Tor in Berlin.
Tätigkeit Die 1997 ursprünglich von der Bankgesellschaft Berlin gegründete Stiftung Brandenburger Tor hat seit dem Jahr 2000 ihren Sitz im Max-Liebermann-Haus am Brandenburger Tor. Das wieder aufgebaute Haus von Max Liebermann am Pariser Platz, direkt neben dem Brandenburger Tor, ist ein einzigartiger Ort deutscher Geschichte. Nirgendwo in Deutschland sind Glanz, Gefährdung und Untergang von Kultur enger miteinander verknüpft als im Haus von Max Liebermann an diesem prominenten Platz am Brandenburger Tor, dessen Bedeutung vom Lokalen ins Europäische reicht.
Das Brandenburger Tor ist Symbol für Freiheit und Toleranz, der Einheit Deutschlands wie Berlins und der Öffnung zwischen Ost und West und gibt der Stiftung ihren Namen. Daraus leitet die Stiftung Brandenburger Tor als Kulturstiftung der Berliner Sparkasse ihren Auftrag ab, die Bedeutung der Kultur für unsere Zivilgesellschaft hervorzuheben und zu gestalten. Sie widmet sich der Ästhetischen Bildung, veranstaltet Ausstellungen und initiiert Debatten zum Kunstmarkt und der Kulturpolitik.
Das Ziel aller Stiftungsaktivitäten lautet: Mit Kultur die Demokratie gestalten!
Programmschwerpunkte der Stiftungsarbeit sind:
Ästhetische Bildung an Schulen Ausstellungen Bildung und Vermittlung Kunstmarkt und Kulturpolitik
Organisation Organe der Stiftung sind das Kuratorium und der Vorstand. Dieser wird bei der Erfüllung seiner operativen Arbeit in den Förderbereichen durch einen Beirat unterstützt. Dem Vorstand, bestehend aus Bianca Richardt, Leiterin des Bereichs Stiftungen der Berliner Sparkasse, und Daniela Bystron, obliegt die Geschäftsführung und Vertretung nach außen. Er ist für die Erfüllung der Satzungszwecke durch operative Arbeit und Förderung verantwortlich. Das Kuratorium überwacht die Geschäftsführung durch den Vorstand und die Vermögensverwaltung. Kuratoriumsvorsitzender ist seit 2021 Peter-André Alt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wübben Stiftung Wissenschaft. Bei der Auswahl und Ausgestaltung der Projekte wird der Vorstand durch einen Beirat beraten.
Ehemalige Sprecherin des Vorstandes war von 1997 bis Ende 2013 Monika Grütters, zusammen mit Pascal Decker als einfachem Vorstandsmitglied. Pascal Decker war daraufhin von 2014 bis zu seinem Rücktritt am 31. Mai 2018 geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Von 2014 bis 2025 war der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Nationalgalerie Peter-Klaus Schuster Mitglied des Vorstands der Stiftung. Der frühere Bundespräsident Roman Herzog war von 1999 bis 2015 Kuratoriumsvorsitzender.
Max-Liebermann-Haus
Im Jahr 1844 wurde das Haus vom Schinkel-Schüler August Stüler erbaut. Mit seiner sachlichen Architektur wirkte das dreigeschossige Haus klar und nüchtern. Auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. wurde dafür gesorgt, dass das Haus das Brandenburger Tor nicht überragte. Aus Gründen der Symmetrie erhielt das Brandenburger Tor vom selben Architekten auf der anderen Seite ein architektonisches Pendant.
1857 erwarb Max Liebermanns Vater das Haus am Pariser Platz Nr. 7 oder wie Max Liebermann es selbst gern auszudrücken pflegte: Jleich wenn Se [zu Berlin] rin komm’, links!. 1892 zog dieser mit seiner Frau Martha und Tochter Käthe in den 2. Stock des Hauses ein. Zu seinen Nachbarn gehörten preußische Großgrundbesitzer, alter und neuer Adel, Industrielle sowie die Französische Botschaft. Der deutsch-jüdische Maler und bedeutendste Vertreter des deutschen Impressionismus lebte nicht nur im Haus am Pariser Platz, sondern arbeitete dort auch, auf dem Dach hatte er sich sein legendäres Atelier, von dem Architekten Hans Grisebach, nach einem langen Prozess gegen den Kaiser Wilhelm II., errichten lassen. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde Max Liebermann Arbeitsverbot erteilt, woraufhin er aus der Preußischen Akademie der Künste, deren Präsident er bis dahin war, austrat. 1935 starb er in seinem Haus am Brandenburger Tor. Martha Liebermann wurde 1936 aus ihrem Haus vertrieben, nachdem die Nazis den Judenbann über sie verhängt hatten.
