Lady Macbeth ist ein britisches Filmdrama von William Oldroyd, das am 10. September 2016 beim Toronto International Film Festival seine Premiere feierte. Der Kostümfilm basiert auf der Novelle Die Lady Macbeth von Mzensk von Nikolai Leskow. Am 14. Juli 2017 kam der Film in die US-amerikanischen und am 2. November 2017 in die deutschen Kinos.

Handlung Im viktorianischen England in einer ländlichen Gegend im Jahre 1865. Katherine und Alexander haben geheiratet. Nachdem der Ehemann seiner Frau in der Hochzeitsnacht mit dürren Worten vermittelt hat, dass sie in Zukunft das Haus nicht mehr verlassen dürfe, muss sie sich nackt an die Wand stellen, und er masturbiert hinter ihrem Rücken. Zu anderen sexuellen Handlungen zwischen dem Paar kommt es auch in den nächsten Wochen nicht. Mittlerweile gerät sie unter Druck ihres Schwiegervaters Boris, der dringend auf einen Erben hofft und ihr vorwirft, ihre ehelichen Pflichten nicht zu erfüllen.

Als beide Männer geschäftlich außer Haus sind, nutzt sie die Gelegenheit, draußen herumzustreifen. Am Abend überrascht sie die Knechte des Hauses, wie sie mit ihrer Zofe Anna ihre Spielchen treiben. Rädelsführer ist Sebastian, der neu zum Haus gehört. Sie befreit die nackt in einem Tuch liegend von der Decke hängende junge Frau, die weinend davonläuft. Sebastian hatte angegeben, ein Schwein würde gewogen werden, und Katherine fragt, was sie selbst wohl wiegen würde. Als sie am folgenden Tag wieder spazieren geht, folgt ihr der Mann und hält ihr anzügliche Reden. In der Nacht dringt er in ihr Schlafzimmer ein, und nach nur wenig Widerstand verbringt sie die Nacht mit ihm. Da sie wenig unternimmt, um ihre Affäre mit dem Knecht geheim zu halten, kommt ihr Verhalten auch dem Pfarrer zu Ohren. Als er ihr Vorhaltungen macht, wirft sie ihn aus dem Haus. Der Schwiegervater kommt zurück. Er startet eine Strafaktion gegen Sebastian und Katherine und demütigt sie. Also serviert sie ihm ein Gericht aus giftigen Pilzen, er stirbt kurz nach dem Verzehr, während Katherine im Nebenraum auf seinen Tod wartet – seelenruhig mit Anna vor der verbarrikadierten Tür des um Hilfe Rufenden plaudernd. Anna verliert durch dieses Ereignis ihre Sprache. Boris wird beerdigt, ohne dass jemand Verdacht schöpft.

Katherine übernimmt die Verwaltung des Guts und lebt offen mit Sebastian zusammen. Eines Nachts taucht der Ehemann wieder auf und sagt, dass er über ihre Affäre mit Sebastian informiert ist. Anstatt – wie früher – sich schüchtern zu unterwerfen, holt sie Sebastian zu sich, und die beiden deuten Sex vor den Augen des Ehemanns an. In dem anschließenden Kampf erschlägt Katherine ihren Mann. Zusammen mit ihrem Liebhaber beseitigt sie seine Leiche und sein ebenfalls getötetes Pferd. Die Leute aus der Umgebung schöpfen zwar Verdacht, zumal Sebastian sich jetzt als Herr des Hauses aufspielt, das Leben geht jedoch zunächst ungestört weiter.

Dann taucht eine Frau namens Agnes mit ihrem Enkel Teddy auf und behauptet, der Junge sei der Sohn Alexanders, der eine Affäre mit ihrer verstorbenen Tochter gehabt habe. Katherine nimmt die beiden widerwillig in ihr Haus auf. Diese Veränderungen im Haus gefallen Sebastian überhaupt nicht, und er kehrt ins Gesindehaus zurück, um seine Beziehung zu Katherine geheim zu halten. Inzwischen hat Katherine gemerkt, dass sie schwanger ist, was sie Sebastian verschweigt. Mittlerweile hat sie auch genug von Teddy. Als sie den Jungen ausschimpft und zur Seite stößt, läuft er weg. Sebastian findet ihn am Rand eines Wasserfalls, greift ihn auf und bringt ihn wieder zurück. Er gesteht aber Katherine, dass er einen Augenblick daran gedacht habe, den Jungen ins Wasser zu stoßen. Sie beschwört Sebastian, sie nicht zu verlassen, sie wolle alles tun, was er will.

