Die Krake mit der Kennung ZK 14 war ein niederländischer Blazer, den der deutsche Schriftsteller, Barde, Theaterschaffende und Reformpädagoge Martin Luserke erworben hatte. Er wird daher in der deutschsprachigen Literatur, in regionalen Museen, Bibliotheken,Krake. Johannes A. Lasco Bibliothek in Emden, Ostfriesland. Auf: jalb.de, abgerufen am 1. Juli 2017. Archiven,Krake. In: Schiffshistorisches Archiv Flensburg. Auf: schiffshistorisches-archiv.de, abgerufen am 20. November 2024. EnzyklopädienAlbrecht Sauer: Martin Luserke. In: The Oxford Encyclopedia of Maritime History. Oxford University Press, 2007. ISBN 978-0-19-513075-1. sowie anlässlich von VorträgenDie Lebensfahrt des Martin Luserke, Vortrag von Professor Kurt Sydow aus Anlass des 100. Geburtstages von Martin Luserke, 3. Mai 1980, veröffentlicht als: Die Lebensfahrt eines großen Erzählers – Martin Luserke (1880–1968), in: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung Ausg. 12, 1980. thematisiert. In den Häfen zwischen den westfriesischen Inseln und Rügen war die Krake in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre als schwimmende Dichterwerkstatt bekannt, auf der sich stets eine größere Zahl überwiegend junger Leute zur Mitfahrt, zu Erzählungen und Lesungen einfand.Jan Herchenröder: Der Geschichtenerzähler von Meldorf – Ein Besuch beim alten Luserke. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 1 (1962), 2. Januar 1962. Zu den aus heutiger Sicht prominenten Gästen an Bord zählten beispielsweise Heddy Pross-Weerth und Beate Uhse.
Historie Ebenhaëzer ZK 14 (ex ZK 74) Der niederländische Blazerlt. Ole Pfeiler (Osterholz-Scharmbeck), Kurator für Plattbodenschiffe des Schiffshistorischen Archivs Flensburg, 14. August 2017.Alli A. Bolt, Zoutkamp, Nordholland: Blazer, built in 1911. Ebenhaëzer mit der Kennung ZK 14 (ex ZK 74) wurde von Betto und Maarten Bolt aus dem nordholländischen Zoutkamp (Schiffskennung ZK) betrieben. Der Name steht für die niederländische Schreibweise des biblischen Ortes Eben-Ezer (hebr. אבן העזר, Even HaʿEzer), an dem die Israeliten (hebr. בני ישראל Bnei Yisra'el) gegen die Philister (hebr. פְּלִשְׁתִּים, Plištim) kämpften. Zwischen 1911 und etwa dem Ende der 1920er Jahre fingen die Gebrüder Bolt insbesondere Garnelen, Muscheln, Schollen und in geringerem Umfang Heringe. Ihr Schiff wurde 1911 von einer niederländischen Werft auf Kiel gelegt.Martin Luserke: Krake kreuzt im Nordmeer – Logbuch 1937. Mit Zeichnungen von Willy Thomsen. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1937, S. 5. Seine genaue Herkunft und frühe Geschichte sind jedoch auch in seinem Heimathafen nicht dokumentiert.Archiv des Visserijmuseum Zoutkamp, Noord-Nederland: Registrierkarte der Z.K. 14 Ebenhaëzer (ex Z.K. 74). Persönliche Anfrage und Ablichtung der Registrierkarte durch Dhr. Daan Oostindiën aus Zoutkamp, 9. August 2017.
Luserke, der bereits seit seiner Kinderzeit, konkret jedoch seit etwa 1929 mit dem Gedanken spielte, zur See zu gehen, hatte 1931 im ostfriesischen Leer das Steuermannspatent auf kleiner Fahrt gemacht. Als er das Schiff am 25. Februar 1934 zum Preis von 400 niederländischen Gulden in Zoutkamp erwarb, hatte es wohl bereits seit mehreren Jahren aufgelegen und war trotz seiner soliden Bauweise aus Eichenholz in einem teilweise maroden Zustand.Iris Hellmich: Auf den Spuren des Schriftstellers Martin Luserke, in: Emder Zeitung, Wochenmagazin, Reihe: Emder erzählen (Teil 127), 5, Juli 1997. Während der viertägigen Überführungsfahrt von Zoutkamp ins ostfriesische Oldersum brach die Kajüte zusammen.
