Vinylboden ist ein Bodenbelag aus Polyvinylchlorid (PVC), der in Form von wenigen Millimeter starken Kunststoffbahnen oder -platten auf einen glatten Unterboden verlegt und meist verklebt wird.

PVC-Böden wurden ab den 60er-Jahren verbreitet eingesetzt in Wohnungen, Treppenhäusern, Büros und in Industrie- und Verwaltungsgebäuden. Sie sind preiswert, pflegeleicht, unempfindlich gegen Wasser und Schmutz und durch feuchtes Wischen leicht sauberzuhalten. PVC-Kunststoffbahnen lassen sich an den Fugen wasserdicht verschweißen. Dadurch sind sie gut für Nass- und Feuchträume geeignet und können dort auch auf elastischen Unterböden verlegt werden, die zur Verlegung von Bodenfliesen zu nachgiebig sind.

Seit 2007 müssen alle textilen, elastischen und Laminatböden über eine CE-Kennzeichnung verfügen.CE-Kennzeichnung. In: baunetzwissen.de Dabei geht es um Produkteigenschaften wie Brandverhalten, Wasserdichtigkeit etc.

Inhaltsstoffe Das verwendete PVC-Material besteht überwiegend aus Polyvinylchlorid- (PVC) bzw. Polyvinylchlorid-Polyvinylacetat-Copolymeren (PVC/PVAc).

In Verruf kamen PVC-Böden durch gesundheitsschädliche Ausdünstung der damals im Weich-PVC enthaltenen Weichmacher. Beim Verbrennen von PVC entstehen giftige Gase wie Chlorwasserstoff, Dioxine und auch Furane bzw. Aromate.Salzsäure als Verbrennungsprodukt von PVC

Mit den Initiativen „Vinyl 2010“Vinyl 2010 - die Nachhaltigkeitsinitiative der europäischen PVC-Industrie und „Vinyl Plus“ (bis 2030)- Fortschrittsbericht 2021, vinylplus.eu leitete die Industrie Verbesserungen ein und führt sie fort. Insbesondere die Schadstofffreiheit und das Recycling sind wichtige Ziele. Die Gesetzeslage in Deutschland richtet sich nach der EU-Chemikalienverordnung (REACH) Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH), die am 1. Juni 2007 in Kraft trat. Danach sind die Phthalate DEHP (Diethylhexylphthalat), DBP (Dibutylphthalat) und BBP (Benzylbutylphthalat) sowie DINP (Diisononylphthalat), DIDP (Diisodecylphthalat) und DNOP (Dioctylphthalat) als Weichmacher in Babyartikeln und Kinderspielzeug seit 2007 zum Schutz der Gesundheit von Kindern verboten. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) Seit 2015 sind nach REACH die Phthalate DEHP, DBP, DiBP (Diisobutylphthalat) und BBP aufgrund ihrer fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften als besonders besorgniserregende Stoffe eingestuft und zulassungspflichtig. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) Als Ersatz wird heute unter anderem der phthalatfreie Weichmacher Mesamoll verwendet.

Es gibt jedoch keine Verpflichtung für Hersteller von Produkten wie Bodenbelägen, alle Inhaltsstoffe anzugeben.Sonja Pfeil, Dr. W. Maraun: Schadstoffe in Bodenbelägen, 1998, ARGUK Umweltlabor. In: arguk.de Eine 2019 veröffentlichte Laborstudie der Nachwuchsgruppe PlastX des ISEO hat drei Dutzend Alltagsgegenstände aus Plastik untersucht. 75 Prozent aller getesteten Produkte enthielten potenziell schädliche Substanzen. Dabei konnten von den insgesamt 1.400 darin entdeckten Chemikalien überhaupt nur 260 zweifelsfrei identifiziert werden.So gefährlich ist Plastik für die Gesundheit, Verbraucherzentrale, 22. November 2023

Als Alternative werden gelegentlich Kunststoffböden empfohlen, die Polyolefin-Kunststoffe anstelle des PVC enthalten. Zugesetzt werden gewöhnlich Pigmente und mineralische Füllstoffe, jedoch keine Weichmacher und Flammschutzmittel. Die Abgabe flüchtiger organischer Verbindungen aus diesen Kunststoffen ist allerdings denkbar.

