HMS Kingston (F64) war ein Zerstörer der K-Klasse der Royal Navy. Der im Oktober 1937 bei J. Samuel White & Co. in Cowes auf der Isle of Wight auf Kiel gelegte Neubau kam als zweites Schiff der K-Klasse am 14. September 1939 in den Dienst der Royal Navy. Für ihre Einsätze im Zweiten Weltkrieg wurde die Kingston mit den Battle Honours Atlantic 1939, North Sea 1939, Malta Convoys 1941/42 und Sirte 1942 ausgezeichnet.HMS KINGSTON (G 64) – K-class Destroyer

Am 22. März 1942 nahm die Kingston während des Zweiten Seegefechts im Golf von Syrte am Angriff britischer Zerstörer auf die italienische Flotte teil und wurde in der Drehung zur Attacke von einer 15″-Granate der Littorio durchschlagen, die erst im Wasser explodierte. Die Druckwellen erzeugten schwere Schäden und die Maschine fiel aus. 15 Besatzungsmitglieder wurden getötet und 20 weitere verletzt. Nach einiger Zeit gelang es, die Maschine wieder in Betrieb zu nehmen und mit eigener Kraft Malta zu erreichen. Die Reparatur scheiterte durch andauernde Luftangriffe, wobei vierzehn weitere Besatzungsmitglieder starben und vier weitere verletzt wurden. Nach den Bombenschäden wurde die Kingston als nicht mehr reparabel eingestuft (Total Constructive Loss).

Geschichte HMS Kingston wurde am 6. Oktober 1937 bei J. Samuel White & Co. in Cowes auf der Isle of Wight 16 Tage nach der fast baugleichen Jersey auf Kiel gelegt. Am 9. Januar 1939 lief der Neubau als sechste Kingston für die Royal Navy vom Stapel. Benannt war das Schiff nach dem Londoner Stadtteil Kingston upon Thames. Die Indienststellung des zweiten Schiffs der K-Klasse mit der Kennung F64 fand am 14. September 1939, drei Wochen nach dem bei Hawthorn, Leslie & Co. fertiggestellten Flottillenführer Kelly, statt, und das Schiff wurde der im Aufbau befindlichen 5. Zerstörerflottille zugewiesen, die alle Neubauten der K-Klasse umfassen sollte, von denen Kimberley am 21. Februar 1940 als letztes Schiff in Dienst gestellt wurde.

Einsätze Die „5th Destroyer Flotilla“ war Teil der Home Fleet und sollte in der Nordsee zur Konvoi-Sicherung und U-Boot-Abwehr eingesetzt werden. Während der Ausbildungszeit bei der Home Fleet wurden die Zerstörer selten im Flottillenverband eingesetzt, sondern bildeten Einsatzgruppen nach Verfügbarkeit. Als am 23. November 1939 die deutschen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau nordwestlich der Färöer-Inseln den britischen Hilfskreuzer Rawalpindi versenkten, lief die Kingston aus dem Firth of Forth mit den Zerstörern Afridi und Gurkha sowie den Kreuzern Aurora, Edinburgh und Southampton zur Überwachung der Fair-Isle-Passage zwischen Schottland und den Shetlands aus und beteiligte sich an der Suche nach den zurücklaufenden deutschen Schiffen.Rohwer: Seekrieg. 21.–27.11.1939, Nordatlantik Schon am 29. November 1939 erzielte die Kingston ihren ersten Erfolg, als sie mit Kashmir und Icarus das deutsche U-Boot U 35 östlich der Shetlands mit Wasserbomben angriff. Das U-Boot versenkte sich selbst auf , die britischen Zerstörer konnten die Besatzung retten und gefangen nehmen.Rohwer: Seekrieg. 21.–30.11.1939, Nordatlantik

Lecks in der Wasserversorgung des Schiffes erzwangen die Reparatur auf einer Werft, die im März 1940 bei Silley Cox & Co. in Falmouth erfolgte. Danach wurde der Zerstörer im Kanal und der südlichen Nordsee eingesetzt.

Einsatz im Roten Meer Der Beginn des deutschen Westfeldzugs 1940 führte zur Verlegung einer Vielzahl von Einheiten der Royal Navy in das Mittelmeer, da ein Kriegsbeitritt Italiens befürchtet wurde. Allein am 16./17. Mai 1940 verließen in drei Gruppen 16 Zerstörer, zwei Sloops und der Flakkreuzer Carlisle Plymouth zur Verstärkung der Mediterranean Fleet. Die Kingston führte die am Abend des 16. auslaufende zweite Gruppe mit den Schwesterschiffen Khartoum und Kandahar sowie Nubian, Hyperion, Hostile und Hasty. Die Gruppe erreichte am 18. Gibraltar und lief am folgenden Tag weiter nach Malta, wo sie am 21. eintraf. Von dort liefen die drei K-Zerstörer nach Ägypten und durch den Sueskanal zum Roten Meer, wo sie am 24. zusammen mit dem Schwesterschiff Kimberley, dem Kreuzer Carlisle und den Sloops Auckland und Flamingo eintrafen, die in anderen Gruppen gleichzeitig von Plymouth zum Roten Meer marschiert waren.

