mini|Nathanael Liminski (2024) Nathanael Liminski (* 19. September 1985 in Bonn) ist ein deutscher Politiker (CDU). Seit dem 29. Juni 2022 ist er Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II und bereits seit dem 30. Juni 2017 Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen (CdS). Seit dem 1. November 2025 ist er zudem Abgeordneter im Landtag Nordrhein-Westfalen. Liminski wurde als enger Vertrauter, langjähriger Mitarbeiter und Vordenker von Armin Laschet bekannt.
Leben Herkunft, Familie, Religion Nathanael Liminski stammt aus einem römisch-katholischen, eng mit der Laienorganisation Opus Dei verbundenen Elternhaus. Er wurde nach Nathanael, einer Gestalt aus dem Johannesevangelium, benannt. Sein Vater war der Journalist und Publizist Jürgen Liminski (1950–2021). Seine Mutter Martine Liminski geb. Le Noxaïc (* 1951) ist eine ehemalige Volksschullehrerin und stammt aus der Bretagne. Nathanael Liminski wuchs mit sieben älteren und zwei jüngeren Geschwistern im Sankt Augustiner Stadtteil Hangelar auf. Er wurde in der Familie „Momo“ genannt und war eine Art Privatsekretär seines Vaters. Wegen der Abstammung seiner Familie bezeichnete sich Liminski auch als „Inkarnation des Weimarer Dreiecks“.
Aufmerksamkeit erlangte Liminski als Stimme des im Gefolge des Weltjugendtags 2005 von ihm mitgegründeten innerkirchlichen Netzwerkes Generation Benedikt (ab 2013: Initiative Pontifex, zuletzt Mediennetzwerk Pontifex, 2024 aufgelöst), das eine an den Positionen von Papst Benedikt XVI. orientierte papsttreu-konservative Kirchlichkeit für junge Katholiken propagierte. In dieser Funktion war er mehrfach Gast in Talkshows, unter anderem bei Maischberger und Hart aber fair, wo er unter anderem Stellung zur Sexualethik der römisch-katholischen Kirche bezog und seine positive persönliche Haltung dazu beschrieb. Diese Auftritte wurden später, als Liminski bereits in der Politik tätig war, in verschiedenen Medien immer wieder aufgegriffen und unterschiedlich kommentiert.
Eine Mitgliedschaft in der Organisation Opus Dei und auch eine behauptete Nähe zu der Bewegung wies Nathanael Liminski im November 2021 zurück. „Ich bin weder Mitglied dieser Gruppierung noch pflege ich irgendeine Nähe“, erklärte er gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Inhaltlich abgegrenzt hat sich Liminski vom Wertefundament und den familienpolitischen Anliegen seiner Eltern, beide Teil der Organisation, allerdings nicht. Auch nutzte er die Kontakte seines Vaters in Kirche, Politik und Medien in seiner politischen Karriere.
Seit 2012 ist Nathanael mit der Wirtschaftspsychologin Hanna Liminski verheiratet, mit der er vier Kinder hat. Die Familie lebt im Düsseldorfer Stadtteil Benrath.
Schulbildung und Studium Sein Abitur machte Liminski 2005 am Bonner Collegium Josephinum mit einem Schnitt von 1,1. Noch während seiner Schulzeit machte er ein Praktikum im Landtag Nordrhein-Westfalen bei Helmut Stahl, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion.Autorenprofil von Nathanael Liminski bei Die Freie Welt (Stand 2009).
Von 2006 bis 2010 studierte er Mittelalterliche und Neuere Geschichte im Hauptfach mit den Nebenfächern Politikwissenschaft und Staatsrechtslehre an der Universität Bonn und verbrachte ein Auslandssemester an der Pariser Universität Sorbonne.Profil von Nathanael Liminski beim Campfire-Festival 2019, abgerufen am 19. Januar 2021.Tobias Blasius: Laschets Schattenmann. In: WAZ, 7. Juli 2017, abgerufen am 19. Januar 2021. Sein Studium schloss Liminski als Magister artium ab.