In der Nacht erstickt sie den Jungen, während Sebastian seine Beine festhält. Er versteckt sich in den Wäldern, und Katherine behauptet, das Kind sei im Schlaf gestorben. Dem Dorfarzt kommen Zweifel über die Todesursache. Bevor jedoch eine Untersuchung in die Wege geleitet werden kann, kommt Sebastian zurück und beschuldigt Katherine der Morde. Die dreht jedoch den Spieß um und beschuldigt ihrerseits Sebastian und Anna, die die Pilze sammeln musste und dabei Sebastian traf. Niemand glaubt Sebastian, zumal Anna bei all den Beschuldigungen stumm bleibt. Die beiden werden in Ketten abtransportiert, Agnes reist ab und die schwangere Katherine bleibt allein im Haus zurück.

Produktion Der Film basiert auf der Novelle Die Lady Macbeth von MzenskNancy Tartaglione: 'Lady Macbeth' Leads British Independent Film Awards Nominations In: deadline.com. 1. November 2017.https://www.williamoldroyd.com/lady-macbeth/ von Nikolai Leskow, spiegel.de die sich auf William Shakespeares Tragödie Macbeth bezieht focus.de und von Alice Birch adaptiert wurde. Regie führte William Oldroyd. Lady Macbeth ist das Filmdebüt von Oldroyd, der zuvor am Theater gearbeitet hat.

Florence Pugh übernahm die Rolle von Katherine, Paul Hilton spielt ihren neuen Mann Alexander und Christopher Fairbank dessen Vater Boris. Die Rolle des Hausmädchens Anna wurde mit Naomi Ackie besetzt, und Cosmo Jarvis spielt Katherines Liebhaber Sebastian. mini|Cow Green Reservoir Die deutsche Synchronisation entstand unter der Dialogregie von Hilke Flickenschildt bei der Cinephon Filmproduktions GmbH, Berlin.

Die Dreharbeiten fanden im englischen Northumberland, in Seaham Beach, im Cow Green Reservoir und in Lambton Castle in der County Durham, bei Rowlands Gill, in Burnopfield und in Gateshead (Tyne and Wear) statt.

Die Filmmusik wurde von Dan Jones komponiert.Dan Jones Scoring 'Lady Macbeth' In: filmmusicreporter.com, 23. August 2016. Über das Sounddesign im Film sagt Gunda Bartels vom Tagesspiegel: „Hallende Schritte in leeren Korridoren, knarzende Treppenstufen, zuschnappende Fensterflügel. William Oldroyd versteht es, diesem klaustrophobischen Leben einen Sound zu geben.“Gunda Bartels: 'Lady Macbeth' im Kino: Eine heißkalte Frau In: Der Tagesspiegel, 3. November 2017. Das Soundtrack-Album wurde im November 2020 von Wave Theory Records veröffentlicht.Dan Jones’ 'Lady Macbeth' Score Released. In: filmmusicreporter.com, 30. November 2020.

Der Film feierte am 10. September 2016 beim Toronto International Film Festival seine Premiere. Ab 25. September 2016 wurde der Film im Rahmen des Zurich Film Festivals erstmals in der Schweiz und am 24. Juni 2017 beim Filmfest München erstmals in Deutschland vorgestellt. Am 29. Juni 2017 kam der Film in die österreichischen, am 14. Juli 2017 in die US-amerikanischen und am 2. November 2017 in die deutschen Kinos.Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 25. Oktober 2017.

Rezeption Altersfreigabe In den USA erhielt der Film von der MPAA wegen einiger gewalttätiger sowie Nacktszenen und vorkommenden sexuellen Handlungen ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht. In Deutschland ist der Film FSK 12. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film ist überwiegend ruhig und in stilisierten Bildern erzählt. Die bedrückend-bedrohliche Atmosphäre kann im Zusammenspiel mit einigen Gewaltdarstellungen Kinder unter 12 Jahren überfordern, da sie die Zusammenhänge noch nicht verstehen. 12-Jährige sind aufgrund ihrer bereits gesammelten Medienerfahrung in der Lage, die Hauptfigur und ihr Handeln in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen und eigenständig zu bewerten. Da die Bildeben[d]e des Films sowohl bei Gewalt- wie bei Sexszenen sehr dezent ist und die ruhige Erzählweise sowie das historische Setting die Distanzierung erleichtern, besteht für 12-Jährige kein Risiko einer Beeinträchtigung.“Freigabebegründung für Lady Macbeth In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 2. November 2017.

