Die Charles Abresch Company war eine Kutschen- und Fuhrwerkmanufaktur sowie ein Automobil-, Nutzfahrzeug- und Karosseriehersteller in Milwaukee (Wisconsin, USA). Markennamen waren Abresch und, für LKW, Abresch-Cramer; es ist auch eine Schreibweise Abresch-Kremers belegt.

Charles Abresch (1850–1912) mini|Charles Abresch (1850–1912), Aufnahme von 1910. mini|Abresch Brauerei-Fuhrwerk für die bekannte Miller Brewing Company in Milwaukee (1888). mini|links|Diese Anzeige von 1910 bewirbt links Abresch-Fuhrwerke und rechts den Abresch-Cramer LKW. Abgebildet ist ein Model A mit 1,5 – 2 tn Nutzlast.

Charles Abresch wurde am 12. Mai 1850 in Dierdorf (heute Landkreis Neuwied, Rheinland-Pfalz) geboren. Seine Eltern waren der gelernte Zimmermann und Tischler Louis und Elisabeth Abresch geb. Schneider. Die Mutter verstarb wenige Monate nach seiner Geburt. Louis Abresch wanderte 1854 in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in Milwaukee nieder. Charles und sein älterer Bruder Wilhelm (1844–1879) blieben in der Obhut der Tante Christine Schneller zurück. Wilhelm absolvierte eine Lehre als Zimmermann, Charles eine als Schmied. Auch die beiden Brüder wanderten darauf, wahrscheinlich gemeinsam und möglicherweise mit ihren Vettern Louis und Wilhelm Schneller, in die USA aus. Von Charles ist bekannt, dass er die Reise 1868 antrat. Ihr Vater hatte sich inzwischen wieder verheiratet. Aus seiner Verbindung mit Elizabeth Leibrecht (geb. 1833 in Bayern) gingen fünf Kinder hervor.

Charles fand eine Anstellung in John Meinecke’s Wagon and Carriage Works in Milwaukee, Wilhelm – nun William – arbeitete als Zimmermann in Kenosha (Wisconsin).

Bereits 1871 machte sich Charles Abresch selbständig und gründete die Second Ward Carriage & Wagons Works, C. Abresh, proprietor. 1873 heiratete er Katherine Gerard (1847–1926). 1876 wurde ihr einziges Kind geboren, Amanda. 1884 wurde das Unternehmen in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt. Es wuchs in den folgenden Jahren zu einem Marktführer für Brauereifahrzeuge, war national aktiv und exportierte nach Mexiko, auf die Philippinen und nach Australien. 1887 verstarb Charles’ Vater Louis Abresch. 1889 versuchte Charles, ein Unternehmen zu organisieren, das den US-Markt für Motorfahrzeuge kontrollieren sollte. Dies misslang, und zehn Jahre später war die Electric Vehicle Company in Hartford (Connecticut), ausgestattet mit dem Selden-Patent, in dieser Position. 1894 war die Charles Abresch Company mit US$ 220.000 kapitalisiert und beschäftigte über 800 Angestellte.

1899 experimentierte Abresch mit einem von W. F. Davis erfundenen Antriebssatz, der nachträglich an jedem von Pferden gezogenen Fahrzeug angebracht werden konnte und dieses zu einem „Automobil“ machte. Solche Avant-Trains fanden in der Frühzeit der Motorisierung eine beschränkte Verbreitung. Zweimal, 1898 und 1902, brannte das Werk vollständig nieder und wurde von Charles Abresch größer wieder aufgebaut. Arbeitskämpfe mit Streiks respektive Aussperrungen sind belegt für 1900, 1910, 1911 und 1916. Abresch besuchte zweimal, 1897 und 1906, seine Verwandten in der alten Heimat. Er organisierte 1910 eine eigene LKW-Produktion, die allerdings kurz nach seinem Tod aufgegeben wurde.

Zuletzt übte Charles Abresch die Funktion des Firmenpräsidenten und Finanzvorstands in seinem Unternehmen aus. Anfang 1912 erkrankte er. Sein Zustand verschlechterte sich, und er wurde im Battle Creek Sanitarium in Battle Creek (Michigan) und danach im Sacred Heart sanitarium in Milwaukee behandelt. Zwei Wochen vor seinem Tod am 27. April 1912 wurde er nach Hause entlassen. Nachrufe erschienen am 28. April 1912 im Milwaukee Journal und in der Mai-Ausgabe des Fachblatts Carriage Monthly, das Wert auf die Feststellung legte, dass Angestellte, die über 20 Jahre in Abreschs Unternehmen gearbeitet hatten, den Sarg trugen. Demnach fand die Bestattung am 1. Mai 1912 auf dem Forest Home Cemetery in Milwaukee statt.

