mini|300px|Lages des Kastells im Stadtplan von 2017 mini|Markierung des Kastellgrundrisses in der Pflasterung des Kerkpleins
Laurium oder Laurum war ein römisches Kohortenkastell am Niedergermanischen Limes, der seit 2021 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Die Relikte des ehemaligen Militärlagers liegen heute unter dem Zentrum von Woerden, einer Stadt und Gemeinde in der niederländischen Provinz Utrecht. Außer durch das Kastell und den dazugehörenden Vicus ist Woerden in der Provinzialrömischen Archäologie vor allem durch eine Anzahl von Schiffsfunden aus römischer Zeit bekannt geworden.
Quellen und Forschungsgeschichte Das Kastell in Woerden wurde als Lauri, welches als Laurum oder Laurium gelesen werden kann, auf der Tabula Peutingeriana, der mittelalterlichen Kopie einer spätrömischen Wegekarte verzeichnet. Dort lag Laurium fünf Leugen (rund elf Kilometer) östlich von Nigrum Pullum (Zwammerdam) und zwölf Leugen (knapp 27 Kilometer) westlich von Fletione (Bunnik-Vechten).
Die Suche nach dem Kastell begann relativ spät. Seit 1975 wurden durch die damalige Katholieke Universiteit Nijmegen (K.U.N.), die 2004 in Radboud-Universität Nijmegen umbenannt wurde, mit einigen Unterbrechungen archäologische Untersuchungen im Bereich der Woerdener Innenstadt durchgeführt, die jedoch zunächst ohne greifbares Resultat hinsichtlich des Militärlagers blieben, allerdings unter anderem einige römische Schiffsfunde (siehe weiter unten) ans Tageslicht förderten. 1999 wurde erstmals ein Befund, der in den Kontext der Garnison gehörte, angeschnitten und erst ab 2002 kam es, bedingt durch Tiefbaumaßnahmen, zu systematischen Nachforschungen im Bereich des mit 2,4 m über dem Amsterdamer Normalpegel höchstgelegenen Platzes der Innenstadt, auf dem der Petruskerk vorgelagerten Kerkplein. Diese Untersuchungen wurden im Auftrag der Gemeinde Woerden und unter Aufsicht des Rijksdienst voor Archeologie, Cultuurlandschappen en Monumentenzorg (RACM) von den Firmen ADC ArcheoProjectenOffizielle Webpräsenz von (niederländisch), abgerufen am 1. Juli 2017., Amersfoort, und Hazenberg ArcheologieOffizielle Webpräsenz von Hazenberg Archeologie (niederländisch), abgerufen am 1. Juli 2017., Leiden vorgenommen und führten schnell zur Entdeckung des römischen Kastells.Edwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0.
Geschichte und archäologische Befunde
Chronologie Durch die archäologischen Untersuchungen konnten insgesamt vier Bauphasen voneinander differenziert werden, die fortlaufend von Woerden I bis Woerden IV nummeriert wurden.
Woerden I Das früheste Militärlager Woerden I auf dem heutigen Kerkplein entstand möglicherweise schon zur Zeit Caligulas, spätestens aber in frühclaudischer Zeit. Die genaue Rekonstruktion sowie Umfang und Struktur dieser Bauphase bleiben problematisch, zumal Lager aus der Zeit bis Claudius (41–54) sehr vielfältig in Form und Größe sein und andere Formen als ein Quadrat oder ein Rechteck annehmen konnten. Der Umstand, dass aus dieser Periode keine Spuren der Innenbebauung identifiziert werden konnten, kompliziert die Angelegenheit noch zusätzlich. Die aufgefundenen Spuren sprechen für eine Nord-Süd-Ausrichtung des Kastells. Zur Größe des Lagers können aufgrund der spärlichen Befunde keine Aussagen getroffen werden.Edwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 64f.
