Der Pyruvat-Dehydrogenase-Mangel ist eine sehr seltene angeborene neurometabolische Erkrankung mit Störungen im Pyruvatdehydrogenase-Komplex.
Je nach betroffenem mitochondrialen Enzym (Pyruvatdehydrogenase (E1), Dihydrolipoyl-Transacetylase (E2) oder Dihydrolipoyl-Dehydrogenase (E3)) reicht das klinische Bild von schwerer Laktatazidose beim Neugeborenem bis zu neurologischen Erkrankungen mit späterem Beginn.
Synonyme sind: Kongenitale Laktazidose, Pyruvat-Dehydrogenase-Komplex-Mangel,
Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1970 durch die US-Amerikaner John P. Blass, Joel Avigan und B. William Uhlendorf.J. P. Blass, J. Avigan, B. W. Uhlendorf: A defect in pyruvate decarboxylase in a child with an intermittent movement disorder. In: The Journal of clinical investigation. Bd. 49, Nr. 3, März 1970, S. 423–432, doi:10.1172/JCI106251, PMID 4313434, .
Verbreitung Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, die Vererbung erfolgt teils autosomal-rezessiv, teils X-chromosomal dominant.
Einteilung Derzeit ist folgende Einteilung nach den Untereinheiten des PDH-Komplexes gebräuchlich: PDHD durch E1-alpha-Mangel (PDHA1), Mutationen im PDHA1-Gen auf dem X-Chromosom Genort p21.12, X-chromosomal dominant PDHD durch E1-beta-Mangel, Mutationen im PDHB-Gen auf Chromosom 3 Genort p14.3, autosomal-rezessiv PDHD durch E2-Mangel (PDHB), Mutationen im DLAT-Gen auf Chromosom 11 Genort q23.1, autosomal-rezessiv PDHD durch E3-Mangel, Synonyme: Dihydro-Lipoamid-Dehydrogenase-Mangel; Ahornsirup-Krankheit, E3-defiziente; DLD-Mangel, Mutationen im DLD-Gen auf Chromosom 7 Genort q31.1, autosomal-rezessiv PDHD durch Mangel des E3-bindenden Proteins, Synonyme: 2-Oxo-Glutarat-Komplex-Mangel; Diaphorase-Mangel; Dihydrolipoamid-Dehydrogenase-bindendes Protein-Mangel des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplex; Dihydrolipoyl-Dehydrogenase-Mangel; GCSL-Mangel; Lipoamid-Dehydrogenase-Mangel; Mangel der E3-Untereinheit des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplexes; Pyruvat-Dehydrogenase-Protein-X-Komponenten-Mangel; Verzweigtkettige-alpha-Ketosäuren-Dehydrogenase-Komplex-Mangel, Mutationen im PDX1-Gen auf Chromosom 11 Genort p13, autosomal-rezessiv PDH-Phosphatase-Mangel (PDHPD), Mutationen im PDP1-Gen auf Chromosom 8 Genort q22.1, autosomal-rezessiv
Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Bereits intrauterin gestörte Entwicklung mit geringer Gewichtszunahme und niedrigem Geburtsgewicht häufig gleich nach der Geburt Muskelhypotonie, Trinkschwierigkeiten, Atemnot Psychomotorische Retardierung Mikrozephalie, Ataxie, Optikusatrophie Lactazidose Häufig besteht klinisch das Bild eines Leigh-Syndroms.
Diagnose Eine Kombination von frühzeitigem Beginn neurologischer Auffälligkeiten, Laktatazidose und Auffälligkeiten des Gehirnes sollte den Verdacht auf Pyruvat-Dehydrogenase-Mangel hervorrufen. Oft ist die Laktat-Konzentration im Liquor cerebrospinalis gegenüber dem Blutplasma deutlich erhöht. Die Diagnosesicherung erfolgt durch den Nachweis der gestörten Enzymfunktion.
Differentialdiagnose Abzugrenzen sind andere Ursachen für eine Laktatazidose wie Pyruvat-Carboxylase-Mangel, Defekte der Glukoneogenese und weitere mitochondriale Erkrankungen sowie das Leigh-Syndrom.
Literatur
Einzelnachweise
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