Die Wirtschaftsgeschichte der Han-Dynastie ist gekennzeichnet durch außenpolitische Expansion und Vereinheitlichung von Schrift, Maßen, Gewichten und Bürokratie, die zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führten. Angetrieben wurde diese Entwicklung durch die Herstellung effektiver Waffen und Werkzeuge, den Handel mit hochwertiger Seide sowie die staatliche Regulierung von Getreide, Eisen, Salz und Wein. Die Wirtschaft der Han-Dynastie beruhte anfänglich fast ausschließlich auf landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Allerdings gab es schon produzierende Regierungsbetriebe und private Gewerbetreibende. Bevölkerung Die Bevölkerungszahlen wurden durch zwei Zählungen während der Han-Dynastie festgehalten.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 62. Haushalte Einwohner 1/2 n. Chr. 12.233.062 59.594.978 140 n. Chr. 9.698.630 49.150.220 Der Großteil der Bevölkerung lebte auf dem Land und vom Ackerbau.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 56. Auch die Fischerei in Seen und Flüssen war eine verbreitete Arbeit.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 57. In den Städten stellten die Menschen vor allem Textilien her oder arbeiteten beispielsweise in der Salzgewinnung.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 128.
Die Bevölkerung wurde in verschiedene Ränge differenziert. Der Status wurde als eine Art Belohnung der Regierung vergeben. Es gab insgesamt 20 Ränge, die höchsten 12 konnten allerdings nur von Beamten eingenommen werden. Umso höher der Rang, umso mehr Privilegien genoss man. Wenn jemand ein Verbrechen beging, konnte ihm dieser Rang wieder entzogen werden. Zusätzlich gab es einen Rang, der unter den gewöhnlichen Bürgern anzusiedeln war. Dieser wurde an die vergeben, die als Strafe für ihre Verbrechen für die lokalen Machthaber arbeiten mussten, und war einem gesellschaftlichen Ausstoß gleichgesetzt. Die meisten von ihnen stiegen später wieder auf und wurden dem gewöhnlichen Volk eingegliedert.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 57f.
Während der Han-Dynastie gab es Sklaven, die ungefähr 1 % der Gesamtbevölkerung ausmachten. Zum Beginn der Dynastie waren diese meist Verwandte von gefangenen Kriminellen, später wurden viele Kinder von ihren Eltern aus finanziellen Gründen verkauft. Die meisten Sklaven sind zu Lebzeiten befreit worden.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 58.
Urbanisierung Die genaue Anzahl an Menschen, die während der Han-Dynastie in Städten lebten, ist nicht bekannt. Schätzungen schwanken zwischen 6 und 18 Millionen Bewohnern, die in etwa in 1500 Städten lebten.Nishijima Sadao: The economic and social history of former Han. In: The Cambridge History of China. Volume I: The Ch'in and Hand Empires. 1986. Kapitel 10, S. 574. Im 2. und 1. Jh. v. Chr. wuchsen die Städte, während in der Östlichen Han-Dynastie die Zahlen zurückgingen.Michèle Pirazzoli-t'Serstevens: China's Early Empires. Part I, 2010, S. 170. Eine Ausnahme bildet die Stadt Luoyang, in der 1–2 n. Chr. nur geschätzte 195.504 Menschen lebten.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 129. Später lebten dort bis zu 500.000 Einwohner. Viele Städte wurden nicht neu gegründet, sondern entstanden in der Nähe deutlich älterer Niederlassungen. Die meisten Städte lagen nördlich des Flusses Huai und es ist davon auszugehen, dass es zwischen den Städten regen Austausch und Handel gab.Michèle Pirazzoli-t'Serstevens: China's Early Empires. Part I, 2010, S. 169. Durch eine Zählung 1–2 n. Chr. sind die Einwohnerzahlen einiger Städte bekannt: Haushalte Einwohner Ch'ang-an 80.000 246.200 Loyang 52.839 (195.504)* Ch'eng-an 76.256 (282.147)* P'eng-ch'eng 40.196 (148.725)* Städte hatten zum einen einen administrativen Zweck und manchmal sogar militärische Hauptquartiere, zum anderen Marktplätze. Diese waren die wichtigsten Orte der Kommunikation in den Städten und wurden durch lokale Autoritäten kontrolliert. Zeitweise gab es in den Städten extrem hohe Kriminalitätsraten und sogar bewaffnete Jugendbanden.Michael Loewe: Everyday Life in Early Imperial China. Batsford, Putnam 1968, S. 146f.
