Greatest Showman von Michael Gracey ist ein US-amerikanischer Musicalfilm, der von der Geschichte des Zirkusbesitzers P. T. Barnum inspiriert wurde. Der Film kam am 20. Dezember 2017 in die US-amerikanischen und am 4. Januar 2018 in die deutschen Kinos.
Im Rahmen der Golden Globe Awards 2018 war der Film in drei Kategorien nominiert und This Is Me als bester Filmsong ausgezeichnet. Ebenso erfolgte eine Nominierung des Songs im Rahmen der Oscarverleihung 2018.
Handlung mini|Barnum’s American Museum im Jahr 1858 P. T. Barnum, Sohn armer Leute, verliert seine Arbeit, hat aber eine Idee. Er gründet Barnum’s American Museum of Curiosity, ein Kuriositätenkabinett mit Wachsfiguren und ausgestopften Tieren. Als seine Töchter ihn darauf aufmerksam machen, dass er nur tote Objekte ausstellt, heuert er unter anderem einen sehr kleinen Menschen und eine bärtige Frau an. Zudem versucht Barnum eine große und völlig neuartige Show auf die Beine zu stellen, in der neben seinen menschlichen Kuriositäten auch Akrobaten, Artisten und Tänzer auftreten sollen. Mit dem Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus legt er den Grundstein für das moderne Showbusiness. Phillip Carlyle, sein Assistent, verliebt sich in die Trapezkünstlerin Anne. Ihm gelingt es, die Truppe an den Hof der englischen Königin Victoria zu bringen, wo Barnum die schwedische Opernsängerin Jenny Lind kennenlernt und nach Amerika engagiert. Als er sie auf ihrer US-Tournee begleitet, beginnt Lind Annäherungen zu machen, die Barnum ablehnt, und kehrt nach Hause zurück. Nachdem Lind die Tournee vertragswidrig abgebrochen hat, gerät Barnum in substantielle finanzielle Schwierigkeiten.
Im Rahmen von Aufruhren gegen Barnums von Teilen der Gesellschaft unerwünschte Show brennt das Gebäude, in dem sie stattfindet, nieder. Dabei wird Carlyle schwer verletzt und von Barnum gerettet. Nachdem die Nachrichten von Linds Annäherungen und die schwerwiegende finanzielle Situation Barnums New York erreicht haben, verlässt ihn seine Frau und Barnum beginnt zu trinken.
Die Gruppe an Darstellern, die Barnum angeheuert hat, überzeugt ihn davon, nicht die Hoffnung zu verlieren. Allerdings vereinfachen Barnums mangelnde Kreditwürdigkeit und das Fehlen geeigneter Örtlichkeiten die Situation nicht. Der sich erholende Carlyle bietet an, seine Gewinne an der Show zur Verfügung zu stellen, im Austausch dafür, dass sie von nun an als gleichberechtigte Partner agieren. Daraufhin wird die Show in einem Zirkuszelt im Umfeld des Hafens wieder auf die Beine gestellt und Barnum gewinnt seine Frau zurück. Der wiedereröffnete Zirkus ist ein voller Erfolg und Barnum übergibt die Leitung der Show Carlyle, um sich auf seine Familie zu konzentrieren.
Biografischer Hintergrund P. T. Barnum war ein US-amerikanischer Zirkuspionier und Politiker. Er machte seine Lehre in kleinen Einzelhandelsgeschäften im Bundesstaat Connecticut und führte schon als junger Mann einen kleinen Laden in seiner Heimatstadt. Er verkaufte Lotterielose in mehreren Annahmestellen und gründete eine Zeitung. 1834 zog er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter nach New York, um dort sein Glück zu machen; bald stieg er ins Schaustellergewerbe ein. Später wurde er im Süden der USA bekannt. Besonders für sein Kuriositätenkabinett, das unter anderem Menschen aus anderen ethno-kulturellen Kontexten zeigte, stand er schon zeitgenössisch in der Kritik. Jüngere Forschung legt nahe, dass er für dieses Kabinett beispielsweise eine Gruppe Aborigines – darunter Sussy Dakaro – aus Australien nach Amerika verschleppen ließ. Auch zeigten seine Shows geistig beeinträchtigte Menschen, die ebenfalls gegen ihren Willen ausgestellt wurden und oft unter sklaverei-ähnlichen Bedingungen lebten.