Kritiken Der Film konnte 88 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,6 der möglichen 10 Punkte. Zusammenfassend heißt es dort, der Film zeige „unter seinem historischen Äußeren eine überraschende Härte, die durch die fesselnde – und gnadenlose – Hauptdarstellerin Florence Pugh noch verstärkt wird.“ Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 76 von 100 möglichen Punkten.Lady Macbeth. In: Metacritic. Abgerufen am 14. Juli 2024. mini|links|Regie führte William Oldroyd Sascha Westphal von epd Film meint, William Oldroyd zeichne in seinem Spielfilmdebüt mit einer geradezu schneidenden Kälte und Klarheit das Bild einer pervertierten Gesellschaft: „Die starren patriarchalen Strukturen der viktorianischen Ära deformieren letztlich Oldroyds gesamtes Figurenensemble. Paul Hiltons Alexander ist ein Monster der Schwäche. Die Gier und die Unbeugsamkeit seines Vaters Boris […] haben ihn innerlich verkrüppelt. Er kennt nur die Macht des Geldes, und die ist praktisch grenzenlos. Also demütigt er die ihm aufgezwungene Frau und zeigt ihr so seine Verachtung.“ Westphal erklärt, die Gewalt pflanze sich im Film systematisch fort, und so wie sie von Boris und Alexander behandelt wird, gehe Katherine wiederum mit der schwarzen Hausangestellten Anna um. Oldroyds Verfilmung sei so härter und um einiges eisiger als Nikolai Semjonowitsch Leskows Novelle, so Westphal: „Florence Pughs Lady Macbeth wird nicht mehr von Visionen geplagt, und sie droht auch nicht wahnsinnig zu werden. Ihre Morde haben Methode und sind im Rahmen der gesellschaftlichen Verhältnisse konsequent.“ Weiter sagt Westphal, die rigiden Symmetrien der Einstellungen und die schon chirurgische Präzision der Filmschnitte machten die Gewalt auf der formalen Ebene erfahrbar, und die analytische Schärfe der Inszenierung und Pughs Spiel, das Emotionen höchstens erahnen lässt, verleihe Oldroyds Debüt eine opake Brillanz, die einem Bewunderung abnötige, einen aber auch kalt lasse.Sascha Westphal: Kritik zu 'Lady Macbeth' In: epd Film.

Oliver Kaever von Spiegel Online beschreibt den Film als ein intimes, grandios gefilmtes Drama, mit dem zwei große Talente ein furioses Debüt geben. Der Film ziehe den Zuschauer mit karger Schönheit in eine sich konstant von nebelgrau zu nachtschwarz verdüsternde Geschichte über Unterdrückung und Befreiung, Sex und Gewalt, so Kaever weiter. Es handele sich um ein überragendes Drama des jungen britischen Kinos; scheinbar hermetisch und fest in der Welt des 19. Jahrhunderts verankert und doch so offen gestaltet, dass es mit der Gegenwart kommuniziert. Über die Arbeit des Regisseurs sagt Kaever, Oldroyd mache aus Leskows Novelle ein intimes Kammerspiel, dessen Bilder die Starre und Enge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts so sinnlich vermitteln, dass man sie förmlich körperlich zu spüren vermeine: „Die starre Kamera zeigt an sich berückend schöne Einstellungen: Gemälde, Tische, Stühle ergeben eine perfekte Symmetrie. Die Luft zum Atmen allerdings ist ihnen gänzlich ausgetrieben. Die Figuren werden zu Teilen des Dekors, das Haus zur Bühne für ein Stück, das Leben lediglich imitiert.“ Kaever meint weiter, der eigentliche Ort des Geschehens bleibe genauso unsichtbar wie die Fäden, an denen alle Figuren mit Ausnahme von Katherine agieren. Zudem bemerkt Kaever, Oldroyd verzichte auf Musik und über weite Strecken auch Worte, doch wenn gesprochen werde, knallten die Dialoge wie Peitschenhiebe.

Auch Dieter Oßwald bemerkt in seiner Kritik in der Augsburger Allgemeinen Oldroyds Verzicht auf jegliche Musik als Geschmacksverstärker. Lieber setze dieser auf den unterschätzten Spezialeffekt von Pausen, und visuell biete er hübsch komponierte Tableaus statt genreüblicher Ausstattungsorgien. Über die Figuren im Film sagt Oßwald, diese seien mit wenigen, sehr präzisen Federstrichen gezeichnet, und überraschende Wendungen hielten die Spannung souverän unter Strom.Dieter Oßwald: "Lady Macbeth": Außergewöhnlich starkes Kino-Debüt. In: Augsburger Allgemeine, 2. November 2017.