Im Winter 1942/1943 erlitt sie einen Schlaganfall. Nachdem sie am 5. März 1943 die Aufforderung zur Deportation nach Theresienstadt erhalten hatte, nahm sie eine Überdosis Schlaftabletten und starb am 10. März 1943. An sie erinnert ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig vor dem Hauseingang des Hauses am Pariser Platz.
1943 fiel das Haus einem Bombenangriff zum Opfer. Das heutige Max-Liebermann-Haus wurde nach dem Fall der Mauer und der wiedergewonnenen Einheit Deutschlands im Sinne einer „kritischen Rekonstruktion“ durch Josef Paul Kleihues in Anlehnung an das historische Vorbild wieder aufgebaut. Für die Innenraumgestaltung war die Innenarchitektin Margit Flaitz verantwortlich.
Heute gehört das Haus der Familie Harald Quandt aus Bad Homburg.
Projekte
Ästhetische Bildung an Schulen Das Programm Max – Artists in Residence an Schulen setzt seit 2015 innovative Impulse zur Integration von Ästhetischer Bildung in Schulen: Kunstschaffende aus unterschiedlichen Gattungen richten für drei Jahre ihr Atelier in einer Schule ein. Schülerinnen und Schüler wie Lehrkräfte haben die Gelegenheit, die Kunstschaffenden im Atelier zu besuchen, bei der Arbeit zu beobachten sowie selbst künstlerisch tätig zu werden.
Ausstellungen Die Ausstellungen der Stiftung Brandenburger Tor verbinden historische Erinnerung mit künstlerischer Gegenwart. Das kreative Vermächtnis des früheren Hausbewohners Max Liebermann wird lebendig und inspiriert Künstlerinnen und Künstler von heute. Die Stiftung lädt dazu ein, Kunst als Teil von Geschichte und Gesellschaft zu erleben und die Wechselwirkung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu entdecken. Im Mittelpunkt steht die Dokumentation Liebermanns Welt, die Leben und Werk des Künstlers und seiner Familie zeigt. Die Einraumausstellungen stellen in kompakter Form Liebermanns persönliche Netzwerke dar und zeigen deren Einfluss auf sein Werk. Mit der Ausstellungsreihe im Atelier Liebermann schafft die Stiftung zudem Raum für zeitgenössische Kunst. In der Reihe wurden u. a. Daniel Richter/Jack Bilbo und Wolfgang Petrick (2017), Leiko Ikemura / Donata und Wim Wenders sowie Nanne Meyer (2018), Bjørn Melhus (2019), Gerhard Richter (2021), Michael Wesely (2022), Monika Bartholomé (2023) und Jorinde Voigt (2024) gezeigt.
Bildung und Vermittlung Familienführungen, Workshops mit Kindern und mit Schulklassen, Tast- und Tandemführungen für Blinde und Sehbehinderte und Telefonführungen für Menschen, die nicht vor Ort sein können, sind Teil des diverssensibel und multiperspektivisch ausgerichteten Angebots, das die Stiftung Brandenburger Tor im Rahmen der jeweiligen Ausstellungen im Haus anbietet.
Kunstmarkt und Kulturpolitik Die Stiftung Brandenburger Tor regt regelmäßig Kulturdebatten und Projekte zu Liebermanns Welt und zu Berlin als internationale Kunst- und Künstlerstadt an. Hier wird diskutiert, was Kunst kann und darf. Zu den Veranstaltungsreihen zählen Formate wie der KULTURSALON und der After Work Walk & Talk.
Literatur Manfred Sack: Artikel über den Wiederaufbau des Max Liebermann Hauses. In: Die Zeit, Nr. 47/1992. Amory Burchard: Artikel über die Wiedereröffnung des Max Liebermann Hauses. Der Tagesspiegel, 29. März 2000.
Weblinks Website der Stiftung Brandenburger Tor YouTube-Kanal der Stiftung Brandenburger Tor
Einzelnachweise
Brandenburger Tor Kategorie:Kulturelle Organisation (Berlin) Kategorie:Kulturinstitut Brandenburger Tor Brandenburger Tor