Politik Politischer Werdegang Liminskis politische Arbeit begann im Kinder- und Jugendparlament der Stadt Sankt Augustin.Nathanael Liminski: Wer ich bin. Vorstellung auf der persönlichen Wahlkampf-Homepage zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2022, abgerufen am 2. Juli 2024. 2001 trat er in die CDU ein und hatte verschiedene Positionen im Landesvorstand NRW der Schüler Union sowie der Jungen Union (JU) inne. Zusätzlich war er Kreisvorsitzender der Schüler Union Bonn. Im Jahr 2004 kandidierte er für das Amt des Bundesvorsitzenden der Schüler Union, unterlag in einer Kampfabstimmung allerdings der durch den Landesverband NRW nominierten Karolina Swiderski.Schüler Union wählt mit Karolina Swiderski aus dem Rhein-Kreis Neuss erstmals weibliche Bundesvorsitzende. Pressemitteilung der CDU im Rhein-Kreis Neuss, 6. Juli 2004, abgerufen am 16. Oktober 2021 (Liminski unerwähnt).
Nach dem Abitur war Liminski für einige Monate Mitarbeiter der Abgeordneten Christa Reichard (CDU) im Deutschen Bundestag. 2005/06 machte er ein mehrmonatiges Praktikum im Kongress der Vereinigten Staaten in Washington als Mitarbeiter des republikanischen Abgeordneten Mark Souder. 2009 war Liminski für einige Monate parlamentarischer Assistent von Martin Kastler (CSU) im EU-Parlament.
Zwischen Herbst 2011 und Sommer 2017 war Nathanael Liminski Chefredakteur des JU-Mitgliedermagazins Entscheidung,Entscheidung, 59. Jg., Heft 9/10 (September/Oktober 2011), S. 3 (Editorial); Mitteilung der JU vom 12. Juli 2017, online konsultiert am 20. Januar 2021: Florian Müller wird neuer Chefredakteur d. #ENTSCHEIDUNG und folgt damit Nathanael Liminski. Wir wünschen einen guten Start und viel Erfolg! das er seither zusammen mit dem Bundesvorsitzenden der JU, zurzeit Johannes Winkel, herausgibt.Entscheidung, 66. Jg., Heft 1/2 (Januar/Februar 2018), S. 43; Entscheidung 3/20 (Oktober–Dezember 2020), S. 57.
Seine Ministeriallaufbahn begann Liminski 2010 als Redenschreiber für Roland Koch (CDU) in der Hessischen Staatskanzlei. Im Januar 2011 wechselte er in das Bundesverteidigungsministerium zu Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der aber nur einen Monat später wegen der Affäre um seine plagiierte Doktorarbeit zurücktrat. Guttenbergs Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) holte Liminski aus dem Planungsstab in sein Ministerbüro. Als de Maizière nach der Bundestagswahl 2013 ins Innenressort wechselte, folgte ihm Liminski Anfang 2014 dorthin.
Armin Laschet, der gerade Oppositionsführer im Landtag Nordrhein-Westfalens geworden war, warb seit Ende 2013 intensiv um Liminski und holte ihn im August 2014 gegen den Wunsch de Maizières, der ihn gern bei sich behalten hätte, als seinen Stabschef in die CDU-Landtagsfraktion nach Düsseldorf.
Politische Ämter in NRW In Laschets Amtszeit als Vorsitzender der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag war Liminski von August 2014 bis zu seiner Berufung zum Chef der Staatskanzlei NRW im Juni 2017 Fraktionsgeschäftsführer.
Zum 31. August 2017 übernahm er als Medienstaatssekretär auch die Federführung für den Bereich der Medienpolitik des Landes, nachdem das Ressort von dem ursprünglich zuständigen Ministerium für Bundesangelegenheiten unmittelbar an den Ministerpräsidenten übergegangen und von diesem an die Staatskanzlei delegiert worden war. Hintergrund waren Bedenken hinsichtlich einer möglichen Befangenheit des für das Ministeramt vorgesehenen früheren WAZ-Gesellschafters Stephan Holthoff-Pförtner.
Während der Regierung Laschet war Liminski in wichtige politische Entscheidungsprozesse etwa zur Bekämpfung der Corona-Pandemie oder zum Ausstieg aus der Braunkohle-Förderung involviert.
Nach dem Rücktritt Armin Laschets blieb Liminski auch unter dessen Amtsnachfolger Hendrik Wüst Chef der Staatskanzlei und Medienstaatssekretär. Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2022 lobte Wüst Liminskis Arbeit, die als wichtig für die Arbeitsatmosphäre zwischen den Parteien und den Zusammenhalt in der Regierung in Nordrhein-Westfalen bewertet wurde. Die Regierung aus CDU und FDP regierte von 2017 bis 2022 mit nur einer Stimme Mehrheit.
