mini|hochkant|Claus Biederstaedt, vor 2011 Claus Biederstaedt (* 28. Juni 1928 in Stargard in Pommern; † 18. Juni 2020 in Eichenau, Oberbayern) war ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher.

Leben Kindheit und Jugend Claus Biederstaedt wurde als einziger Sohn des Studienrats Fritz Biederstaedt (1897–1973, laut Grabstein) und seiner Frau Lucie Biederstaedt, geborener Krumbiegel, in Stargard geboren.Vgl. Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen, Bd. 1: A-Heck, Prominent-Filmverlag, Bad Münder (Deister) 1960, S. 126. Sein Vater unterrichtete Musik und Kunstgeschichte an der Stargarder Mädchenoberschule und war zudem als Dirigent und Organist tätig.Fritz Biederstaedt in der Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung.Fritz Biederstaedt in: Pommersche Musikgeschichte - Historischer Überblick und Lebensbilder, Ausgabe 28, 1988.Fritz Biederstaedt in: Volker Detlef Heydorn: Nachrichtennahaufklärung (Ost) und sowjetrussisches Heeresfunkwesen bis 1945. Rombach, Freiburg 1985. ISBN 978-3-7930-0187-4.Fritz Biederstaedt Nachruf in: Baltische Studien.

Wie für seinen Vater spielte Musik in Claus Biederstaedts Leben eine große Rolle, sie war für ihn „von Kindesbeinen an das Größte überhaupt“. Der Vater wurde als Reserveoffizier während des Zweiten Weltkriegs eingezogen und diente an der Ostfront in einem Generalstab. Der Großvater Paul Biederstaedt († 1935) war Superintendent der Marienkirche in Prenzlau. Ihm verdankte der evangelische Claus Biederstaedt indirekt seine Rettung aus einem von den Russen eingeschlossenen Kessel am Ende des Zweiten Weltkrieges, weil der Fahrer eines Militär-Lkw seinen Großvater kannte und ihn deswegen mitnahm. Seine Kameraden kamen alle ums Leben.

Der ursprüngliche Berufswunsch des Vaters war Opernkapellmeister gewesen. Bei ihm erlernte Claus Biederstaedt das Klavier- und Orgelspiel und sang in dessen Chor mit. Seine Mutter war sehr kunstinteressiert und musikalisch. Sie übernahm wiederholt Solopartien, z. B. in Händels Messias oder im Bachschen Weihnachtsoratorium. Als Kind bewunderte Biederstaedt Ernst Udet, mit dem er einmal mitfliegen durfte, weil dieser indirekt mit Biederstaedts Eltern bekannt war. Daraus entwickelte sich eine Schwärmerei für den Beruf des Piloten.Claus Biederstaedt im Gespräch mit Wolfgang Binder (PDF-Datei; 53 KB). In: Bayerischer Rundfunk vom 12. Dezember 2003, auf: br.de

Im Alter von 15 Jahren wurde Claus Biederstaedt Flakhelfer, mit 16 wurde der Schüler des Gröning-Gymnasiums an die Ostfront einberufen. Nachdem seine Mitschüler alle gefallen waren, gelang es ihm gerade noch, mit einem verwundeten Kameraden vor den heranrückenden sowjetischen Truppen in Richtung Westen zu fliehen. Biederstaedts Mutter, ebenfalls auf einem Treck nach Westen unterwegs, war aufgrund der desolaten Lage der festen Überzeugung, ihr einziger Sohn Claus sei gefallen, nahm sich daher mit einer Zyankalikapsel das Leben und wurde in einem Massengrab beigesetzt.Gerhard Fischer: „Ich bin dankbar, dass ich die goldenen Zeiten miterleben durfte“. In: Süddeutsche Zeitung vom 22. Juni 2018, auf: süddeutsche.de

Nachdem er wieder mit seinem Vater zusammengetroffen war, zogen beide nach Hamburg. Dort besuchte er das Wilhelm-Gymnasium, um sein Abitur nachzuholen,Andreas Zemke: 1972: Interview mit Claus Biederstaedt. In: Deutsche Welle vom 18. September 2013, auf: dw.com das er mit Großem Latinum und Graecum ablegte. Nebenbei sang er im Chor seines Vaters mit. Einer seiner Mitschüler am Gymnasium war Joachim Kaiser. Biederstaedt entschloss sich zu einem Medizinstudium, um Arzt zu werden. Im vierten Semester erkannte er jedoch, dass er dafür nicht geeignet war.Heinz Fiedler: . In: Sächsische Zeitung vom 11. März 2017, auf: sz-online.de (nicht mehr verfügbar), bei Genios

