mini|Koldinghus heute, Blickrichtung von Norden, Vordergrund: Schloss-See mini|Blick von Nordwest, 1866 Koldinghus ist ein dänisches Königsschloss in der Stadt Kolding im Osten Jütlands, das in der Mitte des 12. Jahrhunderts angelegt wurde. Es brannte im Jahr 1808 aus und blieb lange als Ruine ungenutzt, wurde dann aber im Zuge einer langjährigen Restaurierung wieder aufgebaut. Heute wird Koldinghus als Museum für die Schlossgeschichte und Ort für wechselnde Kunstausstellungen und künstlerische Aktivitäten genutzt. abgerufen am 26. Juni 2017
Von der Parkanlage um das Schloss hat man eine gute Aussicht auf die Stadt Kolding und den angrenzenden Schloss-See. Der Schloss-Turm bietet eine 75 Meter hohe Aussicht von einer Aussichtsplattform.
Geschichte des Koldinghus Koldinghus ist die letzte existierende königlich-dänische Burg. In ihrer 700 Jahre dauernden Existenz spielte sie eine wichtige Rolle in der Geschichte Dänemarks. Eingebunden in die Grenzverteidigung diente sie als eine königliche Residenz und als Sitz der lokalen Repräsentanten der dänischen Zentralregierung.
Nach dem großen Feuer 1808, das die Burg zerstörte, wurde die Ruine zu einer Attraktion für Künstler und Poeten, die hier Inspiration für ihre Werke suchten und fanden. Mehr als ein Jahrhundert lang war die Ruine ein Objekt verschiedener Restaurierungsversuche und wurde schließlich in ein Museum für die regionale Geschichte und einen Ort für kulturelle Aktivitäten umgewandelt., abgerufen am 22. Juni 2017
Mittelalterliche Burg In der Mitte des 13. Jahrhunderts bildeten der Kolding Fjord und die Flüsse Kolding Å (dt. Kolding-Au) und Kongeå (dt. Königsau) die Grenze zwischen dem Königreich Dänemark und dem Herzogtum Schleswig. Die Stadt Kolding entwickelte sich zu einer Handelsstadt an dieser Grenze, genau an dem Punkt, wo der Warenverkehr zwischen Dänemark und Deutschland den Fluss überqueren musste. Der Schritt zur Handelsstadt erfolgte im Jahr 1230, als Kolding die Stadtrechte erhielt. König Erik Glipping (1259–1286) baute das erste Koldinghus an diesem wichtigen Übergang, um die südliche Grenze des Königreichs zu verteidigen, vorrangig gegen die Grafen von Schauenburg und Holstein, die als Herzöge von Schleswig Einfluss auch über Dänemark gewinnen wollten.website: Koldinghus.dk: KOLDINGHUS' HISTORIE: Middelalderborgen, (dänisch), abgerufen am 22. Juni 2017
Während des Mittelalters wurde Koldinghus durch seine besondere Lage zu einer der größten und wichtigsten Festungen Dänemarks. Im Jahr 1320 zwang der Adel den dänischen König Christoph II. (Amtszeit 1320–1326), eine Handfeste zu unterzeichnen, die die königlichen Rechte gegenüber dem Adel erheblich einschränkte. Dazu gehörte auch der Abriss der meisten königlichen Burgen in Jütland, ausgenommen Riberhus und Koldinghus. Beide Burgen lagen an strategisch wichtigen Orten an der Südgrenze des Königreiches. Kurze Zeit später fiel die Burg durch verschiedene Anlässe in die Hände der Grafen von Schauenburg und Holstein, bis Waldemar IV. Atterdag, König von Dänemark von 1340 bis 1375, im Jahr 1348 die verpfändete Burg zurücknahm.
Es wurden oft Treffen auf Burg Koldinghus abgehalten. Unter anderem verhandelten hier auch Königin Margarethe I. (1376–1412) und König Erich von Pommern (1412–1439) viele Male mit den Herzögen von Schleswig über Nordschleswigs Haltung gegenüber dem Dänischen Königreich. Hier auf Koldinghus wurde auch der im Jahr 1448 neu gewählte König Christian I. zum ersten Mal in Dänemark empfangen, als er aus Oldenburg in Norddeutschland ankam. Hier fanden auch die regelmäßigen Treffen statt zwischen König Christian I. (1448–1481) und der ländlichen Aristokratie von Schleswig-Holstein, nachdem er 1460 zum Herzog von Schleswig und 1474 zum Grafen von Holstein gewählt worden war.