Commercial Vehicle nannte ihn im Nachruf einen der „fortschrittlichsten und erfolgreichsten Fahrzeughersteller im Mittleren Westen“, das Milwaukee Journal nannte sein Unternehmen „eines der größten Werke seiner Art im Land“, das er durch „stete und beharrliche Arbeit“ aufgebaut habe.

Louis Schneller jr. (1874–1939)

Louis Schneller jr. war Charles Abresch Cousin 2. Grades; die Abresch-Söhne wuchsen im Haushalt seiner Großmutter in Essen auf. In einem Nachruf hielt der Milwaukee Sentinel am 9. September 1939 fest, dass Louis im Alter von sieben Jahren in die USA emigriert war und der Charles Abresch Company fast 50 Jahre verbunden gewesen war. Es wird erwähnt, dass er mit seinem Bruder Wilhelm emigrierte sodass nahe liegt, dass die gesamte Familie um 1881 ausgewandert ist. Bekannt ist auch eine Schwester, Paula, verh. Paul, die im genannten Nachruf als Hinterbliebene erwähnt wird.

Demnach war Louis Schneller jr. etwa 15 Jahre alt, als er in Charles Abreschs Unternehmen eintrat. Ein Louis Schneller ist bereits 1884 als Werkleiter belegt. Dabei kann es sich nicht um Louis Schneller jr. gehandelt haben; naheliegend ist sein gleichnamiger Vater.Die Quelle nennt Louis Schneller jr. doch dieser war zu diesem Zeitpunkt erst zehn Jahre alt und trat frühestens 1889 in das Unternehmen ein. In Milwaukee: A Half Century’s Progress, 1846–1896 wird Louis Schneller, jr. als Werkleiter angeführt.

Nach Charles Abreschs Tod führte Louis Schneller das Unternehmen als Präsident und Finanzchef. Es gelang ihm, das Unternehmen durch die schwierigen Jahre der Prohibition zu führen. Er war ein Freimaurer und ein guter Freund des Republikaners Julius P. Heil, dessen erste Kampagne zur Wahl als Gouverneur von Wisconsin er unterstützte. Nach Heils erfolgreicher Kandidatur war Schneller für ihn als Berater tätig. Heil war, wie Abresch und Schneller, deutschstämmig und Unternehmer, bevor er in die Politik ging. Das Wisconsin State Journal vermerkte in einem anderen Nachruf, dass Schneller Präsident der Washington Park Zoological Society gewesen war. Louis Schneller war verheiratet mit Wilhelmine „Minnie“ Eissfeldt Schneller (1872–1959). Er erlitt Ende August 1939 einen Schlaganfall, dem er am 7. September erlag.

Unternehmensgeschichte Charles Abresch Company (1884–1893) mini|links|Second Ward Carriage & Wagons Works, Inhaber C. Abresh. Aufnahme von 1880. mini|Die Charles Abresch Company um 1890.

Das Unternehmen wurde 1871 von Charles Abresch als Second Ward Company gegründet und als Handwerksbetrieb (Wagenbauerei) in den nächsten Jahren so geführt. 1884 wurde es als Charles Abresch Company neu als Aktiengesellschaft organisiert. Charles Abresch leitete es weiterhin, Andrew Hofherr, ein Zigarrenfabrikant, wurde Vizepräsident, Harry P. Ellis wurde Finanzvorstand und Secretary; als Werksleiter wurde Abreschs Vetter Louis Schneller Jr. gewonnen. Als Adresse für das Werk ist 392 bis 398 Fourth Street und 407 bis 415 Poplar Street belegt; sie wurde später geändert auf 1242, 1246 und 1254 North Fourth Street.

Das Unternehmen hielt verschiedene Patente, so auch für einen geschlossenen Lieferwagen mit Schiebetüren zum Transport von Harassen. Er wurde zu einem Standbein des Unternehmens, das seine Fahrzeuge in den ganzen USA vertrieb und nach Mexiko exportierte. 1892 investierte Abresch US$ 35.000 in die Erweiterung der Anlage.

Pläne für ein Automobilmonopol Charles Abresch ging im Herbst 1889 mit dem Plan an die Öffentlichkeit, ein mit US$ 5 Mio. finanziertes Unternehmen zu gründen, das den Automobilbau in den USA kontrollieren sollte. Dieses Vorhaben scheiterte, weil die Finanzierung nicht zustande kam. 1895 wurde das berüchtigte Selden-Patent rechtswirksam, das den Inhabern ein Monopol auf Straßenfahrzeuge mit Verbrennungsmotor einräumte. Danach scheint Abresch seine diesbezüglichen Pläne zurückgestellt zu haben.

Charles Abresch Company, Inc. (1893–ca. 1945) mini|Der 1892 patentierte Abresch-Brauereiwagen mit Schiebetüren. mini|Brauereiwagen waren das typische Abresch-Produkt (1889).