Produktion Stab, Besetzung und Dreharbeiten Der Film wurde von Barnums Leben inspiriert. Es handelt sich um das Regiedebüt von Michael Gracey, der Greatest Showman als Musicalfilm gestaltete. Am Drehbuch wirkte unter anderem Bill Condon mit.
Hugh Jackman übernahm die Rolle von P. T. Barnum, Michelle Williams spielt seine Frau Charity und Austyn Johnson und Cameron Seely ihre Töchter Caroline und Helen. In Rückblenden wird P. T. Barnum von Ellis Rubin verkörpert.
Die Dreharbeiten fanden in der Upper East Side von New York statt, wo sich in unmittelbarer Umgebung eine Reihe von Museen befinden. Seamus McGarvey, der als Kameramann fungierte, wurde im Rahmen der Irish Film & Television Academy Awards 2018 für die beste Kamera nominiert.Hannah Moran: The nominations for the IFTA Film Awards 2018 have been announced In: evoke.ie, 11. Januar 2018.
Filmmusik, Marketing, und Veröffentlichung
mini|290px|Zendaya und Zac Efron sprechen über Greatest Showman. Die Filmmusik wurde von John Debney und Joseph Trapanese komponiert.Joseph Trapanese Co-Scoring ‘The Greatest Showman’ In: filmmusicreporter.com, 11. November 2017. Alle Songs aus dem Film stammen von den Oscar-Gewinnern Benj Pasek und Justin Paul, die bereits Lieder für den Film La La Land komponierten. Darunter sind This Is Me, der von Keala Settle gesungen wird, und The Greatest Show, den diese gemeinsam mit Hugh Jackman, Zac Efron und Zendaya singt.‘The Greatest Showman’ Soundtrack Details In: filmmusicreporter.com, 26. Oktober 2017. This Is Me diente auch zur Untermalung mehrerer Trailer zum Film und wurde vorab am 26. Oktober 2017 von Atlantic Records veröffentlicht, unter anderem bei Youtube. Ebenfalls vorab veröffentlicht wurde das Lied The Greatest Show. Den auf dem Soundtrack enthaltenen Song Rewrite The Stars singen Efron und Zendaya, und dieser beschreibt, wie schwierig es für beide ist, aufgrund ihrer gegensätzlichen Herkunft zueinander zu finden. Der Soundtrack umfasst elf Musikstücke und wurde am 8. Dezember 2017 von Atlantic Records veröffentlicht. Zudem wurde im gleichen Monat ein Behind-the-Scenes veröffentlicht, in dem Hugh Jackman, Zac Efron, Zendaya und die Komponisten Benj Pasek und Justin Paul über die Arbeit an dem Soundtrack sprechen.Seht euch hier an, wie der Soundtrack zu ‘The Greatest Showman’ entstand In: warnermusic.de, 13. Dezember 2017.
Am 29. Januar 2018 wurde das Album in den USA mit Gold ausgezeichnet. In Großbritannien erfolgte im März 2018 eine Auszeichnung mit einer Platin-Schallplatte. Der Titel This Is Me erreichte Gold, A Million Dreams wurde mit Silber ausgezeichnet.
Ende Juni 2017 wurde ein erster Trailer zum Film veröffentlichtAustin Elias-de Jesus: Get Your Daily Dose of Hugh Jackman’s Charm With the First Trailer for The Greatest Showman In: slate.com, 28. Juni 2017., im November 2017 folgte ein weiterer.Jennifer Ullrich: ‘The Greatest Showman’: Neuer spektakulärer Trailer zum Musical-Biopic mit Hugh Jackman und Zac Efron In: filmstarts.de, 13. November 2017. Der Film feierte am 8. Dezember 2017 an Bord der Queen Mary 2 in New York seine Premiere, kam am 20. Dezember 2017 in die US-amerikanischen und am 4. Januar 2018 in die deutschen Kinos.Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 11. August 2017.
Rezeption Altersfreigabe In den USA wurde der Film von der MPAA als PG eingestuft.Bulletin No: 2499 In: filmratings.com. Abgerufen am 29. Oktober 2017. (PDF)The Greatest Showman In: parentpreviews.com. Abgerufen am 23. Dezember 2017. In Deutschland ist der Film FSK 6. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film ist rasant inszeniert, hat eine heitere Grundstimmung und behandelt Themen wie Familie, Freundschaft und das Erfüllen von Lebensträumen. In typischer Musical-Manier gibt es einen steten Wechsel zwischen kurzen Dialogen und Gesangseinlagen. Auch Konflikte werden über die Lieder abgehandelt. Vereinzelt gibt es dramatische Szenen (z. B. den Brand eines Gebäudes oder eine Schlägerei), doch diese sind kurz gehalten und werden schnell aufgelöst.“Freigabebegründung für Greatest Showman In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 11. Januar 2018.