Heute erinnern keine sichtbaren Spuren mehr an das früheste Koldinghus, aber verschiedene archäologische Forschungen haben ergeben, dass ein Steingebäude genau an der Stelle stand, wo die heutige Burg gebaut wurde.
Dänemarks erstes Renaissanceschloss Im Jahr 1536 kam König Christian III. nach dem Grafenfehde (dän. Grevens Fejde) genannten Bürgerkrieg (1534–1536) auf den dänischen Thron. Nachdem er seine Macht über die einheimischen und fremden Feinde konsolidiert hatte, war er in der Lage, gemeinsam mit seiner Frau Dorothea umfangreiche Renovierung an Koldinghus vornehmen zu lassen. Alle mittelalterlichen Befestigungen und Vorrichtungen, die man zur Verteidigung genutzt hatte, wurden entfernt. Die frühere Festung wurde in ein wohnliches Schloss für den König und seine Familie im westlichen Teil des Königreiches umgewandelt und für die Zukunft als Witwensitz für die Königin bestimmt. Koldinghus wurde so das erste reine königliche Wohnschloss in Dänemark.website: Koldinghus.dk: KOLDINGHUS' HISTORIE: Danmarks første renæssanceslot, (dänisch), abgerufen am 22. Juni 2017
In den Jahren um 1550 wurde der Burggraben, den das Koldinghus umgab, zugeschüttet und der südliche Flügel das Schlosses erbaut. Der Westflügel mit dem runden Torbogen als Eingang wurde gleichfalls ergänzt. Der frühere Scharfschützen-Laufgang auf dem Dach des Westflügels wurde angehoben und zu einem Festsaal umgebaut. Das älteste Bild von Koldinghus datiert von 1587 und zeigt, dass König Christian III. und Königin Dorothea auch einen Gefechtsturm mit einer Turmspitze zu dem Schloss hinzugefügt hatten. Die Mauern des Schlosses wurden verputzt und weiß getüncht, und grüner Schiefer für die Dächer genutzt.
König Christian III. und Königin Dorothea führten die Reformation in Dänemark, heute die Dänische Volkskirche, ein. Die Süd-West-Ecke von Koldinghus wurde in die erste königliche lutherische Kirche umgewandelt. Die Kapelle umfasste zwei Geschosse. Sie wurde durch ein Feuer im Jahr 1581 beschädigt und ein paar Jahre später von König Christian IV. durch eine neue Schlosskapelle neben dem Großen Turm ersetzt.
König Christian III. starb am Neujahrstag 1559 auf Koldinghus. Anschließend wurde das Schloss für die nächsten zwölf Jahre zum Witwensitz der Königin Dorothea. Weil König Friedrich II. (1559–1588) während der Lebenszeit seiner Mutter nicht heiratete, reklamierte sie für sich als Königsmutter die Rolle der First Lady im Königreich. Koldinghus blieb daher weiterhin ein Machtzentrum in Dänemark. Nach dem Tod von Königin Dorothea im Jahr 1571 fiel das Schloss an ihren ältesten Sohn König Friedrich II., der das Gebäude zur Verwaltung und zum Aufbau eines großen Gebietes königlicher Ländereien zwischen den Städten Kolding und Skanderborg nutzte. Als Wohnschloss errichtete er sich das prachtvolle Schloss Kronborg am Eingang zum Øresund.