Die sieben neu eingetroffenen Einheiten wurden der zur East Indies Station gehörenden Red Sea Force unterstellt, die den Seeverkehr des britischen Empire durch das Rote Meer nach Ägypten sichern und ggf. italienische AngriffeIn Italienisch-Ostafrika waren neben Einheiten der Luftwaffe auch sieben Zerstörer, zwei ältere Torpedoboote, vier Kanonenboote, sieben Unterseeboote und fünf ältere Schnellboote der Regia Marina in Massaua stationiert. auf ihn unterbinden sollte. Neben den neu eingetroffenen Einheiten gehörten zu ihr zwei Leichte Kreuzer mit der neuseeländischen Leander und der australischen Hobart sowie vier weitere Sloops mit Grimsby, Shoreham und von der indischen Marine Cornwallis und Clive. Erster Befehlshaber der Gruppe war der Kommandant der Leander. Kingston bildete mit ihren drei Schwesterschiffen die vom Kommandanten der Kandahar geführte „28th Destroyer Division“, die zu der bei der Mittelmeerflotte neu gebildeten 14th Destroyer Flotilla gehörten.Die „14th DF“ verfügte im Mittelmeer nur über eine Division (27th) mit den beiden Zerstörern Janus (als vorübergehenden Flottillenführer) und Juno der J-Klasse sowie Nubian und Mohawk der Tribal-Klasse

Als der Kriegsbeitritt Italiens an der Seite Deutschlands am 10. Juni 1940 erfolgte, waren die vier Zerstörer schon nach Aden verlegt, um einen Ausbruch der Italiener aus dem Roten Meer und die Flucht weiterer feindlicher Handelsschiffe nach Eritrea zu verhindern. Eine erste Erkundung der italienischen Küstenbereiche am 11. und 12. Juni durch die Hobart mit Kingston und Khartoum provozierte erfolglose italienische Luftangriffe auf die britischen Einheiten, die keine Reaktion der italienischen Marine feststellen konnten. Beim Versuch, in das Rote Meer zurückzukehren, beschoss am 23. Juni das seit über einer Woche in See befindliche italienische U-Boot Toricelli die Sloop Shoreham, die auch getroffen und beschädigt wurde. Die alarmierten Zerstörer Kandahar, Kingston und Khartoum wie auch die indische Sloop Indus griffen in das Gefecht ein und versenkten die Toricelli nördlich von Perim.HMS Kingston (F 64) auf uboat.net Die Überlebenden wurden von Kingston und Kandahar aufgenommen und nach Aden in die Kriegsgefangenschaft gebracht. Die auf Patrouille bleibende Khartoum ging später durch die Explosion eines eigenen Torpedos an Deck verloren (siehe auch Khartoum (Schiff)#Das Ende der Khartoum).

Die Kingston sicherte mit den Schwesterschiffen Kandahar und Kimberley und weiteren Einheiten der Navy in der Folgezeit Geleitzüge durch das Rote Meer, so etwa das Truppengeleit WS.2A mit etwa 17.000 Mann auf sechs Passagier- und fünf Transportschiffen,Rohwer: Seekrieg. 5.8.–16.9.1940, Atlantik / Indischer Ozean. die Konvois AP.1 und AP.2 mit vier Transportern sowie dem Personal und der Ausrüstung dreier PanzerregimenterRohwer: Seekrieg. 22.8.–25.9.1940, Atlantik / Indischer Ozean. und AP.3 im Oktober 1940Rohwer: Seekrieg. 10.9.–22.10.1940, Atlantik / Indischer Ozean. sowie Ende des Jahres US.7 mit australischen Truppen für den Mittleren Osten.Rohwer: Seekrieg. 21.11.1940, Australien. Wartungsbasis für die Zerstörer war während der Einsätze im Roten Meer Bombay. Am 16. März 1941 unterstützte Kingston mit Kandahar und den Kreuzern Glasgow und Caledon sowie weiteren Hilfsschiffen die Rückeroberung der Hauptstadt von Britisch-Somaliland, Berbera, das die Briten am 19. August 1940 vor den angreifenden Italienern geräumt hatten. Von Aden aus wurden Truppen an Land gesetzt und mit Unterstützung der Schiffsartillerie die Stadt Berbera wieder eingenommen.Rohwer: Seekrieg. 16.3.1941, Rotes Meer / Ostafrika. mini|Der Zerstörer Pantera der Leone-Klasse Am 5. April entdeckte die Kingston die Wracks der Zerstörer Pantera und Tigre der Leone-Klasse, die von ihren Besatzungen südlich von Dschidda versenkt worden waren.Rohwer: Seekrieg. 1.–10.4.1941, Rotes Meer / Ostafrika Kingston zerschoss die Rümpfe, die dann von britischen Bombern aus Port Sudan endgültig vernichtet worden. Drei Tage später, am 8. April, brachte die Kingston das italienische Hospitalschiff RAMB IV vor Massaua auf.