Soziale Klassen Landeigentümer und Bauern Westliche Han-Dynastie Die frühe Han-Dynastie, auch Westliche Han-Dynastie (chinesisch 西汉, Pinyin xīhàn) genannt, erstreckte sich von 207 v. Chr. bis 9 n. Chr. Nach dem Untergang der Qin-Dynastie gründete Han Gazou (auch genannt Liu Bang) die Han-Dynastie. Als erster Han-Kaiser ergriff er Reformen zur Förderung der Landwirtschaft, indem er die Steuern und Abgaben der Landbevölkerung reduzierte, um so das heruntergewirtschaftete Reich wieder aufzubauen. Viele Bauern erhielten ihr verlorenes Land und Gut zurück.
In der frühen Han-Dynastie wurden Steuern pro Haushalt erhoben, damit wurde das Ziel verfolgt, möglichst viele kleine Landeigentümer zu haben, um mehr Steuereinnahmen erzielen zu können. Die darauffolgenden Han-Kaiser Huidi (195–188 v. Chr.), Wendi (180–157 v. Chr.) und Jingdi (157–141 v. Chr.) reformierten den Staatsapparat weiter und führten die Politik zur Entwicklung der Wirtschaft fort. Diese zeichnete sich unter anderem in der Einführung eiserner Ackergeräte und der Verwendung von Ochsen als Zugtiere, wodurch die landwirtschaftliche Produktivität deutlich gesteigert wurde.
Unter der Herrschaft von Kaiser Wudi erfolgte die Blütezeit der Han-Dynastie. Dieser schwächte die Macht der Fürstentümer erheblich ab und zentralisierte verstärkt den Staat. Dabei wurden Salz, Eisen und Münzen zum Staatsmonopol erklärt. Zudem dehnte er das Reich weit aus. In seinen späteren Regierungsjahren legte er großen Wert auf die fortwährende Entwicklung der Landwirtschaft.
Die nachfolgenden Han-Kaiser Zhaodi (87–74 v. Chr.) und Xuandi (74–49 v. Chr.) konnten die vorangegangene Herrschaft Wudis nicht aufrechterhalten und leiteten den Niedergang der frühen Han-Dynastie ein. Grund dafür war die steigende Machtzunahme der Großgrundbesitzer. Diese verpachteten ihrerseits Land an die Bauern und genossen, teilweise wegen ihrer Verdienste um das Reich, Steuererleichterungen. Dadurch sanken die Einnahmen der Regierung und die Bauern waren steigenden Steuerbelastungen ausgesetzt. Infolge dieser Ausbeutung verloren viele Bauern ihren Grund und Boden und standen unter der Abhängigkeit der Großgrundbesitzer. Daher konnten sie keine Frondienste für den Staat mehr leisten. Insgesamt nahm die Zahl der Großgrundbesitzer zu und die Zahl der gewöhnlichen Bauern immer weiter ab. Die steigende Unzufriedenheit der Bauern zeigte sich in einigen Bauernaufständen. Schließlich war Kaiser Wang Mang 9 n. Chr. an die Macht gekommen und gründete die Xin-Dynastie.
Östliche Han-Dynastie Die späte Han-Dynastie, auch Östliche Han-Dynastie (chinesisch 东汉, Pinyin dōnghàn) genannt, erstreckte sich von 25 bis 220 n. Chr. Nach dem Sieg über Wang Mang bestieg Kaiser Guangwudi (auch genannt Liu Xiu) 25 n. Chr. den Thron und ändertete die Dynastiebezeichnung wieder zu Han um. Wichtige Handlungen Guangwudis zu seinem Amtsantritt waren die Freilassung der Sklaven und die Reformation der Verteilung des Bodens, indem er anordnete, den armen Bauern Land zuzuteilen und ihnen Saatgut und Ackergeräte zur Verfügung zu stellen, was zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion beitrug. Dies führte zu einer kurzen, erneuten Blütezeit unter der Herrschaft von Guangwudi (25–57 n. Chr.), Mingdi (57–75 n. Chr.) und Zhangdi (75–88 n. Chr.).