Woerden II Woerden I war nur wenige Jahre von einer unbekannten Einheit belegt und wurde noch in claudischer Zeit durch das Lager Woerden II ersetzt, dessen Einheit ebenfalls nicht bekannt ist. Es ist jedoch nicht gänzlich gesichert, ob zwischen den beiden Bauphasen eine unmittelbare Kontinuität bestand, oder ob es möglicherweise eine kurze Pause in der Geschichte des Garnisonsplatzes gab. Das neue Kastell war von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet und verfügte vor seiner Holz-Erde-Mauer über insgesamt drei Gräben, die in einem Abstand von fünf bis sechs Metern voneinander lagen. Genaue Aussagen über die Größe des Militärlagers sind auch in dieser Bauphase nicht möglich, lediglich die Südwestseite konnte auf eine Länge von 75 m bis 100 m rekonstruiert werden. „Woerden II“ bestand, bis es durch die Ereignisse des Bataveraufstands im Jahre 68/69 n. Chr. zerstört wurde, wovon eine dicke Brandschicht Zeugnis ablegt.Edwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 65–67.
Woerden III Nachdem sich Vespasian im Imperium durchgesetzt hatte und der Bataveraufstand niedergeschlagen worden war, erfolgte im Jahr 70 eine Neuanlage des Kastells Woerden III, das nun mit der Cohors XV voluntariorum civium Romanorum (deutsch: 15. Kohorte Freiwilliger römischen Bürgerrechts) belegt wurde, die in der Zeit des Domitian die Beinamen pia fidelis (pflichtbewusst und treu) erhielt. Problematisch ist bei dieser Kohorte, die nach der Clades Variana ausgehoben worden war und die Zeit ihres Bestehens in Niedergermanien operierte, inschriftlich auch in Praetorium Agrippinae (Valkenburg), Matilo (Leiden) und in Nigrum Pullum (Alphen aan den Rijn-Zwammerdam) erscheint. Es ist nicht geklärt, ob sie zwischen diesen Standorten wechselte, Vexillationen auf die einzelnen Standorte verteilte oder eventuell sogar nur ihre Ziegel zu anderen Standorten transportierte und welches ihr eigener oder zumindest Hauptstandort war.Jan Kees Haalebos und Willem J. H. Willems: Leiden-Roomburg und die cohors XV Voluntariorum. In: Dies.: Der niedergermanische Limes in den Niederlanden, 1995–1997. In: N. Gudea (Hrsg.): Roman Frontier Studies. Proceedings of the 17th International Congress of Roman Frontier Studies. (1999), S. 78f., (Digitalisat).
Während der Sondierungen von 1999 wurden der südwestliche und der südöstliche Verteidigungswall angeschnitten. Auch der größte Teil der insgesamt angetroffenen Spuren der Innenbebauung (siehe weiter unten) fällt in diese Periode, ebenso der Befund einer mit Balken verstärkten fossa fastigata (siehe weiter unten). Die schmäleren Seiten der Prätorialfront und der Kastellrückseite wurden auf rund 90 m geschätzt, die längeren Seiten auf rund 140 m interpoliert, so dass sich eine geschätzte Lagerfläche von 1,26 Hektar ergibt. Der Übergang zur nächsten Bauphase „Woerden IV“ um das Jahr 175 bleibt ein wenig spekulativ. Er wird festgemacht an den Funden von Dachpfannen mit dem Stempel des Didius Iulianus aus ungefähr dem Jahr 180 sowie an Bauinschriften der Legio I Minervia Antoniniana aus der Zeit des Septimius Severus (193–211).Edwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 67–69.
Woerden IV Um 175 wurde das bisherige Holz-Erde-Lager durch das Steinkastell Woerden IV ersetzt. Bereits zuvor war die Cohors XV durch die Cohors III Breucorum (deutsch: 3. Kohorte der Breuker) abgelöst worden. Auf einer Länge von drei Metern wurde eine etwa 50 cm starke Tuffsteinmauer dokumentiert. Neben der Tuffsteinmauer fielen weitere Funde von Natur- und Ziegelsteinen an, darunter zwei Kalksteinfragmente, von denen eines mit einer Rosette verziert war und eines noch die drei Buchstaben DEC oder DEG einer ehemals umfangreicheren Inschrift aufwies. Um das Jahr 260 wurde das Kastell aufgegeben.Edwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 69–72.
