Der Obertaunuskreis war bis 1972 ein Landkreis im deutschen Bundesland Hessen mit dem Kreissitz Bad Homburg vor der Höhe. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute überwiegend zum Hochtaunuskreis.
Geographie Der Landkreis grenzte Anfang 1972, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Usingen und Friedberg, an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main sowie an den Main-Taunus-Kreis. gerahmt|rechts|Obertaunuskreis, 1905
Geschichte mini|Siegelmarke K.Pr. Landrath des Ober-Taunus-Kreises Der Kreis wurde durch eine Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 gegründet, nachdem das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und die Landgrafschaft Hessen-Homburg in das Königreich Preußen eingegliedert worden waren.
Der neue Kreis umfasste die ehemals nassauischen Ämter Königstein und Usingen sowie das den Kern der Landgrafschaft bildende Amt Homburg. Die Stadt Homburg (seit 1912 Bad Homburg vor der Höhe) wurde Sitz der Kreisverwaltung. Das Gebiet von 544,80 km² mit seinen 82 Gemeinden lag beiderseits des Taunuskammes und wurde dem Regierungsbezirk Wiesbaden in der neuen Provinz Hessen-Nassau zugeteilt.Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871: Obertaunuskreis
Gemäß der neuen Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 1. April 1886 wechselten 48 Gemeinden nördlich des Gebirgskammes in den neuen Kreis Usingen.Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau 1886 (Digitalisat) Im Obertaunuskreis verblieben 34 Gemeinden auf einer Fläche von 224,54 km².
Schon drei Jahrzehnte später, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, führte die Besetzung des „Brückenkopfes Mainz“ durch die französischen Truppen zu einer Teilung der Verwaltung. Im Raum Königstein entstand der Kreis Königstein, der rund zwei Drittel des Obertaunuskreises umfasste. Nach dem Ende der Alliierten Rheinlandbesetzung wurde am 1. Oktober 1928 eine Neuordnung der Kreise im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt. Von den 22 Gemeinden des aufgelösten Kreises Königstein verblieben neun Gemeinden im Obertaunuskreis, während dreizehn Gemeinden zum neuen Main-Taunus-Kreis kamen.
Im Zuge einer preußischen Verwaltungsreform kehrte der Kreis Usingen am 1. Oktober 1932 vorübergehend für ein Jahr wieder zum Obertaunuskreis zurück. Auf Grund eines Wahlversprechens der NSDAP erhielt der Kreis Usingen am 1. Oktober 1933 seine Selbständigkeit nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zurück.
Einen Gebietszuwachs für den Obertaunuskreis brachte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 die provisorische und am 1. April 1947 die endgültige Eingliederung der Gemeinde Steinbach (Taunus), die bis dahin eine Exklave des südhessischen Landkreises Offenbach war. Bis zum Beginn der hessischen Gebietsreform gehörten nunmehr 18 Gemeinden zum Obertaunuskreis, darunter die fünf Städte Bad Homburg, Friedrichsdorf, Königstein im Taunus, Kronberg im Taunus und Oberursel.
Am 6. Mai 1968 kam der Obertaunuskreis nach der Auflösung des Regierungsbezirks Wiesbaden zum Regierungsbezirk Darmstadt.
Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Zahl der Gemeinden des Landkreises durch eine Reihe von Zusammenschlüssen bis zum Juli 1972 auf 11 verringert. Am 31. Dezember 1971 wurde der Obertaunuskreis durch die Eingliederung der Gemeinde Ober-Eschbach aus dem Landkreis Friedberg in die Stadt Bad Homburg vergrößert.