Schauspiel und Theater Als er mit seinem Chor bei einem Theaterstück auf der Bühne stand, lernte er Will Quadflieg kennen und schätzen. Dieser gab ihm an der Schauspielschule des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg Unterricht und wurde zu seinem Vorbild.„Aber in München passiert ihnen das nicht“. In: Stimme vom 25. Juli 2007, auf: stimme.de Unterrichtet wurde er auch durch Joseph Offenbach und Josef Dahmen. Unter Offenbach war er zeitweise als Regieassistent tätig. Er erlernte das Fechten, rhythmische Gymnastik, Kostümkunde, Literaturgeschichte, Sprechtechnik und das Rollenstudium. Nach der Abschlussprüfung vor der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger spielte er als verpflichteter Theaterschauspieler ab 1948 unter anderem an den Bühnen in Hamburg (Schauspielhaus), Berlin (Komödie Berlin), München, Köln und Wiesbaden (Staatstheater). Zu seinen Rollen gehörten Puck in Sommernachttraum, Leon in Weh’ dem, der lügt!, Edgar in König Lear und Valentin in Faust I. Biederstaedt arbeitete in späteren Jahren auch als Theaterregisseur und inszenierte unter anderem 1985 Des Teufels General, 1986 Der Hauptmann von Köpenick und 1993 Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang. Er stand mehr als 1000 Mal gemeinsam mit den Schauspielerinnen Karin Dor und Angélique Duvier in dem Stück Der Neurosenkavalier von Gunther Beth auf der Bühne, zuletzt 2008 in Essen.

Kino und Fernsehen Biederstaedt spielt allein bis 1985 in über 50 Filmen. 1952 gab er in Die große Versuchung sein Filmdebüt und erhielt dafür den Deutschen Filmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler. In späteren Jahren trat Biederstaedt auch häufig im Fernsehen auf; unter anderem spielte er 1963 an der Seite von Heidelinde Weis die männliche Hauptrolle in der zwanzigteiligen Fernsehserie Meine Frau Susanne., buch-film.com, 22. Mai 2016

Synchronisation und Sprecherrollen Ab 1960 arbeitete Claus Biederstaedt als Synchronsprecher. So lieh er seine Stimme häufig Marlon Brando (u. a. in Der letzte Tango in Paris oder Queimada), James Garner (deutsche Standard-Synchronstimme seit Detektiv Rockford – Anruf genügt), Peter O’Toole (Wie klaut man eine Million?), Peter Falk (Columbo), Vittorio Gassman (u. a. Das Leben ist ein Roman oder Verliebt in scharfe Kurven) und Yves Montand (u. a. César und Rosalie oder Vincent, François, Paul und die anderen).

Seit Anfang der 1950er Jahre bis Mitte der 1980er Jahre wirkte er in zahlreichen Hörspielen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit. In der Fernsehserie Raumpatrouille (1966) sprach er den Einführungstext „Was heute noch wie ein Märchen klingt …“. Als Erzähler aus dem Off kam er unter anderem in der TV-Produktion Es muß nicht immer Kaviar sein (1977) zum Einsatz. Seine Stimme war auch in der Werbung zu hören. Der bekannteste Spot mit Biederstaedt als Sprecher war Anfang der 1990er Jahre der für das Audi-Procon-ten-System. Nach dem Tod von Achim Höppner übernahm er dessen Part bei der Hörbuch-Produktion von Golo Manns Deutsche Geschichte als Komplettausgabe auf 37 CDs des Züricher Diogenes Verlags.

Ehe und Familie Claus Biederstaedt war von 1956 bis 1970 mit der Graphikerin Ingrid Biederstaedt, geborene Peters, verheiratet. Aus dieser Ehe ging sein 1961 geborener Sohn Tom-Erik hervor, der ausgebildeter Filmeditor wurde. 1974 heiratete Claus Biederstaedt wieder und lebte mit seiner zweiten Frau Barbara bis an sein Lebensende.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 97.Diebstahl, Verfolgungsjagd, Schüsse und ein kleiner Trick: Krimi um Sohn von Film-Legende Claus Biederstaedt: So trickste Tom die Autodiebe aus. tz.de, 28. Januar 2019.Claus Biederstaedt mit Ehefrau und ihrem Sohn, 1961. keypix.de, abgerufen am 27. März 2019.Promi-Geburtstag vom 28. Juni 2018: Claus Biederstaedt. volksstimme.de, 28. Juni 2018. Er lebte zuletzt im oberbayerischen Eichenau.Vom Glück zu leben, gustl-magazin.de, 12. Januar 2017

Krankheit und Tod Im August 2008 musste er im Alter von 80 Jahren seine beruflichen Engagements aufgeben. Eine Krebserkrankung wurde diagnostiziert, die zahlreiche Operationen erforderlich machte und zum Verlust des größten Teils seiner Zunge führte.Zunge amputiert, Krebs besiegt. bild.de, 22. Dezember 2011. Claus Biederstaedt starb im Juni 2020, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Gemeindefriedhof von Eichenau, Landkreis Fürstenfeldbruck.

Ehrungen 1952: Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsschauspieler

Filmografie

Synchronisierung (Auswahl) Marlon Brando u. a. in Der letzte Tango in Paris und Queimada – Insel des Schreckens James Garner u. a. in Detektiv Rockford – Anruf genügt und Bret Maverick Peter O’Toole in Wie klaut man eine Million? Peter Falk in Columbo Vittorio Gassman u. a. in Das Leben ist ein Roman und Verliebt in scharfe Kurven Yves Montand u. a. in César und Rosalie und Vincent, François, Paul und die anderen Albert Finney in Mord im Orient-Expreß Adolfo Celi in Ein Unbekannter rechnet ab

Hörspiele (Auswahl) 1963: Herbert Asmodi: Die Harakiri-Serie – Regie: Hans-Dieter Schwarze (Kriminalhörspiel – BR/HR)

Literatur Biederstaedt, Claus. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 97. Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 73 f. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 385.

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Einzelnachweise

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