Verteidigungsgräben Im Verlaufe der Ausgrabungen wurden sieben verschiedene Verteidigungsgräben angeschnitten, die den vier verschiedenen Bauphasen wie folgt zugeordnet werden konntenEdwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 25 sowie 40–49.:
Bauphase von bis Gräben Kastellbauweise Wall/Mauer BelegungWoerden I3947Graben 7Holz-ErdevermutetunbekanntWoerden II4168Graben 1, Graben 3, Graben 4Holz-ErdenachgewiesenunbekanntWoerden III70175Graben 2Holz-ErdevermutetCohors XV voluntarium civium Romanorum pia fidelisWoerden IV175260Graben 5, Graben 6SteinnachgewiesenCohors III Breucorum
Der „Graben 7“, der der ältesten Bauphase „Woerden I“ zugeordnet wurde, besaß bei einer Breite von rund zwei Metern eine erhaltene Resttiefe von 60 Zentimetern. Aus dem Füllmaterial wurde eine einzelne Terra-sigillata-Scherbe vom Typ Drag. 29 geborgen, die auf den Zeitraum zwischen den Jahren 45 und 70 n. Chr. zu datieren ist.
Die „Gräben 1, 3 und 4“ wurden der Bauphase „Woerden II“ zugerechnet. „Graben 1“ war auf seinem untersten Niveau noch 1 m bis 1,5 m breit. Aus seiner Füllung konnten zwei Sigillaten vom Typ Drag. 29 geborgen werden, die der claudisch-neronischen Zeit zuzuordnen sind. Der ungefähr zwei Meter breite „Graben 3“ enthielt deutlich mehr datierbare Keramik als „Graben 1“. In seiner Füllung fand sich unter anderem ein claudisch-neronischer Töpferstempel, vor-flavische Irdenware, Terra-sigillata-Fragmente vom Typ Hofheim 12 sowie ein rauhwandiges Gefäß vom Typ Stuart 204. „Graben 4“ wurde aufgrund seiner Parallelität zu den „Gräben 1 und 3“ sowie durch eine in dieselbe Zeit wie diese datierbare TS-Scherbe vom Typ Drag. 29 in der Verfüllung als zur selben Bauphase zugehörig angesehen.
Der zur Bauphase „Woerden III“ gehörende „Graben 2“ war eine an ihren Seiten mit durchschnittlich noch auf einer Länge von 1,5 m erhaltenen Balken verstärkte fossa fastigata (Spitzgraben). Die ursprüngliche Länge der Balken wurde auf rund 2,5 m errechnet. Aus diesem Graben stammen Funde der spätneronisch-frühflavischen Zeit, darunter ein TS-Boden vom Typ Drag. 29 mit dem Stempel OF.PONTI, der auf die Zeit zwischen 65 und 85 zu datieren ist, ein weiterer TS-Boden des Töpfers FRONTINUS, der auf das Jahr 70 datiert werden kann, sowie einzelne Fragmente der flavischen Typen Stuart 107 und Stuart 109.
Die „Gräben 5 und 6“ gehören zur Bauphase „Woerden IV“. Graben 5 besaß eine maximal feststellbare Breite von rund zwei Metern und konnte über eine Länge von rund 20 Metern verfolgt werden. Durch die Keramikfunde in seiner Verfüllung lässt er sich allgemein ins zweite Jahrhundert datieren. Aus der untersten Füllschicht stammt ein Fragment verzierter Drag. 37, die ungefähr auf die Zeit zwischen 100 und 140, aber möglicherweise auch viel später datiert werden kann. Das übrige datierbare Fundmaterial weist ins zweite Jahrhundert, ohne dass man es präziser datieren könnte. Die Keramik aus der Füllung von Graben 6 weist ins erste und vor allem ins zweite Jahrhundert. Auch die zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts ist vertreten, unter anderem durch ein Fragment vom Typ Drag. 37 aus Lavoye, das auf die Zeit zwischen der Mitte und dem Ende des zweiten Jahrhunderts zu datieren ist.Edwin Blom und Wouter K. Vos (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 in het Romeinse Castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‘Woerden 7’. ADC Rapport 910, ADC ArcheoProjecten, Amersfoort und Hazenberg Archeologie, Leiden, 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 40–49.