Eigenschaften Wie alle elastischen Bodenbeläge sind auch Vinylböden weichfedernd, aber druckfest.PVC - hygienisch und farbenfroh. In: netzwerk-boden.de Zur Anpassung an die Anforderungen am Verlegeort kann es jedoch notwendig sein, sie mit einer Unterlage zu verarbeiten, z. B. um den Trittschall zu mindern oder den Gehkomfort zu erhöhen.Unterlagen und Unterbodensysteme. Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge e. V. (FEB) Bei ihrer Herstellung werden Vinylböden oberflächenvergütet bzw. -versiegelt. Dadurch erhöhen sich ihre Widerstandsfähigkeit gegen Lichteinflüsse und Nässe sowie ihr Verschleißwiderstand. Abhängig von ihrer Beanspruchung und ihrer Qualität erreichen sie eine Lebensdauer von durchschnittlich neun bis zehn Jahren.PVC - hygienisch und farbenfroh. In: netzwerk-boden.de

Durch ihre werksseitige Oberflächenvergütung sind Vinylböden reinigungsfreundlich und pflegeleicht. Zudem gelten sie als chemikalienbeständig und schwer entflammbar. Generell gelten Vinylböden als vielseitig in ihrer Gestaltung und Farbgebung. Ausführungen, die mit Dekor- oder Fotofilm ausgestattet sind, können als originalgetreue Nachbildungen von Stein- und Holzoberflächen gestaltet werden. Durch spezielle Oberflächenprägungen kommen die Imitate ihren Vorbildern auch haptisch nahe. Das heißt, dass sie sich wie Natursteinfliesen oder Parkett anfühlen können. Selbst bei Ausführungen, die kaum fühlbare Strukturierungen besitzen, weisen die Bodenbeläge rutschhemmende Eigenschaften auf. Und das, obwohl sie eine dichte, weitgehend porenlose Oberfläche besitzen.LVT-Designbeläge. FEB Wie andere elastische Bodenbeläge können auch die meisten Vinylböden auf einer Fußbodenheizung verlegt werden. Hersteller kennzeichnen sie in diesem Fall entsprechend.Normen, Technik, Wissenswertes. Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen e. V. (BVF) Für elektrische Heizsysteme sind allerdings nicht alle Vinylböden geeignet. Es gilt, die Herstellerempfehlungen zu beachten. Wichtig ist, dass das elektrische Heizsystem hinsichtlich seiner Oberflächentemperatur regulierbar ist.Elastische Bodenbeläge auf temperierten Untergründen. FEB

Ausführung Massiv-Vinyl Massiv-Vinyl oder Voll-Vinyl gibt es als Rollenware oder in handlich geformten Belagsstücken. Es besteht aus einer oder mehreren PVC-Schichten. Die Stärke des Materialaufbaus liegt meist zwischen zwei und vier Millimetern. Die Rollenware gibt es in den Standardbreiten zwei, drei und vier Meter. Sie wird meist schwimmend verlegt, in Gewerbe- und Industriegebäuden jedoch oft verklebt, damit sie stabil liegen bleibt. Die modularen Beläge sind in ihren Formaten entweder an Fliesen- oder Parkettböden angelehnt. Sie lassen sich entweder am Untergrund verkleben, lose verlegen oder sind mit einem Klicksystem ausgestattet, das – wie bei Laminat – eine schwimmende, klebstofffreie Verlegung ermöglicht. Schwimmend verlegte Vinylböden erfordern aus akustischen Gründen eine Trittschallschutz-Folie als Unterlage, die manchmal bereits als Rückenschicht integriert ist.

Vinyl auf HDF Vinyl auf HDF sind ca. zehn Millimeter hohe Belagsstücke, die aus mehreren PVC-Schichten und einer tragenden HDF-Schicht bestehen. Die handlichen Fliesen oder Planken werden schwimmend verlegt, also ohne eine Verklebung am Untergrund. HDF-Vinyl erfordert eine Trittschallschutz-Folie als Unterlage, die manchmal bereits als Rückenschicht integriert ist. Auf Grund ihres hohen Holzanteils sind die Bodenbeläge – ohne zusätzliche Vorkehrungen – nicht wasserfest.

Rigid-Vinyl Weil Massiv-Vinyl aufgrund seines hohen PVC-Anteils temperaturempfindlich ist und sich bei Wärme stark ausdehnen kann, hat die Industrie – neben HDF-Vinyl – weitere mehrschichtige Vinyl-Böden entwickelt, die eine höhere Dimensionsstabilität aufweisen. Verfügen diese über eine Trägerschicht aus einem starren Material, werden sie von Herstellern und Händlern als „Rigid-Vinyl“ bezeichnet. Solche starren Materialien können beispielsweise Verbundstoffe aus Kunststoff und mineralischen Gemischen sein. Im Unterschied zu HDF bringen sie den Vorteil der Wasserfestigkeit mit sich. Die Verlegung erfolgt in der Regel schwimmend. Rigid-Vinyl erfordert eine Trittschallschutz-Folie als Unterlage, die manchmal bereits als Rückenschicht integriert ist.

Produktbezeichnungen

Die Hersteller verwenden in der Werbung verschiedene Bezeichnungen für ihre Produkte, beispielsweise „phthalatfrei“, „schadstofffrei“ oder „schadstoffgeprüft“ oder gar „PVC-frei“.

Vinylboden ist nicht zu verwechseln mit Linoleum, das aus Leinöl und Naturharzen sowie Kork- oder Holzmehl, Kalksteinpulver und anderen Bestandteilen und einem Jutegewebe als Trägerschicht gefertigt wird.

Einzelnachweise

Kategorie:Bodenbelag