Eine Namensänderung auf Charles Abresch Company, Incorporated fand 1893 statt, wobei unklar ist, ob der Eintrag ins Handelsregister zu diesem Zeitpunkt erfolgte oder schon früher bestand und nun lediglich nachgetragen wurde. Es war 1894 mit US$ 220.000 kapitalisiert und beschäftigte über 800 Angestellte. In dieser Rechtsform hatte das Unternehmen in den nächsten Jahrzehnten Bestand.

Wie stark Abresch auf Brauereiwagen ausgerichtet war, zeigt die nachstehende Kundenliste von 1895:

Danville Beer & Ice Company, Danville (Illinois) C. L. Centlivre Brewing Company, Fort Wayne (Indiana) Indianapolis Brewing Company, Indianapolis (indiana) Dubuque Malting Company, Dubuque (Iowa) E. C. Peaslee, Dubuque (Iowa) Koppitz-Melchers Brewing Company, Detroit (Michigan) A. Fitger, Duluth (Minnesota) Excelsior Brewery, St. Paul (Minnesota) G. S. Fanning, Auburn (New York) C. A. Koenig, Auburn (New York) Iroquois Brewing Company, Buffalo (New York) H. Zeltner Brewing Company, New York City Rochester Brewing Company, Rochester (New York) Ph. Liebinger Brewing Company, Brooklyn (New York) Crystal Spring Brewing Company, Syracuse (New York) Fitzgerald Brothers, Troy (New York) P. McGuinness, Utica (New York) Foss-Schneider Brewing Company, Cincinnati (Ohio) L. Hosier Brewing Company, Columbus (Ohio) M. Mason, Hamilton (Ohio). New Philadelphia Brewing Company, New Philadelphia (Ohio) Jackson Koehler, Erie (Pennsylvania) Weisbrod & Hess, Philadelphia (Pennsylvania) Columbia Brewing Company, Shenandoah (Pennsylvania) Galland-Burke Brewing Company, Spokane (Washington) S. Kappler, Vancouver, British Columbia, Kanada

1891 wurden Abresch-Wagen nach Australien geliefert.

mini|Das Werk belegte das Areal 407 bis 415 Poplar Street und 392 bis 398 Fourth Street. Es brannte am 13. April 1898 praktisch vollständig nieder. Stich von 1896. Am 13. April 1898 wurde das erst sechs Jahre zuvor errichtete Werk von einem verheerenden Brand heimgesucht, der glücklicherweise keine Menschenleben forderte. Das Feuer brach um 10 Uhr abends im Maschinenraum des Gebäudes rasend schnell aus und war um Mitternacht noch nicht gelöscht. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch starke Winde von bis zu 50 km/h. Der größte Teil des sechsstöckigen Ziegelsteingebäudes wurde ein Raub der Flammen; in der Nachbarschaft mussten 20 Familien evakuiert werden. Über das Ereignis wurde in der nationalen Presse berichtet. Der Schaden für die Abresch Company wurde zunächst auf US$ 140.000 geschätzt, wovon auf Gebäudeschäden US$ 50.000, die zerstörten Maschinen US$ 30.000 und auf das verbrannte Lager US$ 60.000 entfielen. Einige Tage später wurde Charles Abresch mit etwas tieferen Zahlen zitiert. Er schätzte den Schaden auf etwa US$ 100.000, der zu 80 % versichert gewesen sei. 100 Mitarbeiter verloren vorübergehend ihre Stelle, bis ein Neubau in Betrieb genommen werden konnte. Dieser wurde unmittelbar danach an gleicher Stelle errichtet.

W. F. Davis In den späten 1890er Jahren gab es mehrere Ansätze von Abresch, im Motorfahrzeugbau Fuß zu fassen. Zeitlich überschnitten sie sich, und in allen scheint ein Ingenieur namens W. F. Davis eine Rolle gespielt zu haben. Dieser war ein ausgewiesener Fachmann für Verbrennungsmotoren und ein Mitbegründer der Davis Gasoline Engine Company in Waterloo (Iowa), die vor allem Stationär- und Bootsmotoren herstellte. Das Unternehmen war 1895 zum Chicago Times-Herald Contest angemeldet, konnte aber an diesem offiziell ersten Autorennen in den USA nicht teilnehmen, weil das Fahrzeug nicht rechtzeitig bereit war.

Nachdem Davis das Unternehmen verlassen hatte, folgte eine Tätigkeit für den neu gegründeten Farmgerätehersteller Jaimey Manufacturing Company in Ottumwa (Wapello County, Iowa), 180 km südlich von Waterloo gelegen. Dort versuchte er, mit einem von ihm konstruierten Automobil in Serie zu gehen, was offenbar misslang.

Ein mysteriöses Runabout