Am 1. August 1972 ging der Obertaunuskreis bis auf die Gemeinde Kalbach, die zur Stadt Frankfurt kam, im neuen Hochtaunuskreis auf. Zum Hochtaunuskreis kamen außerdem noch der größte Teil des Landkreises Usingen, die Gemeinden Ober-Erlenbach und Burgholzhausen vor der Höhe aus dem Landkreis Friedberg, die Gemeinden Glashütten und Reifenberg aus dem Main-Taunus-Kreis sowie die Gemeinde Hasselbach aus dem Landkreis Limburg. Gleichzeitig wurden am 1. August 1972 auch noch weitere Gemeinden zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1871 52.961 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1900 44.349 1910 54.036 1925 61.237 1933 50.821 1939 53.021 1950 81.803 1960 101.700 1970 129.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1971 139.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973
Politik Landräte Von Bis Name18671868Constantin von Briesen18681876Wilhelm von König18761877Constantin von Briesen18771883Leonhard von Massenbach18831894Bernhard von der Heydt18941903Wilhelm von Meister19031904Gustav Ebbinghaus19041921Ernst Ritter von Marx19211933Egon van Erckelens19331945Wolfgang von Hessen19451946Hermann Usinger19461948August Lüdge19481960Georg Eberlein19601972Werner Herr
Kreistag und Kreisausschuss Kreisordnung 1867 Teil der preußischen Kreisverfassung war die Einrichtung eines Kreistages. Dessen Zusammensetzung war in § 13 der „Verordnung, betreffend der Kreisverfassung im Gebiete des Regierungsbezirks Wiesbaden“ geregelt. Danach bestand der Kreistag aus je 6 Mitgliedern, die in den ehemaligen Ämtern gewählt wurden, dem Landrat und einem Vertreter des Domänenfiskus.
Der erste Kreistag trat am 1. September 1868 in Bad Homburg zusammen. Amt Abgeordneter Ort Homburg Geheimer Regierungsrat Heinrich Will Homburg Homburg Beigeordneter Deininger Homburg Homburg Gemeinderat G.E. Menges Homburg Homburg Gemeinderat J.G. Schudt IV Homburg Homburg Bürgermeister Raab Kirdorf Homburg Bürgermeister Wolff Seulberg Königstein Joseph Hildmann Oberhöchstadt Königstein Johann Jung Kalbach Königstein Bürgermeister Westenberger Kalbach Königstein Bürgermeister Wilhelm Fischer Königstein Königstein Konrad Sachs Eppstein Königstein Jakob Aumüller Oberursel Usingen Bürgermeister Becker Usingen Usingen Johann Schmidt Hasselborn Usingen Wilhelm Schmitt Rod an der Weil Usingen Philipp Peter Müller Arnoldshain Usingen Bürgermeister Johann Peter Jäger Wehrheim Usingen Peter Veidt Cratzenbach Vertreter des Domänenfiskus Rentmeister Thomae Usingen Landrat von König als Vorsitzender Homburg
Kreisordnung 1886 Mit der preußischen Kommunalordnung von 1886 wurde die Institution des Kreisausschusses ins Leben gerufen. Am 13. März 1886 wählte der Kreistag erstmals einen Kreisausschuss:
Abgeordneter Ort Polizeidirektor Eugen Schaffner Homburg Rentmeister Karl Müller Homburg Baumeister Louis Jacobi Homburg Bürgermeister Jakob Aumüller Oberursel Gutsbesitzer Johann Jung Kalbach Kaufmann Adam Sittig Königstein
Der Kreistag selbst bestand zunächst aus 20 Mitgliedern (Ende des Jahrhunderts stieg die Zahl auf 21, später auf 23). 10 davon wurden vom Wahlverband der Städte (davon entfielen allein 5 auf die Stadt Homburg), 6 aus dem Wahlverband der Landgemeinden und 4 aus dem Wahlverband der größeren Grundbesitzer und Gewerbetreibenden (diese mussten mindestens 180 Mark Grundsteuer oder 300 Mark Gewerbesteuer zahlen). Die Abgeordneten wurden auf 6 Jahre gewählt. Alle drei Jahre wurde die Hälfte der Abgeordneten neu gewählt.
Kreistag nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Obertaunuskreis eine Parteihochburg der SPD. Während die CDU lediglich nach den Kommunalwahlen in Hessen 1946 mit 13 Mandaten stärkste Partei wurde, war die SPD bei allen folgenden Wahlen die stärkste Kraft im Kreis.60 Jahre Kreissparkasse des Obertaunuskreises. In: Kreisausschuss des Obertaunuskreises (Hrsg.): 100 Jahre Obertaunuskreis. Lohse, Frankfurt am Main 1967 (die Seiten des Buches sind nicht durchnummeriert).