Jedoch waren die Probleme der frühen Han-Dynastie nicht beseitigt, sondern wurden verstärkt. Durch die Unterstützung der Großgrundbesitzer war Guangwudi, welcher selbst aus einer Großgrundbesitzerfamilie stammte, an die Macht gekommen. Somit musste er ihnen Steuerprivilegien gewähren. Die Macht der Großgrundbesitzer nahm zu und die Zahl der steuerzahlenden Bauern nahm ab. Diese wurden zunehmend in den Ruin getrieben und verloren durch Verschuldung ihr Land oftmals an die Großgrundbesitzer. Hinzu kamen viele Naturkatastrophen und Hungersnöte, wodurch viele Bauern obdachlos und heimatlos wurden.
Als Folge kam es ab 107 n. Chr., unter der Herrschaft von Andi, in verschiedenen Landesteilen zu Bauernaufständen gegen die Unterdrückung der Han-Regierung. Im Jahr 184 kam es unter der Herrschaft von Lingdi zum Höhepunkt der Unruhen, dem Aufstand der Gelben Turbane. Unter der Führung von Zhang Jiao schlossen sich viele verarmte Bauern dem Aufstand an, welcher sich über das ganze Reich ausbreitete. Der Aufstand der Gelben Turbane war der erste große und gut organisierte Bauernaufstand in der Geschichte Chinas. Trotz anfänglicher Erfolge wurde der Aufstand letztendlich niedergeschlagen, doch der Untergang der späten Han-Dynastie war bereits eingeleitet.
Kaufleute Der zunehmende Wohlstand und die Verbesserung des Handels aufgrund der Seidenstraße und des allgemeinen Friedens im Lande ermöglichte es Kaufleuten, wertvolle Güter zu handeln und reich zu werden.
Während der Han-Dynastie wurden das Papier und die Seide erfunden, welche beide zu stark nachgefragten Gütern in Ländern entlang der Seidenstraße und zu großen Einnahmequellen wurden. Kaufleute, die aus dem Westen stammten, handelten Pferde, Pelz, Elfenbein und Jade. Die westliche Seidenstraße ermöglichte ihnen, neue Artikel zu erwerben wie Gurken und Sesam. Sie wurden mit neuen Kenntnissen konfrontiert, wie zum Beispiel die Verwendung von Trauben, um Wein herzustellen. Im Jahre 98 v. Chr. wurde sogar ein staatliches Weinmonopol eingeführt.
Kaufleute wurden als niedrige Gelehrte betrachtet und mussten weiße Kleidung tragen als Kennzeichnung ihrer niedrigen Stellung. Den Kaufleuten war es untersagt, Ämter anzutreten, doch sie wurden belohnt, wenn sie wesentlich zur wirtschaftlichen Leistung beitrugen. So war es für sie möglich, sich beträchtlichen Reichtum anzuhäufen und Grundstücke zu erwerben. Weil sich die Wirtschaft der Han-Dynastie weitgehend auf die Produktionsleistung der Bauern verließ, beseitigte die Regierung die schwer lastende Besteuerung von Kleingrundbesitzern und erlegte höhere Steuern auf Kaufleute.
Durch ihren Erfolg konnten die Kaufleute in der frühen Han-Dynastie Funktionen in der Regierung übernehmen. Besonders erfolgreiche Kaufleute konnten sich sogar Titel beim Kaiser kaufen, luxuriöse Häuser bauen und auf Kutschen oder Wagen fahren. In der späten Han-Dynastie jedoch wurden die Kaufleute gestürzt und ihre Zunft war verpönt. Mit ihrem Erfolg entwickelte sich der Neid der anderen Klassen, sodass die Kaufleute zur untersten sozialen Klasse wurden. Gelegentlich gab es Gesetze, welche ihnen verboten, gewisse hochrangige Aktivitäten zu unternehmen, wie zum Beispiel das Kutschenfahren.
Wehrpflicht Zur Zeit der Han-Dynastie bestand das Militär aus Wehrpflichtigen, Freiwilligen und Sträflingen. Der Einsatz von Sträflingen war eher in der Qin-Dynastie üblich; unter der Han-Dynastie sind nur wenige Fälle bekannt, bei denen Gefangene durch Amnestie zur Nordwest-Front geschickt wurden. Zu den Wehrpflichtigen zählte man alle Männer im Alter von 23 bis 56 Jahren. Kurzzeitig wurde das Mindestalter nach der Regentschaft des Kaisers Zhao (87–74 v. Chr.) auf 20 Jahre heruntergesetzt. Söhne aus höher gestellten Familien waren in der Lage, andere dafür zu bezahlen, dass diese an ihrer Stelle dienten.