Einsatz im Mittelmeer Am 17. April 1941 traf die Kingston als letzter der im Roten Meer eingesetzten Zerstörer in Alexandria ein, um bei der Mediterranean Fleet eingesetzt zu werden. Zuerst kam der Zerstörer mit seinen beiden auch aus dem Roten Meer abgezogenen Schwesterschiffen bei der Sicherung des Rückzugs alliierter Truppen aus Griechenland im Rahmen der Operation Demon zum EinsatzRohwer: Seekrieg. 24.–30.4.1941, Mittelmeer., es folgte Anfang Mai die Sicherung der schweren Einheiten der Mittelmeerflotte bei der Versorgungsoperation „Tiger“ für Malta.Rohwer: Seekrieg. 5.–12.5.1941, Mittelmeer Operation Tiger

Nach den deutschen Luftlandungen auf Kreta (Unternehmen Merkur) war der Zerstörer Teil der „Force C“ zur Abwehr von deutschen Verstärkungen über See mit den Zerstörern Kandahar, Nubian und Juno sowie den Kreuzern Naiad und der australischen Perth. In der Nacht zum 21. Mai konnte der Verband einen italienischen Schnellbootangriff abwehren. Am 22. griff der Verband, verstärkt durch die Flakkreuzer Calcutta und Carlisle, die zweite deutsche Motorseglerstaffel an. Durch die geschickte Verteidigung des sichernden italienischen Torpedoboots Sagittario und ständige Luftangriffe von Ju-88-Bombern der I./LG l und der III./KG 30 sowie Do-17-Bombern des KG 2 auf die britischen Einheiten verlor der deutsche Geleitzug nur zwei seiner 30 Fahrzeuge, wurde aber gezwungen, abzudrehen. Naiad und Carlisle erlitten Bombentreffer, und die „Force C“ drehte ebenfalls ab, um sich mit der schweren Deckungsgruppe zu vereinigen, die im Laufe des Nachmittags ebenfalls Ziel heftiger Luftangriffe durch Ju-87-Stukas des StG 2, Ju 88 der I./LG l und II./LG l sowie Bf-109-Jagdbombern wurde. Die I./LG l und eine Jabo-Rotte der III./JG 77 erzielten mehrere Nahtreffer auf dem Schlachtschiff Warspite, Ju 87 versenkten den Zerstörer Greyhound, von dem Kingston und Kandahar Überlebende retteten. Ju 88 und Ju 87 versenkten den Kreuzer Gloucester, der mit fast 700 Mann unterging und von dem deutsche Do-24-Seenotflugzeuge noch 65 Überlebende retteten. Zwei einzelne Bf-109-Jagdbomber der I./LG 2 (Hauptmann Herbert Ihlefeld) trafen am Abend den Kreuzer Fiji so schwer, dass er aufgegeben werden musste. Kingston konnte mit Kandahar 523 Überlebende retten. Bei den Luftangriffen wurden Naiad und Carlisle erneut getroffen und das Schlachtschiff Valiant leichter beschädigt. Kingston hatte bei den Luftangriffen nur leichte Splitterschäden erlitten. Sie erreichte mit den Geretteten am 24. Mai Alexandria und beseitigte die Schäden. Um die Verteidigungsfähigkeit gegen Luftangriffe zu verbessern, wurde ihr hinterer Torpedorohrsatz durch eine 102-mm-L/45-Mk.V-Flak und ihre wenig wirkungsvollen Fla-MG-Vierlinge durch vier einzelne 20-mm-Oerlikon-Maschinenkanonen ersetzt.

Am 17. Juni löste Kingston mit dem Kreuzer Naiad sowie den Zerstörern Nizam und Jaguar britische Einheiten bei der Blockade der syrischen Küste ab. Am 23. durchbrach der französische Großzerstörer Guépard die britische Blockade. Er erhielt im nächtlichen Gefecht mit den Kreuzern Leander und Naiad und den Zerstörern Nizam, Jaguar und Kingston zwar einen Treffer, entkam aber auf Grund seiner überlegenen Geschwindigkeit. Am 2. Juli beschoss der australische Kreuzer Perth, gesichert von Naiad, Kandahar, Havock, Griffin und Kingston, französische Stellungen an der Küste.Rohwer: Seekrieg, 7.6.–14.7.1941 Mittelmeer, Eroberung Syriens durch austral./indische und frei-französ. Truppen.