Krake ZK 14 Von der Werft in Oldersum ließ Luserke die künftige Krake umbauen, insgesamt restaurieren und zu einem bewohnbaren Schiff ausbauen.Martin Luserke, Hörfunkinterview zu VHS-Erzählabenden in Meldorf, Norddeutscher Rundfunk 1962, 3:22 Min. Es erhielt unter anderem erstmals ein Ruderhaus, auf dem Vorschiff ein erhöhtes Kabinendach, um unter Deck Stehhöhe zu erreichen, und einen neuen Deutz-Zweizylindermotor für Dieselrohöl.Martin Luserke: Logbuch der Krake. Mit Zeichnungen von Dieter Evers. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1937, S. 8–9. (Neuauflage: ISBN 978-7-00-005031-0) Die alte Kennung ZK 14, die auf den Heimathafen Zoutkamp verwies, beließ Luserke unverändert auf dem großen Gaffelsegel, während sie am Bug weiß überstrichen und durch den schwarzen Schriftzug Krake ersetzt wurde. Ausweislich der vorhandenen Fotos wurde der Name am Bug erst kleiner, später deutlich größer ausgeführt. Der Plattboden erhielt einen schwarzen Anstrich, Metallteile waren silberfarben.
Gemeinsam mit seinem anfänglich fünfzehnjährigen Sohn Dieter (1918–2005), der gemäß den Vorschriften der See-Berufsgenossenschaft zuerst als Decksjunge, dann als Jungmann, Leichtmatrose und schließlich als Matrose angeheuert hatte und in der Musterrolle verzeichnet war, befuhr er in den folgenden Jahren die flachen Küstengewässer der Nord- und Ostsee zwischen den niederländischen westfriesischen Inseln, den deutschen ostfriesischen und nordfriesischen Inseln, Dänemark, dem Süden Norwegens und Schwedens, Fehmarn, Hiddensee und Rügen, aber auch Kanäle, Flüsse, Ströme und Seen zwischen beiden Meeren. Sein Ziel war es, historische Seewege der Wikinger zu erkunden.Karl Körner: Martin Luserke. In: Meldorfer Hausfreund – Amtliche Zeitung für die Bekanntmachungen der Behörden der Stadt Meldorf und des Meldorfer Wirtschaftsraumes. 7. Jg., Nr. 37, 10. Mai 1955, S. 1.
Bis Ende 1938 setzte Martin Luserke das Schiff als seine schwimmende Dichterwerkstatt ein und verwirklichte auf diese Weise einen Teil seiner Vorstellungen von einem relativ ungebundenen Leben an den nordischen Küsten und auf See. Auch ein professioneller Seemann namens Willms wurde zeitweise dafür angeheuert. Einschränkendes Hindernis dieser Segeltörns waren die Zoll- und Ausfuhrbestimmungen des Deutschen Reiches, nach denen jede Person der Schiffsbesatzung nur 10 Reichsmark in Münzen mitführen durfte.Martin Luserke: Logbuch der Krake. Mit Zeichnungen von Dieter Evers. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1937, S. 14. (Neuauflage: ISBN 978-7-00-005031-0) Die mussten für den gesamten Trip genügen, so dass die von Beginn an mitgeführte Zuteilung an Betriebsstoffen und der Proviant im Wesentlichen ausreichen mussten, natürlich ergänzt durch Fischfang für den Eigenbedarf. Als ein winterlicher Ankerplatz ist beispielsweise der Schweriner See überliefert.
Die erste Seefahrt mit nagelneuem Motor unter dem Namen Krake führte am Sonntag, dem 15. Juli 1934, von Oldersum nach Juist, von Luserke bis in den August 1934 als Heimathafen genutzt. Ab dem letzten Quartal 1934 wurde die Krake im Seeschifffahrtsregister Emden geführt, jedoch fälschlich als Tjalk.NLA AU, Rep. 239, Nr. A 316 Titel: Tjalk Krake – Juist, Laufzeit: 1934–1950, Klassifikation TeilB: krake, GEOB: Juist, Krake, Tjalk. In: Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Aurich. Auf: niedersachsen.de, abgerufen am 26. August 2017. Zurückzuführen ist das möglicherweise auf die hinzugefügten Aufbauten, über die ein Blazer typischerweise nicht verfügt. Durch das Hinzufügen eines Ruderhauses wird aus einem Blazer jedoch keine Tjalk.