Jahr SPD CDU FDP KPD GB/BHE DP 1946 11 13 5 1948 11 11 9 2 1952 13 9 6 3 3 1956 16 11 5 2 2 1960 16 14 5 2 1964 20 16 4
Kommunallandtag Von 1866 bis zur Verwaltungsreform 1885/86 waren jeweils 2 Vertreter des Kreises im Nassauischen Kommunallandtag vertreten. Danach wurde die Direktwahl eingeführt. Die vom Kreistag und später von der Bevölkerung gewählten Mitglieder waren:Barbara Burkardt, Manfred Pult: Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden. 2003, S. 397. Amtszeit Abgeordneter Karl Schweighöfer 1868–1875 Heinrich Will 1868–1873 Paul Baudevin 1875–1879 Joseph Kopp 1877–1880 Ludwig Stumpff 1878–1885 Georg Ernst Menges 1880–1882 Jakob Aumüller 1881–1890 Carl Müller 1884–1892 Georg Jamin 1891–1906 Bernhard von der Heydt 1879–1894 Wilhelm von Meister 1894–1895 Ernst Ritter von Marx 1903–1918 Oskar Zimmermann 1905–1916 Josef Füller 1907–1918
Wappen Im November 1950 wurde dem Obertaunuskreis durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.
Gemeinden Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die dem Obertaunuskreis nach 1886 angehörten, sowie die Daten aller Eingemeindungen und Kreiswechsel. Gemeinde eingemeindetnach Datum derEingemeindung Altenhain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Bad Homburg vor der Höhe, Stadt Bommersheim Oberursel 1. Oktober 1929 Dillingen Friedrichsdorf 1. April 1916 Dornholzhausen Bad Homburg vor der Höhe 31. Dezember 1971 Ehlhalten zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Eppenhain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Eppstein zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Falkenstein Königstein im Taunus 1. August 1972 Fischbach zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Friedrichsdorf, Stadt Glashütten zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Gonzenheim Bad Homburg vor der Höhe 1. April 1937 Hornau zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Kalbach Frankfurt am Main 1. August 1972 Kelkheim zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Kirdorf Bad Homburg vor der Höhe 29. Juni 1901 Königstein im Taunus, Stadt Köppern Friedrichsdorf 1. August 1972 Kronberg im Taunus, Stadt Mammolshain Königstein im Taunus 1. August 1972 Neuenhain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Niederhöchstadt zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Oberhöchstadt Kronberg im Taunus 1. April 1972 Oberstedten Oberursel 1. April 1972 Oberursel, Stadt Ruppertshain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Schloßborn zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Schneidhain Königstein im Taunus 1. April 1972 Schönberg Kronberg im Taunus 1. April 1972 Schwalbach am Taunus zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928 Seulberg Friedrichsdorf 1. August 1972 Steinbach (Taunus) bis zum 1. April 1947 im Landkreis Offenbach Stierstadt Oberursel 1. April 1972 Weißkirchen Oberursel 1. April 1972
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen HG zugewiesen. Es leitet sich von der Kreisstadt Bad Homburg vor der Höhe ab. Es wird im Hochtaunuskreis durchgängig bis heute ausgegeben.
Literatur Verordnung, betreffend der Kreisverfassung im Gebiete des Regierungsbezirks Wiesbaden. Vom 29. September 1867. In: Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten. Nr. 105, 1867, S. 1653. Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau. Vom 7. Juni 1885. In: Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten. Nr. 25, 1885, S. 193. Kreisverwaltung des Obertaunuskreises (Hrsg.): Der Obertaunuskreis und seine Gemeinden. 1867–1927. Verlag für Architektur, Industrie- und Stadt-Werke, Düsseldorf 1927, S. 29–31. Nassauische Parlamentarier. Teil 2: Barbara Burkardt, Manfred Pult: Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden 1868–1933 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau. 71 = Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen. 17). Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 2003, ISBN 3-930221-11-X.
Siehe auch Kreisreformen in Preußen Kreisreformen in der Bundesrepublik Deutschland bis 1990
Weblinks Tabellarische Geschichte des Obertaunuskreises
Einzelnachweise
Obertaunus Obertaunus Kategorie:Geographie (Taunus) Kategorie:Geographie (Bad Homburg vor der Höhe) Kategorie:Geschichte (Rhein-Main) Kategorie:Geschichte (Taunus) Kategorie:Geschichte (Hochtaunuskreis) Kategorie:Geschichte (Bad Homburg vor der Höhe) Kategorie:Frankfurt-Kalbach-Riedberg Kategorie:Gerichtsgründung 1867 Kategorie:Aufgelöst 1972