König Christian IV. auf Koldinghus König Christian IV. verbrachte als Kind und junger Mann in den Jahren von 1583 bis 1593 lange Zeitabschnitte auf Koldinghus mit einer bescheidenen Anzahl an Dienstpersonal. Unter diesem Personal war auch ein Hauslehrer, der den Prinzen mit der grundlegenden Bildung vertraut machte. Nach seiner Krönung im Jahr 1596 begann Christian IV. seine umfangreiche Bautätigkeit mit der Sanierung von Koldinghus. Das Schloss entsprach nicht mehr den Ansprüchen einer komfortablen königlichen Residenz, war aber geeignet für offizielle repräsentative Aufgaben. König Friedrich II. hatte den Eingang zum Øresund als Standort von Schloss Kronborg gewählt. Hier trafen viele Seefahrer zum ersten Mal auf das Land unter der Kontrolle des dänischen Königs. König Christian IV. restaurierte Koldinghus, um die Besucher aus dem Süden zu begrüßen.website: Koldinghus.dk: KOLDINGHUS' HISTORIE: Christian 4.s Koldinghus, (dänisch), abgerufen am 22. Juni 2017. mini|hochkant|Koldinghus, Turm
Die Restaurierung war wegen eines Feuers, das 1597 in einer Küche im Nordflügel ausgebrochen war, notwendig geworden. Während der Flügel wiederaufgebaut wurde, nutzte König Christian IV. die Gelegenheit, den großen Turm anbauen zu lassen, ein Merkmal von Koldinghus, das bis heute Bestand hat. Außerdem ließ er eine neue und größere Kapelle bauen nach dem Vorbild der Schlosskirche im Schloss Hansburg. Oberhalb der neuen Kapelle wurde auf der gesamten Länge des oberen Geschosses des Westflügels ein neuer, großer Rittersaal eingerichtet. Mit einer Gesamtlänge von 57 Metern war diese große Halle die zweitgrößte Halle in Dänemark nach Schloss Kronborg. Der König hatte so einen repräsentativen Rahmen geschaffen, um die Regierungsgeschäfte zu führen, Prinzen zu empfangen und Lehen zu vergeben. In dem Festsaal erfolgte auch die Belehnung des Herzogs von Gottorf im Jahr 1616. Der Festsaal wurde im 17. Jahrhundert umgestaltet und in mehrere kleinere Räume aufgeteilt. Das Einzige, was an die Zeit von König Christian IV. erinnert, ist der steinerne Feuerplatz an der Nordwand. mini|hochkant|Herkules-Kämpfer, 1890
Oberhalb der Kapelle und des Festsaales ließ der König einen großen Turm bauen, auf dessen Spitze vier riesige Statuen von antiken Helden oder Giganten platziert waren. Jeder dieser Giganten hielt ein Wappen der wichtigsten Länder des Königs: Hannibal das Wappen von Dänemark, Scipio das von Norwegen, Herkules das schwedische Wappen und Hektor das Wappen des Herzogtums Schleswig. Von diesen Figuren verblieb nur Herkules mit dem schwedischen Wappen, den drei Kronen, die auch in der Zeit nach dem Dreikronenkrieg ein Symbol für die Skandinavische Union waren und den Herrschaftsanspruch des Königs auf ganz Skandinavien betonten.
Christian IV. ließ alle Treppentürme im Schlosshof erneuern und die neue Turmdekoration mit Sandstein-Toren anbringen. Er veranlasste auch die Renovierung des Brunnens in der Mitte des Schlosshofes mit einer Skulptur, die das Glück darstellen sollte, aufgestellt in einem Sandsteinbecken in der Form einer Jakobsmuschel. Der Brunnen ging nach dem Schlossbrand im Jahr 1808 verloren.
König Friedrich IV. auf Koldinghus – ein Barockschloss Die dänischen Könige des Mittelalters und der Renaissance bereisten ständig ihr Land in seiner vollen Ausdehnung. Mit der Einführung der absoluten Monarchie durch das Königsgesetz im Jahr 1660 bezogen sie eine ständige Residenz in Kopenhagen und Nord-Seeland und reisten nur zu wenigen Gelegenheiten nach Jütland. Nach den Kriegen gegen Deutschland und Schweden im 17. Jahrhundert und den sich daraus ergebenden Verwüstungen blieb Koldinghus als einziges königliches Schloss in Jütland erhalten.website: Koldinghus.dk: KOLDINGHUS' HISTORIE: Frederik 4.s barokslot, (dänisch), abgerufen am 22. Juni 2017
Im Jahr 1711 verbrachte König Friedrich IV. viele Monate in seiner Residenz auf Koldinghus. Ein schlimmer Ausbruch der Pest in Kopenhagen hatte alle diejenigen vertrieben, die es sich leisten konnten, die dänische Hauptstadt zu verlassen. Auf einem Maskenball begegnete der König Anna Sophie Reventlow, der sehr jungen Tochter des dänischen Kanzlers (dän.: statsminister), und verliebte sich in sie. Ein Jahr später entführte er sie von Schloss Clausholm und schloss mit ihr eine morganatische Ehe. Als die Königin 1721 starb, heirateten König Friedrich IV. und Anna Sophie ein zweites Mal und Anna Sophie wurde Königin von Dänemark.