Im Jahr 1935 kam u. v. a. der österreichische Pressefotograf Lothar Rübelt an Bord der Krake und fertigte eine Reihe von Aufnahmen an, die teils veröffentlicht wurden.Pressefoto: Dieter Luserke (1918–2005) an Bord der Krake. In: Die Dame, Nr. 24 (1935), Foto: Lothar Rübelt. Auf: gettyimages.de, abgerufen am 1. Juli 2017. Bei den Weblinks dieses Artikels findet sich ein Verweis zu einem dieser Pressefotos, das Dieter Luserke 1935 an Bord der Krake am 13 Meter hohen Schiffsmast zeigt. Durch Homestories in überregionalen Zeitschriften, ausgelöst durch Luserkes erfolgreiche Buchveröffentlichungen, wurde die Krake vor allem im deutschen Sprachraum sehr bekannt.
Von der Stadt Emden war Luserke in besonderer Weise fasziniert. Zum Überwintern mietete er dort in der Nähe seiner Anlegestelle im Falderndelft eine Wohnung in der Beuljenstraße 4 an, die er mit seinem Sohn bewohnte, während das Schiff überholt wurde. Daher entstanden in Emden einige seiner literarischen Werke, die in den 1930er und 1940er Jahren zu Bestsellern wurden, darunter auch sein 1935 mit dem Literaturpreis der Reichshauptstadt Berlin prämierter Roman Hasko.Hasko – Ein Wassergeusen-Roman. Franz-Eher-Verlag, München 1936. (Neuauflage: ISBN 978-3-922117-99-5)
Ein ganz spezielles Verhältnis entwickelte Luserke jedoch zu seinem Werk Obadjah und die ZK 14, in das er das Schiff ebenso integrierte wie in weitere seiner Werke.Martin Luserke: Obadjah und die ZK 14 oder Die fröhlichen Abenteuer eines Hexenmeisters. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1936.Martin Luserke: Krake kreuzt im Nordmeer – Logbuch 1937. Mit Zeichnungen von Willy Thomsen. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1937.Martin Luserke: Logbuch der Krake. Mit Zeichnungen von Dieter Evers. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1937. (Neuauflage: ISBN 978-7-00-005031-0)Martin Luserke: Der Teufel unter der ZK 14, in: Sammelband Der kleine Schühss – Ein Buch von der Wattenküste, mit ganzseitigen Zeichnungen von Karl Stratil (1894–1963), hrsg. von Rolf Italiaander (1913–1991), Nachwort von Martin Kießig (1907–1994). Verlag Gustav Weise, Leipzig 1935.
Ende 1938 legte Luserke unplanmäßig in Meldorf (Holstein) an und überwinterte dort, um sich dann gemäß eigener Aussage in einem NDR-Hörfunkinterview nach dem zweiten Überwintern 1940 fest dort anzusiedeln. Dort richtete er sich sein an eine Kajüte erinnerndes Arbeitszimmer als „Werkstatt“ ein und dekorierte es mit den Schnitzereien aus der Krake, deren Ankerlampe und dem einst am Schiffsmast bei besonderen Anlässen aufgezogenen Festtagswimpel. 1939 wurden aufgrund der Devisenknappheit des Deutschen Reiches die Zuteilungen von Betriebsstoffen und des für den Zoll verplombten Proviants für private Schiffe gesperrt. Dabei dürfte auch der in Aussicht genommene Kriegsbeginn eine Rolle gespielt haben, als die Küstenregionen vermint wurden, so dass die Aufgabe der Segeltörns gezwungenermaßen zustande kam.Karl-Ulrich Meves: Martin Luserke, in: Mitteilungen 108 (2006), Vereinigung ehemaliger Schüler und der Lehrer der Meldorfer Gelehrtenschule e. V. (Hrsg.), S. 33–41.
Am 18. Juni 1944 wurde die Krake bei einem alliierten Bombenangriff auf der Werft in Hamburg-Finkenwerder durch Volltreffer vollständig zerstört.
Bezeichnung mini|150px|ZK 14 (links) in ihrem ursprünglichen Zustand, genutzt von Muschelfischern, im Hafen von Zoutkamp