Zur Landtagswahl 2022 beabsichtigte Liminski zunächst eine Kandidatur als Direktkandidat im neuen Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis V, zu dem unter anderem sein Heimatort Sankt Augustin gehört. Am 1. Dezember 2021 scheiterte er jedoch bei der Aufstellungsversammlung des CDU-Kreisverbandes Rhein-Sieg mit 65:78 Stimmen an Sascha Lienesch, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden von Sankt Augustin.Andrea Ziech: CDU-Landtagskandidat im Rhein-Sieg-Kreis: Sascha Lienesch gewinnt gegen NRW-Staatskanzlei-Chef Liminski. In: General-Anzeiger. 2. Dezember 2021, abgerufen am 14. August 2022. Liminski hatte bei seiner Bewerbung angegeben, neue Impulse für Familienpolitik, Infrastruktur, Sicherheit, Klima- und Umweltschutz geben zu wollen.
Am 25. Januar 2022 wurde er schließlich vom CDU-Kreisverband Köln, wo er keinen Gegenkandidaten hatte, mit rund 80 Prozent Mehrheit als Kandidat im Wahlkreis Köln III nominiert. Liminski belegte zudem auf der Landesliste der CDU Platz 12. Den Einzug in den Landtag verpasste er zunächst, da er in seinem Wahlkreis mit 13,8 % nur Dritter wurde und die CDU-Landesliste nicht zog. Am 1. November 2025 rückte er für Ralf Nolten in den Landtag Nordrhein-Westfalen nach.
Während der Koalitionsverhandlungen zur ersten schwarz-grünen Regierung in Nordrhein-Westfalen war Liminski Teil der 10-köpfigen Steuerungsgruppe. Nach Abschluss der Verhandlungen berief ihn Ministerpräsident Hendrik Wüst am 29. Juni zum Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien. Er behielt zudem seinen Posten als Chef der Staatskanzlei.
In seinen Ämtern positionierte sich Liminski auch außenpolitisch – vor allem zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zur Zeitenwende. In einem Interview sagte Liminski, er sehe es "auch als Landespolitiker als meine Aufgabe an, über unsere Verteidigungsfähigkeit zu informieren, für sicherheitspolitische Realitäten zu sensibilisieren, für außenpolitische Positionen zu werben".
Stellung innerhalb der CDU Liminski wird dem wertkonservativen Flügel der Union zugerechnet. In der JU galt er als konservativer Vordenker. Für Armin Laschet, der dem christlich-liberalen Flügel der Partei angehört und als Anhänger Angela Merkels gilt, hielt Liminski die Kontakte in das merkelskeptische Lager der Union. Aufgrund seiner christlichen Prägung wird er allerdings auch zu den Befürwortern der Flüchtlingspolitik Merkels gerechnet, obwohl er sich zu kritischen Themen öffentlich kaum exponiert.
Liminski gilt als Architekt von Laschets Wahlsieg bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 sowie des anschließend geschlossenen Koalitionsvertrags von CDU und FDP und allgemein als unersetzliches „Mastermind“, wichtigster Vertrauter und „rechte Hand“ von Armin Laschet. WAZ und Rheinische Post betitelten ihn als „Laschets Schattenmann“. Seine innerparteilichen Netzwerke sind stark durch persönliche Bekanntschaften und kirchliche Verflechtungen geprägt. So machte Liminski den damaligen CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zum Taufpaten seines jüngsten Kindes und fädelte das Zusammengehen von Jens Spahn, mit dem er seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Jungen Union befreundet ist, mit Armin Laschet bei der schließlich erfolgreichen Bewerbung um den CDU-Vorsitz 2020/21 ein. Als Armin Laschet nach der verlorenen Bundestagswahl 2021 nach Berlin ging, um sein Bundestagsmandat anzutreten, blieb Liminski – anders als für den Fall eines Wahlsieges allgemein vorausgesagt worden war – in Nordrhein-Westfalen. Für einen Wahlsieg Laschets war erwartet worden, Liminski würde unter Armin Laschet als Bundeskanzler Kanzleramtsminister werden.
Am 24. September 2022 wurde er auf dem Bezirksparteitag der CDU Mittelrhein in Siegburg als Nachfolger von Axel Voss zu deren Vorsitzenden gewählt. Seit Dezember 2024 ist er zudem Kreisvorsitzender der Bonner CDU.
Medienpolitik mini|Nathanael Liminski (ganz links) im April 2018 bei der Verleihung der Grimme-Preise in Marl Im Oktober 2017 entsandte die Landesregierung Liminski in den ZDF-Fernsehrat.