Kritiken mini|hochkant=0.8|Hugh Jackman, hier bei der Premiere des Films in Japan, verkörpert P. T. Barnum
Inszenierung Positiv bewertet wird von den meisten Kritikern die Qualität der Show. Schauspieler, Sänger und Tänzer, aber auch Filmtechniker arbeiteten handwerklich sauber und lieferten ansprechende Bilder und Musik, die den (auch computergestützten) Standards der 2010er Jahre entsprechen. Darauf komme es vor allem an, denn der Film sei gar „kein klassisches Biopic, in dem es um historische Genauigkeiten geht, sondern ein Feuerwerk für Augen und Ohren, mit brillanter Besetzung und oscarverdächtigen Songs“Großartiger Kinojahr-Auftakt mit Hugh Jackman. In: Norddeutscher Rundfunk, 3. Januar 2018., mithin ein Produkt, das – wie sein Protagonist – vor allem auf Marktgängigkeit und Erfolg beim zahlenden Publikum Wert lege. Offenbar weiß das Musicals liebende Publikum generell die Umsetzung von „Optimismus und Tatendrang […] in aufwärts eilenden Dur-Kadenzen“Daniel Kothenschulte: Der größte Blender. In: Frankfurter Rundschau, 4. Januar 2018. zu schätzen.
Bemängelt werden vor allem Schwächen des dargestellten Stoffs und der Erzähltechnik. Die negativen Seiten Barnums würden nicht gründlich genug behandelt.Elmar Krekeler: Die verlogene Diversität von Hugh Jackmans Zirkus-Musical. In: welt.de, 3. Januar 2018. Vor allem leide der Film unter Anachronismen: Eine Operndiva des 19. Jahrhunderts singe, als hätte es damals schon die Musik von Celine Dion und Whitney HoustonAndreas Staben: Greatest Showman. In: filmstarts.de, 29. Dezember 2017. sowie Mikrofone gegeben. Auch biete der Film zu viele Handlungsstränge und Themenansätze, mit denen nicht sorgfältig genug umgegangen werde. Die britische BBC spottet über die inhaltlichen Zugeständnisse an die prüde, moralisierende US-amerikanische Gesellschaft: “The Greatest Showman is determinedly chaste, wholesome, family-friendly entertainment with no sex or swearing, and it is careful not to startle its viewers. Its messages are all positive without being controversial: don’t judge people by their backgrounds; follow your dreams; don’t follow your dreams if they take you away from your loyal wife.” („‚The Greatest Showman‘ ist eine definitiv keusche, gesunde, familienfreundliche Unterhaltung ohne Sex oder Flüche, und der Film achtet sorgfältig darauf, dass seine Zuschauer nicht erschreckt werden. Seine Botschaften sind alle positiv, ohne dass es Widerspruch gäbe: Beurteile Menschen nicht nach ihrer sozialen Position; folge deinen Träumen; folge ihnen aber nicht, wenn sie dich von deiner loyalen Ehefrau wegführen.“)Nicholas Barber: Film review: The Greatest Showman. In: BBC, 28. Dezember 2017.
Birgit Roschy von epd Film meint, im Film werde Anrüchiges konsequent überzuckert, und besonders die Familienszenen seien oft arg kitschig. Auch erschließe sich nie, warum Ereignisse aus dem 19. Jahrhundert mittels Popsongs der Gegenwart erzählt werden, so Roschy weiter, und sogar der klassische Gesang der realen Jenny Lind werde im Film zu einer „pathetischen Popmucke“, die mit einer „dicken Soße zugekleistert“ werde. Wer dagegen auf nostalgische Einblicke in P. T. Barnums legendäre Vorstellungen hoffe, werde enttäuscht: „Weder der schillernde Barnum und schon gar nicht seine Künstler, die meist als wilde Tanzgruppe auftreten, gewinnen spannende Konturen. Sie bleiben Staffage in einem bunten, lauten Showbiz-Märchen, das mit Musik und Schauwerten überwältigen will – und dabei gerade die von Barnum marktschreierisch beschworene Fantasie zumeist vermissen lässt.“Birgit Roschy: Kritik zu 'Greatest Showman' In: epd Film, 27. Dezember 2017.
Missbrauch und Whitewashing